Teuer, teurer, Energie
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Der Winter wird teuer, das steht außer Frage. Die Regierung will die Preiswelle bremsen. Aber ob sie die Belastung tatsächlich spürbar senken kann, ist mehr als zweifelhaft.
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Der Dieselpreis ist so hoch wie nie zuvor. Vergangene Woche zahlten Autofahrer im Schnitt 2,28 Euro für einen Liter. Vor dem Iran-Krieg kostete Diesel durchschnittlich 1,57 Euro.
Die Gründe für den Preissprung sind vielfältig. Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran bremst den Nachschub. Dadurch gelangen weniger Rohöl, aber auch weniger verarbeitete Produkte wie Diesel auf den Weltmarkt.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sorgt der Plan einer milliardenteuren Alternativ-Route für Aufsehen. Architekten haben einen künstlichen Kanal im Landesinneren vorgeschlagen, der die Straße von Hormus umgeht.
Zudem fällt Russland als einer der größten Diesel-Exporteure aus. Von Jänner bis August „wurde durchschnittlich alle drei Tage eine russische Raffinerie getroffen“, rechnen die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) vor. Um die Versorgung im eigenen Land zu sichern, hat Russland die Diesel-Lieferungen eingestellt. Trotzdem will Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine nicht beenden.
Die Preisspirale könnte sich weiterdrehen. Die weltweiten Dieselvorräte sind knapp. Gleichzeitig steigt mit der Erntesaison die Nachfrage.
Fachleute rechnen deshalb mit weiter steigenden Preisen. Derzeit macht die „Spritpreisbremse“ der Dreierkoalition den Liter Treibstoff um 1,9 Cent billiger. Dabei soll es nicht bleiben. Doch nicht nur an der Zapfsäule wird es teurer. Auch für Gas, Pellets und Heizöl müssen wir tiefer ins Geldbörsel greifen. Die Preise für Heizpellets sind innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel gestiegen. Heizöl ist um mehr als die Hälfte teurer. Der Gaspreis stieg auf ein Vierjahreshoch. Flüssiggas-Transporte durch die Straße von Hormus fallen weg. Zugleich müssen Gasspeicher nach dem kalten Winter wieder aufgefüllt werden. Die Gashändler haben lange mit einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten spekuliert, um erst danach Gas einzuspeichern.
Hierzulande sind die Gasspeicher zu 67 Prozent voll. In den ausgeförderten Gasfeldern, die zu Speichern umfunktioniert wurden, liegt mehr Gas, als in einer normalen Heizperiode verbraucht wird. Im Vorjahr war zur selben Zeit aber um ein Viertel mehr Gas in den Speichern.
Nur ein Teil steht heimischen Kunden sicher zur Verfügung. Nahezu die Hälfte des Speichergases gehört ausländischen Gashändlern. Sie können das Gas im In- und Ausland verkaufen. Die „strategische Gasreserve“ von 20 Terawattstunden hingegen deckt im Notfall den Bedarf von etwa zwei Wintermonaten.
Der staatlich kontrollierte Vorrat hat bei der Beschaffung im Jahr 2022 rund 3,7 Milliarden Euro gekostet. In Deutschland sorgten die nur zu etwas mehr als der Hälfte gefüllten Gasspeicher zuletzt für Unruhe. Die Kapazitäten sind dort im Verhältnis niedriger als bei uns. In Deutschlands Gasspeichern können bis zu 250 Terawattstunden Erdgas gelagert werden, bei uns sind es 100 Terawattstunden.
Gibt es einen Gas-Notstand in einem EU-Staat, müssten andere Länder aushelfen. Dafür muss das anfragende Land „zuvor alle anderen Optionen, bis hin zur Einschränkung etwa von Industriebetrieben, ausgeschöpft haben, um eine entsprechende Solidaritätsanfrage überhaupt stellen zu können“, wird bei der Aufsichtsbehörde E-Control erklärt. Neben der Staats-Gasreserve wären bestimmte Gasmengen von den sogenannten Solidaritätslieferungen ausgenommen, etwa jene, „die für geschützte Kunden – das sind Haushalte, soziale Dienste und Kraftwerke – vorgehalten werden“. Sie umfassen den Bedarf für wenige Wochen.
