Ausgabe Nr. 35/2026 vom 26.08.2026, Fotos: Monika Helminger Fotografie, Judith Trölss, Monika Helminger Fotografie, zvg.
Präzision am Pferd
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Alles rund ums Pferd gibt es beim Sattlermeister Maislinger in Lochen (OÖ). Sättel, Zaumzeuge und Kutschen-Zubehör werden hier in alter Tradition von Hand gefertigt.
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Der Geruch von Leder ist für mich untrennbar mit meiner Arbeit als Sattlermeister verbunden“, schmunzelt Markus Maislinger über seinen „Lieblingsduft“. Der Sattlerbetrieb wurde 1928 von seinem Urgroßvater gegründet, der 52jährige führt das Unternehmen im südlichsten Teil des Innviertels, in Lochen am See (OÖ), in bereits vierter Generation. „Mittlerweile bin ich der Exote in meinem Beruf, da im Laufe der Zeit die Frauen in diesem Handwerk die Oberhand eingenommen haben“, erzählt er lachend. Das zeigt sich auch in seiner Werkstätte.
Sattlergesellin Magdalena, 27, arbeitet seit sechs Jahren im Betrieb und ist der Berufswahl wegen aus der Steiermark nach Oberösterreich gezogen. Unterstützt wird sie von Lehrling Christina, 24. Sie stammt ursprünglich aus Osttirol. Gemeinsam wird ein Handwerk gepflegt, das Jahrhunderte überdauert hat und „heute aktueller ist, als viele glauben“, fügt der Sattlermeister hinzu, der im Jahr an die zehn Bewerbungen für eine Lehrstelle erhält.
„In dieser Branche braucht es ein gewisses Maß
an Liebe zum Detail und Idealismus, um handwerk-
liche Perfektion herstellen zu können“, meint der Sattler-
meister und fügt scherzeshalber hinzu, dass er selbst im 37. Lehrjahr sei. „Wir lernen nie aus.“
Die Wurzeln des Sattlerhandwerks reichen weit zurück. Ursprünglich fertigten Sattler Ausrüstungen für Pferde, Kutschen und Reiter an. „Heute ist das Tätigkeitsfeld deutlich breiter geworden, obwohl auch die Massen-
produktion Einschnitte in das Handwerk zeigt. Neben dem Schwerpunkt Reitsport entstehen deshalb ebenso Polsterungen für Motorräder, Sitzbezüge für Oldtimer, Hand- und Geldtaschen sowie Gürtel und Kleinleder-
waren. Selbst für Sonderanfertigungen, wie etwa Halsbänder für Hunde, findet der Handwerker Zeit.
Auch bereits genutzte Sättel werden regelmäßig überprüft, an die aktuellen Bedürfnisse von Pferd und Reiter angepasst oder fachgerecht repariert. Mit viel Erfahrung sorgt der Sattler dafür, dass die Ausrüstung über viele Jahre hinweg ihren Dienst erfüllt. „Der Sattel bildet die entscheidende Verbindung zwischen Reiter und Pferd und sollte daher optimal auf beide abgestimmt sein. Reiten funktioniert nur dann gut, wenn die Körperschwerpunkte aufeinander abgestimmt sind.“ Dabei werden wichtige Faktoren wie Sitzgröße, Auflagefläche, sowie die Position des Oberschenkels und die Steigbügellänge berücksichtigt. In der Werkstätte befinden sich Werkzeuge, die teilweise schon seit Jahrzehnten im Einsatz sind. Lederstanzen, Ahlen, Scheren und spezielle Messer haben ihren festen Platz. Manche stammen noch vom Großvater des heutigen Betriebsinhabers. „Viele Werkzeuge sind nicht einfach zu ersetzen“, erzählt er.
„Sie sind perfekt eingearbeitet und liegen genau richtig in der Hand.“ Aktuell wird an einem Einspänner-Pferdegeschirr gearbeitet. Zwei Wochen wird das Meisterstück in Anspruch nehmen, das zum größten Teil mit der Hand genäht wird. Doch die Geduld lohnt sich. Die Kunden schätzen die Qualität und Langlebigkeit handgefertigter Arbeiten. „Die Grund-Arbeitsschritte zur Herstellung eines Pferdegeschirrs oder Reitzaums sind nahezu identisch. Vor Beginn der Arbeit besichtigen wir das Pferd, erheben die Maße und erstellen das Schnittmuster. Einfach erklärt ist es wie ein Maßanzug für das Pferd“, schmunzelt Maislinger, während er den Schnitt auf das hochwertige, etwa fünf Millimeter dicke Rindsleder überträgt und ausschneidet.
