Ausgabe Nr. 37/2026 vom 09.09.2026, Fotos: Thomas&Thomas, action press, NDR/Frizzi Kurkhaus
Maria Furtwängler:
Die attraktivste Oma am „Tatort“
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In der Krimi-Reihe „Tatort“ ist Maria Furtwängler mit einem Fall betraut, in dem Demenz eine wichtige Rolle spielt. Just am Tag der Ausstrahlung wird sie 60 Jahre alt und freut sich auf die Feier.
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Sie feiert ein rundes Jubiläum und freut sich darauf. Am Sonntag, dem 13. September, wird Maria Furtwängler 60 Jahre alt.
„Ich beobachte die Zahl mit einem gewissen Staunen und
einer großen Dankbarkeit gegenüber meinem Körper“, sagt die in München (D) geborene Darstellerin.
„Ich habe keine Schmerzen, ich komme auch noch auf jeden Berg hinauf. Als ich noch weit entfernt vom 60er war, fand ich die Zahl imposanter als jetzt. Ich freue mich auf die Feier mit Freunden. Ich feiere gerne, lass mich auch gerne feiern, und wir werden das Leben feiern.“
Das wohl schönste Geschenk zum 60. Geburtstag wurde
Maria Furtwängler schon vor einigen Wochen beschert. Anfang August wurde ihr Sohn Jacob, 36, zum ersten Mal Vater und machte sie erstmals zur Oma.
Die attraktive Schauspielerin hat dieses freudige Ereignis öffentlich mit Zurückhaltung bedacht, so wie es ihre Art ist. An die große Glocke hat sie ihr Leben nie gehängt, obwohl es sich zu weiten Teilen in der Öffentlichkeit abgespielt hat. Doch sie wusste sich stets zurückzuhalten.
Sie war eine ausgezeichnete Schülerin mit naturwissenschaftlicher Begabung und interessierte sich vor allem für Biologie. Nach der Matura begann Furtwängler, in Südfrankreich Medizin zu studieren – und merkte bald, dass ihr das Thema lag.
Viel schwerer tat sie sich mit dem, was sie schon seit ihrer Kindheit kannte – der Schauspielerei, die schon immer zu ihrem Leben gehörte. Ihre Mutter Kathrin Ackermann, 88, ist noch immer als Schauspielerin aktiv, während ihr im Jahr 1992 verstorbener Onkel Florian Furtwängler als Regisseur arbeitete.
Er war es auch, der seiner damals siebenjährigen Nichte 1974 ihre erste Rolle in seinem Fernsehfilm „Zum Abschied Chrysanthemen“ gab. Als Gage bekam die
kleine Maria ein Fahrrad.
Dabei hätte es durchaus bleiben können. Denn so selbstverständlich dem Mädchen der Zugang zur Schauspielwelt ermöglicht worden war, so wenig fühlte sie sich wohl darin. Beobachtete Furtwängler sich selbst auf dem Bildschirm, urteilte sie über sich: „Warum bist du so steif, warum wirkst du so uneins mit deinem Körper?“ Gefühle zu zeigen, sich zu öffnen, etwas von sich preiszugeben – all das fiel ihr lange Zeit schwer und zog sie gerade deshalb an. Während sie sich im Studium auf Fähigkeiten verlassen konnte, die ihr von Natur aus gegeben waren, zwang sie die Arbeit vor der Kamera dazu, jene Seiten an sich zu entwickeln, die ihr fehlten. „Da konnte ich mehr wachsen“, sagte die Schauspielerin rückblickend in einem Gespräch.
Die Medizin forderte ihren Verstand, die Schauspielerei ihre Persönlichkeit.
Sie machte weiter und bekam 1987 mit erst 21 Jahren an der Seite von Maria Schell und Siegfried Rauch eine Rolle in der erfolgreichen ARD-Serie „Die glückliche Familie“. Als älteste Tochter Katja Behringer gehörte sie mehrere Jahre zur Besetzung – ebenso wie ihre echte Mutter Kathrin Ackermann. Das regelmäßige Drehen half Furtwängler nicht nur schauspielerisch, sondern finanzierte auch ihr Medizinstudium, das sie 1996 abschloss.
