Querschnittsgelähmter nach Berg-Unfall: „Ich werde wieder am Gipfel stehen“
Jetzt neu: Hier klicken
und Artikel an Freunde verschenken.
und Artikel an Freunde verschenken.
In einem Klettergarten riskierte Gilbert Kohlhuber sein eigenes Leben, um das eines Kindes zu retten. Dabei stürzte der Kärntner acht Meter in die Tiefe und sitzt seitdem im Rollstuhl.
Auf Play drücken
um Artikel vorlesen
zu lassen.
um Artikel vorlesen
zu lassen.
Mit einer Tasse Kaffee sitzt Gilbert Kohlhuber in seinem Garten in Kremsbrücke (K) und schaut auf seinen „Hausberg“. Erinnerungen an Wanderungen, die er schon als kleiner Bub unternahm, kommen auf.
Und Erinnerungen an seinen Onkel, mit dem er die Leidenschaft fürs Bergsteigen teilte. „Ich war mehr am Berg als daheim“, meint der 34jährige schmunzelnd mit Blick auf den Katschberg. „Irgendwann werde ich wieder da oben am Gipfel stehen“, sagt er mit fester Stimme.
Kohlhuber sitzt im Rollstuhl, er war nach seinem Unfall von der Schulter abwärts gelähmt. Als das Unglück geschah, gehörte er zu den Anwärtern bei der Bergrettung Lieser- und Maltatal. Den 14. Juni 2023 wird er wohl nie vergessen.
„Ein siebenjähriger Bub war im Klettergarten ‚Kreuzwand‘ in Schwierigkeiten geraten. In etwa zehn Metern Höhe bekam das Kind Panik.“ Kohlhuber kletterte zu ihm, um ihn zu sichern. „In einer Hand hielt ich den Buben, in der anderen das Seil.“ In etwa acht Metern Höhe überschlug sich das Seil, eine Schlaufe entstand. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist wie ein Sechser im Lotto.“ Die Sicherung ging auf, danach gab es keinen Halt mehr.
„Ich habe in den Überlebensmodus geschaltet und den Buben zu mir an den Brustkorb gezogen, um den Sturz abzufedern.“ Damit rettete er dem Kind das Leben, es kam mit leichten Verletzungen davon.
Kohlhuber hatte weniger Glück. Drei Halswirbel waren gebrochen, dazu zwei Brustwirbel, das Brustbein und mehrere Rippen. „Zuerst habe ich nur ein Brennen gespürt, dann haben Taubheitsgefühle eingesetzt und ich konnte nichts mehr sehen.“
Er wurde ins Spital gebracht, wo er noch am selben Tag notoperiert wurde. Vier Tage lang lag er im Tiefschlaf. Als er aufwachte, konnte er sich nicht bewegen und wurde über den Hals beatmet. Seine geliebten Berge waren plötzlich ganz weit weg. „Mein Leben war von Bewegung geprägt, das war ein Schock für mich.“
Dann begann etwas, das der Kärntner heute als seine wichtigste Bergtour bezeichnen würde – der steinige Weg zurück in den Alltag. Motiviert und unterstützt wurde er dabei von seiner Familie, seinen Freunden und den Kameraden von der Bergrettung. „Sie haben mir Mut zugesprochen und mich nicht aufgegeben. Durch sie habe ich Kraft geschöpft und mein Mantra verinnerlicht: Jetzt erst recht.“
Der Satz wurde zu seinem inneren Antrieb. Die ersten Fortschritte waren winzig, aber für Kohlhuber fühlten sie sich an wie ein Gipfelsieg. Sieben Monate Reha folgten. Dort lernte er, mit dem Rollstuhl umzugehen. Und er lernte etwas, das er früher nicht hatte: Geduld. Heute sagt der Kärntner, dass diese Zeit physisch und psychisch die schlimmste seines Lebens war. „Aber menschlich eine der schönsten. Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten, Familie, Freunde, Kameraden, Nachbarn. So viele Menschen waren da und haben alles für mich gegeben.“ Auch beim barrierefreien Umbau des Hauses haben alle „zamgholfen“.