Die Kanten werden mit dem Kantenzieher abgerundet und das Leder auf die richtige Stärke geschnitten. Die Fachfrauen in der Werkstatt nennen das „Ausschärfen“. Die Nähte werden angezeichnet und mit dem Reiß-
zirkel wird der Reißzirkelstrich gezogen. „Das Besondere an dieser Naht ist, dass sie zweifädig von beiden Seiten
genäht wird. Mit der Ahle wird das Loch vorgestochen und gegengleich der mit Bienenwachs überzogene
Faden durch- und festgezogen. Das bewirkt, dass die Naht sich nicht mehr selbstständig lösen kann“, erklärt Sattlerin Magdalena auf dem Nährössl sitzend.
Wichtig ist die Sicherheit, die das Pferdegeschirr bieten muss. Alle Einzelteile werden folglich zusammengenäht, die Polsterungen werden eingearbeitet. Zum Schluss werden die Kanten noch aufgeputzt, versiegelt und poliert. Neben Pferdegeschirren werden auch passgenaue
Reitzäume für jeden Pferdekopf hergestellt. „Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Handwerkes. Der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt und auch hier entsteht jedes Stück in sorgfältiger Handarbeit.
Auch die Optik spielt eine bedeutende Rolle. Farbige Nähte, edle Verzierungen oder funkelnde Schmucksteine machen jeden Reitzaum zu einem Unikat. Passend dazu werden auch die Zügel gefertigt.“ Seit Generationen werden im Sattlerbetrieb auch noch Arbeitsgeschirre
hergestellt. „Als einer der letzten Sattler in unserem Land fertigen wir klassische Spitzkumte mit passendem
Geschirr nach alter Tradition an.“
Mit dem umfangreichen Wissen und durch die Unterstützung des Sattlermeisters fiebert Christina ihrer Lehrabschlussprüfung entgegen. Genauso wie ihrem Chef ist auch ihr wichtig, dass Handwerk und Tradition weitergeführt werden. „Besonders stolz sind wir auf die Aufgabe, an der Restaurierung einer historischen Kutsche aus dem 18. Jahrhundert mitzuarbeiten. Der Kutschenkasten hängt an zwölf Lederriemen, die von uns originalgetreu mit Leinenfäden und ausschließlich per Handnaht hergestellt werden. Ich sehe dies als Generationenauftrag.“
Wer selbst aufsatteln möchte:
Sattlermeister Markus Maislinger
Tel.: 07745/8482
www.sattlermeister-maislinger.at
Sattlergesellin Magdalena, 27, arbeitet seit sechs Jahren im Betrieb und ist der Berufswahl wegen aus der Steiermark nach Oberösterreich gezogen. Unterstützt wird sie von Lehrling Christina, 24. Sie stammt ursprünglich aus Osttirol. Gemeinsam wird ein Handwerk gepflegt, das Jahrhunderte überdauert hat und „heute aktueller ist, als viele glauben“, fügt der Sattlermeister hinzu, der im Jahr an die zehn Bewerbungen für eine Lehrstelle erhält.
„In dieser Branche braucht es ein gewisses Maß
an Liebe zum Detail und Idealismus, um handwerk-
liche Perfektion herstellen zu können“, meint der Sattler-
meister und fügt scherzeshalber hinzu, dass er selbst im 37. Lehrjahr sei. „Wir lernen nie aus.“
Die Wurzeln des Sattlerhandwerks reichen weit zurück. Ursprünglich fertigten Sattler Ausrüstungen für Pferde, Kutschen und Reiter an. „Heute ist das Tätigkeitsfeld deutlich breiter geworden, obwohl auch die Massen-
produktion Einschnitte in das Handwerk zeigt. Neben dem Schwerpunkt Reitsport entstehen deshalb ebenso Polsterungen für Motorräder, Sitzbezüge für Oldtimer, Hand- und Geldtaschen sowie Gürtel und Kleinleder-
waren. Selbst für Sonderanfertigungen, wie etwa Halsbänder für Hunde, findet der Handwerker Zeit.