Zu diesem Zeitpunkt war Furtwängler bereits seit fünf Jahren mit dem Verleger Hubert Burda verheiratet. Kennengelernt hatte die damals 19jährige den 26 Jahre älteren Medienunternehmer ausgerechnet auf der zweiten Hochzeit ihres Vaters Bernhard. Sechs Jahre später heirateten die beiden. Furtwängler war 25, der Bräutigam mit 51 mehr als doppelt so alt. Sohn Jacob war da bereits eineinhalb Jahre alt, Tochter Elisabeth folgte 1992.
Spätestens zu dem Zeitpunkt hätte Furtwängler ein deutlich bequemeres Leben führen können. Doch das Dasein einer Mutter und Millionärsgattin lag ihr nicht. Vielmehr brachte sie jahrelang Familie und zwei anspruchsvolle Berufe unter einen Hut, pendelte zwischen Drehort und Spital und hätte sich eigentlich gerne auf Innere Medizin spezialisiert. Auf Dauer ließ sich das Doppelleben allerdings nicht durchhalten. „Ich hatte mehrere Hörstürze“, erzählte Furtwängler später. Mittlerweile habe sie aber gelernt, mit ihren Kräften hauszuhalten, vor allem dann, „wenn es in den Ohren wieder zu brummen beginnt“.
Im Jahr 2001 hängte Frau Doktor den Arztkittel endgültig an den Nagel. Auch weil Patienten ihre Ärztin immer öfter auch als Fernseh-„Star“ erkannten. „Frau Doktor, ich hab‘ Sie grad gestern im Fernsehen gesehen!“ Vielleicht hatte Furtwängler auch eine Vorahnung, dass es mit der Karriere noch steil bergauf gehen würde. Denn ein Jahr später übernahm sie jene Rolle, die ihr bis heute ein Millionenpublikum garantiert. Sie verkörpert Charlotte Lindholm im „Tatort“ aus Niedersachsen, eine kühle, eigenwillige Einzelgängerin, die hartnäckig ihren Weg geht, sich mit Nähe aber nicht immer leichttut. Eine Figur, die Erinnerungen an die junge Maria Furtwängler weckt.
Heute, 24 Jahre später, ist Charlotte Lindholm noch immer da. Zeitweise drehte Furtwängler zwei „Tatort“-Folgen pro Jahr, bis ihr die intensive Beschäftigung mit einer einzigen Figur zu viel wurde und sie sogar ans Aufhören dachte. Stattdessen reduzierte sie auf einen Fall jährlich und entdeckte ihre Liebe neu. Die Schauspielerin fand wieder Gefallen an ihrer Rolle.
Dass ausgerechnet am Tag ihres 60. Geburtstages ein neuer Fall ausgestrahlt wird, scheint da fast wie ein Zeichen. In „König in Gelb“ ermittelt Lindholm in einem sogenannten Demenzdorf, wo sich ein vermeintlicher Unfall als Mord entpuppt. Auch ihre 88jährige Mutter Kathrin ist nach fünf Jahren Pause wieder im „Tatort“ zu sehen, wie gehabt als Mutter der Kommissarin. „Sie ist nach wie vor beweglich und fit“, berichtet die Tochter. „Meine Mutter tut aber auch viel dafür, sie bewegt sich viel, und das hält fit.“ Da sieht die Jubilarin durchaus Parallelen zu sich selbst. „Ich kann schlecht stillsitzen und liebe körperliche Herausforderungen.“
Die gab es im neuen „Tatort“. Weil der ehemalige Kommissar Matthias Vogel, mit dem sie gemeinsam an einem Fall arbeitet, selbst an Demenz leidet. Dabei hat sie Schwierigkeiten mit dessen Gedächtnis-Aussetzern. „Ja, Charlotte ist äußerst ungeduldig, sie hat keine Lust auf diese komische Vertrotteltheit. Doch sie entwickelt zunehmend Empathie für diesen Matthias Vogel.“
Das Thema Demenz reicht auch in Furtwänglers eigenes Leben hinein. Ihr Vater Bernhard litt vor seinem Tod 2012 an Alzheimer. „Was ich vor allem in Erinnerung habe, sind diese Stimmungsschwankungen, die demenzkranke Menschen oft haben, die teilweise extrem ausfallen.“ Erst ein Neurologe veränderte ihren Blick auf die Krankheit. Sie solle nicht auf das schauen, was verlorengegangen sei, sondern auf das, was noch da ist, riet er.
