Ausgabe Nr. 42/2026 vom 14.10.2026, Fotos: Öko-Chefin, Leonore Gewessler., Gewessler mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Oma.
Leonore Gewessler, 49: „Ich rechne nicht mit Neuwahlen“
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In der Koalition mit der ÖVP haben die Grünen viel an Symphatie verloren. Jetzt will die Öko-Chefin auf die Menschen zugehen.
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Frau Gewessler, Sie gehen noch bis Ende Oktober bei landesweiten Hausbesuchen von Tür zu Tür. Wie oft wurde Ihnen schon die Tür vor der Nase zugeschlagen? Oder sind die Menschen meistens freundlich?
Meistens sind sie sehr freundlich und deshalb macht das große Freude. Ich habe jetzt schon an mehreren hundert Klingeln geläutet und Türen geklopft in den vergangenen Wochen. Es sind nicht alle zu Hause. Manchmal geht die Tür auf und es wird gerade Abendessen gekocht. Dann kommen wir vielleicht ungelegen, aber wir lassen immer Informationen da.
Bei meiner Kandidatur als Parteichefin habe ich gesagt: „Meine Grünen sollen eine Partei an der Seite der Menschen sein.“ Um das zu sein, müssen wir als allererstes zuhören, was die Menschen brauchen. Und nicht glauben, wir wissen das schon.
Schrecken sich auch manche, wenn plötzlich die Grünen-Chefin vor ihnen steht?
Vergangene Woche hat mir eine ältere Dame in Krems (NÖ) die Tür aufgemacht. Wir haben über das Gesundheitssystem geredet, weil sie Probleme hatte. Nach drei Minuten hat sie mich angeschaut und gefragt: „Sind Sie die Frau Gewessler?“ Sie war äußerst nett, aber überrascht, weil sie nicht erwartet hat, dass ich vor ihrer Tür stehe.
Wenn ich mit Menschen, vor allem am Land rede, dann höre ich immer wieder: „Die Grünen sind
weltfremd.“ Ein Beispiel dafür war 2022 der
Energiespartipp des Klimaministeriums, dass man „mit Deckel kochen“ soll, während die Strom-
und Gaspreise in lichte Höhen geschossen sind …
Ganz viele Omas, Opas, Mütter und Väter in dem Land wissen, dass das Wasser schneller kocht, wenn man den Deckel drauf tut – aber man glaubt gar nicht, wie viele das heute nicht mehr wissen. 2022 standen wir vor der realen Gefahr, dass uns im Winter die Energie ausgeht. Deshalb haben wir versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, auch die kleinen.
Nicht, weil wir geglaubt haben, dass ein Kochtopf mit Deckel die Energiekrise löst, sondern weil wir möglichst viele Menschen zum Energiesparen motivieren wollten.
Viele kämpfen mit den hohen Spritpreisen. Die CO2-Steuer macht Benzin und Diesel um 13 bis 14 Cent teurer. Wäre es nicht sinnvoll, sie abzuschaffen oder auszusetzen?
Ich bin dafür, dass man die Menschen entlastet. Die Ölkonzerne machen gerade das Geschäft ihres Lebens. Die OMV, um ein Beispiel zu nennen, hat heuer in einem halben Jahr so viel Gewinn gemacht wie im ganzen vergangenen Jahr. Die Regierung führt den Eingriff in die Gewinne jetzt nur halbherzig und deutlich geschwächt weiter. Ich sehe nicht ein, dass Ölmultis auf Kosten
der Menschen in unserem Land, die auf das Auto
angewiesen sind, ihre Gewinnspannen vergrößern. Dort müssen wir hinschauen.
Das Grundproblem, warum wir überhaupt in der Situation sind, ist, dass wir abhängig sind von Öl und Gas. Damit auch, ob Donald Trump und die Mullahs gerade Krieg miteinander führen oder in welcher Laune Wladimir Putin aufwacht. Strom können wir selbst produzieren. Dabei hilft uns die CO2-Bepreisung. Das sorgt am Ende dafür, dass es günstiger wird.
Bei den ÖBB steigen die Preise um 3,5 Prozent, auch in den Bundesländern werden Fahrscheine teurer. Braucht es eine Öffi-Preisbremse?
Ja, das fordern wir. Das Mindeste ist ein Einfrieren der Öffi-Preise.
