Ausgabe Nr. 34/2026 vom 19.08.2026, Fotos: APA-Images, IMAGO/MediaPunch, KAT/Splash News
Der Tenor, der mit dem Herzen sieht
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Andrea Bocelli, 67, gastiert am Samstag, dem 22. August, für ein Freiluft-Konzert im Wiener Happel-Stadion. Es ist der einzige Auftritt im deutschsprachigen Raum während seiner 30-Jahre-Jubiläumstour. Der blinde Tenor versteht es, das Publikum mit seiner wunderbaren Stimme und musikalischen Poesie zu Tränen zu rühren.
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Sobald die ersten Takte von „Con te partirò“ („Mit dir werde ich fortgehen“) erklingen – weltweit gefeiert als das gefühlvolle Jahrhundert-Duett „Time to Say Goodbye“ mit Sarah Brightman –, hält das Publikum den Atem an. Im Scheinwerferlicht schimmern Tränen, eine fast greifbare Magie breitet sich aus.
Auf der Bühne steht ein zeitlos eleganter Mann im Smoking, die Augen sanft und in stiller Andacht geschlossen. Der blinde Tenor Andrea Bocelli berührt mit der Kraft seiner Stimme die Seelen der Menschen.
Als er am 22. September 1958 im toskanischen Dorf Lajatico zur Welt kam, schien ihm ein unbeschwertes Leben in die Wiege gelegt zu sein. Er wuchs auf dem elterlichen Weingut auf, umgeben vom Duft reifer Trauben und der Wärme der italienischen Erde. Doch das Idyll täuschte, denn seine Kindheit war von einer schweren Krankheit überschattet. Ein angeborenes Glaukom legte sich wie ein Schleier über seine Augen und raubte ihm Schritt für Schritt das Sehvermögen. Bei dieser Erkrankung sind die Abflusswege des Auges fehlentwickelt, sodass sich das Kammerwasser staut. Der daraus resultierende hohe Innendruck dehnt das noch weiche Gewebe des kindlichen Auges und schädigt den Sehnerv.
Es folgten Jahre des Hoffens und Bangens, geprägt von
sterilen Operationssälen und dem unbändigen Willen
seiner Familie, das Augenlicht des Kindes zu retten. Mit zwölf Jahren verschlimmerte ein folgenschwerer Unfall beim Fußballspielen Andrea Bocellis Gesundheit. Ein Ball traf ihn unglücklich im Gesicht. Der Aufprall löste eine Hirnblutung aus, durch die er sein verbliebenes Sehvermögen endgültig verlor. Statt an dem Schicksalsschlag zu verzweifeln, fand der Bub jedoch einen neuen Weg, sich auszudrücken. Er konzentrierte sich ganz auf die Musik. Seine Stimme wurde zu seinem wichtigsten Ventil. Schon früh bemerkte seine Mutter, dass die klassische Musik das einzige Mittel war, das dem erblindeten Sohn Trost spenden konnte.
„Die Musik hatte mich gelehrt, mit meiner Seele zu sehen“, reflektierte der Künstler später über diesen prägenden Einschnitt. Seine Leidenschaft für Melodien war weitaus stärker als jede körperliche Einschränkung. „Dass ich blind bin, definiert mein Leben nicht. Es sollte nicht mehr Interesse wecken als meine Blutgruppe. Die Menschen fragen sich oft, ob es eine Verbindung zwischen meiner Blindheit und der Art, wie ich singe, gibt. Aber da ist keine, meine Erblindung hat nichts damit zu tun, dass ich mich auf die Musik konzentriere“, stellt er immer wieder klar.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und einer kurzen Tätigkeit als Anwalt folgte er schließlich seiner wahren Berufung, die ihn Anfang der 1990er Jahre an die Weltspitze katapultierte. Entdeckt von der Rock-Legende Zucchero und gefördert von Luciano Pavarotti, erfand Bocelli das Genre des „Pop-Opera-Crossover (Verschmelzung von Oper und Pop) neu. Mit mehr als 85 Millionen verkauften Tonträgern gelang es ihm, alle Rekorde der modernen Klassik zu brechen.