Was bei Furtwängler stets blieb, war ihre Liebe zur Naturwissenschaft. Passenderweise antwortet sie auf die Frage, wo sie am glücklichsten sei, oft mit: „In der Natur.“ Die leidenschaftliche Gärtnerin und Imkerin engagiert sich für Artenvielfalt und gegen das Insektensterben. Im Jahr 2024 begab sie sich für die NDR-Dokumentation „Das Ende der Insekten?“ auf Spurensuche, kürzlich zeigte sie in „Deutschland, deine Gärten“, welchen Beitrag private Pflanzenliebhaber zur Artenvielfalt beitragen können.
Noch mehr Zeit investiert Furtwängler freilich in ihr gesellschaftliches Engagement. Gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth, 34, gründete sie im Jahr 2016 die MaLisa Stiftung, die sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. Der Entschluss dazu reifte auf den Philippinen, wo Mutter und Tochter mit sexueller Ausbeutung und Menschenhandel konfrontiert wurden. Ein Thema, das für Furtwängler ebenso in der Schauspielerei Bedeutung hat. „Die Sender haben sich zwar nach all den Studien und der ,#MeToo-Bewegung‘ ins Zeug gelegt, aber ich beobachte mit Sorge, dass die Bemühungen und der Ehrgeiz, zu mehr Gleichstellung zu kommen, deutlich nachgelassen haben.
Das finde ich jammerschade. Denn ich habe selbst in diesem Beruf Situationen der Grenzüberschreitung erlebt. Vor allem habe ich erlebt, wie ich selber erstarrt bin und nicht so reagiert habe, wie ich mir inzwischen wünschen würde, dass meine Tochter und jede andere Frau reagieren. Ich habe nicht die Freiheit und die Kraft gehabt. Ich wollte nicht ,uncool‘ sein. Und dieses Gefühl, nicht liebenswert zu sein, hemmt uns Frauen, ebenso das Gefühl von Scham, das sind die Klassiker, die jede Frau, auch wenn sie gestanden wirkt, kennt.“
Wobei für die Schauspielerin die Erziehung der Frauen eine wesentliche Rolle spielt. Sie seien zu sehr mit Selbstzweifeln behaftet. „Ja natürlich. Diese Fragen, hätte ich mich anders anziehen müssen, weniger trinken sollen und so weiter, sind belastend. Deshalb bin ich so froh, dass ich mit meiner Produktionsfirma den Film ,Bis zur Wahrheit‘ verwirklichen konnte. Mir war es wichtig, von einer gestandenen Frau in meinem Alter zu erzählen, und was da an Scham vorhanden ist. Um so die Erzählmuster zu durchbrechen, denen zufolge es immer das blutjunge, sexy Mädchen ist, das von einem deutlich älteren Mann vergewaltigt wird, sondern es eine Frau jenseits der 50 trifft, die Opfer eines deutlich jüngeren Mannes wird.“
Tochter Elisabeth unterstützt die Mutter nicht nur im Kampf um Geschlechtergerechtigkeit, sie übernahm im Vorjahr auch gemeinsam mit ihrem Bruder die unternehmerische und verlegerische Verantwortung im Familienkonzern. Die Eltern gehen seit 2022 getrennte Wege.
