Kuscheltiere aus dem Labor
Sie sehen den „Originalen“ zum Verwechseln ähnlich und sind so teuer wie ein Mittelklassewagen. Klone von Haustieren sind in Asien und den USA der letzte Schrei. Tierschützer warnen allerdings vor Eingriffen in die Natur.
Samtpfoten haben bekanntlich sieben Leben, Kätzchen „Chai“ sogar acht. Das weiße Tier starb im Jahr 2017, weil es ein Stück Verpackung verschluckte. Für seine Besitzerin, Kelly Anderson, 32, brach daraufhin eine Welt zusammen. Die Amerikanerin wandte sich an die Firma „ViaGen Pets“ in Texas, die ihren Liebling für rund 24.000 Euro klonte. Nun schmiegt sich die Doppelgänger-Katze „Belle“ verschmust an ihr Frauchen.

„‚Chai‘ und ‚Belle‘ haben einige Grundcharaktere, die ein wenig ähnlich sind. Etwa die freche und vorwitzige Art, aber das könnte an der Rasse liegen. ,Belle‘ ist jedenfalls eine völlig neue Katze“, sagt Kelly Anderson.

Klonschaf „Dolly“ lebte nur sechs Jahre
Für ihr Wunschkätzchen musste sie sich aber vier Jahre gedulden. Denn Klonen ist ein schwieriger Prozess, der nur in der Theorie einfach klingt. Mit einer Gewebeprobe des „Originals“ und einer Eizelle wird in einer „Petrischale“ der Klon gezüchtet. Ausgetragen wird er von einer „Leihmutter“. Es braucht oft mehrere Anläufe.

So auch beim Schaf „Dolly“. Es wurde 1996 als erstes
Säugetier geklont. Die Forscher am Roslin-Institut in Edinburgh (Schottland) brauchten mehr als 270 Eizellen und 29 Embryonen, bis „Dolly“ erzeugt war. Doch es starb mit nur sechs Jahren, während ihre Artgenossen doppelt so alt werden können. „Dolly“ litt an Krankheiten und hatte Alterserscheinungen. Umstände, die Forscher dem Klonen zuschrieben. Für die Wissenschaft war „Dolly“ dennoch ein Triumph. Mittlerweile wurden alle möglichen Tierarten geklont. Von Mäusen über Kühe, Pferde bis zu Affen.

Geklontes Pferd für 80.000 Euro
Das Klonen von Haustieren ist aber relativ neu. Vor allem in China, wo es 1,4 Milliarden Menschen gibt, aber laut Schätzungen nur etwa 100 Millionen Haustiere, ist ein großer Markt entstanden. Die Firma „Sinogene“ soll bereits einige hundert Klone erzeugt haben. Ein Hund kostet rund 46.000 Euro, eine Katze 33.000, ein Pferd knapp 80.000 Euro.

Wenn der geliebte Vierbeiner stirbt, ist Eile geboten. „Der Körper darf nicht eingefroren werden. Stattdessen soll er nass eingewickelt und gekühlt werden“, heißt es seitens „Sinogene“. Die chinesische Firma gibt bei Kontaktaufnahme Anweisungen, wie Gewebeproben entnommen werden.
„Sinogene“ verspricht, „dass die mit den Genen verbundenen Merkmale identisch sind“. Weiters heißt es, „das natürliche Temperament von geklonten Haustieren ähnelt dem von Spenderhaustieren, kann sich aber, je nach Umgebung, in der es aufwächst, leicht ändern.“

Tierschützer warnen jedoch. „Ein geklontes Tier kann nie ‚dasselbe‘ Tier sein, aus dessen DNA es geklont wurde“, sagt Lena Remich vom Verein gegen Tierfabriken (VGT). „Ein Klon ist dem ,Original‘ weniger ähnlich als ein eineiiger Zwilling, der sich zumindest denselben Mutterleib teilt. Klone haben zwar dieselbe DNA, jedoch nicht dieselben Erfahrungen im Mutterleib und nach der Geburt. Folglich haben sie auch nicht dieselbe Persönlichkeit, nicht denselben Charakter.“

Fehlgeburten und Missbildungen
Selbst das Aussehen ist oft unterschiedlich. „Beispielsweise hängen viele Fellzeichnungen von Einflüssen während der Entwicklung in der Schwangerschaft ab, statt von der DNA alleine. Weitere Unterschiede gehen darauf zurück, dass Gene auch unterschiedlich ‚abgelesen‘ und im Körper umgesetzt werden können.“
Remich ist überzeugt, „Firmen, die Klone anbieten, nutzen die Trauer und Verzweiflung von Menschen, die geliebte tierische Mitbewohner verloren haben und die fälschlich im Glauben sind, eine ‚Kopie‘ ihres Tieres zu erhalten. Bei Abweichungen vom ‚Original‘ reagieren Menschen dann aber womöglich negativ.

Davon abgesehen kann es bei jedem Klonen und jeder künstlichen Befruchtung etwa zu Fehlgeburten oder Missbildungen kommen.“ Umfangreiche Statistiken, insbesondere darüber, wie alt Klon-Tiere werden, liegen noch nicht vor.
Es darf auch nicht auf jene Tiere vergessen werden, die für den Klon-Prozess Eizellen spenden oder den Klon austragen. Es kann sich um extra gezüchtete Tiere handeln, die in Laboren vor sich hinleiden. „Aus Tierschutzsicht ist diese Art der Tierzucht definitiv höchst kritisch zu sehen“, weiß Remich.

Rechtlich ist bei uns ein Riegel vorgeschoben. So ist in der EU derzeit nur das Klonen von Tieren für die Lebensmittelversorgung erlaubt. Klonen ist sonst nur zu Forschungszwecken möglich.
Remich vom VGT ist überzeugt, „Es warten Heimtiere jeden Alters und fast jeder Rasse in Tierheimen und Pflegestellen auf ein neues Zuhause. Also lieber adoptieren, anstatt zu züchten oder gar klonen zu lassen.“