Die kuriosesten Ticks der Dart-Spieler
Ihr Sport dreht sich um Zahlen und Fakten, dennoch sind die meisten Profi-Dart-Spieler anfällig für Aberglauben, kuriose Rituale und merkwürdige Krankheiten wie „Dartitis“. Ab Freitag werfen die besten Spieler ihre Pfeile bei der Team-WM in Salzburg.
In anderen Sportarten gibt es sie kaum noch, „echte“ Typen. Doch im Darts sind bunte Haare und Tätowierungen an der Tagesordnung und es gibt viele verrückte Typen, die nicht ohne Ticks und Rituale auskommen.

„In unserem Sport spielen sich 90 Prozent des Erfolges im Kopf ab“, erklärt Rowby-John Rodriguez, 26, der mit Mensur Suljovic, 48, für unser Land bei der Team-WM in Salzburg von 6. bis 8. November antritt.

Dart-Spieler setzen auf Glücksbringer und Rituale
„Wir hatten in unserem Land noch nie so ein hochkarätiges Turnier und alle Chancen auf ein gutes Spitzenergebnis“, meint der Wiener Dartprofi mit philippinischen Wurzeln. Er steht derzeit in der Weltrangliste um Platz 70 und konnte bereits Top-Spieler schlagen. Wie fast alle seine Kollegen will Rodriguez Fortuna auch in Salzburg ein Schnippchen schlagen, indem er auf Glücksbringer und Rituale setzt. „Ich esse stets Fisch vor einem Turnier, weil ich glaube, dass das meiner Leistung förderlich ist“, erzählt er schmunzelnd von seinem Ritual, ähnlich jenem des Kanadiers Jeff Smith, der auf gegrillte Hühnerflügerl setzt. Bevor Rodriguez zur Scheibe geht, holt er stets ein Foto seiner eineinhalbjährigen Tochter Alicia heraus, die aufgrund eines Herzfehlers mehrmals operiert werden musste. „Jetzt ist wieder alles gut und sie ist mein Glücksbringer“, betont er.

Sein Teamkollege Mensur Suljovic, seit Jahren unter den besten zehn Dartspielern der Welt, spielt wiederum niemals ohne Kreide in der Tasche. Obwohl er sie nur selten dazu verwendet, um die Wurfhand einzureiben, darf sie niemals fehlen, sonst läuft der Wiener unrund. Er würde auch nie ohne seine speziell für ihn gefertigten Pfeile antreten. Vor rund zwei Jahren erkrankte Suljovic an „Dartitis“, einer mysteriösen Krankheit, bei der die Psyche dem Spieler unglaubliche Streiche spielt. „Die Krankheit war ein großes Problem“, erinnert er sich. „Ich trainierte stundenlang, bis das Hirn blockierte. Das Selbstvertrauen war weg, plötzlich konnte ich die Pfeile nicht einmal mehr das kurze Stück bis zur Scheibe werfen, sie fielen schon vorher auf den Boden.“ Anderen Dart-Spielern wie Eric Bristow oder Berry van Peer, die auch daran erkrankten, ging es noch schlechter, sie konnten vor Versagensangst mit der Wurfhand den Pfeil gar nicht mehr loslassen.

Diese mächtige mentale Komponente beim Dart-Spiel beweist auch die große Anzahl von Spielern, für die im Turnier ein Talisman unverzichtbar ist. Robert Thornton etwa vom Titelverteidiger Schottland hat immer einen Teddybären als Glücksbringer in seiner Westentasche.

Durch wildes Aussehen zum harten Kämpfer
Der Australier Simon Whitlock betritt nur mit seinen alten Nike-Turnschuhen das Podium und für den Deutschen Max Hopp ist ein Foto der Glücksbringer. „Es zeigt meine Familie, meine Frau und die Kinder. Daraus ziehe ich Kraft“, sagt er. Der Turniermitfavorit und Mehrfachweltmeister Michael van Gerwen aus den Niederlanden hat mehrere auffallende Ticks. Schon bevor er zur Scheibe geht, schlägt er sich zwei Mal auf die eigenen Oberschenkel. Sein wohl berühmtestes Ritual besteht darin, sich zwischen den Würfen die Socken hinaufzuziehen, um die Leistung zu steigern.

Aber es geht noch kurioser. Der Engländer Denis Ovens rasiert sich nie während eines Turniers, seine Kollegen verpassten ihm daraufhin den Spitznamen „Kapitän Landstreicher“, weil er denkt, mangelnde Körperpflege würde ihn treffsicherer machen. Ganz anders ist sein Kollege James Wade, der öffentlich erklärte, aus Aberglauben niemals mit Schuhen das Podium zu betreten, die weniger als 220 Euro gekostet haben.

Schade ist auch, dass der amtierende Weltmeister Peter Wright aus Schottland zuletzt für das Turnier in Salzburg absagte, sonst hätte seine verrückte Haarkunst bewundert werden können. Wright betritt stets mit grellbunt gefärbtem Irokesenschnitt und auf den Kopf gemalten Motiven die Wettkampfbühne. „Vor jedem Turnier frisiert und bemalt mir meine Frau Jo die Haare, ein Ritual, ohne das ich niemals spielen könnte“, verrät der Spieler. „Erst durch das wilde Aussehen werde ich von der schüchternen Person, die ich im tiefsten Innersten bin, zu einem harten Kämpfer.“