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Ausgabe Nr. 39/2026 vom 23.09.2026, Foto: Katharina Schiffl
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Michael Mittermeier
Michael Mittermeier:
„Wir dürfen alles sagen“
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In Wien gibt es eine neue Spielstätte für Witz und Schmäh. Verantwortlich dafür ist der beliebte deutsche Komiker Michael Mittermeier, 60.
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Herr Mittermeier, Sie bieten mit dem „Lucky Punch Comedy Club“ in Wien aufkommenden und bewährten Kabarettisten eine Plattform.
Wie ist dieser Klub entstanden?


Dieser „Comedy Club“ befindet sich im Keller des Café Prückel, wo ich früher schon oft war. Ich wusste damals nicht, dass es im Keller ein Theater gibt, mir hat aber schon allein das Café und der Platz rundherum gefallen.

Dass ich dort einmal meinen Klub haben werde, hätte ich mir im Traum nicht gedacht. Das war ein netter Zufall.

Zufälle, heißt es, gibt es nicht …

Dann nennen wir es Kismet (Anm.: das zugeteilte, unabwendbare Schicksal). Ich habe zur richtigen Zeit mit jemandem gesprochen, der oft in meine Vorstellungen kommt. Den Vermieter des Prückel, wobei ich lange nicht wusste, dass er das ist, kenne ich auch seit vielen Jahren. So hat es sich ergeben und wir haben renoviert.

Aber wenn du in Österreich einen Keller öffnest, denkst du dir plötzlich: „Oh, da gibt es ja gar keinen Boden.“ Oder: „Oh, die Decke kommt von der Decke.“

Sie würden sich wundern, was in Kellern in unserem Land alles zu finden ist. Es gab sogar einmal eine Dokumentation darüber …

Na ja, ich glaube, jedes Land hat seine Keller. Und ich finde es ehrlich gesagt auch beängstigend, wenn erwachsene Männer im Keller zehn Jahre lang eine Modelleisenbahn aufbauen. Da habe ich immer das Gefühl: Das muss doch ein Serienkiller sein. So einer fährt doch normalerweise herum und sagt: „Hallo, willst du mit mir mitfahren?“

Und zack, sitzt du schon in seinem Lieferwagen. Aber unser Keller ist wahnsinnig schön geworden. Meine Frau ist ja quasi die Chefin und hat gemeinsam mit den Architekten ein Juwel daraus gezaubert. Der Klub könnte jetzt in New York (USA) sein und ich würde sagen, der wäre Top drei.

Auf Ihrer Internetseite steht, dass der Klub in der schönsten Stadt der Welt steht, in Wien. Ist das ehrlich gemeint oder Koketterie?

Ehrlich: Wien ist einfach „bist-du-deppert“ schön. Vorige Woche, als ich abends im Klub gespielt habe, war ich mit meiner Frau und meiner Tochter auf Besichtigungstour. Wir sind mit einem E-Wagen um die Hofburg herumgefahren und haben uns alles zeigen lassen. Wir waren tatsächlich im Sisi-Museum und in der Schatzkammer.

Das war echt krass. Die Habsburger konnten schon was. Wien ist wirklich unschlagbar. Manchmal denkst du: Das ist nicht echt, das kann nur eine Kulisse sein.

Stimmt es, dass es in Ihrem „Comedy Club“ die Regel gibt, dass jeder Witz neu sein muss?

Man muss unterscheiden. Bei den „Mixed Shows“ von Donnerstag bis Samstag spielen Comedians ihre besten Nummern und probieren vielleicht einmal was Neues aus. Zum Testen gibt es die sogenannten „Open Mics“ am Mittwoch. Da gehen auch Menschen auf die Bühne, die noch nie einen Auftritt hatten.

Dabei kann alles passieren, zum Beispiel, dass jemand einen Witz zum ersten und gleichzeitig zum letzten Mal macht. Zumindest weiß derjenige dann: Den kann ich streichen …

In amerikanischen Filmen ist das Publikum in solchen Klubs oft gnadenlos mit weniger talentierten Künstlern.
Wie ist das bei Ihnen?


