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Ausgabe Nr. 45/2026 vom 04.11.2026, Fotos: APA-Images, Polyfilm
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Bruno Kreisky.
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Der junge Kreisky wird von Nils Arztmann
verkörpert. Er landet im Gefängnis.
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Regisseur Sicheritz brachte auch ein Buch über Kreisky heraus.
Bruno Kreisky:
Ein Politiker mit Haltung
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Er war jähzornig, und ein Meister des Gespräches. Mit „Bruno – Der junge Kreisky“ brachte der Regisseur Harald Sicheritz die Jugendjahre des Jahrhundertkanzlers ins Kino.
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Im Winter des Jahres 1936 saßen in einer Zelle des Landesgerichtes Wien drei Häftlinge, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: ein Kommunist, ein Nationalsozialist und ein 25jähriger Jusstudent aus wohlhabendem jüdischem Elternhaus, angeklagt wegen Hochverrats.

Eigentlich war der Raum nur für eine Person gedacht, also musste das unfreiwillige Trio mitten im Austrofaschismus körperlich und geistig zusammenrücken. Das veranlasste den Jüngsten dazu, eine ungewöhnliche Regel aufzustellen: „Solange wir gemeinsam hinter Gittern sitzen, sind wir alle gleich. Wir bekämpfen einander erst wieder in Freiheit.“

Der junge Mann hieß Bruno Kreisky, sollte 34 Jahre später Bundeskanzler werden und unser Land prägen wie kaum ein anderer.

Geboren am 22. Jänner 1911 in Wien, hätte sich Kreisky gemütlich zurücklehnen können.

Sein Vater Max war Generaldirektor eines
Textilbetriebes, Mutter Irene entstammte einer Familie von reichen Lebensmittelherstellern. Das Kind Bruno kannte sowohl Wohlstand als auch die Entbehrungen des Ersten Weltkrieges.

Der Gegensatz zwischen bürgerlicher Herkunft und sozialistischer Überzeugung sollte ihn ein Leben lang begleiten. Schon als Jugendlicher schloss er sich den Sozialisten an und ging nach 1934 in den Untergrund, wo er sich gegen die unter Kanzler Engelbert Dollfuß errichtete austrofaschistische Diktatur engagierte.

Im Jänner 1935 wurde Kreisky verhaftet, ein Jahr später folgte die Verurteilung wegen Hochverrats zu einem Jahr Kerker.

Ausgerechnet der Nationalsozialist Josef Weninger rettete dem Juden Kreisky Jahre später das Leben.

Dem vorausgegangen war eine ungewöhnliche Begebenheit. Bei einer Zellenkontrolle verhinderte Kreisky, dass ein Zettel, auf dem Mithäftling Weninger einen Sprengstoffanschlag gestand, in die Hände der Wache geriet, indem er den Zettel verschluckte. Zwei Jahre später geriet Kreisky nach dem „Anschluss“ 1938 in die Fänge der Gestapo. Weninger, inzwischen Mitglied der NSDAP, setzte sich für seinen ehemaligen
Zellengenossen ein, wodurch Kreisky im September 1938 über Deutschland nach Schweden emigrieren konnte.

Dort lernte er 1940 den ebenfalls vor den Nationalsozialisten geflohenen deutschen Sozialisten Willy Brandt kennen, den späteren deutschen Bundeskanzler.

Daraus wurde eine lebenslange Freundschaft. Zugleich erlebte Kreisky in Schweden, wie ein moderner Sozialstaat funktionierte, besuchte 1946 erstmals wieder Österreich und kehrte 1951 zurück.

Von diesen prägenden Jugendjahren erzählt der Film „Bruno – Der junge Kreisky“, der nun in unseren Kinos zu sehen ist. Das gleichnamige Buch, herausgegeben von Harald Sicheritz, ist in der Edition Platin erschienen und kostet 26,50 Euro, ISBN: 978-3-903538-34-4.

Die Idee zum Film hatte der Drehbuchautor Fritz Schindlecker, der versuchte, den Regisseur Harald Sicheritz bei einem Kaffee davon zu überzeugen.

„Ich war zwölf Jahre alt, als Kreisky Bundeskanzler wurde. Er hat mein Leben, wie das aller Menschen in diesem Land, zum Besseren verändert. Diese Ära in Kreiskys Leben war mir zu nah“, erzählt Sicheritz.

„Was mich aber interessierte, war sein Leben zwischen dem 16. und 27. Lebensjahr. Von diesen elf Jahren wusste niemand etwas.“ Damit war Sicheritz mit an Bord.

An historischem Material mangelte es nicht. Sicheritz und Schindlecker arbeiteten mit der Historikerin
Helene Maimann zusammen, „die äußerst streng mit uns war“.

