„Es ist leicht, Viren zu manipulieren“
Vor einer Woche hat die Innsbrucker Mikrobiologin Rossana Segreto ihre Erkenntnisse, das Corona-Virus könne einem Labor entstammen, mit der Öffentlichkeit geteilt. Kritiken und Rufe nach Verschwörungstheorien wurden laut, daher möchte sie sich nicht mehr dazu äußern und lässt ihren Mitautor Yuri Deigin sprechen. Die WOCHE-Reporterin Barbara Reiter erreichte den Biotech-Unternehmer in Kanada.
Herr Deigin, Ihre Innsbrucker Kollegin Rossana Segreto meinte, ihr wäre lieber, sie hätte die Hinweise auf eine Entstehung des Corona-Virus im Labor nie gefunden. Warum?
Rosanna musste einiges an Kritik einstecken. An ihrem Arbeitsplatz wurde nicht verstanden, warum sie so viel Zeit für ihre Forschungen aufgewendet hat. Dazu kam die Kritik der Öffentlichkeit, die uns unterstellt hat, wir wären verrückte Verschwörungstheoretiker. Davon will sich ein Wissenschaftler natürlich möglichst fernhalten. Mir tut die Veröffentlichung unserer Hinweise nicht leid, im Gegenteil, sie macht mich zufrieden. Es ist schön zu sehen, dass immer mehr Menschen auch unsere Theorie in Erwägung ziehen. Das Verständnis wird immergrößer.
Doch wem sollen die Menschen nun glauben? Ihrer Labor-Theorie oder Wissenschaftlern, die meinen, das Virus sei auf einem Markt in Wuhan (China) von einer zu kurz gekochten Fledermaus auf den Menschen übertragen worden?
Es wurde ja längst festgestellt, dass der Meeresfrüchte-Markt, auf dem das Ganze passiert sein soll, gar keine Fledermäuse verkauft hat. Bestätigt wurde auch, dass der Ausbruch von Corona schon aktuell war, ehe die Menschen erkrankten, die auf diesem Markt gewesen sind. Fakt ist, dass diese Art von Viren normalerweise nicht in Wuhan, sondern Tausende Kilometer davon entfernt zu finden ist. Unsere Indizien, dass das Virus im Labor entstanden ist, sind stark. Wir können aber nicht sagen, dass ein Wissenschaftler x im Labor y zu einer bestimmten Zeit mit dem Corona-Virus gearbeitet hat. China ist ein stark kontrolliertes Land und hält alle möglichen Beweise unter Verschluss. Fakt ist, dass in Wuhan seit mindestens 15 Jahren mit dem Virus gearbeitet wird.
Sieben Wissenschafts-Journale haben die Veröffentlichung der Studie von Frau Segreto und Ihnen abgelehnt. Erst beim achten hatten Sie Glück. Warum?
Dazu muss man wissen, dass die führenden Wissenschaftler, die der Meinung sind, das Virus sei natürlicher Art, auch bei diesen Magazinen Führungspositionen einnehmen. Einige Forscher, die von Anfang an unserer Meinung waren, wollten es sich mit diesen Eliten nicht verscherzen oder Kollegen nicht in den Rücken fallen. Dazu kam die Sache mit der Verschwörungstheorie. Mittlerweile ziehen viele Kollegen unsere Variante aber in Betracht.
Was war für Sie die Motivation, Ihre Forschungsergebnisse zu veröffentlichen?
Unser Interesse war wissenschaftlicher Natur. Wir wollten wissen, woher das Virus kommt. Wir können für neue Erkenntnisse nicht einfach Augen und Ohren verschließen und so tun, als ob es sie nicht gäbe. Es ist zweifelsohne möglich, dass das Virus im Labor entstanden ist, weil es mittlerweile leicht ist, Viren zu manipulieren. In China und den USA wird das seit vielen Jahren gemacht. Die Ausgangssituation war eigentlich eine noble. Die Forscher wollten Impfstoffe und Medikamente für den Fall einer Pandemie entwickeln. Ich glaube aber, dass die Gefahr, die von solchen Arbeiten ausgeht, viel größer ist als die Vorteile, die wir dadurch erzielen.
Wie groß ist die Gefahr?
Generell ist das Risiko ziemlich groß. Denken wir nur an die Grippe-Pandemie im Jahr 1977. Auch sie ist aufgrund eines Laborunfalles entstanden. Wir haben bei unseren Recherchen Dinge entdeckt, die schockierend sind – wie tief und weit die Forschungen in Wuhan und in anderen Laboren der Welt schon gehen. Wissenschaftler können mittlerweile Hunderte von synthetischen Viren erzeugen, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und viel gefährlicher als das Corona-Virus sind. Auch sie können eine Pandemie auslösen, für die es noch keine so guten Forschungsergebnisse wie für das Corona-Virus gibt.
Haben Sie Angst vor dem Corona-Virus?
Ich habe mehr Angst vor den Forschungen mit Viren, die überall auf der Welt stattfinden. Jedes Labor ist immer nur so sicher wie der Mensch, der darin arbeitet. Und jeder Mensch macht Fehler.
Gibt es solche Labore auch in unserem Land?
In Europa gibt es viele solcher Labore, zum Beispiel in Utrecht in den Niederlanden. Und das Viren-Labor in Wuhan wurde mit französischer Hilfe gebaut. Eigentlich ist es irrational: Die Menschen haben Angst vor Atomkraftwerken. Nach allem, was ich mittlerweile weiß, sollten wir uns aber viel mehr vor Biowaffen fürchten.

Das ist die Studie von Rossana Segreto und Yuri Deigin
Die Mikrobiologin und der Biotech-Unternehmer fanden heraus, dass der Aufbau des SARS-CoV-2-Virus nicht durch natürliche Selektion entstanden, sondern künstlich im Labor hergestellt worden sein soll.
Einerseits sei es nicht wahrscheinlich, dass ein Virus in kürzester Zeit eine neue Sequenz ausbilde, die es ihm ermöglicht, verschiedene Arten, darunter auch den Menschen und unterschiedliche Gewebe, zu befallen.
Andererseits sei auch anzuzweifeln, dass es simultan zu einer Ausbildung der Rezeptor-bindenden Domäne, die sich an den menschlichen ACE2-Rezeptor haften kann, gekommen ist, mit der Folge, dass das Virus perfekt für die Infektion menschlicher Zellen angepasst ist. Die Arbeit von Segreto und Deigin wurde einer wissenschaftlichen Qualitätsprüfung unterzogen und – nach Ablehnung der Publikation durch sieben Journale – schließlich im Fachmagazin „BioEssays“ veröffentlicht.
Die Studienautoren haben sich via Internet kennengelernt, nachdem Segreto festgestellt hatte, dass Deigin ähnliche Forschungsergebnisse bezüglich des Corona-Virus veröffentlicht hatte.