Wobei der Burda-Konzern gerade schwierige Zeiten durchlebt. Sogar die „Bambi“-Verleihung, einer der angesehensten Fernseh- und Medien-Preise des deutschsprachigen Raumes, wurde aus Kostengründen für heuer abgesagt.
„Ich beobachte die Zahl mit einem gewissen Staunen und
einer großen Dankbarkeit gegenüber meinem Körper“, sagt die in München (D) geborene Darstellerin.
„Ich habe keine Schmerzen, ich komme auch noch auf jeden Berg hinauf. Als ich noch weit entfernt vom 60er war, fand ich die Zahl imposanter als jetzt. Ich freue mich auf die Feier mit Freunden. Ich feiere gerne, lass mich auch gerne feiern, und wir werden das Leben feiern.“
Das wohl schönste Geschenk zum 60. Geburtstag wurde
Maria Furtwängler schon vor einigen Wochen beschert. Anfang August wurde ihr Sohn Jacob, 36, zum ersten Mal Vater und machte sie erstmals zur Oma.
Die attraktive Schauspielerin hat dieses freudige Ereignis öffentlich mit Zurückhaltung bedacht, so wie es ihre Art ist. An die große Glocke hat sie ihr Leben nie gehängt, obwohl es sich zu weiten Teilen in der Öffentlichkeit abgespielt hat. Doch sie wusste sich stets zurückzuhalten.
Sie war eine ausgezeichnete Schülerin mit naturwissenschaftlicher Begabung und interessierte sich vor allem für Biologie. Nach der Matura begann Furtwängler, in Südfrankreich Medizin zu studieren – und merkte bald, dass ihr das Thema lag.
Viel schwerer tat sie sich mit dem, was sie schon seit ihrer Kindheit kannte – der Schauspielerei, die schon immer zu ihrem Leben gehörte. Ihre Mutter Kathrin Ackermann, 88, ist noch immer als Schauspielerin aktiv, während ihr im Jahr 1992 verstorbener Onkel Florian Furtwängler als Regisseur arbeitete.
Er war es auch, der seiner damals siebenjährigen Nichte 1974 ihre erste Rolle in seinem Fernsehfilm „Zum Abschied Chrysanthemen“ gab. Als Gage bekam die
kleine Maria ein Fahrrad.
Dabei hätte es durchaus bleiben können. Denn so selbstverständlich dem Mädchen der Zugang zur Schauspielwelt ermöglicht worden war, so wenig fühlte sie sich wohl darin. Beobachtete Furtwängler sich selbst auf dem Bildschirm, urteilte sie über sich: „Warum bist du so steif, warum wirkst du so uneins mit deinem Körper?“ Gefühle zu zeigen, sich zu öffnen, etwas von sich preiszugeben – all das fiel ihr lange Zeit schwer und zog sie gerade deshalb an. Während sie sich im Studium auf Fähigkeiten verlassen konnte, die ihr von Natur aus gegeben waren, zwang sie die Arbeit vor der Kamera dazu, jene Seiten an sich zu entwickeln, die ihr fehlten. „Da konnte ich mehr wachsen“, sagte die Schauspielerin rückblickend in einem Gespräch.
Die Medizin forderte ihren Verstand, die Schauspielerei ihre Persönlichkeit.
Sie machte weiter und bekam 1987 mit erst 21 Jahren an der Seite von Maria Schell und Siegfried Rauch eine Rolle in der erfolgreichen ARD-Serie „Die glückliche Familie“. Als älteste Tochter Katja Behringer gehörte sie mehrere Jahre zur Besetzung – ebenso wie ihre echte Mutter Kathrin Ackermann. Das regelmäßige Drehen half Furtwängler nicht nur schauspielerisch, sondern finanzierte auch ihr Medizinstudium, das sie 1996 abschloss.