Der hohe Gaspreis wirkt sich wiederum auf den Strompreis aus. Lauf-Wasserkraftwerke wie jenes in Greifenstein (NÖ) haben im trockenen Sommer insgesamt weniger Strom erzeugt, im Juli sogar um 40 Prozent weniger als noch im Vorjahr.
Damit gewinnen Gaskraftwerke an Bedeutung. Sie kommen im Winter ohnehin verstärkt zum Einsatz. Nicht nur, wenn die Fluss-Wasserstände niedrig sind, sondern auch, wenn Dunkelflaute herrscht – also wenn an trüben Tagen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, und Photovoltaikanlagen und Windräder keinen Strom liefern können.
Die Regierung will die Stromkosten mit einem Deckel abfedern, dem sogenannten Energiepreis-Krisenmechanismus. Der Mechanismus wird allerdings nur schlagend, wenn drei Monate lang der durchschnittliche Strompreis „für Haushalte über 16,5 Cent je Kilowattstunde netto“ liegt, ohne Netzkosten und Abgaben. Gleichzeitig muss der Großhandelspreis hoch sein. Dann wird der Netto-Strompreis bei zehn Cent pro Kilowattstunde eingefroren, bis zu einem Jahresverbrauch von 2.900 Kilowattstunden. Das entspricht dem Verbrauch einer vierköpfigen Familie, ohne elektrische Warmwasseraufbereitung. Kritik kommt vom gewerkschaftsnahen Momentum-Institut. „Die kommende Inflationswelle gilt es früh abzufangen, nicht erst, wenn die Preise schon explodiert sind.“
Konsumenten können selbst gegensteuern. Mit einem Tarifwechsel ist je nach Bundesland eine Ersparnis von bis zu 250 Euro bei Strom möglich, wenn laut E-Control „vom Standardprodukt des regionalen Anbieters zum günstigsten Angebot, inklusive Neukundenrabatt“ gewechselt wird. Bei Gas sind es bis zu 460 Euro Ersparnis pro Jahr. Ein Vergleich ist möglich unter:
www.e-control.at/unsere-services/tarifkalkulator
Die Flaschenhälse der Öl-Versorgung
Fast zwei Drittel des Öls weltweit werden auf dem Seeweg transportiert. Diese Engpässe sind kritisch für den Welthandel:
Straße von Malakka
Die Schifffahrts-Route liegt in Südostasien, zwischen Malaysien und Indonesien. Die meistbefahrene Meerenge der Welt misst an ihrer schmalsten Stelle nur
2,8 Kilometer. Sie verbindet Europa und die Ölförderstaaten des Nahen Ostens mit China, Japan und Südkorea. Vor allem China ist auf die Wasserstraße angewiesen. Im Vorjahr wurden rund 23 Prozent des weltweit transportierten Öls durch die Straße von Malakka befördert.
Straße von Hormus
Der Iran hat die Meerenge nach den Angriffen der USA weitgehend blockiert. Die teils nur 38 Kilometer breite Wasserstraße liegt zwischen dem Iran und einer zum Oman gehörenden Halbinsel. Sie ist die wichtigste Seeverbindung der Ölstaaten am Persischen Golf zum Welthandel. „Pipelines“, also
Rohrleitungen, können den Seeweg nicht ersetzen. Vor dem Iran-Krieg wurden fast 21 Prozent des Öls durch die Straße von Hormus transportiert.
Meerenge Bab al-Mandab
Das „Tor der Tränen“ liegt am südlichen Ende des Roten Meeres, zwischen dem Jemen, Eritrea und Dschibuti. Die Meeresstraße ist Teil der kürzesten Schifffahrtsroute von Europa nach Asien, die vom Mittelmeer über den
Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt. Jetzt kontrolliert die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz die Meerenge großteils. Im Jahr 2025 wurden sechs Prozent des weltweiten Öls durch sie transportiert.
Suezkanal
Der im Jahr 1869 eröffnete Kanal in Ägypten erspart Frachtern den Weg um ganz Afrika und verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer. Der 1956 vom ägyptischen Präsidenten Nasser verstaatlichte Wasserweg bringt dem Land wichtige Deviseneinnahmen in Milliardenhöhe. Das Bauwerk ist mehr als
190 Kilometer lang und bis zu 345 Meter breit. Im Vorjahr transportierten Frachter gut fünf Prozent des Weltmarkt-Öls durch den Suezkanal.
