Minigolf auf dem Billardtisch
Es wird abgeschlagen, eingelocht und eine Art Minigolfball versenkt, allerdings auf einem Tisch und unter Zuhilfenahme eines Queues. „Pit-Pat“ ist eine Kreuzung von Minigolf und Billard, am Wochenende treffen sich Europas Beste, um ihre Meister zu krönen.
Als Jugendlicher knallte Hubert Lemmerer, 73, auf Schiern Renn-Bestzeiten in den Schnee, danach spielte der gelernte Maschinenschlosser jahrelang Billard. Heute ist „Pit-Pat“ die große Leidenschaft des Niederösterreichers, das mitunter auch „Hindernisbillard“ oder „Tisch-Minigolf“ genannt wird.
Mit 17 Meistertiteln, zehn davon im Einzel, ist der heutige Pensionist zur Galionsfigur der rot-weiß-roten Szene aufgestiegen. „Dieser Sport hat seinen eigenen Reiz, der mich von Anfang an fasziniert hat“, verrät er. „Im Gegensatz zu Billard muss sich hier jeder intensiv mit Wind und Wetter auseinandersetzen. Jedes Grad Lufttemperatur macht einen großen Unterschied, wie der Ball von der Bande wegspringt.“

Den Spielern stehen dabei dutzende Bälle verschiedener Härtegrade mit verschieden glatten Lackoberflächen zur Verfügung. Statt digitaler Messgeräte verwendet Lemmerer zur Auswahl lieber seine Haut. „Ich halte mir den Ball zur Temperaturprüfung an die Wange, dort habe ich das beste Gefühl.“ Die Faustregel lautet: Je kälter, je härter und je glatter lackiert Bälle sind, desto weniger springen sie von der Bande weg. Feuchte Verhältnisse lassen den Ball ebenfalls mäßiger wegspringen, im Gegensatz zum Billard und Minigolf wird beim Pit-Pat kein Schnitt (Drall) eingesetzt.
Lemmerer hält einen einsamen heimischen Rekord, auf den er stolz ist. „Ich bin der einzige Österreicher, der schon einmal 18 Asse bei einem Turnier hingekriegt hat, das heißt, alle 18 Bahnen mit nur einem Schlag zu bewältigen“, berichtet der Neusiedler (NÖ), er eroberte auch schon ein Mal Silber und zwei Mal Bronze bei einer Europameisterschaft. Derzeit allerdings rangiert eine Dame noch vor ihm an der Speerspitze der heimischen Elite.

Sabrina Niederl, 31, konnte zuletzt die heimische Meisterschaft für sich entscheiden, die – ungewöhnlich im Sport – stets geschlechtergemischt stattfindet, wie auch die EM. „Ich spiele seit meiner Kindheit Pit-Pat, ebenso wie mein Vater, meine Stiefmutter, meine Tante und meine Großeltern“, meint die Steirerin aus Feldbach schmunzelnd. Papa Andreas war sogar rot-weiß-roter Meister. Bei der am Wochenende in Pernitz-Neusiedl (NÖ) stattfindenden EM werden Niederl ebenso wie Lemmerer gute Medaillenchancen eingeräumt. „Meine Devise auf dem Platz wird sein, nicht zu viel nachzugrübeln“, gesteht die gelernte Bürokauffrau. „Ich bin ein Mensch, der immer nach seinem Bauchgefühl geht.“

Die 18 dabei zu spielenden und auf jeder Anlage gleich gestalteten Bahnen sehen aus wie Minigolfbahnen auf Tischbeinen, auch die Regeln sind fast ident. Vom Abschlagpunkt weg muss, mit einem Queue und mit Billard-artiger Technik, ein Minigolf-ähnlicher Ball mit möglichst wenigen, aber maximal sechs Schlägen ins Loch gespielt werden. Wurden weniger Schläge als der Gegner benötigt, ist das Spiel gewonnen.
Bei der EM liegt die Latte hoch, mindestens die Hälfte aller Bahnen muss mit nur einem Schlag bewältigt werden, um eine Chance auf Medaillen zu haben. Am Anfang steht ein Gruppenmodus, danach folgt für jeweils zwei Auftsteiger eine K.-o.-Runde, wobei ein Akteur selbst nach einer Niederlage noch über eine Art „Hoffnungsrunde“ weiterkommen kann.

Jeder kann an der EM teilnehmen
Erfunden wurde die Disziplin Pit-Pat vor rund 40 Jahren in Deutschland und kam wenig später zu uns. „Heute verfügen wir hierzulande über fünf Vereine und etwa 45 Anlagen“, erzählt Verbandsobmann Guido Krenn, 55. „Ein positiver Aspekt unseres Sports ist, dass er von jedem Kind schnell zu erlernen und für zwei, drei Euro Gebühr auf jeder Anlage samt Leih-Queue kostengünstig auszuüben ist.“ Bei der EM erwartet der Obmann rund 50 internationale Starter, vor allem aus Deutschland und der Schweiz. Die Qualifikationsregeln überraschen, es gibt keine. „Jeder, der möchte, kann ohne Vorleistung am Samstag herkommen und für die Jahresmitgliedsgebühr von 6,50 Euro mitmachen“, versichert Krenn.

Pit-Pat-Anlagen in unserem Land (Auswahl):
Seepark Weiden,
7121 Weiden am See (Bgl.)

Pit-Pat-Club-Pernitz,
Stadionstraße 9, 2763 Neusiedl (NÖ)

Pit Pat Mostviertel,
Waldbadstr. 27, 3124 Oberwölbling (NÖ)

Wam’s Minigolf, Schloßpromenade 14,
4861 Schörfling/Attersee (OÖ)

Kulmberghof,
Höflach 5, 8330 Gossendorf (Stmk.)

Böhmischer Prater,
Laaer Wald 36, 1100 Wien

WAT, Am Wasserpark 1-7, 1210 Wien

Volksgarten,
Ignaz-Rieder Kai 1, 5020 Salzburg

Freizeitanlage,
Trisannaweg 14, 6561 Ischgl (T)