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Quälend langer Husten
Er ist eine Express-Reinigung, um Erreger und Fremdkörper aus unseren Atemwegen zu befördern. Dauert ein Husten jedoch mehrere Wochen an, belastet und beunruhigt das. Ein Lungenarzt erklärt, wieso der Erkältungshusten Wochen dauern kann und ab wann ein Arzt aufgesucht werden soll.
Er gehört zu den häufigsten Diagnosen, die in dieser Zeit des Jahres in den ärztlichen Praxen gestellt werden, der Husten. Mediziner bezeichnen ihn, je nach Dauer der Hustenattacken, als akute oder chronische Bronchitis.

In neun von zehn Fällen stecken Erkältungsviren dahinter. Zuerst kratzt der Hals, dann rinnt die Nase und am Ende quält der Husten. Bei Erwachsenen sind häufig Influenza-, Parainfluenza-, Rhino- oder Adenoviren die Auslöser, doch mittlerweile sind mehr als zweihundert verschiedene Viren als Hustenverursacher bekannt. Das Problem, ein Husten kann Betroffene wochenlang plagen und ist körperliche Schwerarbeit. Geschwächte Patienten sind oft schnell erschöpft. Krampfartiges Husten führt bei empfindlichen Naturen oder den Kindern mitunter zu Brechreiz, im Extremfall zu Bewusstlosigkeit (= Husten-Synkope). Ist die Bauchdecke schlaff, kann der Druck beim Husten das Bauchfell oder Teile der Bauchorgane in den vorgewölbten Bruchsack drücken, was eine Notlage darstellt. Mitunter kommt es zu Nasenbluten, oder im Auge platzt ein Äderchen.

Häufig steckt hinter lang anhaltendem Husten ein „Teufelskreislauf“, wie Prim. Dr. Bernd Lamprecht, Lungenfacharzt und Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum
in Linz (OÖ) erklärt. „Die Schleimhäute in den oberen Atemwegen sind oft nach Abklingen der anderen Symp-
tome wie Schnupfen oder Halsweh extrem empfindlich. Durch den Infekt kommt es zu Schäden an der Atemwegsschleimhaut, der die Rezeptoren von Nervenenden freilegt. Sie reagieren dann äußerst empfindlich, etwa auf längeres Sprechen, kalte oder trockene Luft sowie Duftstoffe. Sie leiten den Reiz an das Gehirn weiter, das den Muskeln in Brust, Bauch, Rücken und im Kehlkopf den Befehl zum Husten gibt. Die Schleimhaut wird erneut gereizt.“

Husten ist nicht immer harmlos

Tatsächlich kann es bis zu acht Wochen dauern, bevor die durch die Erkältung geschädigte Schleimhaut wieder heilt und der Husten vergeht. „Dauert Husten länger an, ist das chronisch und nicht durch einen einfachen Atemwegsinfekt erklärbar. In dem Fall ist es wichtig, zum Hausarzt, HNO-Arzt oder Lungenfacharzt zu gehen, denn es gibt rund fünfzehn ernstere Krankheiten, die mit Husten verbunden sind. „Darunter sind COPD, Asthma bronchiale, Lungenfibrose, die mit einer Vernarbung der Lungenbläschen einhergeht, Keuchhusten, eine Lungen- oder eine Nasennebenhöhlenentzündung. Sogar Magensäure, die in die Speiseröhre zurückfließt, kann Husten-Rezeptoren reizen“, warnt der Spezialist. Weitere Auslöser wochen- und monatelang anhaltender Hustenattacken sind manche Medikamente, etwa Mittel gegen Bluthochdruck wie ACE-Hemmer oder Betablocker. „Bei Husten mit blutigem oder grünlichem Auswurf, Schmerzen, Fieber, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit sollte ein Arzt geholt werden“, empfiehlt Dr. Lamprecht. Hustenstillende Medikamente wirken kaum, weil sie nicht die Ursache beheben.

Der Schleim muss raus aus den Bronchien

Quälender Erkältungshusten sollte zum Stillstand gebracht werden. „Beim trockenen Reizhusten helfen hustenstillende Medikamente. Wichtig ist, sie vorwiegend abends einzunehmen, um besser zu schlafen“, rät der Lungenfacharzt. Natürliche Alternativen sind Spitzwegerichsaft und Mittel mit Efeu, sie wirken entkrampfend. Inhalationen mit Salz oder dem ätherischen Öl von Thymian, Ysop und Latschenkiefer unterstützen das Abklingen, aber „ätherische Öle nie bei Säuglingen und Kleinkindern anwenden. Es besteht die Gefahr, dass sie einen Kehlkopf- oder Stimmritzenkrampf erleiden.“

Ein verschleimter Husten sollte hingegen nicht auf Dauer unterdrückt werden. „Das Sekret in den Bronchien soll bitte abgehustet werden. Trinken Sie viel Tee, etwa zwei Liter am Tag, damit es sich verflüssigt und leichter aus den Bronchien löst. Zusätzlich helfen schleimlösende und entkrampfende Arzneien.“ Als bewährte Arznei gilt das im Eukalyptus enthaltene Cineol, als Inhalation oder Einreibung auf der Brust. Um zähen Schleim gut abzuhusten, raten Experten, den Oberkörper leicht nach vorne zu beugen und kurz und kräftig gegen die geschlossenen Lippen zu husten. Der dabei entstehende Gegendruck weitet die Atemwege und verhindert ein Verkrampfen der Bronchien.