Nasensprays werden oft falsch angewendet
Eine verstopfte Nase stört beim Atmen ungemein. Vor allem nachts, wenn das Atmen mit offenem Mund denselbigen rasch austrocknet. Gerne greifen „Schnupfnasen“ zu Nasensprays, um wieder frei durchatmen zu können. Bei der Anwendung passieren jedoch häufig Fehler, und im schlimmsten Fall holen sich Betroffene sogar einen „Arzneimittel-Schnupfen“.
Ich bin seit gut fünfzehn Jahren Nasenspray-süchtig“, verriet vor wenigen Tagen der deutsche Sänger Paul Hartmut Würdig, 39, bekannt als Rapper „Sido“ und ehemaliger Juror in der ORF-Talente-Show „Die große Chance“.

„Süchtig“ von einem Nasenspray, das überraschte nicht nur Sidos Anhänger, doch das Problem gibt es in der Tat. Zwar nicht als Sucht im medizinischen Sinne, bei der die Wirkstoffe das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren, aber als äußerst unangenehmen Gewöhnungseffekt der Nasenschleimhaut, wie der HNO-Facharzt Dr. Johannes Schobel aus St. Pölten (NÖ, www.hnogruppenpraxis.at) bestätigt. „Nasentropfen mit einer abschwellenden Wirkung, wie sie bei Schnupfen gegeben werden, können Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin enthalten, die bei zu häufiger und zu langer Anwendung einen Rückprall-Effekt haben. Das heißt, es tritt eine verstärkte Durchblutung und schließlich auch ein erneutes und stärker empfundenes Anschwellen der Nasenschleimhäute auf. Einfach gesagt, das Symptom, das bekämpft wird, kommt verstärkt zurück, sobald die Wirkung des Medikaments nachlässt. Hinzu kommt, die Wirkung des Sprays lässt nach. Das Symptom, eine verstopfte Nase aufgrund von angeschwollenen Nasenschleimhäuten, tritt in immer kürzeren Abständen auf. Der Patient hat das Gefühl, er müsse immer öfter den Nasenspray anwenden, um wieder ‚frei‘ atmen zu können. Der Teufelskreis beginnt.“

Beobachten, wie lange die Wirkung anhält

Damit es soweit kommt, braucht es nicht viel, denn abschwellende Nasensprays sollten höchstens zwei Mal am Tag angewendet werden, für längstens sieben Tage. Angaben, die so mancher Patient nicht ernst nimmt. Davor warnt nun auch der Sänger Sido. „Wenn der Apotheker euch sagt, benützt den Nasenspray nicht länger als eine Woche, dann hat er Recht.“ Ab wann der Rückprall-Effekt auftritt, ist schwer zu sagen. Es gibt Untersuchungen, bei der die unerwünschte Wirkung bereits drei Tage nach der ersten Anwendung auftrat. „Ich rate, nicht nur die Anwendungsempfehlung einzuhalten, sondern täglich die Wirkungszeit zu beobachten. Verkürzt sie sich, ist Obacht geboten und die Anwendung sofort zu beenden. Auch wenn erst der dritte Tag verstrichen ist“, erklärt Schobel.

Risiko einer dauerverstopften Nase

Werden die Angaben zur Häufigkeit und Dauer der Anwendung ignoriert und tritt die Abhängigkeit ein, sprechen Experten vom sogenannten „Arzneimittel-Schnupfen“, der die Nase dauernd verstopft. In seltenen Fällen kommt es bei weiterer Anwendung zum Austrocknen von Teilen der Nasenschleimhaut, zur Ansammlung von Keimen, zur Borkenbildung und zu Nasenbluten.

„Wichtig ist zu wissen, dass diese Abhängigkeit ausschließlich bei abschwellenden Nasentropfen eintreten kann. Bei Nasensprays, die nur salzhaltige Lösungen enthalten oder eine entzündungshemmende Wirkung haben, wie etwa jene für Allergiker, besteht diese Gefahr nicht“, macht Dr. Schobel aufmerksam.

Kinderpräparat als Alternative

Schnupfenpatienten, die im Nasenspray-Teufelskreis gefangen sind, gehen am besten auf Entzug, rät der HNO-Arzt. „Der dauert zehn bis fünfzehn Tage, aber die Nasenschleimhaut erholt sich wieder. In schweren Fällen gibt es Medikamente, die helfen, die Nasenschleimhaut abzuschwellen. Und um eine etwaige Abhängigkeit erst gar nicht aufkommen zu lassen, ist es empfehlenswert, neben der Dosierungsempfehlung das Kinderpräparat unter den Schnupfen-Nasensprays zu verwenden. Die Wirkstoffkonzentration ist hier deutlich geringer.“