Tal der Katastrophen
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Stürme, Muren, Borkenkäfer und ein verheerender Waldbrand – das Lesachtal in Kärnten wird immer wieder von Naturgewalten heimgesucht.
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Jetzt haben wir es geschafft. Das wird Wald.“ Das dachte sich Florian Salcher, Landwirt im Kärntner Lesachtal, als die jungen Bäume auf den aufgeforsteten Flächen auf den Hängen gegenüber seines Hofes schon gut drei Meter hoch waren.
Der Weg dorthin war lang. Im Jahr 2018 hatte der Sturm „Vaia“ die gesamte Waldfläche zerstört. Große Teile davon forstete er danach gemeinsam mit seinem Vater wieder auf. Drei Jahre lang pflanzten und pflegten sie die jungen Bäume, steckten Zeit, Arbeit und ihr „ganzes Herzblut hinein“.
Doch Salcher war mit den Schäden nicht allein. Der Sturm hat die Wälder im gesamten Lesachtal schwer getroffen. In den darauffolgenden Jahren setzten ihnen außerdem auch massive Schneefälle und Schneebruch zu. Abgebrochene Wipfel und liegengebliebenes Schadholz begünstigten zudem die Ausbreitung des Borkenkäfers. „Wenn viel Schadholz herumliegt, hat er es leichter“, weiß der 31jährige. Der Käfer befällt die Fichten und unterbricht den Nährstofftransport unter der Rinde, bis die Bäume absterben.
Zurück bleiben am Ende kahle, graue Baumskelette, die jetzt wie Mahnmale an den Hängen stehen. Wie groß das Ausmaß des Borkenkäferbefalles ist, zeigen Zahlen des Landes Kärnten. „Im Zeitraum von 2021 bis 2025 sind insgesamt 464.000 Vorratsfestmeter Borkenkäferschadholz angefallen.
Derzeit stabilisiert sich die Lage und die Schadholzzahlen durch Borkenkäfer sind rückläufig, jedoch noch auf einem hohen Niveau. Daher kann von keiner pauschalen Beruhigung der Lage gesprochen werden.“
Noch am Jahresanfang war Salcher zuversichtlich, dass sich die mühevolle Aufforstungsarbeit gelohnt hat. Doch dann kam das Feuer. Am Abend des 23. April dieses Jahres brach im Bereich Promeggen nahe Maria Luggau, wo Florian Salcher mit seiner Familie lebt, ein Waldbrand aus. Das Feuer breitete sich rasch aus. Der Wald, den er mühevoll aufgeforstet hat, wurde von den Flammen erfasst.
Trockenheit und Wind begünstigten die Ausbreitung, das steile, schwer zugängliche Gelände erschwerte die Löscharbeiten erheblich.
Salcher erlebte den Brand nicht nur als Waldbesitzer, sondern war auch als Feuerwehrmann selbst bei den Löscharbeiten im Einsatz.
„Um halb zehn am Abend wurden wir alarmiert. Da hat es Zugrichtung Nordost gebrannt und ist ziemlich zügig dahingegangen“, erinnert sich der Kärntner. Am nächsten Tag schien das Feuer im Griff zu sein, doch dann drehte der Wind, „und dann ist es auf die andere Seite gegangen“. Die Angst war groß, dass auch Häuser vom Feuer erfasst werden könnten, lag doch das nächste Siedlungsgebiet in Zugrichtung des Brandes. „Überall lag Totholz herum, das brennt gut. Auch drei unserer Heuhütten sind abgebrannt“, erzählt Salcher.
Insgesamt waren laut Land Kärnten rund ein Quadratkilometer von dem Brand im Lesachtal betroffen, drei Viertel davon Wald.
Auslöser der Tragödie dürften weggeworfene Zigarettenstummel gewesen sein.
„Das war der größte Waldbrand in der Geschichte Kärntens“, sagt Salcher.
