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Ein „Becher“ für die Monatsblutung
Früher nur über das Internet erhältlich, sind Menstruationstassen nun auch in Drogerien und manchmal sogar im Supermarkt erhältlich. Wie sie funktionieren, bleibt den meisten Frauen aber noch verborgen. Dabei bieten die weichen Kunststoffbecher einige Vorteile, wenn auch ihre Anwendung ein bisschen geübt sein will.
Ein Becher, der die Monatsblutung auffängt, ausgeleert und sofort wieder eingesetzt wird. Das ist noch immer die am wenigsten bekannte Form der Monatshygiene. Dabei wurde der erste „Moon cup“, wie die Menstruationstasse anfänglich hieß, bereits im Jahr 1937 als Patent angemeldet.

Als ihre Erfinderin gilt die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Leona Chalmers. Sie wollte damals die Frauen von den „klobigen Gerätschaften“ befreien, wie Chalmers damals Binden für die Monatsblutung umschrieb. Doch sie scheiterte am Zweiten Weltkrieg, an der Bedienungsfreundlichkeit des Produktes und der späteren Konkurrenz durch Tampons.

Schont die Umwelt, die Geldbörse und den Körper

Heute, mehr als acht Jahrzehnte später, gibt es rund ein Dutzend der weichen Menstruationstassen auf dem Markt. Den meisten Frauen sind sie noch immer ein Rätsel, trotzdem könnte jetzt ihr Durchbruch erfolgen, aus mehreren Gründen. „Eine Frau entsorgt während ihres Lebens fast elftausend Sanitärprodukte. Bis zu sieben Milliarden Tampons und 13 Milliarden Binden landen jedes Jahr im Müll“, verrät Rudolf Wessely, Gründer und Geschäftsführer des heimischen Pharmaunternehmens Gynial, das die Menstruationstasse „Lily Cup“ auf den Markt gebracht hat. Das neue, wieder verwendbare Hygiene-Produkt vermeidet solche Müllberge und schont dazu die Geldbörse.

Von den Vorteilen der aus weichem Silikon, Kunststoff oder Latex angefertigten Becher profitieren, so die Hersteller, nicht nur die Umwelt und das Budget. So gibt es im Gegensatz zum Tampon kein Bändchen, das aus dem Slip (der Bikinihose) hervorblitzen kann oder beim Saunagang stört. „Die aus medizinischem Silikon hergestellten Modelle trocknen die empfindliche Scheidenschleimhaut während der Periode nicht aus. Das kann vor Vorteil sein für Frauen, die an wiederkehrenden Scheideninfektionen leiden. Die Verwendung von hochwertigem medizinischem Silikon ist besonders wichtig, weil das Produkt so über mehrere Jahre verwendet werden kann“, sagt Dr. Johannes Seidel, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Dank Unterdruck bleibt der Becher an seinem Platz

Ähnlich einem Tampon fängt die Menstruationstasse das Sekret im Inneren des Körpers auf. Dafür wird der weiche, vor der Periode im heißen Wasser sterilisierte Becher gefaltet (siehe Grafik) und wie ein Tampon in die Vagina eingeführt. Bei Bedarf erleichtert das Anfeuchten mit Wasser oder Gleitgel diesen Schritt. „Die richtige Position ist erreicht, wenn die Tasse nicht zu spüren ist. In dem Moment, in dem die Frau loslässt, poppt das elastische Material des Bechers auf. Dank des dabei entstehenden Unterdruckes legt sich der Becherrand eng an die Scheidenwand und dichtet ab. Es ist wichtig, dass die Frau, je nach Stärke ihrer Blutung die richtige Größe wählt. Die Tassen fangen zwischen 25 und 40 Milliliter Flüssigkeit auf. Die Größenwahl hängt auch davon ab, ob die Frau schon ein Kind auf natürlichem Wege geboren hat oder sie viel Geschlechtsverkehr hat“, erklärt Dr. Seidel. Ist die richtige Größe gewählt, kann mit damit auch Sport betrieben werden.

Mit ein bisschen Übung klappt‘s

So wie das Einsetzen der Tasse ein bisschen Übung erfordert, braucht das Entfernen ein wenig Fingerspitzengefühl.

„Wichtig ist, die Menstruationstasse nicht einfach am Stiel oder Ring zu fassen und anzuziehen. Das kann schmerzhaft sein oder gar die Schleimhaut beleidigen. Richtig ist, die Tasse mit einem Finger zuerst ein wenig einzudrücken, damit sich der Unterdruck und die Ränder von der Scheidenwand lösen. Dann wird sie herausgezogen.“ Das Sekret wird in die Toilette entleert, die Tasse mit Wasser ausgespült, wenn möglich mit milder Seife gereinigt und wieder eingesetzt. Ist kein Waschbecken in der (öffentlichen) Toilette vorhanden, helfen eigens für die Tassen hergestellte feuchte Reinigungstücher beim Säubern.

Dass die Menstruationstasse ausläuft, passiert laut Untersuchungen nicht öfter oder in größerem Ausmaß
als mit anderen Hygieneartikeln. Einige Frauen entscheiden sich daher anfangs, eine dünne Slipeinlage zum Schutz der Wäsche zu tragen.