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Ausgabe Nr. 38/2026 vom 16.09.2026, Fotos: APA-Images, zvg
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Dolores Schmidinger mag es bunt.
Die rote Brille wurde zu ihrem Markenzeichen.
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Schmidinger 2024 in Mörbisch als Queen.
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Schmidinger in „Ein echter Wiener geht nicht unter“.
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Ihre Eltern Johanna und Josef Schmidinger.
Dolores Schmidinger zum 80er: „Ich war immer furchtbar laut“
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Sie ist Schauspielerin, Kabarettistin, Regisseurin, Autorin – und eine, die sich nie den Mund verbieten ließ. Am 21. September feiert das Wiener Urgestein
Dolores Schmidinger runden Geburtstag.
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Zuletzt stand Dolores Schmidinger vor zwei Jahren bei den Seefestspielen in Mörbisch (Bgld.) im Rampenlicht – als Queen Elisabeth II. in „My Fair Lady“. „Sie hat diesen typisch britischen schwarzen Humor gehabt. Die war so etwas von cool“, sagte sie damals über ihre royale Rolle.

„A coole Oide“ zu sein, das ist seit vielen Jahren auch Schmidingers persönliches Motto. Auf der Bühne ist es zwar ruhig geworden um sie, doch öffentlich präsent ist „Dolly“, wie sie seit ihrem 16. Lebensjahr genannt wird, weiterhin. Auf der Plattform Instagram etwa gibt die Schauspielerin, Kabarettistin, Autorin und Regisseurin Einblicke in ihren Alltag. Von Ruhestand kann dabei keine Rede sein, denn Schmidinger plant bereits ihr nächstes Buch.

„Über Missbrauch am Theater, weil da habe ich genug erlebt.“ Das Thema zieht sich ohnehin wie ein roter Faden durch ihr Leben. In ihrem 2021 erschienenen Werk „Hannerl und ihr zu klein geratener Prinz“ schreibt Schmidinger unter anderem über den Missbrauch durch den eigenen Vater und arbeitet damit ein Kindheitstrauma auf, das erst durch jahrelange Therapie ans Tageslicht kam.

Es war das Wien der Nachkriegszeit, in das Dolores Schmidinger am 21. September 1946 hineingeboren wurde. Die Mutter Johanna, 1913 in der Gemeinde Maissau (NÖ) als uneheliches Kind zur Welt gekommen, war „eine hochbegabte Frau“, die im 20. Jahrhundert aber nicht die Chance hatte, an die Spitze zu kommen.

Der Vater, Josef Schmidinger, wurde im Juli 1903 in Steyr (OÖ) geboren. Mit 27 Jahren verließ er seine Heimat Richtung Argentinien, um in einer Mission zu arbeiten. Als ihn das Heimweh packte, kehrte er zurück, wurde zuerst Erzieher in einem katholischen Kolpinghaus und arbeitete schließlich als Hauptkassier bei der „Gewerkschaft der Arbeiter im Lebens- und Genussmittelgewerbe“. Dort lernte er 1938 „das Fräulein Johanna“ kennen und lieben.

„Bei einer Faschingsfeier war er als Prinz verkleidet“, schreibt Schmidinger in ihrem Buch. „Hannerl“, wie sie sich nannte, trug ein rotes Samtkleid und fand ihn ein bisschen lächerlich. Erst als der damals schon 34jährige ein paar Lieder sang und dabei auch das hohe C schmetterte, „geschah es – der Frosch fliegt an die Wand und der Prinz erscheint persönlich.“ Jedenfalls folgte bald die Verlobung und am 8. September 1938 die Hochzeit.

„Es war eine Höllenehe“, beschreibt Dolores Schmidinger die Verbindung ihrer Eltern. Eine, in der die Mutter „das traditionelle Frauchen spielte. Als mein Vater – er war mittlerweile ein ,Tenorbuffo‘ – berühmt wurde, hat sie sich ihm leider untergeordnet“, erzählt Schmidinger.

Der Krieg endete und nach sieben Jahren Ehe wurde Hannerl endlich schwanger. „Er nennt sie jetzt nur mehr ,das Weib‘. Das Weib ist ihm zu dick, zu groß, eben zu weiblich. Da hilft auch nicht, dass sie auf höhere Absätze verzichtet und einen runden Rücken macht, damit sie kleiner wirkt“, schreibt Schmidinger.

