Wie ein Gelage bei den alten Rittern
Im Kellergewölbe geht‘s rund. Da fließt der Met in Strömen, die Tische biegen sich unter der Vielzahl an herrlichen Speisen und der Gaukler macht seine Späße. Burgfräulein und Rittersleut sorgen für Stimmung, wenn in der Ritterkuchl zu Hall in Tirol aufgetischt wird.
Die Becher klirren, auf den Tellern türmt sich das Fleisch und der Saal ist erfüllt von Heiterkeit. In einem großen, offenen Kamin lodert das Feuer. Ein Gelage wie zur Zeit der alten Ritter ist im Gange und das in der ältesten Stadt Tirols, in Hall.

Schwere Eisentore bilden den Eingang zu diesem ritterlichen Schmaus, der von Doris und Martin Geishauser gestaltet wird. Ein regelmäßiges lukullisches Abenteuer im Haus Salvatorgasse Nummer sechs, es beherbergt die Ritterkuchl zu Hall. Die 42jährige Wirtin war mehr als zehn Jahre lang Betriebsleiterin in der Ritterkuchl. Seit dem vergangenen Jahr ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin die Chefin des Hauses, in dem die Liebe zum Detail und zu Geschmackvollem erkennbar ist. Vermutlich liegt es auch daran, dass sich das Ehepaar hier kennengelernt hat.
„Ich kam mit einem Freund in die Ritterkuchl, um deftig zu speisen. Als ich Doris zum ersten Mal sah, war es um mich geschehen“, sagt der 33jährige und lächelt. Der gebürtige Kärntner hat sich der Destillerie verschrieben und so kam es, dass er mit seinen edlen Tropfen „Anno 1940“ immer wieder die Ritterkuchl zu Hall aufsuchte, um seiner Angebeteten nahe zu sein.

Unter diesem Namen stellt er mit ausgewählten Zutaten und nach traditionellen Rezepturen feinste Schnäpse, Brände und Liköre her. Gemeinsam ist den motivierten und ideenreichen Geishausers wichtig, die rar gewordene Gastronomie-Ebene des Ritteressens mit Tradition und Rustikalität aufrechtzuerhalten. Dafür stehen mehrere Räumlichkeiten zur Verfügung.

Spaß in der Gesindekammer
Der Rittersaal mit Platz für 55 Personen ist das Herzstück der historischen Gaststätte, die im Jahr 1936 ihre erste Erwähnung fand. Der offene Kamin und das Kreuzgewölbe, das auf Steinsäulen thront, lassen die Gäste in längst vergangene Zeiten eintauchen. Im Fürstenzimmer (es bietet Platz für 15 Personen) laden Burgfräulein und Edelmann ihr Gefolge an die fürstliche Tafel. In der Knappenstube (sie bietet Platz für zehn Personen), dort, wo einst die Knappen nach getaner Arbeit zechten, haben nun edle Ritter und Maiden ihr Stelldichein. Verborgen im hinteren Teil der Ritterkuchl betreten Besucher die Gesindekammer mit Platz für 40 Personen. Mit Bänken und langen Tafeln ausgestattet, bietet sie genügend Raum für ausgelassene Feiern. Schließlich bleibt das Narrenzimmer (es bietet Platz für 40 Personen). Es wurde zu Ehren Kunz von der Rosen benannt, der unter dem deutschen Kaiser Maximilian I. zum beliebtesten Hofnarr aufstieg.

Dementsprechend beginnt auch heute das ritterliche Gelage, erklärt Martin Geishauser. „Begrüßt werden die Gäste von unserem Spielmann und Gaukler. Danach stoßen die Gäste mit einem Becher voll Met-Wein an, ehe sie mittelalterlich verwöhnt werden.“
„Wenn Eure Bäuche leer und Ihr bereit seid, sie zu füllen, eure Kehlen trocken und Ihr sie tränken wollt, eure Herzen voller Humor und Ihr bereit seid, ihn zu teilen, so öffnet die schwere Eisentür und erlebt einen Gaumenschmaus wie zu König Arthus Zeiten“, ruft der Gaukler in den Raum. Die Tafelrunde kann aus einer Vielzahl von Menüangeboten wählen. Etwa der fünfgängigen Knappentafel (33 Euro/Person), der sechsgängigen Burgfräuleintafel (38 Euro/Person), dem fünfgängigen Törggele Schmaus oder dem „Escape Dinner“. Hier gilt es, Rätsel zu lösen und zu schmausen (30 Euro/Person).

Den Höhepunkt bietet freilich die achtgängige Rittertafel (45 Euro/Person). Mit hausgemachter Sulz vom Tafelspitz mit frischem Schnittlauch und Kren, Liptauerdip und Verhackertes. Gefolgt von Lothringer Eierkäsekuchen mit Zwiebelsauce. Nach der Suppe wird geschmorte Kaninchenkeule auf Bulgur serviert, dann ein pochiertes Zanderfilet auf cremigen Dill-Gurken und als Krönung der Rittertafel folgen das überkrustete Wildschweinbratl, Ripperln und Hühnerkeulen, dazu serviert die Maid Erdäpfel und Mais sowie eingemachtes Frühkraut.
„Und zwischendurch wird immer wieder einmal einem Burgfräulein ein Verlobungsring angesteckt“, weiß die Wirtin. „Ja, so sans, die alten Rittersleut.“

Knusprige Spanferkelkeule
Zutaten:
1 Spanferkelkeule, 3–4 Knoblauchzehen, 1 Tasse Wasser, Salz, ev. Schmalz
Zubereitung:
Die Keule säubern, abtrocknen, kräftig salzen und mit den Knoblauchzehen spicken. 4 bis 6 Stunden ziehen lassen. Backofen auf 200 Grad vorheizen, 60 Minuten braten, bis sie gut „medium“ ist.
Den Backofen auf Oberhitze stellen und die Keule mit einer Salzwasserlösung – so viel Salz in das Wasser geben, bis dies gesättigt ist – laufend einpinseln und 10 Minuten braten. Soll die Keule knusprig sein, kann die Bratenzeit verlängert werden. Soll die Keule saftig sein, muss sie öfters mit Schmalz eingerieben werden.

Getränke-Tipp:
Der Stubaier Honig-Met, von den alten Griechen als „Nektar der Götter“ bezeichnet, galt als Tau, der vom Himmel geschickt und von den Bienen gesammelt wurde.
Der Stubaier Met wird in der Imkerei Span seit Jahrzehnten nach derselben Rezeptur hergestellt. Die Grundlagen bilden feinster Stubaier Gebirgshonig und reines Quellwasser.
Dieser Met wird schonend verarbeitet, damit er sein einzigartiges, leicht süßliches Aroma erhält. Er ist somit eine wahre Gaumenfreude für Genießer.
1/4 Liter kostet € 5,60.