Frei vor einem Publikum zu sprechen, ist gar nicht so leicht. Ich habe einmal gelesen, dass das zu den Top fünf der Dinge gehört, von denen Menschen sagen: „Davor habe ich am meisten Angst.“

Ich glaube, das kommt noch vor Fallschirmspringen. In Filmen wird das Scheitern immer aufgebauscht, im Klub ist das alles entspannter.

Wenn ein Gag gar nicht zündet, passiert nichts. Dann macht der Comedian einfach den nächsten. Ich muss auch ein Kompliment an unser Publikum in Wien und München (D) machen. Es geht mit, wenn ein Künstler voll abräumt, ist aber auch wohlwollend, wenn es einmal nicht so ist.

Für die Künstler geht es auch darum, zu sehen, wie es sich vor ausverkauftem Haus spielt. Außerdem haben wir Moderatoren, die im Notfall sagen: „Hey, der Haberer oder die Haberin ist wenigstens auf die Bühne gegangen.“

Stimmt es, dass sich Humor von Land zu Land unterscheidet? So lassen es zumindest viele Comedians anklingen …

Eigentlich sage ich immer, dass Humor universal ist. Aber natürlich hat jedes Land eine gewisse nationale Ausprägung. Schon deshalb, weil es in jedem Land andere Regierungen, ein anderes Fernsehprogramm, andere Bands, also insgesamt eine andere Gesellschaft gibt. Ihr habt zum Beispiel eure Magister.

Wenn ich bei uns in Bayern sage, dass ich Magister bin, sagen alle: „Ja, und?“ Wenn ich in Wien in ein Hotel einsteige und hinausposaune, dass ich Magister bin, werden mir Jungfrauen dargeboten und Rosenblätter gestreut. Österreich hat eine große Titelhörigkeit. Solche Prägungen fließen in die Comedy mit ein.

Begeben Sie sich nicht auf dünnes Eis, wenn Sie von dargebotenen Jungfrauen sprechen?

Also ich denke seit 40 Jahren nicht darüber nach, was ich auf der Bühne machen darf. Und ich finde, dieser Satz, dass man heute nicht mehr alles sagen darf, stimmt ja nicht.

Tatsächlich? In einem gemeinsamen Auftritt mit Ihrer Frau 2017 in der Stadthalle Germering haben Sie von einem Pauschalurlaub und einer „dicken Köchin“ erzählt. Denken Sie nicht, Sie würden heute für diese Bezeichnung kritisiert?

Natürlich passe ich im Laufe der Zeit meine Witze an. Aber grundsätzlich muss ich aushalten, dass Menschen eventuell sagen: „Das gefällt mir nicht!“ Comedians oder Kabarettisten, die anfangen, zu überlegen, was sie sagen dürfen, sollten besser Bäcker werden.

Einer meiner Freunde, ein Burmese, war wegen politischer Witze elf Jahre im Gefängnis, fünf davon in Einzelhaft. Er wurde auch gefoltert. Ein russischer Kollege, mit dem ich auf Tour war, ist aus dem Land geflohen, weil klar war, dass, als der Krieg begonnen hat, auch die Künstler eingezogen werden.

Diese Menschen können sagen: „Boah, ich darf nicht alles sagen.“ Aber hier bei uns? Wir dürfen alles sagen und müssen eben mit den Reaktionen umgehen.

Zur Person

Michael Mittermeier wurde am 3. April 1966 in Dorfen in Bayern (D) geboren. Seit den 1980er Jahren steht er als Stand-up-Comedian und Kabarettist auf der Bühne und feierte seinen Durchbruch Ende der 1990er Jahre mit dem Programm „Zapped!“.

Seither zählt er zur Elite deutschsprachiger Kabarettisten. Mit seiner Frau Gudrun Allwang, die ebenfalls Künstlerin ist, hat er eine Tochter namens Lilly, 18.

Mittermeier eröffnete nach München heuer in Wien
seinen zweiten „Comedy Club“ im Keller des Café Prückel in Wien. Dort wird er am 24.9. auf der Bühne stehen.

Karten: www.luckypunch-comedyclub.at
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