Zwei neue Hüften auf einen Streich
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Bei schwerer Arthrose in der Hüfte hilft oft nur ein künstliches Gelenk.
Sind beide Hüften betroffen, kann ein gleichzeitiger Gelenksersatz sinnvoll sein.
Über die Voraussetzungen und Vorteile spricht der Gelenkspezialist Dr. Wolfgang Kaltenbrunner.
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Hüftgelenksarthrose gehört zu den schmerzhaftesten Einschränkungen der Beweglichkeit. Fast eine halbe Million Menschen in unserem Land sind betroffen.
Jedes Jahr werden rund 21.000 künstliche Hüften eingesetzt. Auch wenn in frühen und mittleren Phasen der Gelenksabnützung nicht-operative Therapien einen Gelenkstausch über Jahre hinauszögern können, kommt der Tag, an dem nichts mehr hilft. Die Schmerzen bessern sich nicht, Gehen und Bücken sind eine Qual, sogar in Ruhe treten die Schmerzen auf. Ein künstliches Hüftgelenk ist ab diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit zur Wiedergewinnung der Lebensqualität.
„Ist die Arthrose beidseitig so weit fortgeschritten, dass das Hüftgelenk links und rechts stark schmerzt, kann der Arzt dafür geeigneten Patienten in einem einzigen Operationsvorgang nachhaltig helfen“, berichtet Prim. Dr. Wolfgang Kaltenbrunner, Gelenkspezialist in Klosterneuburg (NÖ, www.orthopaede-kaltenbrunner.at) und Leiter der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus in Wien.
Zwei Hüften in einem Eingriff zu ersetzen, hat für Patienten einige Vorteile. „Das bedeutet nur eine Narkose und eine Reha-Phase für beide Hüften und damit insgesamt eine raschere Rückkehr in den Alltag. Für berufstätige Menschen hat das den Mehrwert, nicht zwei Mal für längere Zeit im Krankenstand und auf Rehabilitation sein zu müssen“, sagt der Gelenkspezialist.
Schließlich wirkt sich die gleichzeitige Operation der Hüftgelenke auch auf das Gehen selbst aus. „Das Gangbild entwickelt sich harmonischer. In Fällen, in denen zuerst eine Seite operiert wurde, kommt es auf der noch nicht operierten, noch schmerzenden Seite zur sogenannten Schonhaltung.
Damit kann sich ein unnatürlicher Bewegungsablauf manifestieren. Werden hingegen beide Hüftgelenke gleichzeitig ausgetauscht, fällt diese Gefahr weg“, erläutert Dr. Kaltenbrunner, der im Evangelischen Krankenhaus in Wien meist nach der minimal-invasiven AMIS-Technik operiert, die Muskeln und Sehnen schont.
Dabei dringt er über einen nur kleinen Hautschnitt an der Vorderseite der Hüfte, ohne Muskeln oder Sehnen zu durchtrennen, zum Gelenk vor.
„Dank exakter digitaler Operationsplanung und eines navigierenden OP-Roboters lassen sich Beweglichkeit, Stabilität und Beinlängen während des Eingriffs präzise aufeinander abstimmen“, beschreibt der Arzt.
Um von den Vorteilen zu profitieren, müssen Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Denn beide Hüftgelenke im Zuge einer einzigen Operation aus-
zutauschen, dauert naturgemäß länger und ist zugleich
belastender. Im Durchschnitt ist der Patient zwischen zwei und drei Stunden im OP-Saal. „Das geht mit einer etwas höheren Belastung des Herz-Kreislauf-Systems aufgrund der längeren Narkosezeit einher. Das Lebensalter ist für den Eingriff weniger entscheidend als Vorerkrankungen. Die Patienten sollten nicht unter gravierenden Herz- und/oder Kreislaufproblemen oder etwa an einem schlecht eingestellten Diabetes leiden“, gibt Prim. Kaltenbrunner zu bedenken. Zudem sind die ersten Tage nach einem beidseitigen Eingriff anstrengender als nach einem einseitigen
Gelenkstausch. Patienten müssen an der Wiedererlangung eines harmonischen Gangbilds aktiv und diszipliniert mitarbeiten.
„Sollte ein Patient mehrere Begleiterkrankungen
haben, ist eine gleichzeitige Sanierung beider Hüftgelenke erst nach gründlichen Voruntersuchungen und in Abstimmung mit dem Anästhesie-Arzt gewissenhaft abzuwägen.“
Friedrich Haferl, 75, Winzer aus Langenzersdorf (NÖ):
Herr Haferl, Sie haben im Juni beide Hüften gleichzeitig
ersetzt bekommen. Wie geht es Ihnen damit?