Zu diesem Zeitpunkt war Furtwängler bereits seit fünf Jahren mit dem Verleger Hubert Burda verheiratet. Kennengelernt hatte die damals 19jährige den 26 Jahre älteren Medienunternehmer ausgerechnet auf der zweiten Hochzeit ihres Vaters Bernhard. Sechs Jahre später heirateten die beiden. Furtwängler war 25, der Bräutigam mit 51 mehr als doppelt so alt. Sohn Jacob war da bereits eineinhalb Jahre alt, Tochter Elisabeth folgte 1992.
Spätestens zu dem Zeitpunkt hätte Furtwängler ein deutlich bequemeres Leben führen können. Doch das Dasein einer Mutter und Millionärsgattin lag ihr nicht. Vielmehr brachte sie jahrelang Familie und zwei anspruchsvolle Berufe unter einen Hut, pendelte zwischen Drehort und Spital und hätte sich eigentlich gerne auf Innere Medizin spezialisiert. Auf Dauer ließ sich das Doppelleben allerdings nicht durchhalten. „Ich hatte mehrere Hörstürze“, erzählte Furtwängler später. Mittlerweile habe sie aber gelernt, mit ihren Kräften hauszuhalten, vor allem dann, „wenn es in den Ohren wieder zu brummen beginnt“.
Im Jahr 2001 hängte Frau Doktor den Arztkittel endgültig an den Nagel. Auch weil Patienten ihre Ärztin immer öfter auch als Fernseh-„Star“ erkannten. „Frau Doktor, ich hab‘ Sie grad gestern im Fernsehen gesehen!“ Vielleicht hatte Furtwängler auch eine Vorahnung, dass es mit der Karriere noch steil bergauf gehen würde. Denn ein Jahr später übernahm sie jene Rolle, die ihr bis heute ein Millionenpublikum garantiert. Sie verkörpert Charlotte Lindholm im „Tatort“ aus Niedersachsen, eine kühle, eigenwillige Einzelgängerin, die hartnäckig ihren Weg geht, sich mit Nähe aber nicht immer leichttut. Eine Figur, die Erinnerungen an die junge Maria Furtwängler weckt.
Heute, 24 Jahre später, ist Charlotte Lindholm noch immer da. Zeitweise drehte Furtwängler zwei „Tatort“-Folgen pro Jahr, bis ihr die intensive Beschäftigung mit einer einzigen Figur zu viel wurde und sie sogar ans Aufhören dachte. Stattdessen reduzierte sie auf einen Fall jährlich und entdeckte ihre Liebe neu. Die Schauspielerin fand wieder Gefallen an ihrer Rolle.
Dass ausgerechnet am Tag ihres 60. Geburtstages ein neuer Fall ausgestrahlt wird, scheint da fast wie ein Zeichen. In „König in Gelb“ ermittelt Lindholm in einem sogenannten Demenzdorf, wo sich ein vermeintlicher Unfall als Mord entpuppt. Auch ihre 88jährige Mutter Kathrin ist nach fünf Jahren Pause wieder im „Tatort“ zu sehen, wie gehabt als Mutter der Kommissarin. „Sie ist nach wie vor beweglich und fit“, berichtet die Tochter. „Meine Mutter tut aber auch viel dafür, sie bewegt sich viel, und das hält fit.“ Da sieht die Jubilarin durchaus Parallelen zu sich selbst. „Ich kann schlecht stillsitzen und liebe körperliche Herausforderungen.“
Die gab es im neuen „Tatort“. Weil der ehemalige Kommissar Matthias Vogel, mit dem sie gemeinsam an einem Fall arbeitet, selbst an Demenz leidet. Dabei hat sie Schwierigkeiten mit dessen Gedächtnis-Aussetzern. „Ja, Charlotte ist äußerst ungeduldig, sie hat keine Lust auf diese komische Vertrotteltheit. Doch sie entwickelt zunehmend Empathie für diesen Matthias Vogel.“
Das Thema Demenz reicht auch in Furtwänglers eigenes Leben hinein. Ihr Vater Bernhard litt vor seinem Tod 2012 an Alzheimer. „Was ich vor allem in Erinnerung habe, sind diese Stimmungsschwankungen, die demenzkranke Menschen oft haben, die teilweise extrem ausfallen.“ Erst ein Neurologe veränderte ihren Blick auf die Krankheit. Sie solle nicht auf das schauen, was verlorengegangen sei, sondern auf das, was noch da ist, riet er.
