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Ausgabe Nr. 37/2026 vom 09.09.2026, Foto: zvg
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Lara Vadlau
„Einsamkeit schädigt wie 15 Zigaretten am Tag“
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Sie ist Segel-Olympiasiegerin und Ärztin. Als solche will Lara Vadlau, 32, Menschen zeigen, wie sie gesund bleiben. In ihrem Bestseller „Die Alterslüge“ hält sie gute Nachrichten für die Leser parat.
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Frau Dr. Vadlau, Ihr aktuelles Buch heißt „Die Alterslüge“. Welche Lüge erzählen wir uns denn über das Älterwerden?

Dass extrem viel von unseren Genen abhängt und wir nichts dagegen machen können. Viele sagen: „Mein Papa hatte einen Herzinfarkt. Deshalb bin ich vorbelastet.“ Die knallharte Wahrheit ist aber, dass die Gene nur einen Bruchteil unserer Gesundheit bestimmen, etwa zehn bis 20 Prozent. Wir haben viel selbst in der Hand. Das ist einerseits schön, andererseits bedeutet es auch, Verantwortung zu übernehmen und Gewohnheiten zu verändern.

Es gibt viele Bücher zur Selbstoptimierung. Warum soll
jemand Ihres lesen?


Mein großes Ziel ist, Menschen davor zu bewahren, irgendwann im Spital zu landen. Denn dann ist es oft schon zu spät. Ich möchte ihnen Werkzeuge in die Hand geben, mit denen sie sich selbst helfen können. Das Problem heutzutage ist, dass wir vor lauter Angeboten – von Keto (kohlenhydratarme und fettreiche Kost) über Low Carb (kohlenhydratarm, dafür mehr Eiweiß und gesunde Fette) bis hin zum Fasten – nicht mehr wissen, was gut für uns ist. Durch den Spitzensport habe ich mich jahrelang intensiv mit Ernährung, Bewegung und Schlaf beschäftigt und versucht, aus jedem Bereich das Optimum herauszuholen. Dieses Wissen möchte ich weitergeben.

Sie sind erst 32 Jahre alt. Warum beschäftigen Sie sich mit den Gebrechen des Alters?

Aus zwei egoistischen Gründen: Ich lebe selbst gerne und möchte, dass es möglichst lange so bleibt. Zudem habe ich ein unglaublich gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Mein Papa ist 71, meine Mama 66 Jahre alt. Ich möchte noch lange mit ihnen Rad fahren, Schitouren gehen und Dinge erleben. Mein Papa hat sich zwar immer gerne bewegt, aber nicht gerade vorbildlich ernährt. Da habe ich ihm Schritt für Schritt gezeigt, was er ändern kann. Es gibt nichts Schöneres, als einen Menschen zu sehen, der mit 71 Jahren noch fit ist. Mein Papa kann alles machen und hat Freude am Leben. Ich habe im Spital viele Gleichaltrige gesehen, denen es nicht so gut ging.

Hatte Ihr Vater im Alter von mehr als 70 Jahren den Willen, seine gewohnten Pfade noch zu verlassen?

Zum Fasten habe ich ihn noch nicht gebracht, da ist meine Mutter die Vorreiterin. Es geht auch nicht um Verbote, sondern um Balance. Ich persönlich lebe nach der 80:20-Regel, was bedeutet, dass ich mich zu
80 Prozent halbwegs richtig ernähre und die restlichen 20 Prozent für den Genuss da sind. An diesen Stellschrauben habe ich auch bei Papa gedreht. Seine Lieblingsspeisen Wurst und Schokolade konnten wir reduzieren. Er geht täglich seine 10.000 Schritte, macht Kraftübungen und Klimmzüge. Er sagt selbst,
dass er sich mit 71 wie 40 fühlt.

Warum soll ein Hundertjähriger mit dem Krafttraining beginnen?

Das Schöne ist, dass es nie zu spät ist. Und ja, wir können auch mit 100 Jahren noch etwas verändern.
Es gibt sogar Studien mit Hochbetagten, die durch Krafttraining enorme Kraftzuwächse erzielt haben. Menschen, die vorher ohne Hilfe nicht mehr aufstehen konnten, sind danach wieder selbstständig gegangen. Nach acht Wochen Krafttraining. Je früher jemand anfängt, desto besser ist es natürlich.

Sie betonen immer wieder den Unterschied
zwischen Frauen und Männern …


Er ist zum Beispiel beim Training auf nüchternen Magen erkennbar. Bei Frauen kann das zu einer stärkeren Stressreaktion und einem höheren Cortisol-Ausstoß führen und langfristig die Fetteinlagerung am Bauch begünstigen. Der Körper denkt, es kommen schlechte Zeiten und bereitet sich vor. Für Männer ist Nüchterntraining aber gut, vor allem, wenn sie abnehmen oder ihre Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen, aufbauen wollen.

Sie sind Ärztin, Spitzensportlerin, Unternehmerin, Buchautorin – und wollen ein eigenes Gesundheitszentrum gründen. Stress ist nicht gerade ein Garant für ein langes Leben …

Das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem ich selbst am meisten arbeiten kann. Aber ich habe durch den Spitzensport gelernt, mit Stress umzugehen. Kurzfristiger Stress ist nicht das Problem, chronischer Stress schon. Mir hilft beispielsweise Dankbarkeit. Wenn ich hundert Termine habe, denke ich nicht: „Wie furchtbar“, sondern: „Wie ,cool‘, dass ich diese Möglichkeiten habe.“ Die mentale Ebene ist für ein langes gesundes Leben enorm wichtig.

Was hat Sie bei Ihren Recherchen
zum Buch am meisten überrascht?


Wie schädlich Einsamkeit sein kann. Ich bin auf eine Untersuchung gestoßen, in der Einsamkeit mit dem Gesundheitsrisiko von 15 Zigaretten täglich verglichen wurde. Deshalb sage ich immer: „Besucht eure Großeltern!“ Für jeden von uns sind soziale Kontakte wichtig, aber auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Manchmal reicht schon die Frage: „Oma, wie hast du dieses Gericht gekocht?“ Und die Welt ist in Ordnung.

Wie alt möchten Sie werden?

120. Das ist eine schöne Zahl …


Zur Person:
Lara Vadlau wurde am 29. März 1994 in Feldbach
(Steiermark) geboren und ist in Kärnten aufgewachsen. Mit sieben Jahren begann sie zu segeln und zählt heute zu den erfolgreichsten Seglerinnen unseres Landes.

Ihren größten Triumph feierte Vadlau bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, wo sie im Mixed-Bewerb mit Lukas Mähr Gold holte. Zudem begann die Steirerin im Jahr 2017, Medizin zu studieren, und schloss ihr Studium 2023 mit ausgezeichnetem Erfolg ab.

Derzeit ist sie nicht als Ärztin aktiv und konzentriert sich nach einer Knieoperation auf ihr Comeback im Spitzensport.
„Die Alterslüge“, RBM Publishing, € 25,50.
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