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Ausgabe Nr. 35/2026 vom 26.08.2026, Foto: APA-Images
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Marianne Koch feierte ihren 95. Geburtstag kürzlich.
Marianne Koch: „Ich hatte viel Glück im Leben“
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Sie war eine erfolgreiche Schauspielerin, dann wurde sie Ärztin. Daraus entwickelte Marianne Koch Ratgeber-Sendungen fürs Fernsehen und sie schreibt Medizin-Bücher.
Kürzlich feierte sie ihren 95. Geburtstag – mit einem neuen Buch.
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Frau Koch, kürzlich erschien Ihre Autobiografie „Mutig sein!“. Abgesehen davon sind Sie am 19. August 95 Jahre alt geworden. Hätten Sie als junger Mensch gedacht,
dass Sie dieses Alter erreichen?


(lacht) Nein, ganz sicher nicht. Obwohl meine Mutter 94 Jahre alt geworden ist und meine Großmutter auch.

Das neue Buch mit dem Titel „Mutig sein!“, dtv, ist äußerst kurzweilig. Und Sie berichten, immer sämtliche guten Engel an Ihrer Seite gehabt zu haben …

Das kann ich wirklich so sagen. Mit Ausnahme der Menschen, die mir auch heute sehr, sehr fehlen und immer mehr fehlen. Ich meine meinen verstorbenen Sohn und meinen Lebenspartner Peter Hamm.

Sie schreiben: „Der Schmerz wird immer intensiver“ …

Ja, so empfinde ich das auch. Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden, aber das sehe ich ganz anders. Am Anfang merkt man gar nicht, wie stark man mit jemandem verbunden ist und wie schön das war. Dass man beim Frühstück über alles Mögliche gemeinsam reden konnte, was in der Zeitung steht zum Beispiel. Und je länger man allein ist, desto bewusster wird einem dieser große Verlust.

Wahrscheinlich vermissen Sie auch, einfach einmal in den Arm genommen zu werden …

Das sowieso. Aber ich meine auch die intellektuelle Auseinandersetzung mit jemandem, mit dem man gut zusammengelebt hat. Wir waren fast 50 Jahre zusammen.

Sie schreiben, Sie wissen gar nicht, warum Sie nicht geheiratet haben. Das war vor 50 Jahren ungewöhnlich. Warum haben Sie es nicht getan?

Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht auch, um sich gegenseitig die Freiheit zu lassen. Diese Freiwilligkeit, ohne Trauschein zusammen zu sein.

Oder hatten Sie Angst vor einer zweiten Ehe – dass es ein weiteres Mal schiefgehen könnte?

Nein, das ganz sicher nicht.

Sie wurden 1931 geboren, berichten über die Bombennächte, wie Sie mit Ihrer Mutter immer wieder in den Luftschutzkeller gehen mussten. Haben Sie heute noch Albträume von dieser Zeit?

Nein. Das war so bewundernswert an unserer Mutter. Ich hatte ja noch einen zwei Jahre jüngeren Bruder. Sie wollte uns Kinder nicht noch mehr belasten, es war ja schon schlimm genug, und sie hat die Lage heruntergespielt, dass wir jede Nacht in den Bombenkeller der Nachbarn gehen mussten. Meine Mutter hat das so gut gemacht, dass mein Bruder und ich diese Zeit ohne seelische Verwundungen überstanden haben. Sie war damals verheiratet mit Rudolf Koch, hatte sich im Krieg getrennt und uns alleine großgezogen.

Sie sind dann wie die Jungfrau zum Kinde
zur Schauspielerei gekommen. In Ihrem Buch
sind Fotos von Ihnen von damals – Sie waren wirklich wunderschön …


Das Lustige ist, dass ich mich damals nie als schön empfunden habe. Ja, ich sah ganz gut aus, und ich habe mich gefreut, wenn mich die Maskenbildner schön geschminkt haben. Aber erst heute, wenn ich die alten Fotos von mir sehe, denke ich, dass ich prima aussah und eine tolle Figur hatte. Damals war mir das nicht bewusst.