Wirklich gut. Wer nicht weiß, dass ich operiert wurde, merkt nichts. Mein Gangbild ist, wie es immer war. Ich kenne Menschen, die haben nur eine Hüfte operiert bekommen und sind nicht so zufrieden wie ich.
Sie sind einer der wenigen Patienten, die beide Hüften
auf einmal ersetzt bekommen haben. Wie kam es dazu?
Ich komme aus einer Bauernfamilie, bin Winzer. Ich habe immer schwer gearbeitet und schon länger
Bandscheibenprobleme. Vor 15 Jahren traten erstmals
Hüftschmerzen auf. Die wurden über die Jahre schlimmer. Ab und zu musste ich Schmerztabletten nehmen. Eines Tages sagte mir Dr. Kaltenbrunner, der mich schon an der Schulter operiert hatte, dass beide Hüften so stark abgenützt sind, dass sie ersetzt gehören.
Da ich gesundheitlich gut beinand bin, bot er mir an, beide auf einmal zu operieren. Er überzeugte mich – nur eine Operation, eine Narkose, eine Genesung. Ich hatte vollstes Vertrauen und stimmte der Operation sofort zu.
Wie ging es Ihnen nach der Operation?
Gut, der Hüftschmerz war sofort weg. Wenige Stunden nach der Operation bin ich mit Krücken und der Hilfe von Therapeuten aufgestanden, am nächsten Tag schon Stufen gestiegen. Ich war überrascht, wie gut das ging.
Worauf müssen Sie zu Hause achtgeben?
Am fünften Tag wurde ich entlassen und habe fünf Übungen bekommen, die ich seither regelmäßig mache. Eine Therapeutin kommt ins Haus und übt mit mir. Das ist meine Reha. Vier Wochen nach der Operation
war ich zur Kontrolle bei Dr. Kaltenbrunner. Alles heilt gut. Ich bin wieder so fit, dass ich Auto fahren darf.
Arbeiten Sie auch schon wieder im Weingarten mit?
Zum Teil. Bei der Lese Ende August habe ich im Presshaus geholfen.
Auf dem Traktor fahre ich aber noch nicht und ich schleppe keine schweren Kisten. Ich soll mich auch nicht bücken und schwer heben. Das wäre für die künstlichen Hüften noch zu belastend. Im Frühling sollte die Heilung abgeschlossen sein.
Jedes Jahr werden rund 21.000 künstliche Hüften eingesetzt. Auch wenn in frühen und mittleren Phasen der Gelenksabnützung nicht-operative Therapien einen Gelenkstausch über Jahre hinauszögern können, kommt der Tag, an dem nichts mehr hilft. Die Schmerzen bessern sich nicht, Gehen und Bücken sind eine Qual, sogar in Ruhe treten die Schmerzen auf. Ein künstliches Hüftgelenk ist ab diesem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit zur Wiedergewinnung der Lebensqualität.
„Ist die Arthrose beidseitig so weit fortgeschritten, dass das Hüftgelenk links und rechts stark schmerzt, kann der Arzt dafür geeigneten Patienten in einem einzigen Operationsvorgang nachhaltig helfen“, berichtet Prim. Dr. Wolfgang Kaltenbrunner, Gelenkspezialist in Klosterneuburg (NÖ, www.orthopaede-kaltenbrunner.at) und Leiter der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus in Wien.
Zwei Hüften in einem Eingriff zu ersetzen, hat für Patienten einige Vorteile. „Das bedeutet nur eine Narkose und eine Reha-Phase für beide Hüften und damit insgesamt eine raschere Rückkehr in den Alltag. Für berufstätige Menschen hat das den Mehrwert, nicht zwei Mal für längere Zeit im Krankenstand und auf Rehabilitation sein zu müssen“, sagt der Gelenkspezialist.
Schließlich wirkt sich die gleichzeitige Operation der Hüftgelenke auch auf das Gehen selbst aus. „Das Gangbild entwickelt sich harmonischer. In Fällen, in denen zuerst eine Seite operiert wurde, kommt es auf der noch nicht operierten, noch schmerzenden Seite zur sogenannten Schonhaltung.
