Ein Leben als geweihte Jungfrau
Sie versprechen öffentlich ehelose Keuschheit und wollen ganz Jesus gehören. Anders als Nonnen, gehen geweihte Jungfrauen weiter ihrem zivilen Beruf nach. In unserem Land haben sich rund 50 Frauen für diesen Weg entschieden, weltweit folgen etwa 5.000 ihrer Berufung.
Eine bunte „Hochzeitsgesellschaft“ hatte sich im Salzburger Dom versammelt, als Bernadette Lang, 31, am 15. August im weißen Brautkleid den Weg zum Altar beschritt. Dort wartete aber kein irdischer Bräutigam, denn die Braut ging den Bund fürs Leben mit Jesus ein.

Ihre Berufung ereilte Bernadette Lang schon mit 14 Jahren. Trotzdem war es noch ein langer Weg zur Jungfrauenweihe für die gebürtige Oberösterreicherin, die auch Mitglied der katholischen Loretto-Gemeinschaft ist. Als junges Mädchen in einer Beziehung mit einem Mann, spürte sie, „da ist etwas anderes“. Mit 21 gab sie das erste Mal ein Versprechen ab, Gott exklusiv zu gehören. Vorerst für ein Jahr.
Keinen Sex zu haben, in der heutigen Zeit, „ist definitiv eine krasse Entscheidung“, sagte Lang darüber. Trotzdem hat sie ihr Versprechen insgesamt neun Mal erneuert. „Dann habe ich mir gedacht, ich bin in meiner Berufung so sicher wie noch nie.“

Die Wahl-Salzburgerin und Theologin Bernadette Lang beschloss „diese Sehnsucht“ durch ein Leben als geweihte Jungfrau sichtbar zu machen. So wie etwa 50 andere Frauen in unserem Land. Weltweit gibt es mehr als 5.000 geweihte Jungfrauen, Tendenz steigend. Diese kirchlich anerkannte Form des gottgeweihten Lebens für Frauen geht etwa auf das dritte Jahrhundert zurück. Frauen-Ordensgemeinschaften in Klöstern entstanden erst viel später.

„Eine Frau, die ihr Versprechen der Ehelosigkeit bei einer Jungfrauenweihe abgelegt hat, lebt ihre Ehelosigkeit in der Welt und geht ihrem zivilen Beruf nach. Eine Nonne legt ein Gelübde ab, das drei Bereiche betrifft: Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut und sie lebt in einer Klostergemeinschaft“, erklärt Dr. Gerhard Viehhauser, Bischofsvikar für Ehe und Familie in Salzburg den Unterschied. Nonnen können ihr Gelübde auch ablegen, wenn sie zuvor bereits verheiratet waren. Für die Jungfrauenweihe war hingegen neben der Ehelosigkeit auch die physische (körperliche) Jungfräulichkeit Voraussetzung. „Das ist nach geltendem Recht nicht mehr notwendiges Erfordernis“, sagt Viehhauser, das hänge aber auch vom jeweiligen Ortsbischof ab.

Mit ein Grund, warum auch die Jungfrauenweihe von Bernadette Lang für viele Diskussionen gesorgt hat. „Die Lebensform der jungfräulichen Ehelosigkeit für Christus und ein Leben in der Kirche sind nur im Glauben verstehbar und lebbar“, sagt der Bischofsvikar. Die Entscheidung von Frauen für die Jungfrauenweihe kann er gut nachvollziehen. „Wer Christus einmal wirklich erfahren hat, der kann verstehen, dass Christus auch zu so einem Leben berufen und befähigen kann.“

In der Regel leben Bewerberinnen schon längere Zeit in einer Bindung an Jesus. Sie sollten nicht jünger als 30 Jahre sein und in ihrer Persönlichkeit gefestigt. Als äußeres Zeichen des ewigen Bundes mit Gott tragen geweihte Jungfrauen einen Ring, wie bei einer weltlichen Ehe auch.

„Ich trage den Ring als Zeichen meiner Verbindung mit Gott“
Sarah König (Name von der Redaktion geändert) hat sich vor mehr als zwölf Jahren für das Leben als geweihte Jungfrau entschieden. Für die Mitte-Vierzigjährige war es ihr Weg, diese innere Berufung – in Liebe zu Jesus ehelos zu leben – nach außen sichtbar zu machen.

