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„Ich hätte sie gerne bei mir daheim, aber Mama möchte selbstständig bleiben“
Mit seinem Lied „Mama“ wurde der Niederländer Hein Simons, 63, als „Heintje“ im Jahr 1967 zum gefeierten kindlichen Sänger, der auch in zahlreichen Filmen mitspielte. Vor etwas über einem Jahr meldete er sich mit seinem Musikalbum „Heintje und ich“ zurück, das prompt die Schlagerhitparaden stürmte. Doch Simons plagen auch Sorgen, denn seine 84jährige Mutter ist pflegebedürftig.
Herr Simons, wie oft sehen Sie Ihre Mutter?
Das ist verschieden. Manchmal ein Mal in der Woche. Manchmal auch zwei oder drei Mal. Ich rufe auch manchmal an und frage, wie es ihr geht. Aber sie hat ja auch ein Telefon und würde anrufen, wenn etwas wäre. Sie wohnt in einer der Wohnungen in unserem alten Haus.

Wie geht es ihr gesundheitlich?
Sie hatte noch vor Kurzem große Probleme. Sie war mehrmals zuhause hingefallen. Dann bekam sie Tabletten, die sie nicht vertragen hat. Auf einmal war und sprach sie komisch und sah kleine Elefanten. Der Arzt meinte, das hätte sie bestimmt schon länger und wir hätten es nur nicht bemerkt. Ich habe mir große Sorgen gemacht. Dann wurden die Tabletten wieder abgesetzt und sie war wieder normal. Ich habe dadurch gelernt, bei Ärzten vorsichtig zu sein. Zum Glück ist sie jetzt wieder genauso pfiffig wie vorher. Es geht ihr wieder gut.

Gestaltet sie ihr Leben selbstständig?
Meine Mutter ist 85 und macht noch vieles allein. Sie hat eine Hilfe, die drei Mal in der Woche putzen kommt. Und eine, die jeden Tag ein Mal nach ihr schaut. Vor knapp zwei Jahren hatte sie eine Herzoperation, bei der sie eine neue Herzklappe bekommen hat.

Hat sie die Operation gut überstanden?
Ja, auf jeden Fall, es geht ihr deutlich besser. Das war eine Geschichte, als der Arzt zu ihr gesagt hat: „Entweder machen Sie das oder Sie haben nicht mehr lange zu leben.“ Meine Sorge war groß und es war natürlich auch schwierig, ihr einen Rat zu geben, denn die Operation hätte auch schiefgehen können. Ich habe zu meiner Mutter gesagt: „Du machst das, was du willst und denkst. Es ist deine Entscheidung.“ Wenn ich sie gezwungen hätte und die Operation schiefgegangen wäre, hätte ich mir immer einen Vorwurf gemacht. Deswegen wollte ich ihr nur einen Rat geben. Der Arzt hatte damals auch gemeint, ich solle versuchen, sie zu überreden und das habe ich gemacht. Aber ich bin mir heute sicher, es war die richtige Entscheidung, denn ihre Beschwerden wurden immer
schlimmer und auch die Medikamente wirkten nicht mehr. Wichtig ist, dass es ihr heute schon wieder besser geht.

Lebt sie die ganze Zeit allein?
Meine Schwester geht oft zu ihr. Und der Sohn meiner Schwester wohnt auch in dem Haus. Er geht auch immer zur Oma. Meine Mutter lebt ein wenig zurückgezogen. Das war aber früher auch schon so. Ich war ein Papakind, das hat aber nichts damit zu tun, dass ich sie nicht lieb habe. Ich habe sie genauso lieb wie meinen Vater, aber anders. Mein Vater war optimistischer, freudiger. Mit meinem Vater hätte ich wahrscheinlich noch mehr gemacht als mit meiner Mutter. Bis vor zwei Jahren ist sie übrigens noch Auto gefahren. Nach der Herz-Operation hat sie das Auto aber meiner Schwester geschenkt. Sie war bislang immer äußerst selbstständig, hat im Alter noch ihren Führerschein gemacht, damit sie von anderen nicht abhängig ist. Das war ihr wichtig, und das soll auch so bleiben. Und mir ist wichtig, dass sie in Würde alt werden kann. Sie hat ja schon ein schönes Alter erreicht.

Würde ihr die Familie helfen, wenn es nötig wäre?
Ich habe meiner Mutter das Angebot gemacht, bei uns zu wohnen. Aber sie will nicht. Auf dem Hof wäre alles gut geregelt. Aber sie will immer noch alleine leben. Das ist wieder typisch für meine Mutter. Es hat lange gedauert, bis ihr jemand zuhause helfen konnte. Sie ist nicht immer einfach. Sie hat einen eigenen Kopf. Und sie weiß ganz genau, was sie will. Das hat sie bei meinem Vater auch schon so gemacht. Manche Sachen hat sie klug durchgesetzt, indirekt. Sie sagt mir auch, wie sie die Dinge sieht. Ihr machst du nichts vor.

Wie ist das Gefühl zu Ihrer Mutter?
Das wichtigste Gefühl zu meiner Mutter ist die Geborgenheit. Mütter sind einfach die wichtigsten Menschen, gerade in jungen Jahren. Ich glaube, ich gehe sehr gut mit meinen Kindern und mit meinen Enkerln um, aber nie so fürsorglich und mit so viel Geduld, wie es eine Mutter kann. Mütter sind schon etwas Besonderes.