Corona-Virus:
Wird genug getestet?
Die Zahl der Corona-Infizierten ist zuletzt wieder gestiegen. Die Marke von 8.000 gemeldeten Tests pro Tag wurde trotzdem nur selten überschritten. Obwohl die Laborkapazitäten auf mehr als 15.000 Untersuchungen ausgelegt sind. Die Opposition fordert mehr Tests, um ein zweites „Schließen“ des Landes zu verhindern. Das will die Regierung unter anderem mit einem Gefährdungs-Ampelsystem vermeiden. Je näher eine Region zu „Rot“ rückt, desto mehr Auflagen sind geplant.
JA:
Rudolf Anschober,
Gesundheitsminister (Grüne)

„Österreich zählt international zum Spitzenfeld bei der Zahl der Testungen pro Einwohner, bislang haben wir bereits rund 700.000 Tests durchgeführt. Wir testen gezielt, um die Ausbreitung des Virus frühzeitig zu erkennen und die Infektionsketten durch schnelles und konsequentes Eindämmen zu unterbrechen. Um die Testungen noch einmal massiv auszubauen, startete das Gesundheitsministerium in der vergangenen Woche in allen Bundesländern ein großes Untersuchungs-Programm. Ziel ist, vorsorglich in potenzielle Risikobereiche hineinzuschauen und zu kontrollieren. Konkret sind das Pflege- und Altenheime, Gesundheitseinrichtungen und Logistikunternehmen sowie beispielsweise große Betriebe der Fleischverarbeitungsbranche. Wichtig sind auch vorbeugende Tests für Personen in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen. Wir gehen von einer zusätzlichen benötigten Kapazität von 25.000 bis 30.000 Tests pro Woche aus. Die Teilnahme an diesen Screening-Tests ist freiwillig und wird sehr gut angenommen. Ziel ist, unter den Teppich zu schauen und somit ein Frühwarnsystem zu installieren, um auf den Herbst, der eine große Herausforderung darstellen wird, möglichst gut vorbereitet zu sein.“

NEIN:
Gerald Loacker,
NEOS-Gesundheitssprecher

„Die Antwort ist leicht: nein. Testen, testen, testen –
diese Devise wurde von der Bundesregierung mehrfach angekündigt, passiert ist aber nicht genug. Dabei ist es die wichtigste Maßnahme, um das Virus in den Griff zu bekommen. Bei vier von fünf Corona-Infizierten verläuft die Krankheit zwar symptomlos, sie sind aber genauso
ansteckend. Menschen, die direkt mit Corona-Erkrankten in Kontakt stehen, werden aber oft nur dann getestet, wenn sie Symptome aufweisen. Das ist grob fahrlässig.
Testen ist auch deshalb wichtig, damit wir mehr über das Virus lernen und es effektiver bekämpfen können. 15.000 Tests täglich hat die Regierung vor Monaten versprochen – jetzt hat Gesundheitsminister Anschober noch einmal 30.000 Tests zusätzlich pro Woche draufgelegt, Tourismusministerin Köstinger noch einmal 65.000 Tests pro Woche. Hielten all diese Ankündigungen, dann lägen wir bei 200.000 Tests pro Woche. In der Realität sieht es hingegen anders aus: Bisher wurden gerade einmal rund 700.000 Tests durchgeführt. Testen, testen, testen – halten wir uns an diese Devise. Sie ist ein Grundstein, um Corona
effektiv bekämpfen zu können.“