Ursula Strauss:
„Es ist anstrengend, ehrlich zu sein“
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Sie ist wieder als Ermittlerin hinter Verbrechern her. Daneben verkörpert Ursula Strauss, 52, eine besorgte Mutter. Im Gespräch gibt sie Einblicke in ihr privates Familienleben.
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Frau Strauss, in der neuen Krimi-Reihe „Tiroler Blut“ jagen Sie in den ersten Sekunden gemeinsam mit Ihrem Filmsohn auf Mountainbikes den Berg hinunter. Saßen Sie selbst im Sattel?
Ja, klar – (lacht) nein, selbstredend sind diese Aufnahmen gedoubelt. Versicherungstechnisch dürften wir das gar nicht. Abgesehen davon, dass ich keine passionierte Mountainbikerin bin. Ich kann zwar gut Rad fahren, aber das ist eine ganz andere Liga.
Temporeich sind auch die Dialoge in der Polizistenfamilie Gruber.
Alle wollen das Richtige tun, geraten aber an ihre Grenzen. Ist dieses Reiben und Zusammenhalten auch Ihr privates Familienideal?
Absolut, nichts ist wichtiger als Austausch, voneinander zu lernen und sich aneinander zu reiben. Eine gesunde Streitkultur ist eine der wichtigsten Säulen der Demokratie. Familie ist die kleinste Keimzelle dafür. Hier lernen wir, die eigene Meinung zu verteidigen, zuzuhören und Fehler zuzugeben. Leider wird in unserer Gesellschaft heute viel zu selten offen miteinander gesprochen.
Als lebenslanges Band ist die Familie oft ein sicherer Hafen und die größte Herausforderung zugleich. Was überwiegt bei Ihnen?
Wir müssen dafür arbeiten, dass wir in Frieden miteinander leben. Respekt und Ehrlichkeit bedeuten für mich, Konflikte nicht aus Angst vor dem Streit totzuschweigen.
Etwas hinunterzuschlucken wirkt wie eine Vergiftung für Beziehungen, nicht nur für die innerfamiliären. Es ist zwar anstrengend, ehrlich zueinander zu sein, aber es bringt uns alle weiter.
Schuld und Trauer sind die zentralen Motive der neuen Filme. Inwieweit spiegeln diese Themen Ihre eigenen Lebenserfahrungen wider?
Schuldgefühle kennt, glaube ich, jeder – und sei es nur aus der Erfahrung einer katholischen Kindheit, wenn man vor der ersten Beichte verzweifelt nachdenkt, was man überhaupt verbrochen hat. Auch die Trauer begleitet mich schon lange, weil ich mich bereits von vielen geliebten Menschen für immer verabschieden musste. Das Loslassen ist eine der wichtigsten Lektionen des Lebens. Je früher wir begreifen, dass wir endlich sind, desto tiefer können wir das Leben respektieren und voller Dankbarkeit für das Gute sein.
Alles ist ein Kreislauf – es gibt kein Lachen ohne Weinen, kein Glück ohne Unglück. Das Entscheidende ist, all diese Facetten anzunehmen, Haltung zu bewahren und nicht in der Angst zu verharren, sondern an den Erfahrungen zu wachsen.
Sowohl als Fanny Gruber in „Tiroler Blut“ als auch als Angelika Schnell in „Schnell ermittelt“ spielen Sie Ermittlerinnen, bei denen der Beruf und ein turbulentes Familienleben eng verwoben sind. Was reizt Sie an diesen Mutter-Rollen?
Angelika Schnell agiert mit viel Leichtigkeit und Humor, während Fanny Gruber unter einem enormen inneren Druck steht. Das Familiensystem der Grubers ist ein spannendes Feld.
Fannys Vater ist ein ehemaliger Polizist – er ist also nicht nur das klassische väterliche Vorbild, dem man gefallen möchte, man muss auch seinen großen beruflichen Fußstapfen gerecht werden. Da zudem auch ihr Sohn Polizist ist, beleuchten wir auf drei völlig unterschiedliche Arten und aus drei Perspektiven, was Gerechtigkeit, Schuld, richtig und falsch bedeuten.