Auch bereits genutzte Sättel werden regelmäßig überprüft, an die aktuellen Bedürfnisse von Pferd und Reiter angepasst oder fachgerecht repariert. Mit viel Erfahrung sorgt der Sattler dafür, dass die Ausrüstung über viele Jahre hinweg ihren Dienst erfüllt. „Der Sattel bildet die entscheidende Verbindung zwischen Reiter und Pferd und sollte daher optimal auf beide abgestimmt sein. Reiten funktioniert nur dann gut, wenn die Körperschwerpunkte aufeinander abgestimmt sind.“ Dabei werden wichtige Faktoren wie Sitzgröße, Auflagefläche, sowie die Position des Oberschenkels und die Steigbügellänge berücksichtigt. In der Werkstätte befinden sich Werkzeuge, die teilweise schon seit Jahrzehnten im Einsatz sind. Lederstanzen, Ahlen, Scheren und spezielle Messer haben ihren festen Platz. Manche stammen noch vom Großvater des heutigen Betriebsinhabers. „Viele Werkzeuge sind nicht einfach zu ersetzen“, erzählt er.
„Sie sind perfekt eingearbeitet und liegen genau richtig in der Hand.“ Aktuell wird an einem Einspänner-Pferdegeschirr gearbeitet. Zwei Wochen wird das Meisterstück in Anspruch nehmen, das zum größten Teil mit der Hand genäht wird. Doch die Geduld lohnt sich. Die Kunden schätzen die Qualität und Langlebigkeit handgefertigter Arbeiten. „Die Grund-Arbeitsschritte zur Herstellung eines Pferdegeschirrs oder Reitzaums sind nahezu identisch. Vor Beginn der Arbeit besichtigen wir das Pferd, erheben die Maße und erstellen das Schnittmuster. Einfach erklärt ist es wie ein Maßanzug für das Pferd“, schmunzelt Maislinger, während er den Schnitt auf das hochwertige, etwa fünf Millimeter dicke Rindsleder überträgt und ausschneidet.
Die Kanten werden mit dem Kantenzieher abgerundet und das Leder auf die richtige Stärke geschnitten. Die Fachfrauen in der Werkstatt nennen das „Ausschärfen“. Die Nähte werden angezeichnet und mit dem Reiß-
zirkel wird der Reißzirkelstrich gezogen. „Das Besondere an dieser Naht ist, dass sie zweifädig von beiden Seiten
genäht wird. Mit der Ahle wird das Loch vorgestochen und gegengleich der mit Bienenwachs überzogene
Faden durch- und festgezogen. Das bewirkt, dass die Naht sich nicht mehr selbstständig lösen kann“, erklärt Sattlerin Magdalena auf dem Nährössl sitzend.
Wichtig ist die Sicherheit, die das Pferdegeschirr bieten muss. Alle Einzelteile werden folglich zusammengenäht, die Polsterungen werden eingearbeitet. Zum Schluss werden die Kanten noch aufgeputzt, versiegelt und poliert. Neben Pferdegeschirren werden auch passgenaue
Reitzäume für jeden Pferdekopf hergestellt. „Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Handwerkes. Der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt und auch hier entsteht jedes Stück in sorgfältiger Handarbeit.
Auch die Optik spielt eine bedeutende Rolle. Farbige Nähte, edle Verzierungen oder funkelnde Schmucksteine machen jeden Reitzaum zu einem Unikat. Passend dazu werden auch die Zügel gefertigt.“ Seit Generationen werden im Sattlerbetrieb auch noch Arbeitsgeschirre
hergestellt. „Als einer der letzten Sattler in unserem Land fertigen wir klassische Spitzkumte mit passendem
Geschirr nach alter Tradition an.“
Mit dem umfangreichen Wissen und durch die Unterstützung des Sattlermeisters fiebert Christina ihrer Lehrabschlussprüfung entgegen. Genauso wie ihrem Chef ist auch ihr wichtig, dass Handwerk und Tradition weitergeführt werden. „Besonders stolz sind wir auf die Aufgabe, an der Restaurierung einer historischen Kutsche aus dem 18. Jahrhundert mitzuarbeiten. Der Kutschenkasten hängt an zwölf Lederriemen, die von uns originalgetreu mit Leinenfäden und ausschließlich per Handnaht hergestellt werden. Ich sehe dies als Generationenauftrag.“
Wer selbst aufsatteln möchte:
Sattlermeister Markus Maislinger
Tel.: 07745/8482
www.sattlermeister-maislinger.at
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