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Ausgabe Nr. 43/2026 vom 21.10.2026, Fotos: AdobeStock, APA-Images, Zeppelzauer
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Ungewisse Zukunft für Marchfelder Bauern
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Norbert Totschnig (ÖVP)
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ETG-Obmann Robert Kriegl will nun
mehr Zwiebeln anbauen.
Heimische Gemüse-Produktion vor dem Aus
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Die angekündigte Schließung des Ardo-Tiefkühlwerkes in Groß-Enzersdorf (NÖ) war ein
Paukenschlag für die Region. Rund 500 Betriebe verlieren damit ihren wichtigsten Abnehmer.
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Normalerweise würden die Gemüsebauern im Marchfeld jetzt, im Oktober, den Winterspinat für die Ernte im kommenden Frühjahr aussäen. Doch heuer bleiben die Felder leer. Grund dafür ist das Aus für das Ardo-Tiefkühlwerk in Groß-Enzersdorf (NÖ). Die Produktion soll bereits im Dezember auslaufen, die endgültige Schließung ist für den Sommer 2027 vorgesehen.

Damit bricht rund 500 Gemüsebauern der wichtigste Abnehmer weg. Die Folgen könnten auch im Tiefkühlregal spürbar werden, denn laut Lorenz Mayr, dem Vizepräsidenten der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, werden in Groß-Enzersdorf mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses produziert.

„Für 2027 wird es keinen Anbau geben. Alles, was noch draußen steht, wird fertig gemacht und dann ist es vorbei. Beim Winterspinat wäre der Ausfall theoretisch noch durch eine Frühjahrsaussaat mit schnell wachsenden Sorten auszugleichen.

Aber wenn ich keine Verarbeitung habe, brauche ich nicht anbauen“, bringt es Robert Kriegl, Obmann der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) und selbst Gemüsebauer, auf den Punkt. Rund 500 Mitglieder zählt die Genossenschaft, jährlich bauen zwischen 300 und 350 davon Gemüse für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf an. Ein Ausweichen auf andere Verarbeiter ist für die betroffenen Landwirte derzeit kaum möglich, denn Blattgemüse wie Spinat kann in unserem Land praktisch nur bei Ardo industriell verarbeitet werden.

Den heimischen Betrieben fehlen dafür die nötigen Spezialmaschinen. Da die Anlagen eigens angefertigt werden müssen, lassen sich neue Verarbeitungskapazitäten laut Kriegl nicht kurzfristig schaffen.

Auch die Erntetechnik ist auf die Verarbeitung abgestimmt. Die ETG hat in den vergangenen Jahren selbst in spezielle Maschinen investiert – etwa für Grünerbsen, Edamame, Spinat und Kräuter. Das Gemüse muss zum Großteil unmittelbar nach der Ernte verarbeitet werden. Bei Grünerbsen etwa sei das Zeitfenster besonders eng, erklärt Kriegl. „Diese 90-Minuten-Erbse von ,Iglo‘ ist kein Schmäh.“

Umso schwerer wiegt, dass ein Verkauf des Werkes an heimische Investoren oder eine Verpachtung für das belgische Unternehmen nicht infrage kommt. Es hält an der Schließung des Standortes und dem Abbau der Maschinen fest und begründet die Entscheidung vor allem mit strukturellen und wirtschaftlichen Faktoren. Das Werk in Niederösterreich sei deutlich „weniger wettbewerbsfähig“ als vergleichbare Produktionsstätten in Europa.

„Energiepreise, Arbeitskosten und Rohstoffkosten“ seien hierzulande substanziell höher als in vielen anderen Teilen Europas, betont Ardo. Durch die Zusammenlegung
der Verarbeitung in den belgischen Stammwerken würden die Produktionskosten pro Kilo zudem deutlich sinken.
Außerdem führt das Unternehmen ins Treffen, dass der Betrieb in Groß-Enzersdorf seit 2023 jährlich im Schnitt Verluste in Höhe von fünf Millionen Euro verursachte.