Damit kann sich ein unnatürlicher Bewegungsablauf manifestieren. Werden hingegen beide Hüftgelenke gleichzeitig ausgetauscht, fällt diese Gefahr weg“, erläutert Dr. Kaltenbrunner, der im Evangelischen Krankenhaus in Wien meist nach der minimal-invasiven AMIS-Technik operiert, die Muskeln und Sehnen schont.
Dabei dringt er über einen nur kleinen Hautschnitt an der Vorderseite der Hüfte, ohne Muskeln oder Sehnen zu durchtrennen, zum Gelenk vor.
„Dank exakter digitaler Operationsplanung und eines navigierenden OP-Roboters lassen sich Beweglichkeit, Stabilität und Beinlängen während des Eingriffs präzise aufeinander abstimmen“, beschreibt der Arzt.
Um von den Vorteilen zu profitieren, müssen Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Denn beide Hüftgelenke im Zuge einer einzigen Operation aus-
zutauschen, dauert naturgemäß länger und ist zugleich
belastender. Im Durchschnitt ist der Patient zwischen zwei und drei Stunden im OP-Saal. „Das geht mit einer etwas höheren Belastung des Herz-Kreislauf-Systems aufgrund der längeren Narkosezeit einher. Das Lebensalter ist für den Eingriff weniger entscheidend als Vorerkrankungen. Die Patienten sollten nicht unter gravierenden Herz- und/oder Kreislaufproblemen oder etwa an einem schlecht eingestellten Diabetes leiden“, gibt Prim. Kaltenbrunner zu bedenken. Zudem sind die ersten Tage nach einem beidseitigen Eingriff anstrengender als nach einem einseitigen
Gelenkstausch. Patienten müssen an der Wiedererlangung eines harmonischen Gangbilds aktiv und diszipliniert mitarbeiten.
„Sollte ein Patient mehrere Begleiterkrankungen
haben, ist eine gleichzeitige Sanierung beider Hüftgelenke erst nach gründlichen Voruntersuchungen und in Abstimmung mit dem Anästhesie-Arzt gewissenhaft abzuwägen.“
Friedrich Haferl, 75, Winzer aus Langenzersdorf (NÖ):
Herr Haferl, Sie haben im Juni beide Hüften gleichzeitig
ersetzt bekommen. Wie geht es Ihnen damit?
Wirklich gut. Wer nicht weiß, dass ich operiert wurde, merkt nichts. Mein Gangbild ist, wie es immer war. Ich kenne Menschen, die haben nur eine Hüfte operiert bekommen und sind nicht so zufrieden wie ich.
Sie sind einer der wenigen Patienten, die beide Hüften
auf einmal ersetzt bekommen haben. Wie kam es dazu?
Ich komme aus einer Bauernfamilie, bin Winzer. Ich habe immer schwer gearbeitet und schon länger
Bandscheibenprobleme. Vor 15 Jahren traten erstmals
Hüftschmerzen auf. Die wurden über die Jahre schlimmer. Ab und zu musste ich Schmerztabletten nehmen. Eines Tages sagte mir Dr. Kaltenbrunner, der mich schon an der Schulter operiert hatte, dass beide Hüften so stark abgenützt sind, dass sie ersetzt gehören.
Da ich gesundheitlich gut beinand bin, bot er mir an, beide auf einmal zu operieren. Er überzeugte mich – nur eine Operation, eine Narkose, eine Genesung. Ich hatte vollstes Vertrauen und stimmte der Operation sofort zu.
Wie ging es Ihnen nach der Operation?
Gut, der Hüftschmerz war sofort weg. Wenige Stunden nach der Operation bin ich mit Krücken und der Hilfe von Therapeuten aufgestanden, am nächsten Tag schon Stufen gestiegen. Ich war überrascht, wie gut das ging.
Worauf müssen Sie zu Hause achtgeben?
Am fünften Tag wurde ich entlassen und habe fünf Übungen bekommen, die ich seither regelmäßig mache. Eine Therapeutin kommt ins Haus und übt mit mir. Das ist meine Reha. Vier Wochen nach der Operation
war ich zur Kontrolle bei Dr. Kaltenbrunner. Alles heilt gut. Ich bin wieder so fit, dass ich Auto fahren darf.
Arbeiten Sie auch schon wieder im Weingarten mit?
Zum Teil. Bei der Lese Ende August habe ich im Presshaus geholfen.
Auf dem Traktor fahre ich aber noch nicht und ich schleppe keine schweren Kisten. Ich soll mich auch nicht bücken und schwer heben. Das wäre für die künstlichen Hüften noch zu belastend. Im Frühling sollte die Heilung abgeschlossen sein.
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