"Ich halte Unordnung nicht aus"
Manuel Rubey, 41, ist Schauspieler, Kabarettist und Sänger. Und jetzt hat er ein Buch geschrieben. Denn auch er hat festgestellt, dass nichts planbar ist und sich zu viel angesammelt hat: Freizeitstress, Beziehungszwänge und Seelenmüll, dem er mit der Homöopathie hilflos gegenüberstand, wie er der WOCHE-Reporterin Barbara Reiter erzählt hat.
Herr Rubey, in Ihrem Buch „Einmal noch schlafen, dann ist morgen – Loblied auf das Jetzt“ geht es um die Themen, die uns seit Corona noch mehr beschäftigen: Innehalten, sich von Ballast befreien, ungeliebte Gewohnheiten aufgeben. Haben Sie das Buch geschrieben, als das Land stillstand?
Ich habe das Buch schon vorher geschrieben, sonst wäre es nicht fertig geworden. Ich arbeite seit etwa drei Jahren daran. Es sollte zuerst ein Buch ausschließlich über das Weglassen werden. Aber dazu waren wir alle von einem Tag auf den anderen ohnehin gezwungen.

Ein Schauspielerleben bringt auch Glamour mit sich. Ist Weglassen für Sie möglich?
Das Thema beschäftigt mich schon lang und ich habe festgestellt, dass mich das Abwerfen von Ballast weiterbringt. Mich belastet schnell einmal etwas und ich glaube an Leere, die Stille und Ordnung. Aber da ist mir die Japanerin Marie Kondo zuvorgekommen.
(Anm.: Autorin des Bestsellers „Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“)

Sie sind also ein ordentlicher Mensch?
Ich halte Unordnung nicht aus. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich in meinem Beruf etwas mache, was nicht anzugreifen ist. Wenn ich unterwegs bin und nach einer Vorstellung schlaflos im Hotelzimmer liege, frage ich mich manchmal: „War da heute Abend was?“ Deshalb ordne ich im Alltag Dinge wahnsinnig gern. So wie andere Yoga machen, räume ich auf.

Sie sprechen in Ihrem Buch auch äußerst private Themen an. Sind Sie damit einverstanden, wenn das Buch als Wundertüte angesehen wird, in dem für jeden etwas dabei ist?
Ja, das finde ich gut. Denn wenn Sie mich fragen, was ich mit dem Buch konkret transportieren will, muss ich passen. Ich finde nicht, dass Kunst Botschaften braucht. Auch, wenn das in unserem Land hochkulturell schnell verpönt ist, sehe ich mich als „Showboy“. Ich will unterhalten und gute Geschichten liefern. Das bin ich den Käufern meines Buches schuldig. Wenn sich jemand ein Zitat herausschreibt oder eine Platte auflegt, die ich empfehle, bin ich glücklich. Ich stelle zur Verfügung, was mich viele schlaflose Nächte und Tausende von Lesestunden gekostet hat.

Sie schreiben auch über Depression. Ist es nicht gefährlich für einen öffentlichen Menschen, zu viel von sich zu erzählen? Nicht jeder da draußen ist Ihr Freund …
Das war sicher das Schwierigste am Schreiben, zu entscheiden, was ich privat und beruflich preisgebe. Aber wenn ich helfen kann, das Thema Depressionen ein bisschen zu enttabuisieren, nehme ich es gerne auf mich, wenn vielleicht jemand denkt, der Rubey ist ein bisschen komisch.

Ein bisschen komisch oder depressiv?
Überspitzt formuliert kann ich sagen, dass „Glücks-
pillen“ super sind. Ich führe Krieg gegen die Homöopathie, mit der Menschen vorgaukelt wird, dass sie nur positiv denken müssen, wenn alles gut werden soll. So funktionieren wir Menschen aber nicht. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, weil ich mich durch die Homöopathie gekämpft habe. Baldrian bei Schlaflosigkeit ist lieb, er ändert nur nichts. Als ich da nicht mehr weitergekommen bin, hat mir die psychiatrische Schulmedizin mit Glückspillen und Schlafmitteln geholfen. Die können abgesetzt werden, wenn ich wieder bei Kräften bin.

Hat Sie das Corona-Virus deprimiert?
Ich denke, die drastischen Maßnahmen mussten sein. Abgesehen davon kann ich mich da nicht mit anderen vergleichen, weil wir in unserem Haus im Waldviertel (NÖ) einen großen Garten haben. Das hat vieles leichter gemacht. Ich möchte nicht wissen, wie es einer alleinerziehenden Mutter im Gemeindebau gegangen ist. Mir war es möglich, die Zeit zu nutzen und komplett in Bücher einzutauchen. Das habe ich zuletzt als Jugendlicher gemacht. Ich habe es auch genossen, weniger in meinen Tag packen zu müssen und möchte das, so gut es geht, beibehalten.

Wie soll das klappen? Sie gehen mit dem Buch auf Lesereise, kommen mit einem Film ins Kino und gehen mit Ihrem Kabarett-Programm „Goldfisch“ auf Tour?
Es klappt wahrscheinlich nicht in der Konsequenz, aber ich hoffe, dass wir alle lernfähig sind. Ehrlich gesagt war mir jetzt auch schon fad und bei aller wirtschaftlichen Notwendigkeit, weil ich nicht ausgesorgt habe, gehe ich auch gerne auf Tour. In meinem Beruf ist es immer ein bisserl zu wenig oder ein bisserl zu viel.

Bleibt Ihr Hauptberuf die Schauspielerei?
Ja, und die Bühne. Anfang September beginne ich wieder zu drehen, es handelt sich um eine Missbrauchsgeschichte. Regisseur ist Andreas Kopriva, der auch für „Schnell ermittelt“ und „Vier Frauen und ein Todesfall“ verantwortlich zeichnet. Das ist ein neues Fach für mich, ich freu mich drauf.

Stimmt es, dass Sie mit dem Laufen Ihre Nikotinsucht besiegt haben?
Ja das stimmt. Ich komme auch gerade vom Laufen. Es ist mein tägliches Training gegen das Verzetteln. Ich habe im Gegensatz zum Tennisspielen nicht immer Lust darauf, sondern muss mich motivieren. Beim Laufen gibt es wie beim Schreiben täglich 1.000 Gründe, warum ich keine Lust dazu habe.

Sie haben zwei Töchter. Würden Sie es begrüßen, wenn sie in die Schauspielerei gehen?
Ich sage jedem, der Schauspieler werden will, dass es alternativlos sein muss. Wenn dir was anderes einfällt, mach was anderes. Du musst es so sehr lieben, dass du bereit bist, pardon, „Scheiße zu fressen“.