Die offiziellen Bilanzen weisen hingegen ein anderes Ergebnis aus – demnach verzeichnete die Ardo Austria Frost GmbH etwa im Geschäftsjahr 2024/25 einen Gewinn nach Steuern von 1,8 Millionen Euro. Über die Jahre habe sich aber laut den Belgiern ein Bilanzverlust von mehr als 23 Millionen Euro angehäuft.

Zudem habe der Konzern seit der Übernahme des Werkes im Jahr 2008 rund 50 Millionen Euro in den Standort investiert. Ardo bezweifelt, „dass durch direkte oder indirekte öffentliche Unterstützung ein strukturell unprofitabler Betrieb in eine nachhaltige Langzeitlösung umgewandelt werden kann“.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) widerspricht dieser Einschätzung. „Bund und Land haben gemeinsam ein umfassendes Unterstützungsangebot gemacht. Die Ablehnung durch Ardo und die Wegrationalisierung des Standortes ist völlig unverständlich.

Ardos Einschätzung, der Standort sei strukturell unprofitabel, teilen wir nicht. Bei den Zahlen haben wir andere Einschätzungen“, meint Totschnig. „Die bäuerlichen Familienbetriebe haben in den vergangenen Jahren viel Geld in die Produktion, etwa in Bewässerung, investiert und auf eine verlässliche Partnerschaft mit Ardo vertraut“, erklärt der Minister. Das bestätigt auch Kriegl.

„Da ist sehr viel Geld in die Hand genommen worden und wenn jetzt diese intensiveren Kulturen – also das Verarbeitungsgemüse – fehlen, musst du dir etwas anderes suchen.“ Er selbst werde auf seinen Flächen nun vermehrt Wintergetreide und Zwiebel anbauen, „einfach, um für mich persönlich den Druck ein bisschen rauszunehmen“.

Während die Bauern nach Alternativen für ihre Flächen suchen müssen, will Ardo den heimischen Markt weiterhin beliefern – künftig allerdings mit Tiefkühlgemüse, das an ausländischen Standorten verarbeitet wird.

Totschnig kritisiert diesen Kurs. „Statt Gemüse direkt vor der Haustür zu produzieren, soll es künftig quer durch Europa transportiert werden. Das ist weder ökologisch sinnvoll noch ökonomisch vertretbar. Hier werden Arbeitsplätze, bäuerliche Existenzen, Versorgungssicherheit und heimische Wertschöpfung aufs Spiel gesetzt.“

Derzeit können Konsumenten Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld am AMA-Gütesiegel erkennen. „Ardo hat ein Ziel – Österreich raus, Belgien rein. Sobald die ersten belgischen Erbsen in den Verpackungen sind, ist das Gütesiegel weg“, versichert der Landwirtschaftskammer-Vize Lorenz Mayr.

Robert Kriegl fordert, bei Importware dieselben Maßstäbe anzulegen wie bei heimisch produzierten Lebensmitteln. Hierzulande seien die Produktionsbedingungen sehr streng und die Arbeitskosten hoch. Für die betroffenen Betriebe stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht.

Umso wichtiger seien rasche Perspektiven für die kommende Saison, meint der ETG-Obmann.

„Von einigen heimischen Betrieben und den großen Handelsketten haben wir bereits erste positive Signale erhalten, dass sie zu österreichischen Produkten stehen“, erklärt Totschnig. Der Erhalt des heimischen Tiefkühlgemüses findet jedenfalls in der Bevölkerung großen Rückhalt. Eine Online-Petition auf der Plattform www.mein.aufstehn.at unter dem Titel „Rettet das Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld!“ sammelte innerhalb von wenigen Tagen knapp 100.000 Unterschriften.
rz
Der Tiefkühlkonzern Ardo

Ardo ist ein weltweit führendes, belgisches Familienunternehmen in der Lebensmittelindustrie, das aufTiefkühlgemüse, -obst und -kräuter spezialisiert ist.

Der Konzern betreibt 16 Produktions- und Verpackungsstandorte in sieben Ländern, hat rund 3.200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro.

Die Ardo Austria Frost GmbH mit Sitz in Groß-Enzersdorf (NÖ) ist eine Tochtergesellschaft der Ardo-Gruppe und beschäftigt derzeit 190 Mitarbeiter und 50 Leiharbeitskräfte. Das heimische Werk produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar.
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