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Ausgabe Nr. 34/2026 vom 19.08.2026, Fotos: action press
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Künstliche Intelligenz hilft ihm bei einfachen Bewegungen.
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Durch Elektroden-Implantate
kann Keith Thomas wieder die Hand
seiner Schwester Michelle fühlen.
Querschnittgelähmter nach Unfall: „Plötzlich konnte ich meine Hände wieder fühlen“
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Nach einem Kopfsprung in ein Schwimmbecken ist Keith Thomas, 48, querschnittgelähmt. Seit sechs Jahren sitzt der Amerikaner im Rollstuhl, unfähig, seine Arme und Beine zu bewegen. Eine neue Technologie ermöglicht es ihm nun, wieder selbstständig zu essen und Dinge zu berühren. Das Leben von Millionen von Menschen könnte so verändert werden.
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Es ist nur ein Becher, ein alltäglicher Gegenstand, leicht, unscheinbar. Für die meisten Menschen so selbstverständlich, dass sie keinen Gedanken daran verschwenden, wie er sich in der Hand anfühlt, wie viel Kraft nötig ist, um ihn festzuhalten, wie warm das Getränk darin ist. Für Keith Thomas jedoch steckt in diesem Becher ein kleines Wunder.

Langsam schließen sich die Finger des 48jährigen um das Gefäß. Er hebt es an, führt es zum Mund und trinkt. Eine Bewegung, die Millionen Menschen jeden Tag machen, ohne darüber nachzudenken. Der Amerikaner hingegen hätte nie gedacht, dass er es jemals wieder tun könnte.

Es war im Juli 2020, als der Unfall passierte. Ein Sprung in ein Schwimmbecken wurde ihm zum Verhängnis und veränderte sein Leben innerhalb weniger Sekunden. „Ich habe einen Kopfsprung gemacht, dann war ich bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, sah ich einen Hubschrauber auf dem Rasen vor dem Haus. Beim Versuch, mich zu bewegen, hat mir mein Körper nicht mehr gehorcht.“

Sein Rückenmark war schwer verletzt und Thomas ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Nach einem Jahr im Rollstuhl erhielt er die Einladung zu einem klinischen
Experiment.

Daher fuhr er im Jahr 2021 in das Labor des Neurowissenschaftlers Dr. Chad Bouton, an die „Feinstein Institutes for Medical Research“, in New York (USA). Die Forscher ließen ihn Bewegungen auf einem Bildschirm beobachten. Thomas versuchte, sie nachzuahmen. Immer wieder gab sein Gehirn den Befehl, doch zwischen den Gedanken und seinen Muskeln „klaffte eine unsichtbare Lücke“.

Dann entschieden sich die Forscher für einen radikalen Schritt. Im März 2023 lag Thomas 15 Stunden lang auf
dem Operationstisch. Der Neurochirurg Dr. Ashesh Mehta setzte fünf winzige Elektrodenimplantate in dessen Gehirn ein.

„Sie sitzen in Regionen, die mit der Bewegung und Empfindung seiner Arme und Hände verbunden sind.“ Während der Operation wurde Thomas sogar geweckt, um bestimmte Hirnregionen zu stimulieren. Er war der erste Patient weltweit, dem diese Implantate eingesetzt wurden.

Nach dem Eingriff wurde der Test aus dem Jahr 2021 wiederholt. Wieder saß der Amerikaner vor dem Computerbildschirm. Wieder erhielt er eine eigentlich banale Aufgabe. „Öffnen“, sagten ihm die Forscher.

Thomas gab den Befehl und plötzlich passierte etwas, das er seit seinem Unfall nicht mehr erlebt hatte, ein Kribbeln, eine Empfindung. Ein Gefühl an einer Stelle, die zuvor taub war. Zum ersten Mal seit Jahren
meldete sich sein Körper zurück und seine Hand öffnete sich.

Was nach Science-Fiction klingt, hat eine wissenschaftliche Erklärung. „Die Elektroden lesen die Aktivität des Gehirnes aus und ein Computer interpretiert die Signale. Künstliche Intelligenz hilft dabei, die beabsichtigte Bewegung zu erkennen. Dann werden elektrische Impulse an den Körper weitergegeben“, erklärt Dr. Bouton.

Er spricht von einem sogenannten „doppelten neuronalen Bypass“ und „kortikaler Spiegeltechnik“. Im nächsten Schritt wollten die Forscher noch weiter gehen. „Denn wenn Keith etwas greift, muss er auch wissen können, wie fest er zugreift.“

Dafür wurden Druck- und Kraftsensoren in eine speziell angefertigte, 3D-gedruckte Schiene eingebaut. „Die Informationen werden wieder in elektrische Signale übersetzt und an sensorische Bereiche seines Gehirnes weitergegeben. Sie registrieren, wenn Keith etwas berührt oder greift. Das System schließt einen Kreis, der seit seinem Unfall unterbrochen war. Das Gehirn bekommt die Information zurück“, weiß Dr. Bouton. Dann kam der Test, bei dem es auf Fingerspitzengefühl ankam.

„Keith musste eine leere, zerbrechliche Eierschale greifen und anheben, ohne sie zu zerdrücken.“ In 87 Prozent der Durchläufe blieb die Schale unbeschädigt.

„Viel unglaublicher“ war für Thomas allerdings jener Moment, in dem er seinen Hund „Bow“ zum ersten Mal wieder streicheln konnte. „Sein Fell zu fühlen, ihn wieder spüren zu können, diese Erfahrungen, die mir die Verletzung genommen hat, sind zurückgekehrt“, sagt er mit Tränen in den Augen. Danach wurde das System von den Forschern planmäßig abgeschaltet.

Sie wollten herausfinden, was passiert, wenn Thomas nicht mehr stimuliert wird. Die Unterbrechung dauerte allerdings nicht wie geplant einen Monat, sondern aufgrund eines Gebäudebrandes drei.

Als die Forscher Keith Thomas danach untersuchten, passierte etwas, womit sie nicht gerechnet haben. „Die
Forschritte von zuvor waren alle noch da, das war eine große Überraschung.“ Thomas hatte seine Kraft und seine Handfunktionen behalten.

Für die Wissenschaftler ist das der vielleicht aufregendste Teil der ganzen Geschichte. „Das bedeutet, dass das Nervensystem nicht nur Bewegungen künstlich erzeugt hat. Es hat auch während des Trainings gelernt, Verbindungen neu zu organisieren.“

Für Dr. Chad Bouton und sein Team ist das „beispiellos“. Weltweit leben etwa 15 Millionen Menschen mit einer Rückenmarksverletzung. Weitere Forschungen könnten das Leben von Querschnittgelähmten in Zukunft maßgeblich verändern.

Für Keith Thomas hat es das bereits. Er kann wieder seine Arme heben, er kann sich das Gesicht abwischen. Er kann sich die Nase kratzen, er kann essen. Und er kann wieder selbstständig aus einem Becher trinken. Schuh
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