Die Grünen können sich eine Verlängerung der Wehrpflicht vorstellen. Im Wahlprogramm 2024 steht etwas ganz anderes. Milizübungen sollen freiwillig sein, das sei zentral „für die Moral und das Tragen dieser Verantwortung“. Grundwehrdienst und Zivildienst sollen gleich lang sein, letzterer auf sechs Monate verkürzt werden. Warum dieser Umschwung?
Ich kann nachvollziehen, dass wir einen längeren Wehrdienst brauchen, in der aktuellen Weltlage. Aber eine doppelte Benachteiligung des Zivildienstes gibt es mit uns sicher nicht. Wenn es einen Automatismus gibt bei der Verlängerung, muss es einen Automatismus für die Bezahlung geben. Der Zivildienst ist nicht weniger wert, das ist kein Dienst zweiter Klasse. Das sind junge Männer, die eine unglaublich wichtige Arbeit verrichten.
Damit man die beiden gleich lang machen könnte, bräuchte es eine Regierung, die sich überlegt: „Wie kann ich den Wehrdienst attraktivieren? Was braucht es, damit junge Männer tatsächlich Lust haben, zum Bundesheer zu gehen?“ Davon sind wir leider meilenweit entfernt. Das ist aber die vordringlichste Aufgabe.
Was sagen Sie einem 18jährigen, der die Grünen gewählt hat, wegen Ihrer Wehrdienst-Positionen? Damals dauerte der Ukraine-Krieg schon zwei Jahre.
Für die Verlängerung des Wehrdienstes braucht uns die Bundesregierung nicht, das beschließt sie allein. Sie braucht die Zweidrittelmehrheit nur für den Zivildienst. Da kämpfen wir für Anerkennung, für Gleichwertigkeit des Zivildienstes und für gleiche Bezahlung.
Das sind tausend Euro Grundgehalt für beide?
Ja.
Der von Ihnen gestoppte Lobautunnel wird gebaut …
Es sind Milliarden, die in unserem Land in dieses Projekt und andere antiquierte Autobahnprojekte gepumpt werden, die kein Problem lösen. Am Ende wird der Nationalpark der Wienerinnen und Wiener ruiniert.
Wenn dort einmal die Bagger auffahren, ist es aus mit der unberührten Natur. Dafür, dass wir Straßen haben, wo am Ende dann noch mehr Menschen im Stau stehen. Mehr Straßen bedeuten mehr Verkehr. Dann steht man einfach auf einer weiteren Transitachse im Stau. Deswegen halte ich das einfach für so zukunftsvergessen, dass die Regierung jetzt alle Projekte wieder aus der Schublade kramt. Das ist Betonpolitik aus dem vergangenen Jahrtausend.
Was sagen Sie zum derzeitigen Zustand der SPÖ?
Wenn eine Regierungspartei so mit sich selbst beschäftigt ist, muss einen das besorgen. Ganz viele der Gespräche, die ich zuletzt mit Menschen hatte, eint das Gefühl, dass die Politik sie nicht mehr sieht, nicht mehr wahrnimmt, nichts mit ihrem Leben zu tun hat, mit den Fragen, die sie gerade umtreiben. Darauf bekommen sie keine Antworten.
Rechnen Sie mit baldigen Neuwahlen?
Nein, ich rechne nicht mit Neuwahlen, für die Regierungsparteien kann es ja nur schlechter werden. Aber irgendwann stehen die Menschen vor einer Wahl. Sie sehen gerade eine Regierung, die viel ankündigt, aber nichts umsetzt und die nur mit sich selber beschäftigt ist. Auf der anderen Seite sehen sie eine FPÖ, die immer radikaler wird. Viele suchen eine Alternative. Ich bin überzeugt davon, die Grünen sind gerade die einzige Alternative.
Die Grünen-Chefin privat
"Das Bild steht seit vielen Jahren bei mir auf einer Kommode. Es zeigt meine jüngere Schwester und mich
mit meiner Oma. Ich bin in einem 1.000-Einwohner-Dorf in der Steiermark aufgewachsen, mit lückenhaften Busverbindungen. Nach sieben Uhr am Abend bin ich nicht mehr heim- gekommen, dann habe ich bei meiner Oma in Graz übernachtet. Seitdem treibt mich diese Frage an: Wie schaffen wir es, dass wir auf dem Land
gute öffentliche Verbindungen haben?