Frau König, wann haben Sie die Entscheidung für die Jungfrauenweihe getroffen?
2005 hatte ich eine besondere Erfahrung der Nähe Gottes. Es dauerte noch einige Zeit, bis für mich klar war, dass meine Berufung ein eheloses Leben um des Himmelreiches Willen miteinschließt. Immerhin hätte ich ja genauso gut als Ehefrau meinen Glauben leben können.

Warum haben Sie diesen Lebensweg eingeschlagen?
Zu dieser Zeit gab es auch einen Mann, in den ich verliebt war. Ich merkte dann aber, so wie ich mich in meinem Herzen Gott bereits geschenkt hatte, kann ich mich einem Mann nicht mehr schenken. Ich glaube, das kann man schwer verstehen, wenn man es nicht persönlich erlebt hat. Schon als Teenager habe ich nach „Mehr im Leben“ gesucht. Die Bibel sagt in 1 Kor 2,9: „… wir verkündigen … was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“

Was hat Sie so sicher gemacht, enthaltsam leben zu können?
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo im Leben. Primär die sexuelle Enthaltsamkeit in den Vordergrund zu stellen, halte ich für den falschen Blickwinkel. Tatsächlich geht es wie bei allen anderen Berufungen zum gottgeweihten Leben in erster Linie darum, Gott zu lieben und Jesus und der Kirche zu dienen, je nach den persönlichen Gaben und Talenten. Gemäß der Bibel ruft Gott einige Menschen zum Leben in Ehelosigkeit. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit war in unserer Gesellschaft „Jungfrau“ eine ganz neutrale Bezeichnung für die unverheiratete Frau. Wer Sexualität oder die Ehe ablehnt, ist jedenfalls definitiv nicht zum Empfang der Weihe geeignet.

Haben Sie je an Ihrer Entscheidung gezweifelt?
Hübsche Männer kommen auch bei mir immer wieder einmal vorbei. Herausfordender finde ich manchmal innerkirchliche Spannungen.

Wie haben Familie und Freunde auf Ihre Entscheidung reagiert?
Es gab schon relativ am Anfang dieses Weges eine kleine Feier mit Freunden, bei der ich einen Bund mit Gott geschlossen, das heißt, ein Versprechen gemacht habe, mein Leben in besonderer Weise mit ihm zu gestalten. Seitdem trage ich den Ring (als Zeichen meiner Verbindung mit Gott analog zu einer Ehe), den mir der Bischof bei der Weihe dann noch einmal offiziell als Vertreter der Kirche angesteckt hat. Da mich meine Eltern ungewöhnlicherweise nicht auf den Ring angesprochen haben, habe ich von mir aus davon erzählt. Sie meinten daraufhin, sie hätten sich schon gedacht, dass das etwas mit Jesus zu tun hat. Die Menschen, die meinen inneren Prozess mitbekommen haben, konnten meinen Weg alle gut nachvollziehen.

Warum gottgeweihte Jungfrau und nicht gleich Nonne?
Es sind zwei verschiedene Berufungen. Bei uns ist heutzutage das Ordensleben der bekanntere Weg. Geweihte Jungfrauen gab es allerdings historisch gesehen bereits viel früher. Wie die Welt-Priester sind wir keinem Orden zugehörig, sondern der Ortskirche und dem Bischof unterstellt. Ich brauche eine praktische Herausforderung für Kopf, Hand und Herz, bin im medizinischen Bereich tätig und möchte zu unterschiedlichen Menschen Kontakt haben. Ich wundere mich immer wieder, warum es sichtlich ein wenig schwer in die Köpfe der Menschen geht, dass eine Frau selbstverantwortlich ein gottgeweihtes Leben führen kann. Ungewöhnlicherweise fehlt allerdings in Österreich weitgehend die strukturelle kirchliche Einbindung aufgrund der Weihe.

Wie haben Sie Ihren Tag der Jungfrauenweihe erlebt? War das auch so eine riesige Zeremonie wie bei Frau Lang im Salzburger Dom?
Der ordentliche Ort dieser öffentlichen Feier ist tatsächlich die Bischofskirche. Häufig wird allerdings entweder die Heimat-Pfarre gewählt oder die Kapelle im Bischofshaus. Zu meiner Weihe habe ich etwa 40 Menschen eingeladen, die diesen Weg ein wenig verfolgt oder begleitet haben. Die medienwirksame Inszenierung in Salzburg hat schon auch mit der jungen Gemeinschaft zu tun, der Frau Lang angehört.