Was bei Furtwängler stets blieb, war ihre Liebe zur Naturwissenschaft. Passenderweise antwortet sie auf die Frage, wo sie am glücklichsten sei, oft mit: „In der Natur.“ Die leidenschaftliche Gärtnerin und Imkerin engagiert sich für Artenvielfalt und gegen das Insektensterben. Im Jahr 2024 begab sie sich für die NDR-Dokumentation „Das Ende der Insekten?“ auf Spurensuche, kürzlich zeigte sie in „Deutschland, deine Gärten“, welchen Beitrag private Pflanzenliebhaber zur Artenvielfalt beitragen können.
Noch mehr Zeit investiert Furtwängler freilich in ihr gesellschaftliches Engagement. Gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth, 34, gründete sie im Jahr 2016 die MaLisa Stiftung, die sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. Der Entschluss dazu reifte auf den Philippinen, wo Mutter und Tochter mit sexueller Ausbeutung und Menschenhandel konfrontiert wurden. Ein Thema, das für Furtwängler ebenso in der Schauspielerei Bedeutung hat. „Die Sender haben sich zwar nach all den Studien und der ,#MeToo-Bewegung‘ ins Zeug gelegt, aber ich beobachte mit Sorge, dass die Bemühungen und der Ehrgeiz, zu mehr Gleichstellung zu kommen, deutlich nachgelassen haben.
Das finde ich jammerschade. Denn ich habe selbst in diesem Beruf Situationen der Grenzüberschreitung erlebt. Vor allem habe ich erlebt, wie ich selber erstarrt bin und nicht so reagiert habe, wie ich mir inzwischen wünschen würde, dass meine Tochter und jede andere Frau reagieren. Ich habe nicht die Freiheit und die Kraft gehabt. Ich wollte nicht ,uncool‘ sein. Und dieses Gefühl, nicht liebenswert zu sein, hemmt uns Frauen, ebenso das Gefühl von Scham, das sind die Klassiker, die jede Frau, auch wenn sie gestanden wirkt, kennt.“
Wobei für die Schauspielerin die Erziehung der Frauen eine wesentliche Rolle spielt. Sie seien zu sehr mit Selbstzweifeln behaftet. „Ja natürlich. Diese Fragen, hätte ich mich anders anziehen müssen, weniger trinken sollen und so weiter, sind belastend. Deshalb bin ich so froh, dass ich mit meiner Produktionsfirma den Film ,Bis zur Wahrheit‘ verwirklichen konnte. Mir war es wichtig, von einer gestandenen Frau in meinem Alter zu erzählen, und was da an Scham vorhanden ist. Um so die Erzählmuster zu durchbrechen, denen zufolge es immer das blutjunge, sexy Mädchen ist, das von einem deutlich älteren Mann vergewaltigt wird, sondern es eine Frau jenseits der 50 trifft, die Opfer eines deutlich jüngeren Mannes wird.“
Tochter Elisabeth unterstützt die Mutter nicht nur im Kampf um Geschlechtergerechtigkeit, sie übernahm im Vorjahr auch gemeinsam mit ihrem Bruder die unternehmerische und verlegerische Verantwortung im Familienkonzern. Die Eltern gehen seit 2022 getrennte Wege.
Wobei der Burda-Konzern gerade schwierige Zeiten durchlebt. Sogar die „Bambi“-Verleihung, einer der angesehensten Fernseh- und Medien-Preise des deutschsprachigen Raumes, wurde aus Kostengründen für heuer abgesagt.
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