Dazu kamen Gespräche mit Zeitzeugen. Vor allem aber dienten Kreiskys eigenen Erinnerungen, vom Historiker Oliver Rathkolb in drei Bänden festgehalten, als Grundlage. Sein Nachlass umfasst rund zwei Millionen Seiten. „Bruno Kreisky ist ziemlich sicher der bestdokumentierte Österreicher des 20. Jahrhunderts“, sagt Sicheritz.

Dass der Film in einer politisch schwierigen Phase der SPÖ ins Kino kam, brachte Sicheritz den Vorwurf ein, ein mit öffentlichem Geld finanziertes Prestigeprojekt der Sozialdemokraten gedreht zu haben.

„Das ist vollkommener Unsinn,“ kontert er. „Die Partei kommt weder gut noch schlecht weg. Im Film geht‘s um junge Menschen, und deren Haltung zu den Fragen und Antworten ihres Lebens. Und darum, dass Haltung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist.“

Wie Kreisky Haltung lebte, zeigte sich nicht nur an der Geschichte in der Zelle. Im Jahr 1967 übernahm er den Vorsitz der SPÖ und wurde drei Jahre später Bundeskanzler.

Dabei lud er ausdrücklich auch Nichtsozialisten ein, ein Stück des Weges mit ihm zu gehen. Mit Erfolg, in den Jahren 1971, 1975 und 1979 errang die SPÖ unter seiner Führung dreimal hintereinander die absolute Mehrheit. So weit die Sonnenseite. Doch Kreisky traf auch Entscheidungen, die heftige Kritik auslösten.

Am 28. September 1973 etwa nahmen zwei palästinensische Terroristen bei Marchegg (NÖ) drei jüdische Auswanderer aus der Sowjetunion und einen heimischen Zollbeamten als Geiseln.

Ihrer Forderung nach Schließung des Transitlagers Schönau, einer Zwischenstation für sowjetische Juden auf dem Weg nach Israel, kam der Politiker nach und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, den Terroristen nachgegeben zu haben. Selbst Israels Ministerpräsidentin Golda Meir (1898 bis 1978), die eigens nach Wien reiste, konnte die Entscheidung nicht kippen. Kreisky rechtfertigte sich mit dem Schutz von Menschenleben. Seine jüdische Herkunft hielt ihn auch während seiner Amtszeit nicht davon ab, sich für die Anliegen der Palästinenser einzusetzen.

1980 erkannten wir unter seiner Regierung die im Jahr 1964 in Jerusalem gegründete Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) diplomatisch an.

Dass Kreisky durchaus auch aufbrausend und wenig kritikfähig sein konnte, zeigte sich 1981 im Zuge des Bauskandals rund um das Allgemeine Krankenhaus Wien. Die SPÖ hatte im parlamentarischen Untersuchungsausschuss die Ladung weiterer Zeugen blockiert, was ÖVP-Chef Alois Mock dazu veranlasste, sich an Bundespräsident Rudolf Kirchschläger zu wenden. Als Kreiskys Vergleich mit Zuständen wie in den 1930er Jahren einen Journalisten veranlasste, nachzuhaken, fuhr ihn der Kanzler vor versammelter Presse mit dem legendären Satz: „Lernen Sie Geschichte, Herr Reporter!“ an.

Bis heute geblieben sind auch die Vorwürfe, Kreisky habe mit seiner Wirtschaftspolitik den Grundstein für unsere hohe Staatsverschuldung gelegt. Tatsächlich stieg die Verschuldung während seiner Regierungszeit deutlich an, denn er pumpte viel Geld in die verstaatlichte Industrie. Getreu seiner Ansicht: „Lieber Schulden als Arbeitslose.“

Der Regisseur Sicheritz findet das zeitlos richtig. „Die wesentliche Frage ist doch immer, was kostet der soziale Friede? Wenn wir Geld dafür ausgeben, ist es gut angelegt.“

Sicheritz vermutet, dass Kreisky seine Partei selbst in schwierigen Zeiten wie diesen wieder stärken könnte.

„Er würde die Entscheidungsverantwortlichen an einen Tisch zwingen, ihnen die Mobiltelefone wegnehmen und sie so lang miteinander reden lassen, bis sie eine Einigung erzielt hätten.“

Ein Bezug zur Gegenwart zeigt sich auch in Kreiskys Umgang mit gesundheitlichen Belastungen. Er erlitt im Dezember 1979 einen Gefäßverschluss im Auge und litt bereits an einer schweren Nierenerkrankung.

Dennoch blieb er dreieinhalb Jahre im Amt. Ab Mitte 1982 war er auf Dialyse angewiesen, 1984 erhielt er eine Spenderniere. „Er ist auch deswegen so krank geworden, weil er seine Leiden nicht berücksichtigt hat“, glaubt Sicheritz.

„Für das Land arbeiten war ihm viel wichtiger.“ br
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