Die Gründe für den Preissprung sind vielfältig. Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran bremst den Nachschub. Dadurch gelangen weniger Rohöl, aber auch weniger verarbeitete Produkte wie Diesel auf den Weltmarkt.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sorgt der Plan einer milliardenteuren Alternativ-Route für Aufsehen. Architekten haben einen künstlichen Kanal im Landesinneren vorgeschlagen, der die Straße von Hormus umgeht.
Zudem fällt Russland als einer der größten Diesel-Exporteure aus. Von Jänner bis August „wurde durchschnittlich alle drei Tage eine russische Raffinerie getroffen“, rechnen die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) vor. Um die Versorgung im eigenen Land zu sichern, hat Russland die Diesel-Lieferungen eingestellt. Trotzdem will Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine nicht beenden.
Die Preisspirale könnte sich weiterdrehen. Die weltweiten Dieselvorräte sind knapp. Gleichzeitig steigt mit der Erntesaison die Nachfrage.
Fachleute rechnen deshalb mit weiter steigenden Preisen. Derzeit macht die „Spritpreisbremse“ der Dreierkoalition den Liter Treibstoff um 1,9 Cent billiger. Dabei soll es nicht bleiben. Doch nicht nur an der Zapfsäule wird es teurer. Auch für Gas, Pellets und Heizöl müssen wir tiefer ins Geldbörsel greifen. Die Preise für Heizpellets sind innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel gestiegen. Heizöl ist um mehr als die Hälfte teurer. Der Gaspreis stieg auf ein Vierjahreshoch. Flüssiggas-Transporte durch die Straße von Hormus fallen weg. Zugleich müssen Gasspeicher nach dem kalten Winter wieder aufgefüllt werden. Die Gashändler haben lange mit einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten spekuliert, um erst danach Gas einzuspeichern.
Hierzulande sind die Gasspeicher zu 67 Prozent voll. In den ausgeförderten Gasfeldern, die zu Speichern umfunktioniert wurden, liegt mehr Gas, als in einer normalen Heizperiode verbraucht wird. Im Vorjahr war zur selben Zeit aber um ein Viertel mehr Gas in den Speichern.
Nur ein Teil steht heimischen Kunden sicher zur Verfügung. Nahezu die Hälfte des Speichergases gehört ausländischen Gashändlern. Sie können das Gas im In- und Ausland verkaufen. Die „strategische Gasreserve“ von 20 Terawattstunden hingegen deckt im Notfall den Bedarf von etwa zwei Wintermonaten.
Der staatlich kontrollierte Vorrat hat bei der Beschaffung im Jahr 2022 rund 3,7 Milliarden Euro gekostet. In Deutschland sorgten die nur zu etwas mehr als der Hälfte gefüllten Gasspeicher zuletzt für Unruhe. Die Kapazitäten sind dort im Verhältnis niedriger als bei uns. In Deutschlands Gasspeichern können bis zu 250 Terawattstunden Erdgas gelagert werden, bei uns sind es 100 Terawattstunden.
Gibt es einen Gas-Notstand in einem EU-Staat, müssten andere Länder aushelfen. Dafür muss das anfragende Land „zuvor alle anderen Optionen, bis hin zur Einschränkung etwa von Industriebetrieben, ausgeschöpft haben, um eine entsprechende Solidaritätsanfrage überhaupt stellen zu können“, wird bei der Aufsichtsbehörde E-Control erklärt. Neben der Staats-Gasreserve wären bestimmte Gasmengen von den sogenannten Solidaritätslieferungen ausgenommen, etwa jene, „die für geschützte Kunden – das sind Haushalte, soziale Dienste und Kraftwerke – vorgehalten werden“. Sie umfassen den Bedarf für wenige Wochen.
Der hohe Gaspreis wirkt sich wiederum auf den Strompreis aus. Lauf-Wasserkraftwerke wie jenes in Greifenstein (NÖ) haben im trockenen Sommer insgesamt weniger Strom erzeugt, im Juli sogar um 40 Prozent weniger als noch im Vorjahr.
