Auf der Kriechspur zum WM-TITEL
Starten, Gas geben oder bremsen. Welche Knöpferl und Pedale Markus Parz, 52, bei seinem Steyr Traktor Baujahr 1948 drückt, es braucht Engelsgeduld, bis das Fahrzeug reagiert. Weltmeister will er damit auf dem Großglockner dennoch werden.
Sein Bubentraum begann auf dem elterlichen Bauernhof, wo Markus Parz, 52, schon als Kind gerne schwere Landwirtschaftsfahrzeuge bewegte. Mit sieben Jahren hatte er seinen ersten Traktor-Unfall. „Ich verlor auf dem Hof meiner Eltern in Ettendorf (K) die Kontrolle über unseren Traktor und donnerte in ein Auto hinein“, kann der gelernte Maschinenschlosser heute herzlich darüber lachen. „Damals allerdings haben mich meine Eltern längere Zeit nicht fahren lassen.“

Doch das Traktor-Fieber kam zurück, sogar doppelt so heftig. „Es erfasste mich zum zweiten Mal, als ich schon etwa 40 Jahre alt war und mir einen Traktor-Oldtimer kaufte, einen 26er Steyr Kurzschnauzer Baujahr 1948 mit 26 PS“, erzählt Parz. Drei Monate lang stand er jeden Tag in seiner Garage in Wolfsberg (K) und renovierte das alte Gerät von Grund auf. Er tauschte nahezu jeden Teil aus, erneuerte den Motor und schmierte die Ventile. Dann trat Parz dem Verein „Oldtimerfreunde Wolfsberg“ bei und nahm in Folge sieben Mal an der traditionellen Traktor-Weltmeisterschaft teil, die jährlich auf den Großglockner führt – mit Erfolg. „Vor vier Jahren wurde ich in der Teamwertung mit meinen Vereinsfreunden Vizeweltmeister, beim vorigen Bewerb gewann ich mit meinem Steyr die Klasse der vor 1950 erbauten Traktoren“, berichtet er stolz.

Mit 15 Stundenkilometern den Großglockner hinauftuckern
Bei der WM, die diese Woche (15. bis 18. September) vom Tourismusverband Bruck-Fusch-Großglockner veranstaltet wird, gelten allerdings eigene Gesetze. Hier geht es nicht um Kopf-an-Kopf-Rennen und Top-Geschwindigkeiten, stattdessen siegt jener Fahrer, der bei der rund eineinhalb bis zwei Stunden dauernden Bewerbsfahrt die Geschwindigkeit am gleichmäßigsten einhalten kann.
„Uns wird beim Start ein Tempo vorgegeben, das sich in der Regel bei 15 km/h bewegt“, beschreibt Parz den Modus. „Obwohl die Traktoren teilweise achtzig Jahre alt sind, entscheiden sich die Bewerbe häufig im Hundertstelsekundenbereich. Letztlich musst du es vor allem im Gefühl haben, wie dein Traktor funktioniert, und die vielen Sekunden Reaktionszeit einberechnen, bis er aufs Gasgeben oder eine Lenkbewegung reagiert.“

Ob Sieg oder Niederlage, jedes Mal, wenn er am Start steht, setzt bei ihm das große Kribbeln ein. „Dann werde ich nervös und mich erfasst ein ehrgeiziges Rennfieber, auch wenn es gar nicht um Preisgelder oder große Geschwindigkeit geht. Denn eigentlich ist ja die Fahrt auf den Großglockner bei diesem tollen Bergpanorama jedes Mal für sich schon ein Traumerlebnis.“ Alle Wetterverhältnisse lernte er dabei kennen, jedes hat seinen eigenen Reiz. „Ich fuhr schon bei Schnee, Regen oder Hitze, immer ohne Verdeck. Einmal hat mir der Regen die Stoppuhr ruiniert, dann fährst du halt trotzdem weiter und hoffst aufs Beste“, lacht er.

Für den Kärntner ist sein Steyr Traktor inzwischen zum „halben Familienmitglied“ geworden, wie er sagt. „Er ist wirklich für die Ewigkeit gebaut, weil er so einfach und ohne störanfällige Elektrik konstruiert ist.“
Das Fahrzeug erreicht maximal 27 km/h und braucht auf der Glocknerstraße 25 Liter Sprit pro 100 km. Auf Ehefrau Friederike, die in der Kärntner Landwirtschaftskammer arbeitet, ist der Traktor-Virus allerdings noch nicht übergesprungen. „Es bleibt mein persönliches großes Hobby“ betont Parz, der beruflich in Wolfsberg einen Maschinenschlosserbetrieb führt. Leidenschaftlich gern, wie er betont. „Für mich ist jeder Tag in der Arbeit wie Urlaub“, sagt der 52jährige.