Weltweiter Kampf um die Umwelt
Kinder der Klimakrise. Der Klimawandel schreitet voran. Mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt. Ein Gegenlenken ist gefragt. Auch Jugendliche engagieren sich. Sie bieten internationalen Konzernen und Politikern die Stirn, um die Welt vor dem Kollaps zu bewahren.
Lange Zeit war es still um Greta Thunberg. Virologen und Politiker hatten die mittlerweile 18jährige Schwedin, die mit ihren „Schulstreiks für das Klima“ zur Galionsfigur der globalen Klimabewegung wurde, aus dem Rampenlicht gedrängt.
Ganz verstummt war sie freilich auch in der Corona-Krise nicht. Zuletzt meldete sie sich beim Klimagipfel zu Wort. „Ganz ehrlich, wie lange glauben Sie, die Klimakrise noch ignorieren zu können?“, mahnte sie die Teilnehmer. „Die Klimaziele sind viel zu lasch.“ Sie wünscht sich ein entschiedeneres Handeln gegen die Erderwärmung.

"Wir können das Klima noch reparieren"
Lösungsvorschläge hat sie bereits. „Es ist einfach. Wir müssen schützen, wiederherstellen und finanzieren.“ Gemeint ist, die Natur vor der Zerstörung zu schützen, der bereits zerstörten Natur zu helfen, sich wieder zu regenerieren und aufzuhören, Dinge zu finanzieren, die die Natur zerstören. Stattdessen solche finanzieren, die ihr helfen.
An erster Stelle steht für sie der Schutz der Regenwälder. Derzeit werden pro Minute Flächen in der Größe von etwa 30 Fußballfeldern abgeholzt. „Diese Flächen müssen wieder aufgeforstet werden“, ist Thunberg überzeugt. „Ohne die Natur wird es uns nicht gelingen, den Kollaps des Klimas zu verhindern.“ Derzeit ignorieren wir das jedoch. „Wir geben 1.000 Mal mehr für die globale Subvention von fossilen Energien aus als für naturbasierte Lösungen.“ Thunberg ist überzeugt, dass wir am Rande des Abgrundes stehen, macht jedoch Mut. „Wir können das Klima noch reparieren. Du kannst es noch reparieren.“

Auch Melati, 19, und Isabel Wijsen, 17, gehören zur „Generation Greta“. Die beiden Schwestern von der indonesischen Insel Bali kämpfen gegen Plastikmüll.
„Als ich auf Bali aufwuchs, war es schwer, das Problem der Plastikverschmutzung nicht zu sehen“, sagt Melati Wijsen. Denn ihre Heimat Indonesien gilt nach China als zweitgrößter Kunststoffverschmutzer der Welt. Das asiatische Land verursacht jährlich mehr als drei Millionen Tonnen Plastikmüll, die Hälfte davon landet im Meer.
Das wollten die beiden nicht hinnehmen. Sie gründeten die Organisation „Bye, Bye Plastic Bags“, organisierten eine Petition und sammelten Unterschriften. Gemeinsam mit rund 12.000 Freiwilligen führten sie die größte Strandsäuberung in der Geschichte von Bali durch.

Ihr Engagement zeigte Wirkung. Seit Juni 2019 herrscht auf der Insel ein Verbot von Einwegplastik. Mittlerweile gibt es Nachahmungen von „Bye, Bye Plastic Bags“ in rund 30 Ländern. Fernsehreporter nannten sie „junge Wunder“. Denn als die Schwestern ihren Kampf aufnahmen waren sie gerade einmal zwölf und zehn Jahre alt. Heute reist die 19jährige Melati Wijsen um die ganze Welt, um Politiker und Konzernchefs wachzurütteln.
Das wollen auch die beiden französischen Brüder Gary und Sam Bencheghip. Sie gründeten die Organisation „Make A Change World“, deutsch „Mach eine veränderte Welt“. Ziel ist, die durch den Klimawandel und die Umweltverschmutzung verursachten Probleme zu bekämpfen.