Fanny Gruber verbindet eine tiefe, aber auch komplexe Dynamik mit ihrem Vater. Sie sucht seine Anerkennung
und will ihm gleichzeitig auf Augenhöhe begegnen. Sie selbst mussten im September 2014 Abschied von Ihrem Vater nehmen. Wie sehr haben Erinnerungen Ihre Herangehensweise an diese Rolle geprägt?
Natürlich drängen sich im ersten Moment Vergleiche auf, aber ich trenne meine Rollen strikt von meinem Privatleben.
Ich musste mich inzwischen von beiden Eltern verabschieden, doch sie begleiten mich jeden Tag – auf eine schöne, positive Weise, ganz ohne Hysterie und Wehmut. Da ich in meinem Elternhaus lebe, ist die tiefe Verbundenheit zu ihnen ohnehin dauerhaft präsent.
Sie gehen offen damit um, dass Sie aufgrund der frühen Wechseljahre keine eigenen Kinder bekommen konnten. Nach so einer harten Diagnose braucht die Seele Zeit zum Heilen. Wie ist es Ihnen gelungen, Frieden mit dieser Situation zu schließen, und hilft Ihnen das vielleicht sogar, Mutterrollen vor der Kamera mit noch mehr Tiefe zu füllen?
Das glaube ich nicht, weil ich das Gefühl, eine leibliche Mutter zu sein, nie kennenlernen werde. Ich besitze jedoch seit jeher eine starke Verbindung zu jüngeren Menschen – ich bin ja ursprünglich ausgebildete Kindergartenpädagogin, diesen Beruf habe ich noch vor der Schauspielschule erlernt.
Ich hatte stets eine enge Beziehung zu meinen Nichten und Neffen. Meine drei älteren Brüder haben mich voll und ganz an ihrem Familienleben teilhaben lassen. Wir sind ein großer Clan, die Kleinen waren und sind regelmäßig bei mir. Heute setzt sich das bei den Kindern meiner Nichten und Neffen fort – ich bin immer wieder mit der jüngsten Generation unterwegs.
Ein Kind zu adoptieren, kam für Sie und Ihren Mann nie infrage?
Wir haben kurz darüber nachgedacht und uns dann aber bewusst dagegen entschieden. Eben weil es in unserem direkten Umfeld bereits so viele Kinder gab. Meine Brüder und Schwägerinnen waren immer froh, jemanden zu haben, der spontan Zeit hatte und einspringen konnte. In unserer Großfamilie gibt es wirklich immer etwas zu tun (lacht).
Als Fanny Gruber spielen Sie Klarinette in der Polizeikapelle. Wurden Sie dabei – ähnlich wie beim Mountainbiken – gedoubelt?
Die Klarinette habe ich selbst gespielt. Selbstverständlich habe ich intensiv geübt. Es klang zwar nicht perfekt, weil die Klarinette ein wirklich anspruchsvolles Instrument ist, aber ich habe echte Töne herausgebracht und mich intensiv damit auseinandergesetzt. Ich habe früher auch schon Zither gespielt.
Seit Mitte September ist unter dem Titel „Nochdvegl“ Ihr drittes Album mit Ernst Molden erhältlich, das sich stilistisch im modernen, literarischen Wienerlied und Chanson bewegt …
Ich sehe mich nach wie vor nicht als klassische Sängerin, sondern eher als Interpretin. Es macht mir Spaß, mit Ernst Molden zu musizieren. Ich bin dankbar, dass er mich auf diese Reise mitgenommen hat.
Zur Person:
Ursula Strauss wurde am 25. April 1974 in Melk (NÖ) geboren und studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Bereits während ihrer Ausbildung wurde sie an mehreren Theatern in Deutschland und in unserem Land verpflichtet.
Sie kuratiert äußerst erfolgreich ihr eigenes Festival
„Wachau in Echtzeit“ und war sieben Jahre lang die
Präsidentin der Akademie des Österreichischen Filmes. Ursula Strauss ist Botschafterin der UN „Orange the World Kampagne“, verheiratet und lebt in Wien.
