Viel Kritik für die Bräune aus der Tube
UV-Licht verbrennt die Haut und lässt sie schneller altern, warnen Hautärzte. Auf eine „gesunde Farbe“ im Sommer wollen viele dennoch nicht verzichten und greifen zu vermeintlich gesunden Alternativen, zu Selbstbräunern. Experten warnen davor, denn bei einigen Marken schmieren sich die Konsumenten viel Chemie auf die Haut.
Sie sind eine Alternative zur natürlichen Sonnenbräune, der Versuch, blasser Haut einen Hauch Sommerfarbe zu verleihen. Ohne Sonne und ohne Solarium.
Selbstbräuner galten bisher als gesunde Variante der Hautbräunung, doch dieses gute Image ist dahin. Der Grund, Experten des Verbrauchermagazins Öko-Test haben zwanzig Tuben mit Selbstbräuner auf ihre Inhaltsstoffe hin getestet und sind ernüchtert. Nur drei Produkten konnten sie die Note „Gut“ geben, drei Viertel der Proben fielen mit den Bewertungen „Ungenügend“ (11) oder „Mangelhaft“ (5) sogar durch.

„Dass der Sonnenteint aus dem Kosmetikregal eigene Risiken birgt, hat unser Test gezeigt. Denn der für die Bräune verantwortliche Hauptwirkstoff Dihydroxyaceton, kurz DHA, kann krebsverdächtiges Formaldehyd freisetzen. In vielen der zwanzig getesteten Selbstbräunern fand das Labor Formaldehyd. DHA ist chemisch recht instabil und zerfällt mit der Zeit. Dabei wird, unter Einwirkung von Wärme, wie bei zu warmer Lagerung, Formaldehyd freigesetzt. Formaldehyd gilt als hautreizend, in der Atemluft sogar als krebsverdächtig“, resümiert Christine Throl von Öko-Test.

In der EU ist der Einsatz von Formaldehyd in Kosmetika seit Mai 2019 verboten. „Dieses Verbot gilt aber nicht für Inhaltsstoffe, die wie DHA Formaldehyd abspalten können. Hersteller müssen den Hinweis ‚Enthält Formaldehyd‘ auf die Verpackung drucken, wenn die Konzentration eine Menge von 0,05 Prozent am Kosmetikprodukt übersteigt. Zwar übersteigen die getesteten Produkte diesen Wert nicht, dennoch gehört ein krebsverdächtiger Stoff nicht in ein Kosmetikprodukt.“ In neun Bräunungscremes hat das Labor kein Formaldehyd nachgewiesen.

Doch das war nur ein Grund für das schlechte Abschneiden, das auch Produkte aus der Naturkosmetik betraf. „Kritik üben wir auch an PEG-Verbindungen, die wir in elf Produkten fanden. Sie sollen das Wasser in den Lotionen mit Fetten und Ölen binden, können die Haut aber durchlässiger für Fremdstoffe machen. Schließlich kritisieren wir die enthaltenen Silikone in Selbstbräunern. Die künstlichen Substanzen fügen sich nicht gut ins Gleichgewicht der Haut wie natürliche Fette, Öle und Wachse ein. Silikone waren in fünf, weitere Kunststoffverbindungen in zwölf Selbstbräunern enthalten“, bemängelt die Öko-Test-Autorin. Kritik üben die Experten auch an den zugesetzten Duftstoffen in den Tuben. „Es gibt Duftstoffe, die relativ häufig Kontaktallergien auslösen. Ebenso kritisch ist das in drei Produkten nachgewiesene Lilial, das möglicherweise die Fortpflanzung gefährdet“, lautet der Vorwurf.

Schließlich stehen Konservierungsmethoden auf der „Abschussliste“ der Tester. „Hersteller müssen wasserhaltige Kosmetika konservieren, damit die Produkte nicht verkeimen. Die Frage ist nur wie. Es gibt Konservierer, die hautreizend sein können, Formaldehyd abspalten oder möglicherweise wie ein Hormon wirken.“

Im Selbstbräuner einer anderen Marke war künstlicher Moschusduft. Der reichert sich im Körper an, ist in Muttermilch nachweisbar und baut sich in der Umwelt nur schwer ab.

„Das miese Abschneiden vieler der untersuchten Produkte zeigt, die Kosmetikindustrie hat nichts dazugelernt. Dieser Test fiel so schlecht aus wie jene in der Vergangenheit.“