Ich wollte schon immer einmal probieren, mit dem Zug und der Fähre nach Irland zu reisen. Einen Langstrecken-
test machen. Der Kompromiss war zurückzufliegen. Es geht aber auch der Zug viel einfacher als gedacht. Auf dem Foto sind mein Mann und ich auf der Fähre nach Irland.
Zu den besten Dingen in dem Urlaub haben die nicht so warmen Temperaturen gehört. Ich bin ja
aus Wien mit 40 Grad gekommen.“
Meistens sind sie sehr freundlich und deshalb macht das große Freude. Ich habe jetzt schon an mehreren hundert Klingeln geläutet und Türen geklopft in den vergangenen Wochen. Es sind nicht alle zu Hause. Manchmal geht die Tür auf und es wird gerade Abendessen gekocht. Dann kommen wir vielleicht ungelegen, aber wir lassen immer Informationen da.
Bei meiner Kandidatur als Parteichefin habe ich gesagt: „Meine Grünen sollen eine Partei an der Seite der Menschen sein.“ Um das zu sein, müssen wir als allererstes zuhören, was die Menschen brauchen. Und nicht glauben, wir wissen das schon.
Schrecken sich auch manche, wenn plötzlich die Grünen-Chefin vor ihnen steht?
Vergangene Woche hat mir eine ältere Dame in Krems (NÖ) die Tür aufgemacht. Wir haben über das Gesundheitssystem geredet, weil sie Probleme hatte. Nach drei Minuten hat sie mich angeschaut und gefragt: „Sind Sie die Frau Gewessler?“ Sie war äußerst nett, aber überrascht, weil sie nicht erwartet hat, dass ich vor ihrer Tür stehe.
Wenn ich mit Menschen, vor allem am Land rede, dann höre ich immer wieder: „Die Grünen sind
weltfremd.“ Ein Beispiel dafür war 2022 der
Energiespartipp des Klimaministeriums, dass man „mit Deckel kochen“ soll, während die Strom-
und Gaspreise in lichte Höhen geschossen sind …
Ganz viele Omas, Opas, Mütter und Väter in dem Land wissen, dass das Wasser schneller kocht, wenn man den Deckel drauf tut – aber man glaubt gar nicht, wie viele das heute nicht mehr wissen. 2022 standen wir vor der realen Gefahr, dass uns im Winter die Energie ausgeht. Deshalb haben wir versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, auch die kleinen.
Nicht, weil wir geglaubt haben, dass ein Kochtopf mit Deckel die Energiekrise löst, sondern weil wir möglichst viele Menschen zum Energiesparen motivieren wollten.
Viele kämpfen mit den hohen Spritpreisen. Die CO2-Steuer macht Benzin und Diesel um 13 bis 14 Cent teurer. Wäre es nicht sinnvoll, sie abzuschaffen oder auszusetzen?
Ich bin dafür, dass man die Menschen entlastet. Die Ölkonzerne machen gerade das Geschäft ihres Lebens. Die OMV, um ein Beispiel zu nennen, hat heuer in einem halben Jahr so viel Gewinn gemacht wie im ganzen vergangenen Jahr. Die Regierung führt den Eingriff in die Gewinne jetzt nur halbherzig und deutlich geschwächt weiter. Ich sehe nicht ein, dass Ölmultis auf Kosten
der Menschen in unserem Land, die auf das Auto
angewiesen sind, ihre Gewinnspannen vergrößern. Dort müssen wir hinschauen.
Das Grundproblem, warum wir überhaupt in der Situation sind, ist, dass wir abhängig sind von Öl und Gas. Damit auch, ob Donald Trump und die Mullahs gerade Krieg miteinander führen oder in welcher Laune Wladimir Putin aufwacht. Strom können wir selbst produzieren. Dabei hilft uns die CO2-Bepreisung. Das sorgt am Ende dafür, dass es günstiger wird.
Bei den ÖBB steigen die Preise um 3,5 Prozent, auch in den Bundesländern werden Fahrscheine teurer. Braucht es eine Öffi-Preisbremse?
Ja, das fordern wir. Das Mindeste ist ein Einfrieren der Öffi-Preise.
Die Grünen können sich eine Verlängerung der Wehrpflicht vorstellen. Im Wahlprogramm 2024 steht etwas ganz anderes. Milizübungen sollen freiwillig sein, das sei zentral „für die Moral und das Tragen dieser Verantwortung“. Grundwehrdienst und Zivildienst sollen gleich lang sein, letzterer auf sechs Monate verkürzt werden. Warum dieser Umschwung?