Er selbst verlor dabei 19,5 Hektar. 50 bis 60 Jahre werde es brauchen, bis da, wo jetzt schwarze Baumstümpfe an das Feuer erinnern, wieder Wald steht.
„Zur Wiederbewaldung der betroffenen Flächen werden zwischen 140.000 und 160.000 Jungpflanzen erforderlich sein. Zur Abschätzung des Schadens für die Waldbesitzer wurde seitens der Landwirtschaftskammer Kärnten ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnisse liegen noch nicht vor“, heißt es vonseiten der Kärntner Landesregierung.
„Der Schaden ist nicht gedeckt, weil Wald versicherbar ist“, sagt Salcher dazu. Versichert sei aber so gut wie niemand, „weil Waldbrand bei uns normalerweise kein Thema ist.“
Nach Katastrophen wie dieser bestehe aber die Möglichkeit einer Förderung für eine Wiederbewaldung aus dem österreichischen Waldfonds, sagt das Land. Die Kosten für die Brandbekämpfung von rund € 225.000,– werden aufgrund des Ausmaßes final vom Bund übernommen.
Die Wiederherstellung der Schutzwirkung des Waldes wird durch die Wildbach- und Lawinenverbauung abgewickelt. Seit 2018 wurden alleine oberhalb von Maria Luggau 7.000 Meter an Sperren errichtet. Nach dem Brand muss der Lawinenschutz auf seine Stabilität überprüft werden. „Das ist eine gefährliche Arbeit auf den steilen Hängen“, weiß Martin Platzner, der mit seinem Spezialbagger, der „Spinne“, im Einsatz ist.
Dass Naturkatastrophen das Lesachtal immer wieder vor große Herausforderungen stellen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. In den Jahren 1965 und 1966 führten extreme Niederschläge zu verheerenden Hochwassern, Murenabgängen und Hangrutschungen. Straßen wurden zerstört oder unpassierbar und das Tal zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Die Bewohner mussten tagelang aus der Luft mit Lebensmitteln versorgt werden. Auch 2018 war das Lesachtal nach schweren Unwettern eine Woche lang nicht erreichbar.
Die Bewohner des Lesachtales haben jedenfalls gelernt, Naturgefahren als festen Teil ihres Alltags zu akzeptieren. „Der Zusammenhalt ist sehr stark“, weiß Salcher. rz
Der Weg dorthin war lang. Im Jahr 2018 hatte der Sturm „Vaia“ die gesamte Waldfläche zerstört. Große Teile davon forstete er danach gemeinsam mit seinem Vater wieder auf. Drei Jahre lang pflanzten und pflegten sie die jungen Bäume, steckten Zeit, Arbeit und ihr „ganzes Herzblut hinein“.
Doch Salcher war mit den Schäden nicht allein. Der Sturm hat die Wälder im gesamten Lesachtal schwer getroffen. In den darauffolgenden Jahren setzten ihnen außerdem auch massive Schneefälle und Schneebruch zu. Abgebrochene Wipfel und liegengebliebenes Schadholz begünstigten zudem die Ausbreitung des Borkenkäfers. „Wenn viel Schadholz herumliegt, hat er es leichter“, weiß der 31jährige. Der Käfer befällt die Fichten und unterbricht den Nährstofftransport unter der Rinde, bis die Bäume absterben.
Zurück bleiben am Ende kahle, graue Baumskelette, die jetzt wie Mahnmale an den Hängen stehen. Wie groß das Ausmaß des Borkenkäferbefalles ist, zeigen Zahlen des Landes Kärnten. „Im Zeitraum von 2021 bis 2025 sind insgesamt 464.000 Vorratsfestmeter Borkenkäferschadholz angefallen.
Derzeit stabilisiert sich die Lage und die Schadholzzahlen durch Borkenkäfer sind rückläufig, jedoch noch auf einem hohen Niveau. Daher kann von keiner pauschalen Beruhigung der Lage gesprochen werden.“
Noch am Jahresanfang war Salcher zuversichtlich, dass sich die mühevolle Aufforstungsarbeit gelohnt hat. Doch dann kam das Feuer. Am Abend des 23. April dieses Jahres brach im Bereich Promeggen nahe Maria Luggau, wo Florian Salcher mit seiner Familie lebt, ein Waldbrand aus. Das Feuer breitete sich rasch aus. Der Wald, den er mühevoll aufgeforstet hat, wurde von den Flammen erfasst.
