„Meine Kindheit auf der Straße war eine gute Schule“
Als Kind war sie Teil der berühmten „Kelly Family“ und zog singend mit ihrem Vater und den Geschwistern durch die Lande. Heute ist Maite Kelly, 41, selbst Mutter dreier Töchter und hat sich eine beachtliche Solo-Karriere als Schlagersängerin aufgebaut. Mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth sprach die Künstlerin über ihr neues Werk „Hello!“ (bereits im Handel) sowie über erholsame Rituale in der Badewanne.
Das Klassenzimmer wurde in den vergangenen Monaten immer wieder nach Hause verlegt. Sie haben mit Agnes, 15, Josephine, 13, und Solène, 6, drei schulpflichtige Töchter, wie funktioniert da der Heim-Unterricht?
Wenn es um Technik geht, also den Computer, bin ich eine Katastrophe (lacht). Aber ich weiß immerhin jetzt, wie das Programm Zoom für die Video-Telefonie funktioniert, das haben mir meine Kinder beigebracht. Also mit der Kleinen klappt es gut, und die beiden Großen sind Gott sei dank ziemlich selbstständig. Die sagen höchstens einmal, „Mama, geh bitte, du machst alles nur noch schlimmer.“ Meine Mädchen sind kleine Streberinnen – genau wie ich damals.
Dabei haben Sie als Mitglied der singenden „Kelly Family“ von außen doch immer wie eine liebenswert chaotische Hippie-Gruppe gewirkt …
Na ja, jeder hatte seine Aufgaben und ohne Disziplin wäre das alles nicht möglich gewesen. Als wir noch Straßenmusik gemacht haben, habe ich für uns alle gekocht, für 18 Personen. Und später, als wir in ganz Europa Konzerte spielten, war ich für die Kostüme verantwortlich, habe gebügelt und alle Kleider für die Auftritte zurechtgelegt. Zum Glück war ich eine harte Arbeiterin.
Dann ist das heute also ein Klacks für Sie?
Nein, ein Klacks ist es nie. Als Mutter von drei Kindern und mit meiner Arbeit muss ich wie jede andere Mama vorausschauend planen. Ich muss gut organisiert und pragmatisch sein in dieser Krise. Ich fange lieber zu früh an als zu spät. Meine Kindheit auf der Straße war eine gute Schule für mein Leben heute.
Wie meinen Sie das?
Erfolg fliegt einem nicht zu. Eine Karriere, das bedeutet Unermüdlichkeit und Fleiß. Es gehört aber auch dazu, zu wissen, wie ich meine Kräfte einteilen muss.
Haben Sie dabei auch Entspannungsmöglichkeiten für sich gefunden?
Natürlich, Sport gehört dazu, er ist immer ein wichtiger Ausgleich. Auch ein heißes Bad und gute Ernährung sind mir lieb. Ich habe meine Spa-Rituale und bade zum Beispiel gern mit ätherischen Ölen.
Welche Art von Sport treiben Sie?
Tanzen, Laufen, Kampfsport, Yoga, Ballett – der Körper ist vielfältig und deshalb versuche ich, ihn möglichst ganzheitlich zu trainieren. Es kommt auch immer darauf an, was ich gerade brauche. Vor einer Tournee laufe ich häufig und singe dabei, um die Kondition zu verbessern. Kürzlich musste ich lachen, als ich sah, wie Miley Cyrus auf dem Laufband rennt und dabei ihre Stimme trainiert. Miley macht das also auch so. Während einer Tournee mache ich eher Yoga und Krafttraining.
Und für welchen Kampfsport haben Sie sich entschieden?
Für das Thaiboxen. Als junges Mädchen habe ich diesen Sport vier Jahre lang mit meinen Brüdern ausgeübt. Der haut richtig gut rein und tut mir gut.
Mindestens so facettenreich wie Ihr Sportprogramm ist auch Ihr neues Album „Hello!“. Musikalisch fällt auf, dass es nicht nach deutschem Schlager, sondern eher nach einer internationalen Pop-Produktion klingt …
Ich mache zwar Schlager, aber der Ansporn ist, für Qualitätslieder zu stehen. Das heißt, für Lieder, die einfach zugänglich sind, die aber auch nach dreitausendmaligem Hören noch gern gehört werden sollen.
Die Texte stammen hauptsächlich aus Ihrer Feder, nicht wahr?
Das stimmt, jedes Album, das ich schreibe, ist eine Tür in meine Welt und in mein Herz. Meine Musik ist nicht effizienzgesteuert. „Hello!“ ist ein Album der Gefühle, ein Album der Sehnsucht. Die Lieder handeln von der Seele, der Sinnlichkeit und der Leidenschaft. Bei aller Leichtigkeit der Musik spürt der Zuhörer zwischen den Zeilen, wie sehr ich es möchte, dass er sich in diesen Liedern selbst erkennt, dass er tief in sich hineinhört und auch hineinschaut.
Wie sieht es in Ihnen aus, wie sind Sie zu erobern?
Das ist nicht kompliziert. Ein Mann, der mein Herz gewinnen will, muss ehrliche Absichten haben. Mich gibt es nur in einer Beziehung. Flüchtige Treffen oder Affären sind mit mir nicht zu machen. Ich bin eine katholische, ehrenhafte Frau, eine Mutter von drei Kindern, die Tochter eines irischen Patriarchen. Ich bin äußerst konservativ erzogen worden. Mein Vater hat mir einige wertvolle Ratschläge gegeben. Ich bin bis heute noch nie mit einem Mann ausgegangen, der nicht die Absicht hatte, mit mir eine Beziehung zu führen. Das ist ein klares Kriterium für mich. Ich habe auch zu wenig Zeit, mich mit jemandem einzulassen, der gar keine Partnerin will.
Aber im Lied „Sag Ja, nicht Nein“ sehen Sie einen attraktiven Mann und möchten ihn für sich gewinnen …
Ja, aber so wie in dem Lied bin ich nicht. Ich bin zwar eine sinnliche Frau, und ich war auch immer gut im Flirten. Aber ich bin auch altmodisch. Ich möchte, dass der Mann mich erobert.
„Du Schuft!“ handelt wiederum von einem Kerl, der ein charmanter und begabter Liebhaber ist.
(lacht) Der Schuft war eine große Liebe. Ein Macho, aber ein wunderbarer Macho. Die Zeile „Deine Hände sprechen Bände/ Unsere Nächte nehmen kein Ende“ ist äußerst intim. Aber Intimität, Nähe und Gefühl machen für mich einen guten Schlager aus.