Mit dem Kanu durch eine "Giftbrühe"
Vor einigen Jahren nahmen sie es mit einem der schmutzigsten Flüsse der Welt auf, dem Citarum in Indonesien. Er fließt durch West-Java. An seinen Ufern sind rund 3.000 Textilfirmen angesiedelt. Sie entsorgen ihren Abfall und giftige Chemikalien im Fluss. Genau wie Millionen Privathaushalte. Teils ist vor lauter Müll gar kein Fluss mehr zu sehen.
Gary und Sam Bencheghip wollten dies dokumentieren. Sie paddelten mit einem aus Plastikflaschen gebastelten Kanu durch die widerliche Brühe. Zwei Wochen lang.

„Es war schockierend“, erzählt Gary Bencheghip. Zwischen Plastik, Essensresten, Sperrmüll, toten Hunden, Katzen und Affen bahnten sich die Brüder ihren Weg. Die Wasseroberfläche schimmerte in giftigen Farben, von Rot über Blaugrün bis Pechschwarz. Gary und sein Bruder schützten sich mit Masken gegen den bestialischen Gestank des Flusses. Auch trugen sie teils Schutzkleidung. Sie nutzte jedoch nichts, als einer der beiden im Wasser landete. „Noch Tage später hat es gejuckt“, erzählt Gary Bencheghip.
Die Videos und Fotos ihrer Kanufahrt stellten sie ins Internet. In der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Nicht erwartet hatten sie, dass sich der indonesische Präsident Joko Widodo, 59, bei ihnen meldete. Er rief den Reinigungsplan „Citarum Harum“, deutsch „duftender Fluss“, ins Leben. Bis 2025 soll der Fluss vollständig gereinigt und wiederhergestellt sein. Für die beiden Brüder ein riesiger Erfolg.

Studentin zwang deutsche Regierung in die Knie
Einen solchen kann auch die 21jährige Sophie Backsen für sich verbuchen. Die deutsche Agrarwissenschaft-Studentin will später einmal den Hof ihrer Eltern auf der nordfriesischen Insel Pellworm (D) übernehmen. Teilweise liegt sie bereits unter dem Meeresspiegel. „Durch den Klimawandel wird Landwirtschaft immer schwieriger“, sagt sie. Deswegen hat sie gemeinsam mit „Greenpeace“ gegen das deutsche Klimaschutzgesetz aus dem Jahr 2019 geklagt. Erst vor wenigen Tagen wurde es zum Teil als verfassungswidrig erklärt.

Das Gericht ist der Ansicht, es fehlten ausreichende Vorgaben für die Minderung der Treibhausgas-Emissionen ab dem Jahr 2031. Das würde jüngere Menschen treffen, die dadurch in ihren Freiheitsrechten verletzt werden.
Aber nicht nur die junge Generation macht sich für „Mutter Erde“ stark. Auch Eltern und Großeltern sind europaweit in der Bewegung „Parents And Grandparents For Future“ fürs Klima aktiv. Hierzulande setzt sich Dr. Martin Salzer, zehnfacher Großvater, ein. „Der Klimawandel ist eine Gefahr für unsere Kinder und Enkelkinder. Ich fühle mich verpflichtet, etwas dagegen zu tun“, sagt der frühere Wiener Primararzt.

"Klima-Opa" will weg vom Ruß
Derzeit sammelt er 500 Unterschriften für die Abschaffung des Diesel-Privilegs. „Diesel-Ruß ist hochgefährlich. Mikropartikel gelangen über unsere Lunge in die Gefäße. Es brausen noch immer zigtausende Pkw und Laster ohne Dieselpartikel-Filter durch unser Land“, sagt der „Klima-Opa“. „Ich werde zwar in einem Monat 90, muss aber trotzdem aktiv bleiben. Denn es ist nicht fünf vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf. Wir Alten müssen die Jungen überzeugen, dass es so nicht weitergehen kann. Unsere Politiker haben ihre Veranwortung nicht wahrgenommen.“

Vor Kurzem war er bei Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu Besuch. „Neben der Abschaffung des Diesel-Privilegs ist uns auch die Besteuerung von Kerosin ein Anliegen. Sie meinte, das könne nur auf EU-Ebene entschieden werden.“ Woraufhin Salzer den Binnen-Flugverkehr ansprach. „Dann würde der Flug von Wien nach Innsbruck (T) eben um 30 Euro mehr kosten“, schlug Salzer vor. „Doch Gewessler hat nur gelächelt und sich nie wieder gemeldet. Wir wollen den Politikern doch nur helfen, damit sie sich endlich trauen, Verantwortung zu übernehmen“, sagt der „Klima-Opa“.
Infos unter www.parentsforfuture.at

