Schokolade für die Ewigkeit
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Der Steirer Dominik Einfalt gibt dem Tod eine neue Form. Er fertigt Urnen aus recycelten Kakaoschalen an. Sie sind besonders nachhaltig und biologisch abbaubar.
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Die Masse ist zäh, dunkel und klebrig. Dominik Einfalt hat gemahlene Kakaoschalen mit Tonmehl, Wasser und Xanthan vermischt. Was vor wenigen Stunden noch ein Reststoff aus der Schokoladenproduktion war, wird jetzt zum Werkstoff.
Die braune Paste füllt er in einen Behälter und presst sie mit Hilfe von Druckluft in eine zuvor angefertigte Form. Schicht für Schicht entsteht so in reiner Handarbeit eine Kakao-Urne.
„Schokolade mag jeder. Das Material ist vertraut und weckt schöne Erinnerungen. Der angenehme Geruch ist ein zusätzlicher, positiver Nebeneffekt“, sagt der 30jährige, während er in seiner Werkstatt im 12. Wiener Gemeindebezirk steht und hantiert.
Anschließend heißt es Warten, denn das Material muss mindestens eine Woche trocknen. Dabei verliert es Feuchtigkeit und wird hart. Anschließend kontrolliert Einfalt die Form, „ob sich eh nichts verzogen hat“, bearbeitet die Oberfläche, schleift Kanten glatt und trägt schließlich Öl auf. Erst dann ist aus der unscheinbaren Masse ein fertiges Erinnerungsstück geworden.
Was zunächst ungewöhnlich klingt, steht für einen neuen Weg im Bestattungswesen: mehr Nachhaltigkeit, mehr Natürlichkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen.
Die Kakaoschalen stammen aus der Schokoladenproduktion des steirischen Unternehmens Zotter. „Für die Schalen gibt es keine Verwendung mehr. Etwas, das als Abfallprodukt kaum mehr beachtet wird, bekommt bei mir eine neue Aufgabe.“
Für Einfalt ist der ökologische Gedanke dabei zentral. „Ich wollte etwas produzieren, das in den natürlichen Kreislauf der Natur zurückkehren kann.“ Die Urne lässt sich aufbewahren oder – je nach Ausführung und Verwendung – in der Erde beisetzen, wo das Material biologisch abgebaut wird. Weitere Versuche mit anderen Bio-Materialien wie Stroh, Holz, Heu, Sonnenblumenkernen, Kürbispresskuchen oder Hanfgeschnetzeltes, sind geplant.
Aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof in Fernitz bei Graz, war Einfalt schon früh mit der Natur vertraut. Später studierte er Grafikdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Auf die Urnen gekommen ist er ursprünglich über ein ganz anderes Material: das Myzel, das unterirdische Geflecht eines Pilzes.
Während eines Praktikums in den Niederlanden arbeitete er mit dem Künstler Arne Hendriks zusammen, der sich ebenfalls mit Myzel beschäftigte. Für seine Diplomarbeit entwarf er „Troost – lebende Erinnerung“.
Die Vision ist eine Urne aus Myzel, in die die Asche eines Verstorbenen gegeben werden kann. Mit der Zeit sollten Pilze aus dem Material wachsen. Der Abschied wäre damit nicht nur ein Ende, sondern der Beginn einer Transformation – ein Gedanke, der Angehörigen Trost spenden könnte. Zwischen Idee und Umsetzung lagen Jahre voller Experimente und Rückschläge. „Myzel lebt und wächst nur unter bestimmten Bedingungen. Temperatur, Feuchtigkeit und Kohlendioxidgehalt müssen stimmen. Europaweit bin ich derzeit der einzige, der zu 3D-Druck mit Myzel geforscht hat“, erzählt er sichtlich stolz.
Das hat auch seinen Arbeitsrhythmus bei der Produktion der Kakao-Urnen verändert. Trocknungszeiten und Materialverhalten bestimmen den Ablauf.
„Ich musste einige Substrate ausprobieren, ehe ich die perfekte Mischung hatte. Dabei lernte ich, dass gewisse Prozesse nicht beschleunigt werden können. Ich musste abwarten und genau hinsehen. Das begleitet mich bis heute.“ Einfalt verkauft seine Urnen vor allem über Bestattungsunternehmen (Preis auf Anfrage, ab 150 Euro).