Der erhoffte Sohn wurde eine Tochter – Maria-Dolores nach der „Mater Dolores“, denn „das hatte der Josef in Argentinien der ,Mutter Schmerzen‘ gelobt. Also ist die kleine Maria-Dolores die Einzige mit diesem Namen im Melderegister. Unter lauter Elisabeths und Monikas und Helgas.“

In ihren ersten Lebensjahren hatte er – der „schwer Katholische“ – seine Tochter sehr lieb. Zu lieb. Denn eines Tages sei die damals Vierjährige so schlimm gewesen, erzählt Schmidinger in dem Buch, „dass sie ein paar auf das Popschi kriegen muss“. Der Vater sperrte sich mit ihr im Zimmer ein. Hannerl hörte ihr Kind schreien, dann leise weinen. „Und wie ich sieben geworden bin und ein bissi molliger, hat er mich nicht mehr angeschaut, das war das Arge.“

Schuldeinsicht gab es bei Josef Schmidinger nie. Er habe ihr ihre Sexualität verhaut, weiß sie heute. Vergeben konnte sie ihm nicht. Und trotzdem versuchte sie, dem Vater zu gefallen – oder vielmehr, es ihm zu beweisen. „Er war unglaublich komisch und ich wollte so sein wie er.“

Ihr Talent zeigte sich schon früh. Während ihre Schulkollegen Elvis hörten, hat die damals 14jährige die Noten von Operetten auswendig gelernt. Auch Balladen aufzusagen, machte ihr Freude und brachte so manche Beschwerde aus der Nachbarklasse ein. „Ich war immer furchtbar laut“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Einseitig hochbegabt in kreativer Hinsicht sei sie damals gewesen, mit einem Drang zum Theater.

Nach der vierten Klasse und mit zwei Fünfern im Zeugnis „machte ich auf Anraten meiner Mutter einen Kosmetikkurs.“ Zeitgleich spielte sie in der Pfarre Schottenfeld (1070 Wien) in einer Kabarettgruppe. Bereits mit 16 Jahren besuchte sie die Schauspielschule Krauss. „Und mit 18 engagierte mich der Gerhard Bronner für sein Kabarett in der Walfischgasse.“ In einer Zeit, in der Frauen auf der Kabarettbühne meist nur „Aufputz“ waren, stellte sie ihr komisches Talent unter Beweis.

Bis heute gilt sie als Vorreiterin für Frauen in der heimischen Kabarettszene. Und sie wurde zur Tabubrecherin, sprach Themen wie Kindesmissbrauch oder Bulimie an. Eine Essstörung, von der sie auch selbst betroffen war, wie sie in ihrem 1988 erschienenen, autobiografischen Ratgeber „Raus damit“ erzählte.

Im Jahr 1965 wurde Schmidinger Mitglied des Volkstheaters und spielte Stücke von Nestroy, Brecht sowie Turrini-Uraufführungen. Mit ihrem ersten Mann, dem englischen Musiker Dai King stand sie 1971 mit „Gurken haben keine Tränen“ auf der Bühne. Das erste eigene Kabarettprogramm „Immer bins i!“ folgte 1988.

Ein breites Publikum erreichte sie durch ihre zahlreichen Auftritte in Film und Fernsehen, etwa in den ORF-Serien „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (1975–1979) als Hausmeisterin Fini Blahovec oder im „Kaisermühlen Blues“ (1992–2000).

Doch in ein Klischee ließ sich das künstlerische Multitalent nie pressen. „Ich war ein Nischenprodukt“, sagt sie heute. Eine Frau, die provozierte, polarisierte – und dafür auch einen Preis bezahlte. Besonders deutlich wurde das bei einem Kabarettprogramm über Sadomasochismus.

„Damit habe ich meine Karriere zerstört“, sagt Schmidinger rückblickend. Das Programm sei 2004 seiner Zeit voraus gewesen. Danach blieben Engagements aus, vor allem in der Provinz. „Ich war nicht mehr so gefragt, weil ich immer die Wahrheit gesagt habe.“

Mit dem Thema Schönheitsoperationen ging sie ebenfalls immer offen um. Das immer zu leugnen, sei anstrengend. Es sieht ohnehin jeder.

Abseits der Bühne verlief ihr Leben nicht ohne Bruchlandungen. Alkohol, Bulimie und Tabletten begleiteten sie über viele Jahre. Die hat es dann auch an Therapien gebraucht, um die Süchte zu überwinden.

Heute lebt die zweifache Mutter und fünffache Großmutter in Wien-Ottakring. Vier Mal war sie verheiratet, Männer spielen in ihrem Leben aber keine Rolle mehr. „Die habe ich aus meinem Schädel raus“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Es gehe ihr aber auch nicht mehr ab.

„Ich hab so viele liebe, junge Freunde, die mir helfen, im Kopf jung zu bleiben.“ Schließlich wolle sie ja nicht stehenbleiben in ihrem Alter. 80 hin oder her. rz
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