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Keine Angst vor der Narkose
Ob neues Hüftgelenk, neue Linse oder Tumorentfernung, dank Narkose können Chirurgen vielen Menschen das Leben retten oder erleichtern. Wiewohl der „Narkoseschlaf“ als Segen der Medizin gilt, löst er unter Patienten Ängste aus. Der Anästhesist Dr. Michael Zink aus Klagenfurt (K) erklärt, wieso das unbegründet ist und wie intensiv sich Anästhesisten um ihre Patienten kümmern.
Es ist die Angst vor dem Kontrollverlust. Sein Leben in die Hände eines anderen zu geben und darauf zu vertrauen, es wieder zurückzubekommen. Emotionen wie diese kennen Narkoseärzte von ihren Patienten nur zu gut. Ein Blick in die Statistik zeigt jedoch, die Angst vor der Narkose ist unbegründet, betont Univ-.Prof. Dr. Rudolf Likar von der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin.

„Noch in den 1960er Jahren lag die Sterberate aufgrund der Anästhesie mit 80 von 100.000 Patienten extrem hoch.
In den 1970er und frühen 80er Jahren gingen die Todesfälle auf zehn bis 30 von 100.000 zurück. Heute beträgt sie nur 0,4 von 100.000. Die Anästhesiologie hat eine Schlüsselrolle bei der Senkung der Spitalssterblichkeit.“

So eindrucksvoll die Zahlen sind, das Unbehagen bei Patienten können sie oft nicht aus der Welt schaffen. Prim. Dr. Michael Zink, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie am Elisabethinen-Krankenhaus, Klagenfurt und am KH der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan (K), kann Patienten beruhigen. „Die regionale Betäubung, bei der nur ein Körperteil, wie ein Bein oder ein Arm, schmerzunempfindlich gemacht wird, löst die Vollnarkose immer öfter ab. Das ist für den Körper, die Lunge und vor allem für das Gehirn schonender und verhindert bei älteren Menschen einen Zustand vorübergehender Verwirrtheit nach der Vollnarkose.“

Welche Form der Narkose für einen Eingriff schließlich gewählt wird, beeinflussen mehrere Kriterien, erklärt Dr. Zink. „Ausschlaggebend ist der Eingriff selbst. Für Hüft- oder Knie-Operationen genügt oft der ‚Kreuzstich‘, mit dem die untere Körperhälfte ‚schlafen gelegt‘ wird. Bei Operationen am Kopf, am Herzen und im Bauchraum ist die Vollnarkose die einzige Wahl. Diese Entscheidung erklärt der Anästhesist dem Patienten im Vorgespräch. Zur Berechnung der richtigen Dosierung berücksichtigt er wichtige Patientendaten wie Gewicht, Körpergröße, Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, Allergien oder Medikamente. Blutverdünner zum Beispiel müssen ein paar Tage vor der Operation abgesetzt werden, weil der Patient sonst zu stark blutet“, erläutert der Narkosearzt.

Berücksichtigt werden auch Besonderheiten des Patienten. Ist der Patient etwa dick, hat er einen kurzen Hals oder wenig Beweglichkeit in der Halswirbelsäule, ist das bei der Wahl und beim Einlegen des Beatmungsschlauches mitentscheidend. Es wird auf jedes Detail geachtet.“

Auf dem Weg in den Operationssaal sind aber alle Fragen geklärt. „Das Anästhesieteam ist bereit und wird bis zum Ende des Eingriffes an der Seite des Patienten sein“, versichert Dr. Zink und verrät, dass zum Einleiten der Narkose der Patient immer auf dem Rücken liegt. „Die Patienten haben eine Venenkanüle in einem Arm, in die das Narkosemittel gegeben wird. Sie ist am besten zugängig, wenn der Patient am Rücken liegt.“ Die Narkose selbst ist ein „Cocktail“ aus Schmerzmittel, Schlafmittel und manchmal einem Mittel zur Muskelentspannung, wie es zum Beispiel für eine Operation im Bauchraum wichtig ist. Bevor der Narkoseschlaf eintritt, erhält der Patient über eine Maske noch eine Extraportion Sauerstoff, eine Sicherheitsreserve für die Lunge sozusagen. „Ist ein Mensch in Narkose, gibt es nichts, was ihn wecken könnte.“ Der Grund, der Patient ist bewusstlos. Die Narkosemittel unterbrechen die Nerven-Verbindungen im Gehirn.

Schläft der Patient, hilft dem Anästhesisten eine „Armada“ an Medizin-Geräten, Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Blutgerinnung und den Flüssigkeitshaushalt des Patienten zu überwachen. „Auf einem Finger des Patienten sitzt eine Klammer für die Pulskontrolle. Über eine Manschette um den Arm oder eine kleine Nadel als Sensor am Handgelenk behalten wir den Blutdruck im Auge. Ein EKG überwacht die Arbeit des Herzens, und um das Risiko eines zu frühen Erwachens zu verhindern, überwachen wir über Klebesensoren auch die Gehirnströme des Patienten.“ Und dem ist nicht genug. Der Blick auf die Überwachungsmonitore ist nur ein Teil der Arbeit des Anästhesisten. Der andere Teil ist der Zusammenarbeit mit dem Chirurgen gewidmet.