Damit gewinnen Gaskraftwerke an Bedeutung. Sie kommen im Winter ohnehin verstärkt zum Einsatz. Nicht nur, wenn die Fluss-Wasserstände niedrig sind, sondern auch, wenn Dunkelflaute herrscht – also wenn an trüben Tagen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, und Photovoltaikanlagen und Windräder keinen Strom liefern können.
Die Regierung will die Stromkosten mit einem Deckel abfedern, dem sogenannten Energiepreis-Krisenmechanismus. Der Mechanismus wird allerdings nur schlagend, wenn drei Monate lang der durchschnittliche Strompreis „für Haushalte über 16,5 Cent je Kilowattstunde netto“ liegt, ohne Netzkosten und Abgaben. Gleichzeitig muss der Großhandelspreis hoch sein. Dann wird der Netto-Strompreis bei zehn Cent pro Kilowattstunde eingefroren, bis zu einem Jahresverbrauch von 2.900 Kilowattstunden. Das entspricht dem Verbrauch einer vierköpfigen Familie, ohne elektrische Warmwasseraufbereitung. Kritik kommt vom gewerkschaftsnahen Momentum-Institut. „Die kommende Inflationswelle gilt es früh abzufangen, nicht erst, wenn die Preise schon explodiert sind.“
Konsumenten können selbst gegensteuern. Mit einem Tarifwechsel ist je nach Bundesland eine Ersparnis von bis zu 250 Euro bei Strom möglich, wenn laut E-Control „vom Standardprodukt des regionalen Anbieters zum günstigsten Angebot, inklusive Neukundenrabatt“ gewechselt wird. Bei Gas sind es bis zu 460 Euro Ersparnis pro Jahr. Ein Vergleich ist möglich unter:
www.e-control.at/unsere-services/tarifkalkulator
Die Flaschenhälse der Öl-Versorgung
Fast zwei Drittel des Öls weltweit werden auf dem Seeweg transportiert. Diese Engpässe sind kritisch für den Welthandel:
Straße von Malakka
Die Schifffahrts-Route liegt in Südostasien, zwischen Malaysien und Indonesien. Die meistbefahrene Meerenge der Welt misst an ihrer schmalsten Stelle nur
2,8 Kilometer. Sie verbindet Europa und die Ölförderstaaten des Nahen Ostens mit China, Japan und Südkorea. Vor allem China ist auf die Wasserstraße angewiesen. Im Vorjahr wurden rund 23 Prozent des weltweit transportierten Öls durch die Straße von Malakka befördert.
Straße von Hormus
Der Iran hat die Meerenge nach den Angriffen der USA weitgehend blockiert. Die teils nur 38 Kilometer breite Wasserstraße liegt zwischen dem Iran und einer zum Oman gehörenden Halbinsel. Sie ist die wichtigste Seeverbindung der Ölstaaten am Persischen Golf zum Welthandel. „Pipelines“, also
Rohrleitungen, können den Seeweg nicht ersetzen. Vor dem Iran-Krieg wurden fast 21 Prozent des Öls durch die Straße von Hormus transportiert.
Meerenge Bab al-Mandab
Das „Tor der Tränen“ liegt am südlichen Ende des Roten Meeres, zwischen dem Jemen, Eritrea und Dschibuti. Die Meeresstraße ist Teil der kürzesten Schifffahrtsroute von Europa nach Asien, die vom Mittelmeer über den
Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt. Jetzt kontrolliert die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz die Meerenge großteils. Im Jahr 2025 wurden sechs Prozent des weltweiten Öls durch sie transportiert.
Suezkanal
Der im Jahr 1869 eröffnete Kanal in Ägypten erspart Frachtern den Weg um ganz Afrika und verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer. Der 1956 vom ägyptischen Präsidenten Nasser verstaatlichte Wasserweg bringt dem Land wichtige Deviseneinnahmen in Milliardenhöhe. Das Bauwerk ist mehr als
190 Kilometer lang und bis zu 345 Meter breit. Im Vorjahr transportierten Frachter gut fünf Prozent des Weltmarkt-Öls durch den Suezkanal.
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