„Ein schöner Po ersetzt kein Depot“
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Mit dem Album „Sehnsucht“ geht die deutsche Sängerin Annett Louisan, 49, neue Wege. Es ist das erste von ihr selbst aufgenommene Werk. Musikalisch sind die neuen Lieder umschmeichelnd und gefällig wie gewohnt, doch die Texte haben es bei aller Poesie ganz schön in sich.
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Louisan singt von neidischen Männern, Altersarmut bei Frauen und sinniert, was sie bei der Apokalypse bloß anziehen soll. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit ihr darüber gesprochen.
Frau Louisan, zum Album „Babyblue“ vor drei Jahren haben Sie erzählt, dass Ihr Leben gerade nicht einfach sei. Sie haben sich aber zuversichtlich gezeigt, dass es Richtung 50 wieder besser laufen wird. Und?
(lacht) Ich hatte tatsächlich Recht. In meinem Leben gibt es inzwischen viel weniger Drama. Ich brauche das auch nicht mehr. Dort, wo ich jetzt bin, fühle ich mich rundum wohl.
Ihr Album heißt „Sehnsucht“. Haben Sie kein Verlangen mehr nach Ausbruch?
Meine Definition von Sehnsucht hat sich verändert, seit ich mich intensiv mit ihr beschäftigt habe. Heute ist sie nichts Negatives mehr, im Gegenteil. Die Sehnsucht, die ich spüre, ist eine Aufbruchstimmung, sie ist für mich Motivation und Inspiration.
Im Lied „Fleischgewordenes Chanson“ stellen Sie Ihr jüngeres, die Nächte durchfeierndes Femme-Fatale-Ich dem heutigen entgegen. Sind Sie froh über Ihre eigene Entwicklung?
Auf jeden Fall. Ich bin viel ruhiger und gelassener geworden. Ich beobachte das auch im Freundeskreis. Wir werden alle ruhiger. Früher waren wir ein wilder Haufen, haben uns nichts verbieten und es richtig krachen lassen. Aber seit drei Jahren trinke ich zum Beispiel keinen Alkohol mehr und liebe diese Nüchternheit. Ich war nie der Typ für ein Glas Rotwein zwischendurch, ich habe immer getrunken, wenn ich den Rausch wollte. Jetzt will ich mich nicht mehr betäuben, um Situationen, Gespräche oder Menschen zu ertragen. Ich will Klarheit.
Das Lied „An deiner Seite“ beginnt romantisch, kippt dann aber. Der Mann hält es nicht aus, dass seine Partnerin plötzlich erfolgreicher ist, und jetzt sitzt sie allein beim Schwimmbecken. Haben Sie das so oder so ähnlich erlebt?
Das Lied hat tatsächlich autobiografische Züge, zumindest insofern, dass ich schmerzlich erfahren musste, dass nicht jeder Mann eine erfolgreiche Frau an seiner Seite ertragen kann. Ich merke an den Reaktionen meiner Anhänger, dass es ein ziemliches Tabu berührt. Liebe und Geld sind immer noch ein heikles Thema.
Im Stück „Altersvorsorge“ fällt ein Begriff, der wohl noch nie in einem Liedtext verwendet wurde: „Grundbucheintragung“ …
Weibliche Altersarmut berührt mich zutiefst. Ich beobachte das immer wieder, und ich selbst hatte schon als junge Frau das starke Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit.
Ich habe mich zum Beispiel ungern von Männern einladen lassen. Irgendetwas daran hat mir nicht gefallen. Irgendwann war die Zeile „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ im Gespräch und von da an haben wir den ganzen Text im Finanzjargon weitergesponnen, mit Wortspielen wie „ein schöner Po ersetzt kein Depot“.
Sehen Sie also in der Früh zunächst nach, wie der Deutsche Aktienindex, DAX, steht?
Nein, ich habe eine Immobilie, brauche aber sonst nicht viel und war immer vorsichtig, was das Geldausgeben betrifft. Ich habe lange in einer kleinen Wohnung gelebt. Mein Luxus ist die Freiheit, einmal wegfahren oder Freunde einladen zu können. Ich hänge nicht an Dingen, habe kein großes Auto, fahre lieber Zug oder Rad, und Schmuck ist mir auch nicht so wichtig.
Im Lied „Weltuntergang“ stellen Sie unter anderem
die Frage, was Sie anziehen, wenn die Apokalypse vor der Tür steht. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Ja, durchaus. Manchmal bin ich richtig wütend, und ich merke, das tut mir selbst nicht gut. Als Künstlerin und Mutter einer neunjährigen Tochter finde ich es jedoch wichtig, hoffnungsvoll zu bleiben. Ich habe das Privileg, so viel Liebe und Zuneigung zu bekommen, eine Bühne und ein Publikum zu haben, und damit sollte ich verantwortungsvoll umgehen. Musik kann so viel bewegen, ich kann die Menschen damit berühren.