Sind Sie nie sexuell belästigt worden?

Nein, das lag wohl auch daran, dass ich immer so sportlich und schlank war. Ich war optisch kein Kuschel-Typ. Ich war sportlich, muskulös. Zudem war ich ja schon früh mit Gerhard Freund verheiratet.

Sie haben mit vielen großen Persönlichkeiten gedreht: Curd Jürgens, Maria Schell, Gregory Peck, Clint Eastwood, um nur einige zu nennen. Wer hat Sie nachhaltig am meisten beeindruckt?

Clint Eastwood. Er war äußerst interessant in seiner ganzen Haltung zum Beruf. Er wollte damals schon Regisseur werden. Sein Selbstbewusstsein war spürbar, obwohl er das Gegenteil eines Angebers war. Mit wem ich noch gerne gedreht habe, war der französische Dar-
steller Jean-Louis Trintignant. Er war nebenbei Renn-
fahrer und kam aus einer Familie, die nichts mit Schauspielerei zu tun hatte. Er hatte andere Interessen, das hat mir gefallen. Das war bei mir ja auch so.

Warum haben Sie Ihr Buch „Mutig sein!“ betitelt?

Weil uns das unsere Mutter immer gepredigt hat. Sie sagte immer: „Traut euch. Ihr seid wunderbare Kinder, seid ihr selbst, und wenn ihr etwas machen wollt, dann versucht es.“

Haben Sie keine Ängste, vor Schlangen, vor Gewitter oder Flugangst vielleicht?

Nein, deswegen habe ich immer schöne Rollen im Ausland, unter anderem in Afrika, bekommen. Weil ich nicht schreiend davongelaufen bin, wenn einmal eine Schlange im Schminkraum auftauchte. Einmal stand ein riesiges Flusspferd vor meiner Tür, da wohnten wir in Südafrika in kleinen Hütten. Alle schrien in ihren Hütten, schlugen die Türen zu und stellten Schränke davor, aber ich habe das Flusspferd nur freundlich angeschaut, es schaute freundlich zurück, dann drehte es sich um und ging zurück zum Fluss. Ich habe mit wilden Tieren und wilden Männern (lacht) nie schlechte Erfahrungen gemacht. Ich galt daher als tropenfest, so bekam ich Rollen, die auch körperlich teilweise anspruchsvoll waren.

Sie haben einige schlimme Krisen überwunden. Nicht nur die Scheidung, sondern auch den Tod Ihres Sohnes, später den Tod Ihres Lebensgefährten. Was hat Ihnen geholfen, diese Krisen zu meistern?

Ich glaube, dass es bei der Scheidung mein Beruf und die Kinder waren, die mir halfen, darüber hinwegzukommen. Medizin hat mir viel bedeutet, das tut sie heute noch. Die Praxis, die ich lange in München (D) hatte, mit prima Patienten, da hatte ich Glück. Ich hatte überhaupt viel Glück in meinem Leben.

Leben Sie auch gesund?

Nicht so streng. Aber ich bewege mich viel und habe immer schon vernünftig gegessen. Ich habe meine Freunde um mich, meine Familie. Auch weiterhin neugierig zu bleiben, das ist wichtig.

Marianne Koch wurde am 19. August 1931
als Tochter eines Kaufmannes und einer Pianistin in Mün-chen (D) geboren. Nach der Matura begann sie ein Medizinstudium, das sie für ihre Schauspielkarriere unterbrach. Sie spielte in 70 Filmen mit („Des Teufels
General“, „Dr. Holl“, „Der Stern von Afrika“).

Im Jahr 1971 nahm Koch ihr Studium wieder auf,
promovierte und ließ sich als Internistin in München
nieder. Heute arbeitet sie als Medizinjournalistin,
Buchtitel sind unter anderem „Körperintelligenz“,
„Das Herz-Buch“ sowie die Biografie „Mutig sein!“.

Aus der Ehe (1953 bis 1973) mit dem Arzt Gerhard Freund († 2008) stammen die Söhne Thomas (1957 bis 2016) und Gregor (* 1959). Koch lebt am Starnberger See (D).
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