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Ausgabe Nr. 43/2026 vom 21.10.2026, Foto: Reiter
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Roswitha Stadlober
Roswitha Stadlober: „Es macht mir Sorgen, dass Österreich nicht mehr Schi fährt“
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Die Präsidentin des heimischen Schiverbandes ÖSV war selbst eine gute Rennläuferin. Nun sucht Roswitha Stadlober, 63, nach neuen Wegen, den Schi-Sport attraktiver zu machen – trotz Schneemangel.
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Frau Stadlober, als erfolgreiche Schifahrerin sind Sie vielen Menschen noch immer als Roswitha Steiner im Kopf. Wie oft werden Sie so angesprochen?

Immer wieder einmal. Steiner ist ja mein Geburtsname, mit dem ich meine sportlichen Erfolge gefeiert habe. Ich muss aber lachen, wenn mein Mann mit „Herr Steiner“ angesprochen wird (Anm.: Ex-Schilangläufer Alois Stadlober).

Eigentlich könnten Sie Ihre Pension genießen, sind aber als ÖSV-Präsidentin tätig. Was viele nicht wissen: ehrenamtlich. Warum tun Sie
sich das an?


Weil ich meine Zeit für meine Leidenschaft einsetzen kann. Natürlich ist es auch Stress, aber ein positiver. Das Präsidentenamt war immer ein Ehrenamt. Für das Tagesgeschäft gibt es ein hauptamtliches Team, mit dem wir wie jeder Verein nach dem Vereinsgesetz arbeiten. Man muss in die Aufgabe hineinwachsen, aber es macht Spaß – nach wie vor.

Bald ist es 40 Jahre her, dass Sie bei der Schi-Weltmeisterschaft 1987 in Crans-Montana in der Schweiz nach dem ersten Durchgang im Slalom mit 1,23 Sekunden geführt haben – und dann Zweite wurden. Beschäftigt Sie das noch?

Ich kann mich zumindest noch genau daran erinnern. Es war ein komischer Tag, an dem schon das Einfahren nicht geklappt hat. Dann bin ich im ersten Durchgang Bestzeit gefahren. Im zweiten kam der Druck dazu. Wir hatten bereits zwei Silber- und eine Bronze-Medaille und ich wäre mit Gold die Retterin gewesen. Erika Hess (Anm.: Schweizer Konkurrentin) ist dann auf Vollangriff gefahren. Als ich dran war, habe ich schon während der Fahrt gespürt: Das geht sich nicht aus. Aber ich konnte den Schalter nicht umlegen.

Der Schisport kommt mittlerweile nicht mehr ohne Diskussion aufgrund schneearmer Winter aus. Wie war das zu Ihrer Zeit?

Ich verbinde meine Kindheit in Radstadt (S) mit tiefen Wintern. Wir konnten aber am Ende meiner Karriere beim Slalom im Jänner oft nicht bis ins Tal fahren. Damals gab es noch keine Schneekanonen. Derzeit ist es so, dass sich der Winter nach hinten verlagert. Fakt ist auch, dass unsere Schirennläufer im Sommer in Südamerika trainieren müssen. Das ist alternativlos geworden, weil unsere Gletscher in Europa das nicht mehr ermöglichen. Es wird bessere und schlechtere Jahre geben, aber wir müssen vorbereitet sein.

Da kommt Ihre Vision einer Schihalle für unser Land ins Spiel. Das klingt für viele Menschen noch unwirklich. Wie waren die Reaktionen, als Sie die Idee erstmals ausgesprochen haben?

Als ich die Idee im Jahr 2023 zum ersten Mal in den Mund genommen habe, galt sie als verrückt – nach dem Motto: Spinnt die? Aber eines ist klar: Wer den Schnee nicht vor der Haustür hat, fährt nicht Schi.

Die Schihalle ist für die Bevölkerung gedacht?

Es geht auch um unseren Nachwuchs im Spitzensport. Er muss schon jetzt in Hallen ausweichen: nach Litauen, Wittenburg, Bottrop (D), Landgraaf (Niederlande) oder Oslo (Norwegen). Das sind teure Reisen. In der Halle kann man Technik trainieren. Wichtig ist sie auch für die Reha, um dort unter immer gleichen Bedingungen die ersten Schwünge zu machen. Aber natürlich geht es auch um die Menschen. Es macht mir Sorgen, dass Österreich nicht mehr Schi fährt. Durch die Mitte des Landes verläuft eine Trennlinie: Östlich davon fährt kaum noch jemand – und selbst in Schiorten steht längst nicht mehr die ganze Bevölkerung auf den Bretteln.

Was soll eine Halle bieten?

In Wien gab es schon 1927 mit dem „Schneepalast“ so eine Einrichtung. Wir brauchen eine Schnee-Erlebniswelt, die mehr bieten muss als eine Piste – eine Rodelbahn zum Beispiel. In Kopenhagen (Dänemark) gibt es eine Halle mit Mattenpiste, Klettergerüst und Radstrecke daneben – das ist ein ganzer Freizeitpark.

Schifahren ist teuer geworden …

Wer Schi fahren will, findet Angebote. Wir betreiben zum Beispiel mit der Wirtschaftskammer eine Art Reisebüro für Wintersportwochen, inklusive Unterstützung für Familien, die sie nachweislich brauchen. Ein Vorbild für uns ist Kitzbühel (T). Dort fährt jedes Volksschulkind in vier Jahren vier Mal eine Woche gratis Schi. Die Bergbahnen stellen die Karten, Schiklub und Gemeinde sorgen für Mittagessen und Schilehrer. Das ist eine Investition in die Zukunft.

Eine Schihalle ist teuer, wer soll sie finanzieren?

Das geht über Investoren wie überall auf der Welt und nicht über die öffentliche Hand. Was wir von der Politik aber brauchen, ist ein Entgegenkommen bei Bewilligungen und Grundstücken. Seit wir das Thema öffentlich diskutieren, habe ich rund 20 Angebote bekommen, von Standorten quer durch unser Land bis zu Plänen von Architekten. Diese Dynamik habe ich nicht erwartet. Jetzt gibt es einmal eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema beschäftigt.

Lassen Sie uns in die Gegenwart zurückkehren. Am Samstag beginnt mit dem Riesenslalom der Damen die neue Weltcup-Saison auf dem Gletscher in Sölden (T). Werden wir heuer wieder einen Gesamtweltcupsieger stellen?

Marco Schwarz wird sich auf die schnellen Disziplinen und den Riesentorlauf konzentrieren. Er kann dem fünffachen Schweizer Gesamtweltcupsieger Marco Odermatt durchaus auf die Zehen treten.


Roswitha Stadlober wurde am 19. Juni 1963 in
Radstadt (Salzburg) geboren. Unter ihrem Mädchennamen Steiner gewann sie mehrere Weltcuprennen und zwei Mal den Slalom-Weltcup.

Sie ist mit dem ehemaligen Weltklasse-Langläufer Alois Stadlober, 64, verheiratet und hat eine Tochter namens Teresa und einen Sohn namens Luis. Beide traten in die Fußstapfen des Vaters.

Seit 2021 ist Roswitha Stadlober die erste Frau an der Spitze des Österreichischen Schiverbandes (ÖSV). Ihre Präsidentschaft endet 2027, sie würde aber gern noch eine Periode bis 2030 anhängen.
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