Frau Louisan, zum Album „Babyblue“ vor drei Jahren haben Sie erzählt, dass Ihr Leben gerade nicht einfach sei. Sie haben sich aber zuversichtlich gezeigt, dass es Richtung 50 wieder besser laufen wird. Und?
(lacht) Ich hatte tatsächlich Recht. In meinem Leben gibt es inzwischen viel weniger Drama. Ich brauche das auch nicht mehr. Dort, wo ich jetzt bin, fühle ich mich rundum wohl.
Ihr Album heißt „Sehnsucht“. Haben Sie kein Verlangen mehr nach Ausbruch?
Meine Definition von Sehnsucht hat sich verändert, seit ich mich intensiv mit ihr beschäftigt habe. Heute ist sie nichts Negatives mehr, im Gegenteil. Die Sehnsucht, die ich spüre, ist eine Aufbruchstimmung, sie ist für mich Motivation und Inspiration.
Im Lied „Fleischgewordenes Chanson“ stellen Sie Ihr jüngeres, die Nächte durchfeierndes Femme-Fatale-Ich dem heutigen entgegen. Sind Sie froh über Ihre eigene Entwicklung?
Auf jeden Fall. Ich bin viel ruhiger und gelassener geworden. Ich beobachte das auch im Freundeskreis. Wir werden alle ruhiger. Früher waren wir ein wilder Haufen, haben uns nichts verbieten und es richtig krachen lassen. Aber seit drei Jahren trinke ich zum Beispiel keinen Alkohol mehr und liebe diese Nüchternheit. Ich war nie der Typ für ein Glas Rotwein zwischendurch, ich habe immer getrunken, wenn ich den Rausch wollte. Jetzt will ich mich nicht mehr betäuben, um Situationen, Gespräche oder Menschen zu ertragen. Ich will Klarheit.
Das Lied „An deiner Seite“ beginnt romantisch, kippt dann aber. Der Mann hält es nicht aus, dass seine Partnerin plötzlich erfolgreicher ist, und jetzt sitzt sie allein beim Schwimmbecken. Haben Sie das so oder so ähnlich erlebt?
Das Lied hat tatsächlich autobiografische Züge, zumindest insofern, dass ich schmerzlich erfahren musste, dass nicht jeder Mann eine erfolgreiche Frau an seiner Seite ertragen kann. Ich merke an den Reaktionen meiner Anhänger, dass es ein ziemliches Tabu berührt. Liebe und Geld sind immer noch ein heikles Thema.
Im Stück „Altersvorsorge“ fällt ein Begriff, der wohl noch nie in einem Liedtext verwendet wurde: „Grundbucheintragung“ …
Weibliche Altersarmut berührt mich zutiefst. Ich beobachte das immer wieder, und ich selbst hatte schon als junge Frau das starke Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit.
Ich habe mich zum Beispiel ungern von Männern einladen lassen. Irgendetwas daran hat mir nicht gefallen. Irgendwann war die Zeile „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ im Gespräch und von da an haben wir den ganzen Text im Finanzjargon weitergesponnen, mit Wortspielen wie „ein schöner Po ersetzt kein Depot“.
Sehen Sie also in der Früh zunächst nach, wie der Deutsche Aktienindex, DAX, steht?
Nein, ich habe eine Immobilie, brauche aber sonst nicht viel und war immer vorsichtig, was das Geldausgeben betrifft. Ich habe lange in einer kleinen Wohnung gelebt. Mein Luxus ist die Freiheit, einmal wegfahren oder Freunde einladen zu können. Ich hänge nicht an Dingen, habe kein großes Auto, fahre lieber Zug oder Rad, und Schmuck ist mir auch nicht so wichtig.
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die Frage, was Sie anziehen, wenn die Apokalypse vor der Tür steht. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?
Ja, durchaus. Manchmal bin ich richtig wütend, und ich merke, das tut mir selbst nicht gut. Als Künstlerin und Mutter einer neunjährigen Tochter finde ich es jedoch wichtig, hoffnungsvoll zu bleiben. Ich habe das Privileg, so viel Liebe und Zuneigung zu bekommen, eine Bühne und ein Publikum zu haben, und damit sollte ich verantwortungsvoll umgehen. Musik kann so viel bewegen, ich kann die Menschen damit berühren.
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