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Ausgabe Nr. 44/2026 vom 28.10.2026, Fotos: APA-Images, zvg
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Dafür: Präsident Donald Trump.

„Unmenschlich“: Ordensschwester Helen Prejean.
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Quelle: Amnesty International
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Shoura Hashemi:
„Staat sendet eine fatale Botschaft.“
Der Staat als Henker
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Donald Trump setzt auf die Todesstrafe als Zeichen der Härte. Aber sie schreckt Verbrecher nicht ab, kostet auch Unschuldigen das Leben und macht den Staat selbst zum Täter.
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Donald Trump weiß bei diesem Thema die Mehrheit der Amerikaner hinter sich. „Ich war schon immer ein überzeugter Befürworter der Todesstrafe für abscheuliche Verbrechen und bin es auch weiterhin“, sagte er schon im ersten Wahlkampf vor zehn Jahren. In 27 Bundesstaaten ist die Todesstrafe bei Mord vorgesehen.

Die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike hat die Debatte darüber wenige Wochen vor den Zwischenwahlen („Midterms“) neu entfacht.

Am 3. November werden alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel der hundert Senatoren neu gewählt. Außerdem stehen in 36 der 50 Bundesstaaten die Gouverneursposten zur Wahl – damit oft auch entweder ein Gegner oder Befürworter der Todesstrafe. Es ist ein Stimmungstest für die Trump-Regierung. Da schadet es nicht, wenn der Präsident Härte zeigt.

Zum ersten Mal seit 60 Jahren ist für Anfang Dezember eine Militärhinrichtung geplant.

Der frühere Armeepsychiater Nidal Hasan soll durch ein Erschießungskommando sterben. Hasan hat 2009 auf einem Militärstützpunkt in Texas 13 unbewaffnete Soldaten erschossen und 32 verletzt. Die öffentliche Übertragung der Exekution sagte der amerikanische Präsident aber wieder ab. Auch weil die Gefahr bestand, dass Hasan zu einem Märtyrer für den „Terroristen-Nachwuchs“ werden könnte.

„Ich war überrascht, dass Donald Trump seine Meinung geändert hat, und ich hoffe, dass die Hinrichtung gar nicht erst stattfindet“, sagt die katholische Ordensschwester Helen Prejean. Sie ist die wohl bekannteste Kämpferin gegen die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten.

„Was hätte das bewirkt, wenn man den Menschen das Bild vor Augen geführt hätte, wie jemand erschossen wird? Ich hatte Bedenken, dass man sich das immer wieder ansehen könnte und dass es dazu genutzt werden könnte, noch mehr Menschen zu radikalisieren.“ Die heute 87jährige Nonne betreut seit Jahrzehnten Todeskandidaten. Über ihre Erfahrungen schrieb sie das Buch „Dead Man Walking“, übersetzt in etwa „Toter Mann kommt“. Das war der Ruf der Gefängniswärter für einen zum Tode Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtung. In der Verfilmung 1995 spielte Susan Sarandon die Ordensschwester. Sie bekam einen „Oscar“.

„Die Todesstrafe ist in so vielerlei Hinsicht unmenschlich“, ist Helen Prejean überzeugt. „Sie entmenschlicht alle, die an diesem Prozess beteiligt sind. Sie verursacht psychische Qualen bei den Verurteilten. Sie vermittelt den Opfern eine falsche Hoffnung auf Abschluss. Sie zwingt Gefängnispersonal dazu, an der Tötung eines anderen Menschen mitzuwirken. Und wofür?“

Todesstrafen-Befürworter wie Donald Trump argumentieren mit der Abschreckungswirkung. Dem widerspricht Shoura Hashemi, die Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich.

„Eine besonders grausame Strafe ist nicht automatisch eine wirksamere Strafe.“ Die Daten „passen nicht zur Abschreckungsthese. US-Bundesstaaten mit Todesstrafe haben seit Jahrzehnten höhere Mordraten als Staaten ohne“, erklärt Hashemi.

