„Ich bin das Kind im Clown“
Als Clown Enrico, genauer gesagt als Enrico Emmanuel Theobaldissimus Fillissi Maximo, eroberte Heinz Zuber die Herzen der Kinder. Am 7. April feiert der Schauspieler seinen 80. Geburtstag. Ein guter Grund, um zu fragen, wie es dem berühmtesten Clown des Landes geht, und ob er sich vorstellen könnte, noch einmal Enrico zu sein.
Herr Zuber, wie geht es Ihnen kurz vor Ihrem 80. Geburstag?
In der vergangenen Woche ist es mir ziemlich miserabel gegangen. Gott sei Dank geht es mir nun wieder besser. Ich
lebe halbwegs zufrieden, aber es gibt wohl kaum einen Achtzigjährigen, der nicht das eine oder andere Wehwehchen hat.
Wo tat es Ihnen denn weh?
Ich war mit dem Kreuz bedient und konnte mich nicht bewegen. Furchtbar, weil ich ja so gerne mit „Luzi“, meinem Hund, spazierengehe. Im vorigen Sommer war ich mit ihr oft drei Stunden im Wienerwald unterwegs. Dann bekam „Luzi“ es mit dem Kreuz zu tun. Kaum war der Hund wieder fit, habe ich Rückenschmerzen bekommen. Derzeit geht es uns beiden gut, eine Stunde spazieren schaffen wir beide locker.
Nach „Wuzzeline“, „Juli“ und „Rikki“ ist „Luzi“ ihre vierte Dackeldame …
Ja, wie ihre Vorgängerinnen ist „Luzi“ meine große Freude, der Hund ist ein Gottesgeschenk, ein großes Vergnügen und eine Aufgabe zugleich. Denn mit einem Hund musst du hinaus in die Natur und dich bewegen. Mit meinen Walking-Stecken geht es sich ganz gut. Ohne die wäre es nicht so fein.
Gönnen Sie sich ein Mittagsschlaferl?
Sicher, nicht nur mittags, wenn ich müde bin, schlafe ich etwa zwanzig Minuten und bin dann wieder fit. Ich konnte schon als Kind bei jeder Gelegenheit schlafen. Wo immer ich war, wenn ich mich müde fühlte, habe ich mich einfach auf den Boden gelegt und geschlafen. Das tat mir schon immer gut, um wieder aktiv zu sein. Fit halte ich mich mit Obst, Gemüse und Fisch. Das Vierterl, bevorzugt Weißwein, manchmal Rotwein, muss aber auch sein. Das tut meiner Herztätigkeit gut. Bier mag ich weniger, außer alkoholfreies, das trinke ich gegen den Durst.
Macht es Sie stolz, wenn Sie in Ihren Erinnerungen („Soll ich sagen?“, Amalthea Verlag) blättern?
Stolz macht es mich gar nicht, aber ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich lese, welch‘ unzählige Theaterrollen ich gespielt habe, und ich frage mich, wie ich das alles gemacht habe. Obwohl ich kein trauriger Mensch bin, sind mir, als ich das Buch zu schreiben begann, nur die miesesten Erlebnisse eingefallen. Bis mir bewusst wurde, wie schön mein Leben eigentlich war.
Von gröberen Schicksalsschlägen sind Sie verschont geblieben?
Gott sei Dank, ja, ich bin zwar 1941 geboren und habe als Kind das Ende des Krieges miterlebt. Die Alliierten kamen über den Rhein und meine Eltern und ich flüchteten von Deutschland in die Schweiz. Das Elend der Nachkriegszeit bekam ich nicht so deutlich zu spüren, weil wir am Land lebten. Es gab Ziegenmilch, die ich liebte, wir hatten Beerenfrüchte, Birnen, Äpfel, Trauben – es hat mir an nichts gefehlt.
Wollten Sie schon als Kind Schauspieler werden?