Mittlerweile sieht er die Welt mit anderen Augen. Und vielleicht sieht er gerade deshalb mehr von ihr. Vor dem Unfall sei er ein getriebener Mensch gewesen.
„Ich war mit Scheuklappen unterwegs.“ Viele Dinge seien ihm wichtig erschienen, die heute nur noch ein Schmunzeln wert wären. Jetzt sieht er die kleinen Dinge. „Natürlich ist der Unfall nichts Gutes gewesen. Aber er hat mir gezeigt, was wirklich zählt. Heute bin ich zufriedener, dankbarer und glücklicher. Das Glas ist halb voll“, betont er, „und nicht halb leer.“ Auch die Liebe seines Lebens, Evamaria, hat er erst nach dem Unfall kennengelernt. „Sie liebt mich wegen meines Charakters, nicht wegen meiner Behinderung.“
Sein Charakter hat sich durch den Unfall nicht verändert. Und sein Humor ist zu seinem stärksten Werkzeug geworden. „Unkraut vergeht nicht“, sagt er über sich selbst und lacht. Ein Lachen, das mehr über Gilbert Kohlhuber erzählt als jede Diagnose.
„Der schwarze Humor ist durch den Unfall vielleicht noch etwas schwärzer geworden.“
Wenn der 34jährige über den Unfall spricht, spricht er nicht mehr von der Schuldfrage. „Ich habe in der Situation das Beste getan.“ Gleichzeitig appelliert er: „Wir müssen alle aufhören zu jammern. Uns geht es doch gut. Wir müssen mehr miteinander, statt gegeneinander arbeiten.“
Für seine Rettungsaktion wurde ihm 2024 das Kärntner Ehrenkreuz verliehen. Und auch so ist sein Leben wieder voller neuer Pläne. Vor seinem Unfall führte er ein eigenes Gasthaus, war Küchenchef und hatte sich eine Haube erkocht. Jetzt möchte er ein Kochbuch schreiben, Kochkurse geben und mit seiner Freundin verreisen. Und er möchte wieder auf den Berg. Kleine Anzeichen einer Verbesserung gibt es.
Bis zur Brust hat er sein Gefühl zurückbekommen, auch die Ober- und Unterarme kann er bereits eingeschränkt bewegen.
„Ein Krieg wird im Kopf gewonnen. Mit der richtigen mentalen Einstellung können wir alles schaffen, was wir wollen.“ Schuh
Und Erinnerungen an seinen Onkel, mit dem er die Leidenschaft fürs Bergsteigen teilte. „Ich war mehr am Berg als daheim“, meint der 34jährige schmunzelnd mit Blick auf den Katschberg. „Irgendwann werde ich wieder da oben am Gipfel stehen“, sagt er mit fester Stimme.
Kohlhuber sitzt im Rollstuhl, er war nach seinem Unfall von der Schulter abwärts gelähmt. Als das Unglück geschah, gehörte er zu den Anwärtern bei der Bergrettung Lieser- und Maltatal. Den 14. Juni 2023 wird er wohl nie vergessen.
„Ein siebenjähriger Bub war im Klettergarten ‚Kreuzwand‘ in Schwierigkeiten geraten. In etwa zehn Metern Höhe bekam das Kind Panik.“ Kohlhuber kletterte zu ihm, um ihn zu sichern. „In einer Hand hielt ich den Buben, in der anderen das Seil.“ In etwa acht Metern Höhe überschlug sich das Seil, eine Schlaufe entstand. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist wie ein Sechser im Lotto.“ Die Sicherung ging auf, danach gab es keinen Halt mehr.
„Ich habe in den Überlebensmodus geschaltet und den Buben zu mir an den Brustkorb gezogen, um den Sturz abzufedern.“ Damit rettete er dem Kind das Leben, es kam mit leichten Verletzungen davon.