„In Kanada ist die Mordrate nach der Abschaffung 1976 nicht gestiegen, sondern langfristig gesunken.“

Dazu komme ein Risiko, „das sich nie mehr korrigieren lässt. Fehlurteile lassen sich nicht vollständig ausschließen. Seit 1973 wurden in den USA 203 zum Tode verurteilte Menschen nachträglich entlastet. Wird ein unschuldiger Mensch hingerichtet, lässt sich das nicht mehr umkehren.“

Die Todesstrafe kostet den Steuerzahler außerdem 2,5 bis fünf Mal so viel wie eine lebenslange Haftstrafe. Unter anderem durch aufwändigere Verfahren, Berufungen und die höheren Sicherheitsmaßnahmen im Todestrakt.

„Sobald jemand festgenommen wird, wird den Angehörigen des Opfers ,Gerechtigkeit‘ versprochen. Die Staatsanwaltschaft strebt die Todesstrafe an“, schildert Schwester Helen Prejean solche Verfahren in amerikanischen Gerichtssälen. „Es kommt zu einem Prozess, in dem das schreckliche Verbrechen immer wieder nachgestellt wird. Die Staatsanwälte drängen die Geschworenen dazu, den Täter zu verurteilen, während die Verteidiger um Gnade bitten.“

Die Geschworenen müssten „die vielleicht schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen: Soll diese Person leben oder sterben? Sie stimmen für den Tod, und der Familie des Opfers wird ein Platz in der ersten Reihe versprochen, wenn der Staat die Person hinrichtet, die ihren geliebten Menschen getötet hat – als ob das die Lücke in ihren Herzen füllen würde. Dann warten wir und warten und warten noch weiter.“

Ein Mensch könne Jahrzehnte lang „in der Todeszelle sitzen, sich seinen eigenen Tod vorstellen und sich fragen, wann es wohl soweit sein wird“, weiß Schwester Helen. „Nach 15, 20, 30 oder 40 Jahren wird der Täter völlig wehrlos gemacht, festgeschnallt, und dann töten ihn namenlose, gesichtslose Staatsbedienstete auf die Art und Weise, die gerade in Mode ist. Und das war‘s dann.“

In den USA gibt es eine öffentliche Berichterstattung über Todesurteile und offizielle Zahlen. In anderen Ländern dringt weniger nach außen. „Es ist kein Fehler, auf die Anwendung der Todesstrafe in den USA zu schauen. Der Fehler wäre, nur dorthin zu schauen“, sagt die Amnesty-Geschäftsführerin Hashemi. Im vergangenen Jahr „wurden dort 47 Menschen hingerichtet, so viele wie seit 2009 nicht mehr. Heuer sind es bis Mitte Oktober bereits 31.“ Amerika war
zuletzt einer von 17 Staaten weltweit, in denen Menschen hingerichtet wurden.

Amnesty International hat „2025 weltweit mindestens 2.707 Hinrichtungen dokumentiert, den höchsten Wert seit 1981“, berichtet Shoura Hashemi. Die Organisation kommt zu diesen Informationen aus vielerlei Quellen, neben offiziellen Quellen unter anderem von Familien und Anwälten. Es sind trotzdem nur Mindestzahlen.

Die Volksrepublik fehlt in dieser Statistik. „China richtet nach unseren Erkenntnissen jedes Jahr Tausende Menschen hin und behandelt die Zahlen als Staatsgeheimnis, sie sind somit in dieser Berechnung nicht inbegriffen.“

Immer wieder dient die Todesstrafe dazu, Oppositionelle einzuschüchtern. „So ist im Iran die Todesstrafe eindeutig ein Instrument der Repression. Die Behörden treiben den Preis für Widerspruch hoch mit dem Ziel, Menschen aus Angst zum Schweigen zu bringen und Proteste zu unterdrücken“, stellt Shoura Hashemi fest.

Aber es gibt Lichtblicke. In den 70ern hatten erst 16 Staaten die Todesstrafe völlig abgeschafft, heute sind es 113. Darunter der Libanon, der sich im August davon verabschiedet hat. Bei uns wurde die Todesstrafe erst 1968 ganz aus der Verfassung gestrichen. In der BRD wurde sie 1949 abgeschafft, in der DDR erst 1987. Bis 1992 war
sie in der Schweiz im Militärstrafrecht verankert.

„Wenn der Staat tötet, sendet er eine fatale Botschaft“, warnt die Amnesty-Geschäftsführerin. „Er erklärt das Töten unter bestimmten Umständen zur legitimen Antwort auf Gewalt. Damit untergräbt er genau das, was er schützen soll, die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens.“
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