Ihre neue Serie ist in Doppelfolgen zu sehen.
„Tiroler Blut“, 5. und 12. Oktober, ORF1, 20.15 Uhr.
Ja, klar – (lacht) nein, selbstredend sind diese Aufnahmen gedoubelt. Versicherungstechnisch dürften wir das gar nicht. Abgesehen davon, dass ich keine passionierte Mountainbikerin bin. Ich kann zwar gut Rad fahren, aber das ist eine ganz andere Liga.
Temporeich sind auch die Dialoge in der Polizistenfamilie Gruber.
Alle wollen das Richtige tun, geraten aber an ihre Grenzen. Ist dieses Reiben und Zusammenhalten auch Ihr privates Familienideal?
Absolut, nichts ist wichtiger als Austausch, voneinander zu lernen und sich aneinander zu reiben. Eine gesunde Streitkultur ist eine der wichtigsten Säulen der Demokratie. Familie ist die kleinste Keimzelle dafür. Hier lernen wir, die eigene Meinung zu verteidigen, zuzuhören und Fehler zuzugeben. Leider wird in unserer Gesellschaft heute viel zu selten offen miteinander gesprochen.
Als lebenslanges Band ist die Familie oft ein sicherer Hafen und die größte Herausforderung zugleich. Was überwiegt bei Ihnen?
Wir müssen dafür arbeiten, dass wir in Frieden miteinander leben. Respekt und Ehrlichkeit bedeuten für mich, Konflikte nicht aus Angst vor dem Streit totzuschweigen.
Etwas hinunterzuschlucken wirkt wie eine Vergiftung für Beziehungen, nicht nur für die innerfamiliären. Es ist zwar anstrengend, ehrlich zueinander zu sein, aber es bringt uns alle weiter.
Schuld und Trauer sind die zentralen Motive der neuen Filme. Inwieweit spiegeln diese Themen Ihre eigenen Lebenserfahrungen wider?
Schuldgefühle kennt, glaube ich, jeder – und sei es nur aus der Erfahrung einer katholischen Kindheit, wenn man vor der ersten Beichte verzweifelt nachdenkt, was man überhaupt verbrochen hat. Auch die Trauer begleitet mich schon lange, weil ich mich bereits von vielen geliebten Menschen für immer verabschieden musste. Das Loslassen ist eine der wichtigsten Lektionen des Lebens. Je früher wir begreifen, dass wir endlich sind, desto tiefer können wir das Leben respektieren und voller Dankbarkeit für das Gute sein.
Alles ist ein Kreislauf – es gibt kein Lachen ohne Weinen, kein Glück ohne Unglück. Das Entscheidende ist, all diese Facetten anzunehmen, Haltung zu bewahren und nicht in der Angst zu verharren, sondern an den Erfahrungen zu wachsen.
Sowohl als Fanny Gruber in „Tiroler Blut“ als auch als Angelika Schnell in „Schnell ermittelt“ spielen Sie Ermittlerinnen, bei denen der Beruf und ein turbulentes Familienleben eng verwoben sind. Was reizt Sie an diesen Mutter-Rollen?
Angelika Schnell agiert mit viel Leichtigkeit und Humor, während Fanny Gruber unter einem enormen inneren Druck steht. Das Familiensystem der Grubers ist ein spannendes Feld.
Fannys Vater ist ein ehemaliger Polizist – er ist also nicht nur das klassische väterliche Vorbild, dem man gefallen möchte, man muss auch seinen großen beruflichen Fußstapfen gerecht werden. Da zudem auch ihr Sohn Polizist ist, beleuchten wir auf drei völlig unterschiedliche Arten und aus drei Perspektiven, was Gerechtigkeit, Schuld, richtig und falsch bedeuten.
Fanny Gruber verbindet eine tiefe, aber auch komplexe Dynamik mit ihrem Vater. Sie sucht seine Anerkennung
und will ihm gleichzeitig auf Augenhöhe begegnen. Sie selbst mussten im September 2014 Abschied von Ihrem Vater nehmen. Wie sehr haben Erinnerungen Ihre Herangehensweise an diese Rolle geprägt?