Die dreckigsten Plätze der Welt
  • „Agbobloshie“ ist die größte Elektroschrottdeponie Afrikas. Sie liegt im gleichnamigen Stadtteil der Stadt Accra im westafrikanischen Ghana.
    Auf einer Fläche von 16 Quadratkilometern leben hier auch 40.000 Menschen, die den Müll durchstöbern.
  • Der giftige Müllberg von Ghazipur im Osten Neu Delhis in Indien ist rund 70 Meter hoch. Er ist höher als das berühmte Taj Mahal Mausoleum in Agra.
  • Früher war er für Wassersport und Fischfang beliebt. Heute ist der Uru-Uru-See in Bolivien eine Müllhalde voller Plastik.
    Bewohner werfen ihren Abfall ins Wasser und Bergwerke leiten ihre Abwasser hinein. Deswegen sind auch Schwermetalle nachweisbar.

Plastik heizt das Klima an
  • Rund neun Milliarden Tonnen Plastik hat die Menschheit seit den 50er Jahren produziert.
  • Damit kann anstelle des glasklaren Wassers elf Mal der Wörthersee (K) mit geschmolzenem Plastik gefüllt werden.
  • Etwa 400 Millionen Tonnen Kunststoff kommen jedes Jahr dazu.
  • 850 Millionen Tonnen Treibhausgase entstehen so jährlich, von der Produktion des Plastiks bis zur Entsorgung.
  • So viel wie 136 Kohlekraftwerke im gleichen Zeitraum produzieren.
  • Rund acht Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen.
  • Das ist so, als würde jede Minute ein mit Plastik gefüllter Mistwagen ins Meer geleert.
  • Mittlerweile wiegt der Plastikmüll in den Meeren mehr als 270 Millionen Tonnen.
  • 300 Millionen Tonnen beträgt hingegen die Biomasse aller dort lebenden Fische.

