„Trotz Demenz schlägt sich Mama tapfer“
Janina Hartwig, 59, sagt als Nonne „Hanna“ dem Kloster „Lebwohl“. Nur noch zwei Folgen ist sie in der Fernsehserie „Um Himmels Willen“ (Di., 8. und 15. 6., ARD, 20.15 Uhr) zu sehen. Die Schauspielerin spricht im Interview über einen Abschied mit Tränen und Champagner, darüber, wie die langjährige Rolle ihr Privatleben prägte und warum sie auf ihre Mama stolz ist.
Frau Hartwig, wie schwer ist Ihnen der Abschied von Ihrer Rolle als „Schwester Hanna“ gefallen?
Der Abschied war alles andere als leicht. Am letzten Drehtag habe ich Champagner ausgegeben, wir haben etwas gegessen, geplaudert und wirklich viel geweint. Aber was nützt es, man muss professionell bleiben. Denn das Kloster ist nun leergeräumt und die Kostüme werden eingemottet.
Ist da ein bitterer Beigeschmack?
Ich würde sage, ein Hauch von Traurigkeit. Die Serie war beliebt, trotzdem entschieden sich die Verantwortlichen, keine neue Staffel mehr zu produzieren. Wahrscheinlich ist es die richtige Entscheidung, dann aufzuhören, solange wir uns noch auf einem hohen Niveau bewegen.
Ihr Serien-Partner Fritz Wepper, 79, lag bis vor Kurzem wegen seiner Krebserkrankung auf der Intensivstation. Er befindet sich nun auf Reha. Wissen Sie, wie es ihm geht?
Ich habe gehört, dass sich Fritz auf dem Wege der Besserung befindet, was mich riesig freut. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute und freue mich schon darauf, wenn ich mit ihm im Sommer auf dem nachzuholenden Abschlussfest von „Um Himmels Willen“ anstoßen kann.
Sie waren 15 Jahre lang die Nonne. Wie hat sich Ihre Arbeit auf Ihr Privatleben ausgewirkt?
Die Rolle war für mich lebensbestimmend und beruflich wie privat ein Segen. Wir sind als Team in all den Jahren zusammengewachsen. Aber irgendwann hat alles ein Ende. Ich empfinde viel Dankbarkeit.
Wie viel von „Schwester Hanna“ steckt in Ihnen? Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Ich gehöre keiner Religion an. Aber ich glaube schon, dass es zwischen Himmel und Erde etwas gibt, das sich mit dem Verstand nicht erklären lässt.
Glauben Sie an Schutzengel?
Sehr wohl, denn ich erlebe immer wieder Momente, in denen ich überzeugt bin, dass mein Schutzengel am Werk ist. Vor allem, als meine beiden Kinder noch klein waren, habe ich oft gespürt, dass meine Tochter und mein Sohn von Schutzengeln begleitet werden.
Amelie ist 32, David 17. Die beiden liegen altersmäßig weit auseinander. War das für Sie als Mutter eine Herausforderung?
Bis zu einem gewissen Grad schon. Zum einen war es für mich wunderbar, mit 43, auf den letzten Drücker, ein zweites Mal schwanger zu sein. David war ein absolutes Wunschkind. Zudem finde ich, dass einen Kinder jung halten. Allerdings war es nach so manchem anstrengenden Drehtag schon hart. Wenn ich todmüde war und einfach nur auf dem Sofa herumliegen wollte. David, der ein äußerst aufgeweckter Bub war, machte mir einen Strich durch die Rechnung. Er ließ mir keine Ruhe, ich musste mit ihm herumtollen, raufen und spielen. Oder am Wochenende mit ihm auf den Fußballplatz fahren, anstatt gemütlich im Liegestuhl ein Buch zu lesen.
Ist Ihnen das manchmal zu viel geworden?
