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Ausgabe Nr. 40/2026 vom 30.09.2026, Fotos: J.Bachmann
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Verein „Geben für Leben -
Leukämiehilfe Österreich“

IBAN: AT39 2060 7001 0006 4898

www.gebenfuerleben.at
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Niederösterreicherin nach erfolgreicher Transplantation:
„Meine Stammzellen haben Leben gerettet“
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Alles begann mit einem einfachen Wangenabstrich im Jahr 2024. Jetzt, zwei Jahre später, fließen Julia Bachmanns Stammzellen durch die Adern eines fremden Menschen. Mit ihrer Spende konnte die 47jährige einem Leukämie-Patienten aus Deutschland das Leben retten - und sieht in dessen Schicksal eine Parallele zu dem ihres verstorbenen Ehemannes.
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Es war ein langer Tag im Wiener AKH. Julia Bachmann lag mit ausgestreckten Armen im Spitalsbett, während ihr Blut durch den Zellseparator geleitet und anschließend wieder in ihren Körper zurückgeführt wurde.

„Insgesamt 17 Liter Blut wurden bei mir auf diese Weise bewegt“, erzählt die 47jährige. Fünf Stunden dauerte die Stammzellenentnahme – fünf Stunden, in denen sie nur einen Gedanken hatte, „da draußen wartet ein Mensch auf genau diese Zellen“.

Die Entscheidung, sich als Stammzellenspenderin registrieren zu lassen, fiel 2024 bei einem Vespa-Treffen in Klosterneuburg (NÖ). Eher zufällig kam Bachmann am Stand des Vereines „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ vorbei. „Bis zu dem Tag hatte ich keine Berührungspunkte mit Stammzellspenden. Ich wusste nur, dass es die Möglichkeit gab.“ Und da war noch etwas, das sie begleitete – ihr persönlicher Verlust.

Bei ihrem Mann wurde 2022 Kehlkopfkrebs diagnostiziert, der später in die Lunge streute. Bachmann begleitete ihn durch die Krankheit – bis zum Schluss. Mit 41 Jahren wurde sie Witwe. „Ihn konnte ich nicht retten. Es gab nichts, was ich ihm hätte geben können. Aber jetzt gab es etwas, das ich geben konnte.“

Am häufigsten werden Stammzellen bei Blutkrebs (Leukämien) benötigt, bei dem die Krebszellen die gesunden Blutzellen verdrängen. Eine Stammzellenspende ist oft die einzige Chance auf Heilung.

„Aus diesen Zellen werden die roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport, die weißen Blutkörperchen für die Immunabwehr und die Blutplättchen für die Gerinnung gebildet. Aber die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich zu einem Patienten zu passen, liegt bei 1:500.000.“

Am Anfang genügte ein Wangenabstrich, dessen Ergebnisse in eine weltweite Datenbank eingespeist wurden. Dann kam der Anruf. „Der Verein teilte mir mit, dass ich als Spenderin infrage komme. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts über den Empfänger.“ Später stellte sich heraus, dass es sich um einen Mittfünfziger aus Deutschland handelte. „Mein Mann wäre jetzt in dem Alter, es hat sich angeführt wie Schicksal“, stellt sie bewegt fest. Es folgte eine Reihe medizinischer Untersuchungen. Außerdem musste sich Bachmann zwei Mal täglich ein Medikament spritzen, das dafür sorgte, dass ihr Körper besonders viele Stammzellen bildete.

Am fünften Tag begab sie sich ins Spital, wo sie für die Entnahme an eine Apherese-Maschine angeschlossen wurde. Für Bachmann bedeutete die Spende danach vor allem eines – Erschöpfung. „Ich ging zwar zur Arbeit, aber Sport war nicht möglich. Der Körper braucht Zeit. Ich war einfach nur müde und kaputt“, sagt sie.

Trotzdem beschreibt sie die Erfahrung nicht als belastend, sondern als „Bereicherung, die sich rundum richtig anfühlte“. Dann kam wieder eine Nachricht – die Stammzellen waren angekommen. „Dafür hat es sich gelohnt. Ich war einfach überglücklich und bin es immer noch. Es ist so ein wundervolles und erfüllendes Gefühl. Ich würde es sofort wieder tun.“

Aufgrund des Datenschutzes weiß sie bislang noch nichts über den Gesundheitszustand des Patienten, würde aber später gerne mit ihm in Kontakt treten. „Ich habe jetzt eine Person, die irgendwie mit meiner Familie verbunden ist“, sinniert sie.

Wenn sie in die Kirche geht, zündet sie eine Kerze für ihren verstorbenen Mann an – und eine für den Menschen, in dessen Körper nun ihre Stammzellen arbeiten.

Im Juli wurde Julia Bachmann für ihre Spende geehrt. Der Verein überreichte ihr eine Lebensretter-Urkunde. Sie selbst versteht sich als Botschafterin für die Stammzellspende. Die 47jährige möchte, dass aus ihrer Geschichte mehr hervorgeht als nur eine persönliche Erinnerung.

Sie will Bewusstsein schaffen und auch andere Menschen zur Typisierung bewegen. „Geeignet sind alle Menschen zwischen 16 und 35 Jahren, die an keinen schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen leiden und mehr als 50 Kilo wiegen.“

Am liebsten würde sie in ihrer Heimatstadt selbst Typisierungsaktionen organisieren und auch Schulen dafür gewinnen, denn noch immer gibt es zu wenige passende Spender.

„In unserem Land erkranken täglich etwa drei Menschen an Leukämie, und mehr als 300 Patienten sind auf eine passende Stammzellen-Spende angewiesen. Aber nur rund vier Prozent der Bevölkerung sind typisiert.“

Außerdem möchte sie mit Vorurteilen und Falschinformationen aufräumen. „In den meisten Fällen werden die Stammzellen über das Blut gesammelt. Nur in seltenen Fällen ist eine Knochenmarkspende unter Vollnarkose notwendig. Aber Knochenmark ist nicht Rückenmark – dieses bleibt völlig unberührt.“

Angst habe sie selbst überhaupt keine gehabt – nach dem Motto „Einfach machen, es tut nicht weh und ist eine wirklich schöne Erfahrung“. Durch die Krebserkrankung ihres Mannes hat sie gelernt, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Auch die Spende selbst hat ihre Einstellung grundlegend verändert.

„Wir sollten Menschen helfen, wenn sich die Möglichkeit dafür bietet. Die Zeit, die uns bleibt, sollten wir mit schönen Momenten füllen und das Leben genießen. Denn wir wissen nie, wie viel Zeit uns letztendlich geschenkt ist“, macht Julia Bachmann deutlich. Schuh

​Verein „Geben für Leben -
Leukämiehilfe Österreich“


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