Die Nachfrage ist groß, größer jedenfalls, als er derzeit selbst produzieren kann. Denn sein Unternehmen befindet sich noch im Aufbau, erst vor drei Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Jeder Arbeitsschritt braucht Zeit, und vieles erledigt er selbst.
Auch der Einstieg in die Branche war „eine Herausforderung. Der Bestattungsmarkt ist ein hartes Pflaster. Viele Unternehmen sind Familienbetriebe, die seit Generationen mit etablierten Abläufen und klassischen Särgen arbeiten.“ Einfalt begegnete anfangs deshalb auch Vorbehalten und Skepsis. „Vor allem die Urnen aus Myzel fanden viele eigenartig.“
Mittlerweile erhält der gebürtige Steirer sogar Anfragen aus dem Ausland. „Vor allem bei den Jüngeren verändert sich nach und nach auch der Blick auf den letzten Abschied und sie stehen Veränderungen offener gegenüber.“
Alternative Bestattungsformen gewinnen auch in unserem Land immer mehr an Aufmerksamkeit, die „Nachfrage geht steil nach oben“. Biologisch abbaubare Materialien und ökologische Überlegungen spielen für Angehörige eine größere Rolle als früher.
Einfalt weiß, dass seine Arbeit eine große Verantwortung mit sich bringt, denn in der Gesellschaft ist der Tod schambehaftet und ein Tabuthema. Auch ihn selbst hat die Beschäftigung mit dem Tod verändert. „Am Anfang fiel es mir schwer, mich so intensiv mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen. Plötzlich tauchten Fragen auf, die sonst leicht vertagt werden: Was soll einmal mit mir geschehen? Was möchte ich hinterlassen?“
Er begann, auch mit seinen Eltern über das Sterben und deren Vorstellungen von einer Bestattung zu sprechen. „Gespräche, die viele Familien erst dann führen, wenn sie kaum noch Zeit dafür haben.“ Für den 30jährigen wurde daraus eine wichtige Erfahrung.
Über den Tod zu reden, nimmt ihm nicht seine Schwere. Aber es kann helfen, Unsicherheit und Angst zu verringern. Unabhängig von der Bestattungsform steht für ihn allerdings eines fest: „Wir kommen aus der Natur und kehren zu ihr zurück.“
Die braune Paste füllt er in einen Behälter und presst sie mit Hilfe von Druckluft in eine zuvor angefertigte Form. Schicht für Schicht entsteht so in reiner Handarbeit eine Kakao-Urne.
„Schokolade mag jeder. Das Material ist vertraut und weckt schöne Erinnerungen. Der angenehme Geruch ist ein zusätzlicher, positiver Nebeneffekt“, sagt der 30jährige, während er in seiner Werkstatt im 12. Wiener Gemeindebezirk steht und hantiert.
Anschließend heißt es Warten, denn das Material muss mindestens eine Woche trocknen. Dabei verliert es Feuchtigkeit und wird hart. Anschließend kontrolliert Einfalt die Form, „ob sich eh nichts verzogen hat“, bearbeitet die Oberfläche, schleift Kanten glatt und trägt schließlich Öl auf. Erst dann ist aus der unscheinbaren Masse ein fertiges Erinnerungsstück geworden.
Was zunächst ungewöhnlich klingt, steht für einen neuen Weg im Bestattungswesen: mehr Nachhaltigkeit, mehr Natürlichkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen.
Die Kakaoschalen stammen aus der Schokoladenproduktion des steirischen Unternehmens Zotter. „Für die Schalen gibt es keine Verwendung mehr. Etwas, das als Abfallprodukt kaum mehr beachtet wird, bekommt bei mir eine neue Aufgabe.“
Für Einfalt ist der ökologische Gedanke dabei zentral. „Ich wollte etwas produzieren, das in den natürlichen Kreislauf der Natur zurückkehren kann.“ Die Urne lässt sich aufbewahren oder – je nach Ausführung und Verwendung – in der Erde beisetzen, wo das Material biologisch abgebaut wird. Weitere Versuche mit anderen Bio-Materialien wie Stroh, Holz, Heu, Sonnenblumenkernen, Kürbispresskuchen oder Hanfgeschnetzeltes, sind geplant.
Aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof in Fernitz bei Graz, war Einfalt schon früh mit der Natur vertraut. Später studierte er Grafikdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.
Auf die Urnen gekommen ist er ursprünglich über ein ganz anderes Material: das Myzel, das unterirdische Geflecht eines Pilzes.
Während eines Praktikums in den Niederlanden arbeitete er mit dem Künstler Arne Hendriks zusammen, der sich ebenfalls mit Myzel beschäftigte. Für seine Diplomarbeit entwarf er „Troost – lebende Erinnerung“.
Die Vision ist eine Urne aus Myzel, in die die Asche eines Verstorbenen gegeben werden kann. Mit der Zeit sollten Pilze aus dem Material wachsen. Der Abschied wäre damit nicht nur ein Ende, sondern der Beginn einer Transformation – ein Gedanke, der Angehörigen Trost spenden könnte. Zwischen Idee und Umsetzung lagen Jahre voller Experimente und Rückschläge. „Myzel lebt und wächst nur unter bestimmten Bedingungen. Temperatur, Feuchtigkeit und Kohlendioxidgehalt müssen stimmen. Europaweit bin ich derzeit der einzige, der zu 3D-Druck mit Myzel geforscht hat“, erzählt er sichtlich stolz.
Das hat auch seinen Arbeitsrhythmus bei der Produktion der Kakao-Urnen verändert. Trocknungszeiten und Materialverhalten bestimmen den Ablauf.
„Ich musste einige Substrate ausprobieren, ehe ich die perfekte Mischung hatte. Dabei lernte ich, dass gewisse Prozesse nicht beschleunigt werden können. Ich musste abwarten und genau hinsehen. Das begleitet mich bis heute.“ Einfalt verkauft seine Urnen vor allem über Bestattungsunternehmen (Preis auf Anfrage, ab 150 Euro).
Die Nachfrage ist groß, größer jedenfalls, als er derzeit selbst produzieren kann. Denn sein Unternehmen befindet sich noch im Aufbau, erst vor drei Jahren hat er sich selbstständig gemacht. Jeder Arbeitsschritt braucht Zeit, und vieles erledigt er selbst.
Auch der Einstieg in die Branche war „eine Herausforderung. Der Bestattungsmarkt ist ein hartes Pflaster. Viele Unternehmen sind Familienbetriebe, die seit Generationen mit etablierten Abläufen und klassischen Särgen arbeiten.“ Einfalt begegnete anfangs deshalb auch Vorbehalten und Skepsis. „Vor allem die Urnen aus Myzel fanden viele eigenartig.“
Mittlerweile erhält der gebürtige Steirer sogar Anfragen aus dem Ausland. „Vor allem bei den Jüngeren verändert sich nach und nach auch der Blick auf den letzten Abschied und sie stehen Veränderungen offener gegenüber.“
Alternative Bestattungsformen gewinnen auch in unserem Land immer mehr an Aufmerksamkeit, die „Nachfrage geht steil nach oben“. Biologisch abbaubare Materialien und ökologische Überlegungen spielen für Angehörige eine größere Rolle als früher.
Einfalt weiß, dass seine Arbeit eine große Verantwortung mit sich bringt, denn in der Gesellschaft ist der Tod schambehaftet und ein Tabuthema. Auch ihn selbst hat die Beschäftigung mit dem Tod verändert. „Am Anfang fiel es mir schwer, mich so intensiv mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen. Plötzlich tauchten Fragen auf, die sonst leicht vertagt werden: Was soll einmal mit mir geschehen? Was möchte ich hinterlassen?“
Er begann, auch mit seinen Eltern über das Sterben und deren Vorstellungen von einer Bestattung zu sprechen. „Gespräche, die viele Familien erst dann führen, wenn sie kaum noch Zeit dafür haben.“ Für den 30jährigen wurde daraus eine wichtige Erfahrung.
Über den Tod zu reden, nimmt ihm nicht seine Schwere. Aber es kann helfen, Unsicherheit und Angst zu verringern. Unabhängig von der Bestattungsform steht für ihn allerdings eines fest: „Wir kommen aus der Natur und kehren zu ihr zurück.“
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