Ich kann nachvollziehen, dass wir einen längeren Wehrdienst brauchen, in der aktuellen Weltlage. Aber eine doppelte Benachteiligung des Zivildienstes gibt es mit uns sicher nicht. Wenn es einen Automatismus gibt bei der Verlängerung, muss es einen Automatismus für die Bezahlung geben. Der Zivildienst ist nicht weniger wert, das ist kein Dienst zweiter Klasse. Das sind junge Männer, die eine unglaublich wichtige Arbeit verrichten.
Damit man die beiden gleich lang machen könnte, bräuchte es eine Regierung, die sich überlegt: „Wie kann ich den Wehrdienst attraktivieren? Was braucht es, damit junge Männer tatsächlich Lust haben, zum Bundesheer zu gehen?“ Davon sind wir leider meilenweit entfernt. Das ist aber die vordringlichste Aufgabe.
Was sagen Sie einem 18jährigen, der die Grünen gewählt hat, wegen Ihrer Wehrdienst-Positionen? Damals dauerte der Ukraine-Krieg schon zwei Jahre.
Für die Verlängerung des Wehrdienstes braucht uns die Bundesregierung nicht, das beschließt sie allein. Sie braucht die Zweidrittelmehrheit nur für den Zivildienst. Da kämpfen wir für Anerkennung, für Gleichwertigkeit des Zivildienstes und für gleiche Bezahlung.
Das sind tausend Euro Grundgehalt für beide?
Ja.
Der von Ihnen gestoppte Lobautunnel wird gebaut …
Es sind Milliarden, die in unserem Land in dieses Projekt und andere antiquierte Autobahnprojekte gepumpt werden, die kein Problem lösen. Am Ende wird der Nationalpark der Wienerinnen und Wiener ruiniert.
Wenn dort einmal die Bagger auffahren, ist es aus mit der unberührten Natur. Dafür, dass wir Straßen haben, wo am Ende dann noch mehr Menschen im Stau stehen. Mehr Straßen bedeuten mehr Verkehr. Dann steht man einfach auf einer weiteren Transitachse im Stau. Deswegen halte ich das einfach für so zukunftsvergessen, dass die Regierung jetzt alle Projekte wieder aus der Schublade kramt. Das ist Betonpolitik aus dem vergangenen Jahrtausend.
Was sagen Sie zum derzeitigen Zustand der SPÖ?
Wenn eine Regierungspartei so mit sich selbst beschäftigt ist, muss einen das besorgen. Ganz viele der Gespräche, die ich zuletzt mit Menschen hatte, eint das Gefühl, dass die Politik sie nicht mehr sieht, nicht mehr wahrnimmt, nichts mit ihrem Leben zu tun hat, mit den Fragen, die sie gerade umtreiben. Darauf bekommen sie keine Antworten.
Rechnen Sie mit baldigen Neuwahlen?
Nein, ich rechne nicht mit Neuwahlen, für die Regierungsparteien kann es ja nur schlechter werden. Aber irgendwann stehen die Menschen vor einer Wahl. Sie sehen gerade eine Regierung, die viel ankündigt, aber nichts umsetzt und die nur mit sich selber beschäftigt ist. Auf der anderen Seite sehen sie eine FPÖ, die immer radikaler wird. Viele suchen eine Alternative. Ich bin überzeugt davon, die Grünen sind gerade die einzige Alternative.
Die Grünen-Chefin privat
"Das Bild steht seit vielen Jahren bei mir auf einer Kommode. Es zeigt meine jüngere Schwester und mich
mit meiner Oma. Ich bin in einem 1.000-Einwohner-Dorf in der Steiermark aufgewachsen, mit lückenhaften Busverbindungen. Nach sieben Uhr am Abend bin ich nicht mehr heim- gekommen, dann habe ich bei meiner Oma in Graz übernachtet. Seitdem treibt mich diese Frage an: Wie schaffen wir es, dass wir auf dem Land
gute öffentliche Verbindungen haben?
Ich wollte schon immer einmal probieren, mit dem Zug und der Fähre nach Irland zu reisen. Einen Langstrecken-
test machen. Der Kompromiss war zurückzufliegen. Es geht aber auch der Zug viel einfacher als gedacht. Auf dem Foto sind mein Mann und ich auf der Fähre nach Irland.
Zu den besten Dingen in dem Urlaub haben die nicht so warmen Temperaturen gehört. Ich bin ja
aus Wien mit 40 Grad gekommen.“
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