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Frühe Diagnose schützt unsere kranken Gelenke
Rund einhundert der mehr als 350 Gelenke in unserem Körper verdanken wir unsere Mobilität. Mit dem Alter drohen aber jedem Zweiten durch Abnützung und jedem Vierten durch eine rheumatische Erkrankung Beschwerden. Der Gelenksspezialist Dr. Peter Zenz erklärt, wann Schmerzen alarmierend sind, eine Operation notwendig ist und warum das künstliche Knie ein Problem sein kann.
Arthritis, Arthrose, Gicht. Gelenksschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden und sind ein führender Grund für Behinderung. Vor allem ab dem 50. Lebensjahr häufen sich Gelenksprobleme. Wesentliche Gründe sind die steigende Lebenserwartung, zu wenig Bewegung, Fehlbelastungen und Übergewicht. Um die Beweglichkeit zu erhalten, ist das frühe Erkennen von Alarmsignalen entscheidend. Primar Dr. Peter Zenz, Vorstand der orthopädischen Abteilung im Otto-Wagner-Spital Wien, hat Tipps für Betroffene.

Dr. Zenz, welche Symptome zeugen von kranken Gelenken?
Frühsymptome sind schmerzhafte, steife und/oder geschwollene Gelenke. In der Hüfte macht sich keine Schwellung, nur Schmerz bemerkbar, der meist in der Leiste sitzt. Auch Rötung und ein überwärmtes Gelenk sind Anzeichen, dass etwas nicht stimmt.

Können Schmerzen oder Rötung andere Ursachen haben?
Schwellungen, Schmerzen, die nicht innerhalb von zwei bis vier Wochen dauerhaft abklingen, sind meist Zeichen für eine Erkrankung des Gelenks. In so einem Fall ist es wichtig, zum Hausarzt oder Orthopäden zu gehen, damit die Ursache abgeklärt wird. Bei einer Rötung oder Überwärmung ist ehestens ein Arzt aufzusuchen

Sind Gelenksschmerzen im Alter nicht normal?
Nein. Es gibt alte Menschen mit gesunden Gelenken. Ernährung und Lebensstil bestimmen stark die Gelenks-
gesundheit. Wer länger als sechs Wochen mit Schmerzen ausharrt, riskiert dauerhafte Schäden im Gelenk.

Welche Untersuchung ist für die Gelenke empfohlen?
Das Röntgen und die Computertomographie sind ideal, um den Knochen zu beurteilen. In der Magnetresonanztomographie lassen sich Bänder, Knorpel, Meniskus und andere Weichteile am Gelenk bewerten.

Welche Gelenke sind am häufigsten betroffen?
Die Hand- und Fingergelenke bei den kleinen, die Knie- und Hüftgelenke bei den großen Gelenken. Hinzu kommen Abnützungen in der Wirbelsäule, im Sprunggelenk und in den Zehen.

Kann ein zerstörter Knorpel wieder aufgebaut werden?
Nein. Je früher eine Gelenkserkrankung erkannt wird, desto besser ist es. Der Restknorpel kann therapeutisch unterstützt werden.

Welche Therapien gibt es für erkrankte Gelenke?
Am Anfang stehen die Schmerzbekämpfung und Entzündungshemmung durch Schonen, eventuell kurzfris-
tiges Ruhigstellen, Einreibungen und Hausmittel wie Eis
oder Topfen. Meist ist die Einnahme schmerz- und ent-
zündungshemmender Medikamente notwendig. Gelenks-
punktionen bei starker Ergussbildung und Injektionen mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten helfen ebenso. Danach ist die Bewegungs-
therapie ein zentraler Punkt, wie Physiotherapie, Physikalische Medizin, Schwimmen, Radfahren, Gehen mit Wanderstöcken. Mit Sport wie Fußball, Laufen oder Ten-
nis sollte pausiert werden. Später kommt die Rehabilitation zur Anwendung. Knorpelschäden können durch Hyaluroninjektionen ins Gelenk behandelt werden.

Warum ist Bewegung für kranke Gelenke wichtig?
Der Gelenksknorpel ist nicht durchblutet. Er erhält alle wichtigen Nährstoffe durch die Bewegung im Gelenk über die Gelenksflüssigkeit.

Verursacht rheumatoide Arthritis noch Gelenksschäden?
Je früher diese Erkrankung festgestellt wird, umso besser ist es. Spezielle Medikamente und moderne Biologika hemmen die Entzündungen und die Immunantwort, und sie können die Erkrankung zum Stillstand bringen oder deutlich verlangsamen. Das Immunsystem greift die eigenen Gelenke nicht weiter an.

Wann ist eine Operation die Therapie der Wahl?
Wenn alle konservativen Behandlungen ausgeschöpft sind und weiter Schmerzen und Funktionseinschränkungen belasten, ist eine Operation die beste Möglichkeit, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit sowie die stabile Gelenksfunktion wiederherzustellen.

Für welche Gelenke gibt es künstlichen Ersatz?
Für nahezu alle. Manchmal ist ein stabilisierendes, versteifendes Verfahren sinnvoller, etwa bei Hand-, Sprung- und Fingergelenken. Die häufigste Anwendung ist am Knie-, Hüft- und Schultergelenk. Manchmal ist es vorteilhafter, das Gelenk zu erhalten und durch Änderung der Gelenksstellung eine Besserung zu erzielen. Bei schmerzhaften Abnützungen von Gelenken in der Wirbelsäule können durch minimalinvasive Verfahren nur die schmerzleitenden Nerven ausgeschaltet werden.

Wie lange hält ein moderner Gelenksersatz?
Wir dürfen von modernen Knie- und Hüftgelenken eine Haltbarkeit von 20 bis 30 Jahren erwarten.

Sind künstliche Gelenke wie die eigenen?
Künstliche Hüftgelenke haben eine hohe Patientenzufriedenheit. Neun von zehn vergessen bald, dass sie ein Kunstgelenk haben. Das Knie ist ein komplexes Gelenk, das unterschiedliche Bewegungen wie Drehen, Rollen und Gleiten vereinbaren muss und von einer schmerzsensiblen Kapsel umgeben ist. Daher dauert die Rehabilitation nach der Knieoperation fast doppelt so lange wie nach der Hüfte.

Termin: 13. rheuma.orthopädie-aktiv Kongress, 16.3., 8 bis 17 Uhr, Museumsquartier Wien-Arena 21, Karte E 99,–, 6 Vorträge mit Fragerunden, Mittagessen, Getränke, Kuchen. Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0664/2162547.