Manchmal bin ich durchaus an meine Grenzen gestoßen. Da ging es mir nicht anders als Millionen Frauen, die versuchen, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Aber ich halte mir immer vor Augen, dass ich nicht allem und jedem gerecht werden kann. Dann sage ich, bis hierher und nicht weiter. Aber ich musste erst lernen, rechtzeitig zu sagen, Schluss, jetzt bin ICH dran.
Sie haben sich von beiden Vätern Ihrer Kinder getrennt. Hat Sie das belastet?
Ich habe mir die Entscheidung damals beide Male nicht leicht gemacht. Aber ich fand es auch im Sinne der Kinder besser, mich zu trennen. Natürlich ist es ein großes Glück, wenn nicht gar ein Geschenk, wenn es anders läuft. Meine Eltern waren mir in dieser Hinsicht immer ein Vorbild. Es war wunderschön für mich zu erleben, wie meine Mutter und mein Vater gemeinsam alt geworden sind. Die beiden haben einander gut getan. Mein Vater spielte bis zu seinem 84. Lebensjahr zwei Mal in der Woche Tennis – trotz Herzschrittmacher. In dem Jahr, als er einen Tag vor seinem 87. Geburtstag starb, feierten die beiden ihren 60. Hochzeitstag.
Wie geht es Ihrer Mutter?
Nach all den Jahren ihren Mann, den wichtigsten Menschen, zu verlieren, war ein einschneidendes Erlebnis für meine Mutter. Sie war schon leicht an Demenz erkrankt, als mein Vater noch lebte. Durch seinen Tod hat sich ihre Erkrankung verschlimmert. Sie lebt mittlerweile in einem Heim in Berlin (D). Mir ist schmerzlich bewusst, dass ihre Krankheit einen schweren Verlauf haben kann. Derzeit scheint meine Mutter Glück im Unglück zu haben. Noch ist nur ihr Kurzzeitgedächtnis von der Demenz betroffen.
Ist es schwierig, mit der Mutter ein ganz „normales“ Gespräch zu führen?
Ich gehe mit ihr so um wie immer. Eigentlich sind ganz normale Gespräche möglich. Trotz ihrer Demenz schlägt sich Mama tapfer. Ich bin stolz auf sie, weil sie großartig mit den schwierigen Umständen umgeht. Körperlich ist sie mit ihren 90 Jahren erstaunlich gut beisammen. Ich glaube, es ist ihre positive Einstellung und ihre Lebensfreude, die meiner Mutter Kraft geben, mit dieser Krankheit so gut wie möglich zu leben.
Sie werden demnächst 60. Könnten Sie sich vorstellen, Großmutter zu sein?
Absolut, ich hätte überhaupt nichts dagegen, Oma zu werden. Meine Tochter Amelie und ihr Freund lassen sich aber offensichtlich noch Zeit. Es ist noch nicht so lange her, dass mein Sohn David ein Kind war. Was die Betreuung von Babys anbelangt, bin ich sicher noch gut in Übung. Ein Enkerl wäre herzlich willkommen.
Würden Sie noch einmal heiraten?
Da wäre ich völlig offen. Egal, wie alt jemand ist, wenn beide sich das wünschen, warum eigentlich nicht?
Womit lassen Sie sich gern verführen?
Mit Kaiserschmarren und Glühwein-Eis, da schmelze ich garantiert dahin (lacht).
Wie geht es für Sie beruflich weiter?
Ich möchte unbedingt wieder Theater spielen. Schon im Herbst werde ich im Bayerischen Hof in München mit meinem Kollegen Günther Maria Halmer auf der Bühne stehen. Vielleicht werde ich wieder nach Dresden gehen. In der Elb-Metropole hat vor mehr als dreißig Jahren meine Karriere begonnen. Aber bevor ich mich neuen Aufgaben zuwende, werde ich mit meinem Sohn Urlaub machen, entweder am Meer oder in den Bergen, wir sind noch am Überlegen.