Trockenheit und Wind begünstigten die Ausbreitung, das steile, schwer zugängliche Gelände erschwerte die Löscharbeiten erheblich.
Salcher erlebte den Brand nicht nur als Waldbesitzer, sondern war auch als Feuerwehrmann selbst bei den Löscharbeiten im Einsatz.
„Um halb zehn am Abend wurden wir alarmiert. Da hat es Zugrichtung Nordost gebrannt und ist ziemlich zügig dahingegangen“, erinnert sich der Kärntner. Am nächsten Tag schien das Feuer im Griff zu sein, doch dann drehte der Wind, „und dann ist es auf die andere Seite gegangen“. Die Angst war groß, dass auch Häuser vom Feuer erfasst werden könnten, lag doch das nächste Siedlungsgebiet in Zugrichtung des Brandes. „Überall lag Totholz herum, das brennt gut. Auch drei unserer Heuhütten sind abgebrannt“, erzählt Salcher.
Insgesamt waren laut Land Kärnten rund ein Quadratkilometer von dem Brand im Lesachtal betroffen, drei Viertel davon Wald.
Auslöser der Tragödie dürften weggeworfene Zigarettenstummel gewesen sein.
„Das war der größte Waldbrand in der Geschichte Kärntens“, sagt Salcher.
Er selbst verlor dabei 19,5 Hektar. 50 bis 60 Jahre werde es brauchen, bis da, wo jetzt schwarze Baumstümpfe an das Feuer erinnern, wieder Wald steht.
„Zur Wiederbewaldung der betroffenen Flächen werden zwischen 140.000 und 160.000 Jungpflanzen erforderlich sein. Zur Abschätzung des Schadens für die Waldbesitzer wurde seitens der Landwirtschaftskammer Kärnten ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnisse liegen noch nicht vor“, heißt es vonseiten der Kärntner Landesregierung.
„Der Schaden ist nicht gedeckt, weil Wald versicherbar ist“, sagt Salcher dazu. Versichert sei aber so gut wie niemand, „weil Waldbrand bei uns normalerweise kein Thema ist.“
Nach Katastrophen wie dieser bestehe aber die Möglichkeit einer Förderung für eine Wiederbewaldung aus dem österreichischen Waldfonds, sagt das Land. Die Kosten für die Brandbekämpfung von rund € 225.000,– werden aufgrund des Ausmaßes final vom Bund übernommen.
Die Wiederherstellung der Schutzwirkung des Waldes wird durch die Wildbach- und Lawinenverbauung abgewickelt. Seit 2018 wurden alleine oberhalb von Maria Luggau 7.000 Meter an Sperren errichtet. Nach dem Brand muss der Lawinenschutz auf seine Stabilität überprüft werden. „Das ist eine gefährliche Arbeit auf den steilen Hängen“, weiß Martin Platzner, der mit seinem Spezialbagger, der „Spinne“, im Einsatz ist.
Dass Naturkatastrophen das Lesachtal immer wieder vor große Herausforderungen stellen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. In den Jahren 1965 und 1966 führten extreme Niederschläge zu verheerenden Hochwassern, Murenabgängen und Hangrutschungen. Straßen wurden zerstört oder unpassierbar und das Tal zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Die Bewohner mussten tagelang aus der Luft mit Lebensmitteln versorgt werden. Auch 2018 war das Lesachtal nach schweren Unwettern eine Woche lang nicht erreichbar.
Die Bewohner des Lesachtales haben jedenfalls gelernt, Naturgefahren als festen Teil ihres Alltags zu akzeptieren. „Der Zusammenhalt ist sehr stark“, weiß Salcher. rz
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