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Ausgabe Nr. 38/2026 vom 16.09.2026, Fotos: Kauck, www.evelynsblessings.com
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Mittlerweile gehen fast täglich Spenden und Pakete bei Evelyn ein.
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Ihre Familie unterstützt Evelyn.
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Evelyn verschenkt Kuscheltiere und bereitet den Bewohnern damit sichtbar eine Freude.
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Ein junges Herz für die Älteren
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und Artikel an Freunde verschenken.
Bei einem Besuch im Altersheim ihres Opas in Indiana (USA) bemerkte die neunjährige Evelyn Hill die Einsamkeit unter den Menschen. Um zu helfen, überreichte sie Bewohnern ihre Stofftiere und gründete eine Initiative, bei der Älteren Freunde zum Kuscheln geschenkt werden.
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„Mami, warum sind all diese Menschen so traurig?“ Evelyn Hill war erst neun Jahre alt, als sie diese Frage stellte. Sie saß im Besucherzimmer eines Altersheimes in French Lick (Indiana, USA) neben ihrem Vater Jady und ihrer Mutter Jennifer Hill. Jeden zweiten Sonntag war die Familie hier, um den Großvater zu besuchen.

Ivan Smith war 90 Jahre alt. Als seine Enkelin den Raum betrat, hellte sich sein Gesicht auf. „Hallo, Liebling“, sagte er und küsste die Kleine auf die Wange.

Für eine Weile gehörte der Sonntag nur ihnen. Eineinhalb, vielleicht zwei Stunden plauderten sie miteinander, lachten, erzählten von ihrem Alltag. Doch das kleine Mädchen sah an diesem Tag nicht nur ihren Großvater. Sie bemerkte auch die anderen Bewohner. Rund zwei Dutzend alte Menschen saßen in Sesseln um sie herum, viele davon allein. Manche starrten ins Leere, andere ließen den Kopf hängen oder dösten.

Dann blieb der Blick der Kleinen an einer alten Frau hängen. Auch zu ihr war niemand gekommen. Stattdessen streichelte die Frau etwas auf ihrem Schoß, ein kleines weißes Hündchen.„Es ist wohl der beste Freund dieser Frau“, sagte ihre Mutter.

Doch der Hund bewegte sich nicht. Er wedelte nicht mit dem Schwanz, hob nicht den Kopf, atmete nicht einmal. Es war ein Stofftier. Für Evelyn Hill war das ein Schlüsselmoment. Sie verstand plötzlich: „Wir können mitten unter Menschen sein und trotzdem vollkommen allein.“
Am Abend erzählte sie beim Essen von dem Besuch. „Ich bin traurig wegen der einsamen alten Menschen“, sagte sie. „Ich werde ihnen meine Schmusetiere schenken.“

Beim nächsten Besuch brachte das Mädchen sechs Kuscheltiere mit. Sie verteilte sie an Frauen und Männer, die kaum Besuch bekamen. Die Reaktion überraschte selbst die Erwachsenen.

Die neuen Besitzer drückten ihre Stofffreunde an sich, streichelten sie und schaukelten sie in den Armen.

Eine von ihnen war Dorothy Robinson, 80. Sie bekam einen Stoff-Pudel.Seitdem trägt sie ihn bei sich – praktisch rund um die Uhr. Der kleine Hund sieht inzwischen ziemlich zerzaust aus. Für Robinson ist das kein Grund, ihn wegzulegen. „Ich liebe ihn sehr“, sagt sie. „Ich habe es gern, wenn die Menschen denken, ich hätte einen Hund.“ Auch die Heimleiterin erlebte etwas, das sie so noch nicht gesehen hat.

„So viel Freude bei unseren Bewohnern wie nach Evelyns Aktion hatten wir hier noch nie.“ Weitere Reaktionen aus dem Umfeld folgten. Spenden trafen ein, noch mehr Menschen wollten helfen. Geschäfte schickten Pakete, immer mehr Altenheime meldeten sich.

„Bald türmten sich Puppen und Stofftiere in unserer kleinen Wohnung“, erzählt Evelyn Hill. Aus einer Neunjährigen mit sechs Kuscheltieren wurde so die Initiatorin eines kleinen Hilfsprogrammes. Die Familie nannte es „EvelynsBlessing“.

Das Mädchen begann, die Tiere und Puppen persönlich in Heime zu bringen oder von Freiwilligen verteilen zu lassen. Doch zuvor bekam jedes einzelne Tier einen Namen. Auf einem kleinen Anhänger stand dann, wie der neue Freund hieß. „Das macht den neuen Begleiter persönlicher“, erklärte sie.

Mittlerweile werden sogar Stofftiere mit eingebauter Elektronik verschenkt. Auf den ersten Blick sehen sie beinahe echt aus. Sie reagieren auf Berührungen, Streicheln und Umarmungen. Hunde wedeln mit dem Schwanz, Vögel zwitschern, Katzen schnurren. Manche Tiere simulieren sogar einen Herzschlag. Jennifer Hill erzählt: „Für Menschen, die seit Tagen oder Wochen niemand mehr berührt hat, bedeutet so etwas viel.“

Greg Olson vom „Office for the Aging“, einer gemeinnützigen Organisation für Senioren, beobachtet die Wirkung dieser künstlichen Begleiter ebenfalls. „Untersuchungen haben ergeben, dass die künstlichen Tiere sogar bislang nahezu unansprechbare alte Menschen aufwachen lassen.“ Wie bei Emily Sninder.

Die 92jährige lebte jahrelang deprimiert im Heim. Sie hatte kaum sichtbare Kontakte und schien ihre Umgebung kaum wahrzunehmen. Dann bekam sie eine Puppe.

Heute schiebt Sninder einen kleinen Kinderwagen durch die Gänge, grüßt andere Bewohner und spricht wieder mit Menschen.

Olson glaubt, dass die Tiere sogar bei gesundheitlichen Problemen helfen können, etwa bei Gedächtnisverlust. Aber eines betont er ausdrücklich: „Die künstlichen Freunde dürfen kein Ersatz für echte Menschen werden. Sie können sie nur ergänzen.“

Evelyn Hills Idee wächst noch immer weiter. „Auf meiner Warteliste stehen 17 Institute“, sagt die inzwischen Elfjährige. Aus sechs Kuscheltieren sind Hunderte geworden. Aus einem Sonntagsbesuch beim Großvater eine Bewegung, die sich über Indiana und Tennessee ausbreitet.

Ihr eigener Großvater ist mittlerweile verstorben. „Ihn zu verlieren, war hart. Es war, als sei ein Licht ausgegangen.“

Ihre Tiere verteilt sie weiterhin, es ist ein Versuch, „anderswo wieder ein Licht anzuzünden und ein Stück Wärme weiterzugeben“.
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