Die Biologin und Zoologin Katharina Rogenhofer hat 2018 die „Fridays For Future“-Bewegung in unser Land geholt. Die 27jährige Wienerin ist Initiatorin und Sprecherin des Klimavolksbegehrens.
„Bis nicht alles in Gesetzestexte gegossen ist, werden wir den Politikern genau auf die Finger schauen“
Frau Rogenhofer, das Klimavolksbegehren erhielt knapp 400.000 Unterschriften. Sie sind die Grundlage für das neue Klimapaket. Kommt nun mehr Bewegung in die Klima-Politik?
Das Ergebnis hat mein Team und mich begeistert, aber ich freue mich nicht zu früh. Noch liegt kein Klimaschutz-Gesetz vor, in dem festgeschrieben ist, wie hoch der CO2-Ausstoß hierzulande künftig sein darf. Das Pariser Klima-Abkommen besagt, die Erderwärmung auf möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Wir liegen bereits bei 1,1 Grad Celsius, demnach sind wirkungsvolle Maßnahmen dringend erforderlich. Sonst wächst sich die Klimakrise zur Klimakatastrophe aus. Insofern war das Volksbegehren ein wichtiger Schritt. Solange nicht alles in Gesetzestexte gegossen ist, werden wir den Politikern genau auf die Finger schauen.
Sie fordern einen „Klimarat“. Was soll der tun?
Die Idee dahinter ist, repräsentativ für unser Land zufällig 100 Personen zusammenzubringen. Sie sollen konkrete Vorschläge zu Klimaschutz-Maßnahmen ausarbeiten, mit denen wir das Ziel erreichen, im Jahr 2040 klimaneutral zu sein. Hier hat sich in anderen Ländern gezeigt, dass die Zivilgesellschaft oft mutiger agiert als die Politik.
In unserem Land gibt es 600.000 Öl-Heizungen. Die sollen bis 2035 „verschwinden“. Wie konkret ist dieses Vorhaben?
Das ist noch nicht gesetzlich verankert. Wenn wir es ernst meinen, dürften schon jetzt in Neubauten keine Ölheizungen mehr eingebaut werden. Das wäre die logische Konsequenz, ist aber immer noch nicht verboten. Wir geben noch immer mehr als vier Milliarden Euro für klimaschädigende Subventionen wie das Dienstwagen-Privileg aus. Stattdessen müsste der Ausbau erneuerbarer Energien und öffentlicher Verkehrsmittel unterstützt werden. Wir leben in einem Land, wo die billigere Variante jene ist, die unser Klima zerstört. Klimafreundliche Alternativen sind teuer und kompliziert. Logisch wäre es umgekehrt.
Für wie realistisch halten Sie es, dass wir 2040 klimaneutral sein werden?
Wissenschaftlich ist es möglich, das Ruder noch herumzureißen. Ob es die Politiker tatsächlich ernst meinen, ist für mich noch ein großes Fragezeichen. Derweil überbieten sich alle Länder mit Zielsetzungen und haben sich noch nicht auf den Weg gemacht. Sich nur auf dem Satz „Bis 2040 sind wir klimaneutral“ auszuruhen, ist zu wenig. Wir haben es seit 1990 nicht geschafft, unsere Emissionen zu reduzieren. Damit zählen wir zu den Schlusslichtern in der Europäischen Union. Ich spreche fast täglich mit Bauern, deren Felder austrocknen, oder denen der Frost in die Quere kommt, wenn die Obstbäume blühen. Der Borkenkäfer lässt die Wälder sterben. In anderen Ländern müssen Menschen bereits abwandern, weil sie ihre Felder nicht mehr nutzen können.
Was tun Sie persönlich für das Klima?
Ich verwende möglichst viel wieder, esse vorwiegend pflanzlich und fliege nicht. Und ich setze mich dafür ein, dass sich politisch etwas bewegt. Dass sich unsere Politiker nicht der Verantwortung entziehen, gilt es für meine Mitstreiter und mich sicherzustellen.
Dr. Christa Kummer ist Klimatologin und Hydrogeologin und seit 26 Jahren Wetter-Moderatorin im ORF. Auf Facebook, Instagram und YouTube veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge unter dem Motto „Fit for future“ (dt. „Fit für die Zukunft“).
Fünf große Artensterben
Helfen wir unserer Erde. Unter dem Motto „Mutter Erde: Klima schützen, Arten schützen“ zeigt der ORF eine Themenreihe mit interessanten Sendungen. Den Auftakt dazu mache ich mit meinem Kollegen Tarek Leitner. Wir führen am Dienstag, dem 25. Mai, ab 20.15 Uhr, auf ORF 2 durch ein „Universum Spezial. Eine Welt – Millionen Arten“. Darin kommt unter anderem die berühmte britische Affenforscherin Jane Goodall zu Wort.
Wenn wir heute davon reden, den Klimawandel aufhalten oder das Artensterben verhindern zu wollen, müssen wir uns vor Augen halten, dass dies in der Geschichte unserer Erde bereits mehrfach vorgekommen ist. Geologisch wird von den „Big Five“, also den „Großen Fünf“ gesprochen. Zu diesen Ereignissen gab es jeweils ein Massensterben der Arten. Zuletzt vor rund 66 Millionen Jahren. Damals führte wohl der Einschlag eines Asteroiden von 14 Kilometer Durchmesser dazu, dass nicht nur die Dinosaurier von der Erde verschwanden, sondern auch Meerestiere und viele Vögel. In Summe machte dieses Massensterben zwei Drittel aller Arten den Garaus.
Jetzt ist es der Mensch mit seiner ungezügelten Zerstörung der Naturlandschaften, der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die ungeahnte Ausmaße angenommen hat.
Selbst wenn wir jetzt das Artensterben stoppen, braucht die Natur Tausende von Jahren, damit sich Arten wieder erholen können. Das ist eine Zeitspanne, die uns Menschen leider nicht zur Verfügung steht, denn wir werden im Schnitt nur 80 Jahre alt. Wir wissen seit dem 16. Jahrhundert, dass Arten durch Menschenhand verschwinden, aber es interessierte niemanden. Und jetzt sollen wir von einem Tag auf den anderen alles retten. Die Erde hat Millionen von Jahren gebraucht, um sich zu entwickeln, da reicht kein Fingerschnipp, um alles wieder umzukehren.