Natürlich drängen sich im ersten Moment Vergleiche auf, aber ich trenne meine Rollen strikt von meinem Privatleben.
Ich musste mich inzwischen von beiden Eltern verabschieden, doch sie begleiten mich jeden Tag – auf eine schöne, positive Weise, ganz ohne Hysterie und Wehmut. Da ich in meinem Elternhaus lebe, ist die tiefe Verbundenheit zu ihnen ohnehin dauerhaft präsent.
Sie gehen offen damit um, dass Sie aufgrund der frühen Wechseljahre keine eigenen Kinder bekommen konnten. Nach so einer harten Diagnose braucht die Seele Zeit zum Heilen. Wie ist es Ihnen gelungen, Frieden mit dieser Situation zu schließen, und hilft Ihnen das vielleicht sogar, Mutterrollen vor der Kamera mit noch mehr Tiefe zu füllen?
Das glaube ich nicht, weil ich das Gefühl, eine leibliche Mutter zu sein, nie kennenlernen werde. Ich besitze jedoch seit jeher eine starke Verbindung zu jüngeren Menschen – ich bin ja ursprünglich ausgebildete Kindergartenpädagogin, diesen Beruf habe ich noch vor der Schauspielschule erlernt.
Ich hatte stets eine enge Beziehung zu meinen Nichten und Neffen. Meine drei älteren Brüder haben mich voll und ganz an ihrem Familienleben teilhaben lassen. Wir sind ein großer Clan, die Kleinen waren und sind regelmäßig bei mir. Heute setzt sich das bei den Kindern meiner Nichten und Neffen fort – ich bin immer wieder mit der jüngsten Generation unterwegs.
Ein Kind zu adoptieren, kam für Sie und Ihren Mann nie infrage?
Wir haben kurz darüber nachgedacht und uns dann aber bewusst dagegen entschieden. Eben weil es in unserem direkten Umfeld bereits so viele Kinder gab. Meine Brüder und Schwägerinnen waren immer froh, jemanden zu haben, der spontan Zeit hatte und einspringen konnte. In unserer Großfamilie gibt es wirklich immer etwas zu tun (lacht).
Als Fanny Gruber spielen Sie Klarinette in der Polizeikapelle. Wurden Sie dabei – ähnlich wie beim Mountainbiken – gedoubelt?
Die Klarinette habe ich selbst gespielt. Selbstverständlich habe ich intensiv geübt. Es klang zwar nicht perfekt, weil die Klarinette ein wirklich anspruchsvolles Instrument ist, aber ich habe echte Töne herausgebracht und mich intensiv damit auseinandergesetzt. Ich habe früher auch schon Zither gespielt.
Seit Mitte September ist unter dem Titel „Nochdvegl“ Ihr drittes Album mit Ernst Molden erhältlich, das sich stilistisch im modernen, literarischen Wienerlied und Chanson bewegt …
Ich sehe mich nach wie vor nicht als klassische Sängerin, sondern eher als Interpretin. Es macht mir Spaß, mit Ernst Molden zu musizieren. Ich bin dankbar, dass er mich auf diese Reise mitgenommen hat.
Zur Person:
Ursula Strauss wurde am 25. April 1974 in Melk (NÖ) geboren und studierte Schauspiel am Wiener Volkstheater. Bereits während ihrer Ausbildung wurde sie an mehreren Theatern in Deutschland und in unserem Land verpflichtet.
Sie kuratiert äußerst erfolgreich ihr eigenes Festival
„Wachau in Echtzeit“ und war sieben Jahre lang die
Präsidentin der Akademie des Österreichischen Filmes. Ursula Strauss ist Botschafterin der UN „Orange the World Kampagne“, verheiratet und lebt in Wien.
Ihre neue Serie ist in Doppelfolgen zu sehen.
„Tiroler Blut“, 5. und 12. Oktober, ORF1, 20.15 Uhr.
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