Kräuter für die Corona-Therapie
In China nützen Schulmediziner im Kampf gegen Covid-19 das Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die alte heilkundliche Lehre hat Kräuter und Behandlungen für die Zeit vor, während und nach einer Virusinfektion, so auch für Covid-19.
Harmlos, bedrohlich oder tödlich. Virusinfektionen, wie schwer sie auch verlaufen können, begleiten die Menschheit seit ihrem Anbeginn. Schon die Gelehrten der ältesten Heilkunden widmeten sich deren Bekämpfung, verfassten Berichte über Symptome und Therapien. Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM, bildeten hier keine Ausnahme. Erkrankte Patienten effizient zu behandeln, gehörte zu ihrem Wirken. „Vieles dazu wurde in Büchern wie Shang Han Lun und Huang Di Nei Jing („der gelbe Kaiser“) niedergeschrieben. Sie gehören heute zu den ältesten Standardwerken in der chinesischen Medizin. Es ist wichtig zu wissen, dass die TCM nicht auf die Krankheit fokussiert ist. Sie bezieht immer den ganzen Menschen mit ein“, erklärt die TCM-Ärztin Mag. Shi Chun Wen aus Wien (www.tcm-austria.at).

Während der Behandlungszeit von Covid-19 in China wurden mehrere Tausend TCM-Therapeuten in die Provinz Hubei abgestellt und es wurden therapeutische TCM-Maßnahmen in die offiziellen Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von Covid-19 aufgenommen. Präsident Xi Jinping, der die TCM einen „Schatz der chinesischen Zivilisation“ nennt, möchte sie gleichberechtigt mit der Schulmedizin einsetzen. Nach jahrelangem Lobbying nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die traditionelle chinesische Medizin in den offiziellen Krankheits- und Behandlungskatalog auf.

Schul- und TCM-Mediziner sehen in der alten chinesischen Heilkunde eine unterstützende Rolle im Kampf gegen Viruserkrankungen wie Covid-19. „Die TCM umfasst ein ganzheitliches Denken. Faktoren wie Umwelteinflüsse, Körperkonstitution und Schweregrad einer Krankheit werden berücksichtigt. Der Großteil der chinesischen Bevölkerung ist es gewohnt, die TCM zuerst aufzusuchen. Sollte sie keine baldige Besserung bringen, dann wenden sie sich an die Schulmedizin“, erklärt Mag. Wen die Sicht auf den Patienten.

„Diese Herangehensweise hat sich in der Behandlung von Corona-Patienten bewährt und spielt nun eine große unterstützende Rolle. Durch die richtigen begleitenden Behandlungen kann die Dauer der Corona-Krankheit verkürzt, eine schnellere Genesung erzielt und die Anzahl der Todesfälle durch Corona verringert werden“, versichert die TCM-Ärztin. „Wichtig ist hier, das Immunsystem zu stärken, Kräuter zu geben, welche die Lungenfunktion stützen, bei Gesunden vorzubeugen und bei milden Verläufen mit Hilfe von Kräutern zu verhindern, dass die Erkrankung schlimm(er) verläuft. Sind die Patienten Kleinkinder, wird bei den Zutaten nur ein Drittel der Mengenangaben genommen, bei Schulkindern die Hälfte.“

Die drei Phasen in der TCM zur Behandlung von Covid-19
(Alle Rezepte sind auch für Menschen mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes ... geeignet)
  • Beispiele für Anwendungen zur Vorbeugung einer Infektion
​In der TCM gilt, hat ein Mensch ein gutes Immunsystem, haben krankmachende Erreger keine guten Chancen. Somit ist es wichtig, das Immunsystem zu stärken, durch Meridian-Bewegungstherapie (Bewegen von Gelenken, Klopfen, Kneten und Massieren der Akupunkturpunkte und Meridiane) sowie mit Hilfe von Kräutertees oder einer gezielten Ernährung, um das Lungen-Qi zu stärken.
Ernährung: Achten Sie auf warmes Essen, meiden Sie kalte Getränke / Speisen. Geeignete Lebensmittel, um das Lungen-Qi zu stärken: Soja-Produkte, Yamswurzel, Bambus, Rettich, Birnen, Kokos, Spargel, Morcheln, Chinakohl, Champignon, Ente, Ingwer, Litchi.
In China wird zur Vorbeugung dieser Tee getrunken: 20 g Angelika- wurzel und 5 g Süßholzwurzel in 3/4 Liter Wasser 20 Minuten sanft köcheln, dann über den Tag verteilt trinken. Sieben bis zehn Tage entspricht eine Behandlung
Beifuß räuchern: Trockene Beifußblätter in eine Schüssel geben oder zur Zigarre rollen und anzünden. Der Rauch wirkt antiviral. Die Wärme stärkt die Lungen-Energie. Zu Hause / im Büro anwenden.
  • Beispiele für Anwendungen zur Behandlung während einer Infektion (Der Patient hat sich mit Corona angesteckt)
Das Virus ist in den Körper eingedrungen. Jetzt sollte die Körperenergie nicht gestärkt, sondern die krankmachende Energie abgebaut werden. Deshalb werden keine aufbauenden Kräuter und Lebensmittel gegessen. Auf Fleisch, Maroni, Kürbis, Süßerdäpfel lieber verzichten, auch auf Ingwer, Gingseng. „Diese Lebensmittel wirken, als ob wir Öl ins Feuer gießen.“
Rezept: 15 g Ballonblumenwurzel, 20 g Färberwaidwurzel, 15 g Schilfrohrwurzelstock. Alle Kräuter (aus der Apotheke) in halbem Liter Wasser eine halbe Stunde lang sanft köcheln. Drei Mal täglich trinken, sieben Tage entspricht eine Behandlung. Außerdem auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten, um den Körper zu entgiften.
Rezept für Entgiftungstee: Pfefferminze, Geißblattblüten und Löwenzahn, getrocknete Blätter/Blüten (je 1 EL) 5 Minuten in einem Liter Wasser köcheln und trinken. Über den Tag verteilt trinken (bei Bedarf auch mehr als einen Liter).
  • Beispiele für Anwendungen zur Stärkung nach der Corona-Infektion
In dieser Phase ist es wichtig, die Energie von Lungen-Milz-Nieren-Qi wieder aufzubauen, um die Auswirkungen der Corona-Erkrankung wie zum Beispiel Kurzatmigkeit, Schlafstörung, Energiemangel, Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn so gering wie möglich zu halten.
Kräutertee zum Aufbauen: 20 g Yamswurzel, 10 g Angelikawurzel, 20 g Glockenwindenwurzel. Alle Kräuter in einem Liter Wasser 40 Minuten sanft köcheln lassen und anschließend warm trinken.
Ernährungstipp: In der Phase sind Kraftsuppen wie Hühnersuppen, Rindsuppen empfehlenswert, um die verlorene Energie wieder zu erlangen.
Kräuter-Fußbad: Mit diesem Fußbad werden die Meridiane durch die Fußsohlen aktiviert. Rezept: 5 Scheiben Ingwer, 2 Stk. Zimt, 1 Kaffeelöffel bunter Pfeffer, 1 Kaffeelöffel Salz, 1 Esslöffel Essig, 1 Handvoll getrocknete Beifußblätter in ein warmes Fußbad geben und täglich 1 bis 2 Mal darin ein 20-minütiges Fußbad genießen.