Kohlhuber hatte weniger Glück. Drei Halswirbel waren gebrochen, dazu zwei Brustwirbel, das Brustbein und mehrere Rippen. „Zuerst habe ich nur ein Brennen gespürt, dann haben Taubheitsgefühle eingesetzt und ich konnte nichts mehr sehen.“
Er wurde ins Spital gebracht, wo er noch am selben Tag notoperiert wurde. Vier Tage lang lag er im Tiefschlaf. Als er aufwachte, konnte er sich nicht bewegen und wurde über den Hals beatmet. Seine geliebten Berge waren plötzlich ganz weit weg. „Mein Leben war von Bewegung geprägt, das war ein Schock für mich.“
Dann begann etwas, das der Kärntner heute als seine wichtigste Bergtour bezeichnen würde – der steinige Weg zurück in den Alltag. Motiviert und unterstützt wurde er dabei von seiner Familie, seinen Freunden und den Kameraden von der Bergrettung. „Sie haben mir Mut zugesprochen und mich nicht aufgegeben. Durch sie habe ich Kraft geschöpft und mein Mantra verinnerlicht: Jetzt erst recht.“
Der Satz wurde zu seinem inneren Antrieb. Die ersten Fortschritte waren winzig, aber für Kohlhuber fühlten sie sich an wie ein Gipfelsieg. Sieben Monate Reha folgten. Dort lernte er, mit dem Rollstuhl umzugehen. Und er lernte etwas, das er früher nicht hatte: Geduld. Heute sagt der Kärntner, dass diese Zeit physisch und psychisch die schlimmste seines Lebens war. „Aber menschlich eine der schönsten. Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten, Familie, Freunde, Kameraden, Nachbarn. So viele Menschen waren da und haben alles für mich gegeben.“ Auch beim barrierefreien Umbau des Hauses haben alle „zamgholfen“.
Mittlerweile sieht er die Welt mit anderen Augen. Und vielleicht sieht er gerade deshalb mehr von ihr. Vor dem Unfall sei er ein getriebener Mensch gewesen.
„Ich war mit Scheuklappen unterwegs.“ Viele Dinge seien ihm wichtig erschienen, die heute nur noch ein Schmunzeln wert wären. Jetzt sieht er die kleinen Dinge. „Natürlich ist der Unfall nichts Gutes gewesen. Aber er hat mir gezeigt, was wirklich zählt. Heute bin ich zufriedener, dankbarer und glücklicher. Das Glas ist halb voll“, betont er, „und nicht halb leer.“ Auch die Liebe seines Lebens, Evamaria, hat er erst nach dem Unfall kennengelernt. „Sie liebt mich wegen meines Charakters, nicht wegen meiner Behinderung.“
Sein Charakter hat sich durch den Unfall nicht verändert. Und sein Humor ist zu seinem stärksten Werkzeug geworden. „Unkraut vergeht nicht“, sagt er über sich selbst und lacht. Ein Lachen, das mehr über Gilbert Kohlhuber erzählt als jede Diagnose.
„Der schwarze Humor ist durch den Unfall vielleicht noch etwas schwärzer geworden.“
Wenn der 34jährige über den Unfall spricht, spricht er nicht mehr von der Schuldfrage. „Ich habe in der Situation das Beste getan.“ Gleichzeitig appelliert er: „Wir müssen alle aufhören zu jammern. Uns geht es doch gut. Wir müssen mehr miteinander, statt gegeneinander arbeiten.“
Für seine Rettungsaktion wurde ihm 2024 das Kärntner Ehrenkreuz verliehen. Und auch so ist sein Leben wieder voller neuer Pläne. Vor seinem Unfall führte er ein eigenes Gasthaus, war Küchenchef und hatte sich eine Haube erkocht. Jetzt möchte er ein Kochbuch schreiben, Kochkurse geben und mit seiner Freundin verreisen. Und er möchte wieder auf den Berg. Kleine Anzeichen einer Verbesserung gibt es.
Bis zur Brust hat er sein Gefühl zurückbekommen, auch die Ober- und Unterarme kann er bereits eingeschränkt bewegen.
„Ein Krieg wird im Kopf gewonnen. Mit der richtigen mentalen Einstellung können wir alles schaffen, was wir wollen.“ Schuh
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung

















