Kein Öl, kein Gas, was nun?
Die Grünen wollen Gasheizungen in Neubauten verbieten. Aber auch bestehenden Öl- und Gasheizungen droht das Aus bis 2040. Die Umrüstung auf Alternativen ist nicht billig.
Ein Einbauverbot für Gasheizungen in Neubauten soll es schon bald geben. Langfristig ist auch ein völliges Betriebsverbot für Öl- und Gasheizungen geplant. Die Grünen wollen raus aus Öl und Gas, auch in den Privathäusern und -wohnungen.

Unabhängigkeit von fossiler Energie wollte die ORF-Wetter-Moderatorin und Klimatologin Christa Kummer bereits vor 17 Jahren erreichen. Deshalb beheizt die 57jährige ihr Haus in Niederösterreich mit Erdwärme. „Dafür war eine 128 Meter tiefe Bohrung nötig. Die Regeleinheit im Haus hat die Größe eines Kühlschrankes und wenn sie in einem eigenen Raum im Keller steht, ist davon nichts zu hören“, erklärt Kummer, die hochzufrieden ist mit der Investition. „Jetzt, nach 17 Jahren, sind zwei Drittel der Investitionskosten abgedeckt, weil ich weniger für Strom zahlen muss.“
Mit der Erdwärme erhitzt sie im Winter Wasser für die Fußbodenheizung. Im Sommer kann sie das selbe System zur Kühlung der Räume verwenden. Um die ohnehin niedrigen Stromkosten weiter zu reduzieren, kommt nun noch eine Photovoltaikanlage zum Einsatz.

Wärmepumpen und Holz statt Öl und Gas
Bei Neubauten sind Ölheizungen seit 2020 verboten. Jetzt sollen auch die Gasöfen „illegal“ werden. Als Alternativen empfehlen Experten Wärmepumpen, Holz oder Fernwärme. Wobei bei letzterer in Wien die Ankündigung einer Preiserhöhung um 92 Prozent für Unmut sorgt.
„Die Wärmepumpe ist eine äußerst energieeffiziente Art des Heizens“, erklärt Georg Trnka, der Experte für Heizsysteme bei der Österreichischen Energieagentur (AEA). „Natürlich heize ich mit Strom, aber die Wärmepumpe kann mit einem Faktor von 3,5 bis 5 diesen Strom in Wärme umwandeln.“
Am billigsten in der Anschaffung kommt dabei die Luft-Wärmepumpe. Dabei wird die Außenluft zum Heizen verwendet. Das funktioniert im Prinzip wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt.

Wird Erdwärme verwendet, „gibt es zwei technologische Varianten. Entweder mit einer Tiefenbohrung 100 bis 200 Meter in die Erde oder durch einen Flächenkollektor. Dafür muss aber zumindest ein Teil des Gartens aufgegraben werden.“
Die Nachfrage nach dieser Heizungsart ist im Steigen. Erdwärme wird bisher vor allem bei Einfamilienhäusern eingesetzt. „Aber das gleiche Konzept lässt sich vergrößern, für Bürogebäude oder Einkaufszentren. Der neueste Trend sind lokale Wärme- und Kältenetze, die damit betrieben werden“, sagt Gregor Götzl von „Geothermie Österreich“.

Der Boden als Wärmespeicher
Die Wärmespeicherfähigkeit des Bodens kann bei solchen Projekten „als saisonaler Speicher genutzt werden“, erklärt der Geophysiker. „Die Abwärme, die durch die Raum-Kühlung entsteht, wird in den Boden geleitet und im Winter wieder zum Heizen verwendet.“ Bei einem innovativen Wohnprojekt in Wien wird das Erdreich im Sommer mit Hilfe von Sonnenenergie aufgewärmt, um die somit gewonnene Energie im Winter wieder zu nutzen.

Aber auch Holz, in Form von Pellets oder Holzscheiten, ist eine Alternative für Privathäuser. „Die Pellets-Heizung ist relativ unkompliziert in der Handhabung“, weiß Georg Trnka. „Ein Mal im Jahr kommt die Pellets-Lieferung.“ Die Pellets „wandern“ dann mittels Saugzug automatisch in die Heizung. „Es muss nur regelmäßig die Asche-Lade geleert werden.“ Das Heizen mit Stückholz ist im Vergleich dazu etwas aufwändiger. Für beides ist aber jedenfalls ein Raum zur trockenen Lagerung notwendig.
Für die Fernwärme braucht es am wenigsten Platz im Haus. Nur „eine Übergabestation und ein bis zwei Wärmetauscher“ sind vorzusehen.

Sonnenenergie bietet sich vor allem zum Kombinieren an. „Eine Solarthermie-Anlage zur Warmwassererzeugung kann etwa gut mit einer Pellets-Heizung kombiniert werden.“ Der durch eine Photovoltaik-Anlage erzeugte Strom kann bei einer Wärmepumpe eingesetzt werden.
Wer bei einem bestehenden Haus das Heizungssystem tauscht, muss tief in die Tasche greifen. Denn um etwa eine Wärmepumpe sinnvoll einsetzen zu können, sollte bei einem Altbau zuerst eine thermische Sanierung durchgeführt werden, also das Haus dämmen und eventuell neue Fenster einbauen. Ist das nicht möglich, rät Georg Trnka zu einer Pellets- oder Stückholzheizung.

Die Wohnungs-Gastherme ist schwer zu ersetzen
Vor einem größeren Problem stehen Wohnungs-Eigentümer in Häusern, wo jede Wohnung einzeln mit Gasthermen „erwärmt“ wird. Denn für einen Heizungs-Umstieg ist ein zentrales Leitungssystem notwendig.

Aber auch „grünes Gas“ etwa aus landwirtschaftlichen Abfällen wurde zuletzt von der Wirtschaft immer wieder als Alternative gepriesen. Ob es Erdgas in Privathaushalten ersetzen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Wie teuer ein Heizungstausch wird, ist unterschiedlich. Muss das gesamte Heizsystem eines Einfamilienhauses ausgetauscht werden, „ein neuer Kessel, neuer Warmwasserspeicher, neue Pumpen sowie die Durchführung einer Kaminsanierung, dann ist bei der Holzheizung mit Kosten von rund 20.000 Euro zu rechnen“, erklärt der Experte Trnka. „Auch die Installation einer Luft-Wärmepumpe kommt auf rund 20.000 Euro.“ Bei einer Tiefenbohrung oder einem Flächenkollektor kommen noch 5.000 bis 10.000 Euro dazu. Bei der Fernwärme kommt es darauf an, wie nahe das Netz ist.

Die Regierung fördert derzeit den Ausstieg aus Öl und Gas mit bis zu 7.500 Euro. Dazu können noch Bundesländer-Zuschüsse kommen.