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Ausgabe Nr. 35/2026 vom 26.08.2026, Fotos: zvg.
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Heute möchte die junge Frau anderen Menschen Mut machen.
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Das Auto, in dem Heinsohn saß, wurde völlig zerstört
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So hart kämpfte sich Heinsohn …
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… zurück in ein fast normales Leben.
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„Ich verstecke meine Narben nicht mehr“
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Es waren nur wenige Sekunden, die das Leben von Kathleen Heinsohn für immer veränderten. Nach einem schweren Autounfall lag die 25jährige zwei Monate im Koma.
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Sie sitzt aufrecht, ein Lächeln im Gesicht, die Hand verspielt im langen Haar. Die 25jährige Kathleen Heinsohn erzählt von Tätigkeiten, über die andere Menschen nicht nachdenken. Vom Aufstehen, vom Gehen, vom Duschen. Davon, eine Gabel in der Hand zu halten. Die gebürtige Bielefelderin (D) wirkt nicht wie jemand, der wochenlang im Koma lag und mehr als 51 Operationen hinter sich hat. Sie wirkt nicht wie jemand, dessen Leben vor drei Jahren noch am seidenen Faden hing.

Es war Sonntag, der 25. September 2022. Die gelernte Friseurin war gemeinsam mit ihrem damaligen Freund auf dem Heimweg von einem Volksfest. Sie war Beifahrerin, als ihnen auf der Landstraße in Enger (D) ein Auto auf ihrer Spur entgegenkam. Was danach geschah, weiß Heinsohn selbst nur aus Erzählungen. Die Erinnerung an diesen Abend ist ausgelöscht.

„Mir wurde gesagt, dass mein Freund ausgewichen ist, aber es auf meiner Seite trotzdem einen Aufprall gegeben hat. Ich wurde in den Straßengraben geschleudert.“ Ihr Körper glich, ähnlich wie die Karosserie des Autos, einem Wrack. „Fast alle Rippen waren gebrochen, das Becken mehrfach gesplittert, Leber und Milz zerrissen und weitere Organe schwer geschädigt. Mein Arm war gebrochen, mein Bein durch einen Trümmerbruch noch schwerer verletzt, dazu kam ein schweres Schädel-Hirn-Trauma.“

Die Kopfverletzung war die folgenschwerste. Der Hirndruck stieg lebensgefährlich an, sodass die Ärzte einen Teil der Schädeldecke entfernen mussten. „Meine Pupillen standen kurzzeitig still. Das bedeutet Hirntod. Dass jemand aus so einem Zustand keine geistige Behinderung davonträgt, hat mein Arzt in 30 Jahren Dienstzeit nicht erlebt.“ Insgesamt drei Monate lag sie auf der Intensivstation, acht Wochen davon im künstlichen Koma. „Als ich aufwachte, war mein Körper voller Verbände, Gipse und Schläuche. Ich habe mich kaum wiedererkannt.“

Sieben Monaten verbrachte die junge Frau im Spital. Als sie schließlich wieder daheim war, allein mit sich und den Folgen der Verletzungen, quälte sie immer wieder dieselbe Frage. „Warum ausgerechnet ich?“ und „Was wäre passiert, wenn …“ Denn ihr Freund blieb unverletzt. Auch der Geisterfahrer, der durch einen Sekundenschlaf das Drama auslöste, sowie dessen Familie überlebten beinahe unbeschadet.

In diesen schweren Gedanken haben ihr ihre Mutter, ihr Bruder und auch der Glaube geholfen. „Ich war schon vor dem Unfall religiös, aber jetzt habe ich einen noch tieferen Zugang dazu.“ Die 25jährige ist daher sicher, dass es kein Zufall war, dass sie weiterleben durfte. „Das war Schicksal, ein medizinisches Wunder. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott mich nicht ohne Grund hat überleben lassen“, sagt sie. Heute, fast genau drei Jahre nach dem Unfall, kann Kathleen Heinsohn wieder gehen und ein fast normales Leben führen – mit den Folgen der
Tragödie. Sie stecken in ihrem Körper, im verkürzten rechten Bein, in der neuen Schädeldecke aus Titan sowie in den Schmerzen, die immer wieder kommen. Und in den Narben. Früher fiel es ihr schwer, die Narben anzunehmen und zu zeigen.

„Heute verstecke ich meine Narben nicht mehr“. Vor allem die Spur an ihrem Hals wird häufig zum Thema. Fremde sprechen sie darauf an und erzählen dann „von eigenen Krankheiten, Verlusten oder Schicksalsschlägen, von Erfahrungen, über die für gewöhnlich eher geschwiegen wird. Am Strand hatte ich die schönsten und tiefgründigsten Gespräche meines Lebens.“

Das Reden ist für sie ebenso wie das Schreiben eine Form der Therapie. „Es hat mir geholfen, Ordnung in etwas zu bringen, das sich lange Zeit völlig chaotisch angefühlt hat. Dass ich überhaupt wieder schreiben kann, grenzt an ein Wunder.“ Durch das lange Koma war ihr rechter Zeigefinger abgestorben und musste amputiert werden. Einen Stift zu halten, war plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr.

Derzeit schreibt Heinsohn an einem Buch über Hoffnung, Identität und die Frage, was einen Menschen ausmacht. Ihr erster Satz, den sie damals in ihr Notizbuch schrieb, war gleichzeitig ein Wunsch. „Ich möchte
gesund werden.“ Daneben standen weitere Wünsche wie Fallschirmspringen und eine Reise nach Afrika. Dinge, die nach einem solchen Unfall unerreichbar wirken.

Die junge Frau hat sie nicht gestrichen, sie hat sie abgehakt. Einen Teil ihrer persönlichen Reise teilt sie auch in den sozialen Medien (@mrsleeni). Sie zeigt, was mit ihrem Körper passiert ist. Sie spricht über Herausforderungen im Alltag, Operationen, Rückschläge und Fortschritte. „Viele schreiben mir, weil sie selbst etwas Ähnliches erlebthaben oder gerade an einem Punkt stehen, an dem sie nicht weiterwissen. Ihnen allen möchte ich ein Vorbild sein und Mut machen“, sagt Heinsohn. Aus den vielen persönlichen Lebensgeschichten schöpft sie auch selbst immer wieder neue Motivation und Kraft.

Wenn sie eines aus den vergangenen Jahren gelernt hat, dann, wie wichtig es ist, „zufrieden zu sein. Heute bin ich dankbar für die Dinge, die früher unsichtbar
waren.“ Beim Blick in den Spiegel sieht sie nicht nur eine selbstbewusste, mutige und lebensfrohe Frau, die sie geworden ist. Sie sieht auch die 22jährige von damals. „Meinem früheren Ich würde ich raten, neugieriger und optimistischer zu sein. Jede Chance zu ergreifen, öfter ,Ja‘ zu sagen. Das Leben steckt voller Überraschungen.“ Schuh
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