Das habe ich zu meinem Volksschulfreund gesagt. Der hat so einen Lachanfall gekriegt, dass er beinahe unter die Bank gefallen wäre. Es kam dann aber so, dass ich eine Lehre als Musterzeichner in einer Textilfabrik absolvieren wollte. Beim Aufnahmetest stellte sich jedoch heraus, dass ich farbenblind bin.
Fühlen Sie sich dadurch im Alltag eingeschränkt?
Nein, so schlimm ist es zum Glück nicht, es handelt sich eher um eine Farben-Unsicherheit und keine Farbenblindheit. Das Rot der Ampeln erkenne ich schon, aber für eine Arbeit in der Textilbranche, wo es um das Erkennen von Farb-Nuancen geht, hätte es nicht gereicht. Also ließ ich mich in Basel (Schweiz)zum Speditionskaufmann ausbilden. Da hatte ich die Möglichkeit, internationale Kontakte zu knüpfen und kam in weiterer Folge nach Paris (F), wo ich Schauspielunterricht nahm. Dann ging ich nach Wien, um mich am Reinhardt-Seminar zu bewerben. Von 200 Bewerbern wurden 20 genommen, ich war dabei. Bei meinen Auftritten am Wiener Burgtheater und in der Josefstadt lernte ich Größen wie Paula Wessely und Helmut Qualtinger kennen. Mit Susi Nicoletti habe ich französische Chansons gesungen, vor 50 Jahren war mein Französisch perfekt.
Perfekt auf den Leib geschneidert war Ihnen die Rolle Ihres Lebens. Als Clown Enrico wurden Sie in der Kindersendung „Am dam des“ zum Fernsehliebling. Könnten Sie sich vorstellen, heute noch der berühmte Clown zu sein?
Wäre ich körperlich dazu imstande, könnte ich heute noch Enrico sein. Den legendären Pfiff beherrsche ich nach wie vor. Aber irgendwann muss Schluss sein. Immerhin war ich 28 Jahre im Enrico-Kostüm, und es war sicher nicht nur alles lustig. Denn immer wieder versuchten die Fernseh-Verantwortlichen, den Enrico „abzudrehen“. Ich habe dafür gekämpft, damit das nicht passiert – und habe es geschafft. Unterstützt wurde ich unter anderem von Professor Erwin Ringel, dem berühmten Psychiater. Der wurde nicht müde zu sagen, dass „Clown Enrico“ mehr für unsere Kinderseelen mache als alle Kinder-Psychiater.
Wie viel von Ihnen selbst steckt in Enrico?
Enrico ist das Kind, das ich einmal war. Ich bin gewissermaßen das Kind im Clown. Ich verkörperte als Enrico den „mutigen Angsthasen“, der die Kinder motivierte, ihre Angst zu überwinden. Dazu habe ich ein Lied komponiert, eine Mutmacher-Hymne für Kinder, deren Text meiner Meinung nach zeitlos ist. Im Liedtext heißt es: „Angsthasen geht es nicht immer sehr gut, oh nein. Angsthasen sollten sehr mutig sein, Angsthasen haben‘s im Leben oft schwer, denn sicher kommt irgendwann einer daher, mit oder ohne Gewehr. Und haut dem Angsthas‘n eine auf die Angstnas‘n. So etwas schmerzt dann sehr. Darum, ihr Angsthasen, Angstvettern, Angstbasen, habt Mut, denn nur so geht es uns gut!“
Was machen Sie, damit es Ihnen gut geht?
Abgesehen von den Spaziergängen mit meiner „Luzi“ lese ich Zeitungen, schaue fern und beschäftige mich mit dem Internet. Vielleicht, weil ich ohne Geschwister aufgewachsen bin, und daher öfters auch allein war, habe ich als Kind eine rege Fantasie entwickelt. Ich habe mir immer vorgestellt, dass es ein Kästchen geben müsste, in dem ich die ganze Welt sehen konnte. Das Kästchen, das ich mir wünschte, ist der Fernsehapparat und das Internet. Da ich immer schon ein Freund der Natur war, liebe ich es, mir Filme über Tiere und Pflanzen anzusehen.