Der Erfolg ließ den gläubigen Italiener bescheiden werden. Für ihn ist die Gabe seiner Stimme kein Werkzeug der Selbstdarstellung, sondern eine Form des Dienstes am Nächsten und ein Ausdruck tiefer, spiritueller Demut. „Ohne Glauben wäre mein Leben purer Hohn und ein tragischer Fehler“, gesteht der 67jährige, dessen große Leidenschaft den neapolitanischen Liedern gehört. Klassiker wie „O sole mio“ („Meine Sonne“) oder „Torna a Surriento“ („Komm zurück nach Torrent“) sind für ihn kulturelles Erbe, das er mit der Welt teilen möchte.
Seine Kunst versteht er als Brücke zwischen den Menschen, getragen von einer unerschütterlichen Liebe zur Schöpfung. „Wenn ich auf die Bühne gehe, dann ist es nicht mein oberstes Ziel, mein Können zu zeigen, sondern vielmehr den Zuhörern ein bisschen Freude und Glück zu schenken. Ich bin fest davon überzeugt, dass nur der gut singen kann, der seine Mitmenschen und das Leben leidenschaftlich liebt“, beschreibt er seine künstlerische Philosophie.
Die Erinnerung an den zehnten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York (USA)im Jahr 2001 verbindet sich für viele Menschen fest mit der Stimme Bocellis. Im Central Park gab er ein kostenloses Konzert – seine „Ave Maria“-Version bleibt Teil der Erinnerung an das Jubiläum.
Abseits des Scheinwerferlichtes entspringt die größte Kraft des Tenors einer stillen Quelle – seiner Familie. Im Jahr 1992 lernte er Enrica Cenzatti beim Singen in einer Bar kennen. Aus dieser Verbindung gingen seine Söhne Amos (1995) und Matteo (1997) hervor. Als sich die beiden im Jahr 2002 trennten, ahnte noch niemand, dass das Schicksal für Bocelli ein neues Kapitel bereithielt.
Denn er fand in der damals 18 Jahre jungen Veronica Berti die Liebe seines Lebens. Am 21. März 2014 besiegelten sie nach zwölf Jahren ihren gemeinsamen Weg vor dem Traualtar. Als Managerin und Vizepräsidentin der „Andrea Bocelli Stiftung“, die Jugendliche musikalisch fördert, lenkt die 42jährige die geschäftlichen Geschicke.
„Meine Frau ist meine Kraftquelle. Bei uns stimmt die Chemie, wir sind Komplizen“, schwärmt der Künstler, der seiner um 25 Jahre jüngeren Gefährtin bis heute romantische Liebes-E-Mails schreibt. „Wenn sich hinter der Schlafzimmertür stets etwas Schönes und Aufregendes verbirgt, bleibt die Liebe lebendig“, verrät er mit spitzbübischem Charme das Geheimnis seiner Ehe, die „auf tiefer Vertrautheit beruht“. Gekrönt wurde das Glück des Paares bereits zwei Jahre vor der Hochzeit, als Tochter Virginia geboren wurde.
Die Familie lebt in einer eleganten Residenz im Badeort Forte dei Marmi an der toskanischen Küste und der Künstler teilt seine Leidenschaft für die Musik mit seinen Kindern. Sohn Matteo hat längst eigene Pfade im Musikgeschäft beschritten und stand für das berührende Duett „Fall On Me“ gemeinsam mit dem Vater im Studio. Auch Nesthäkchen Virginia leiht der Musik ihre Stimme und begleitet den Vater auf Alben und der Bühne.
Hinter dem gemeinsamen Musizieren steht ein tiefes Verständnis von Erziehung. Man dürfe den Träumen seiner Kinder nicht im Weg stehen, betont der Künstler. Der stolz darauf ist, wenn die Stimmen der Familie miteinander verschmelzen – denn für ihn bleibt die Familie der höchste Wert und der Mittelpunkt seines Lebens.
Auf der Bühne steht ein zeitlos eleganter Mann im Smoking, die Augen sanft und in stiller Andacht geschlossen. Der blinde Tenor Andrea Bocelli berührt mit der Kraft seiner Stimme die Seelen der Menschen.
Als er am 22. September 1958 im toskanischen Dorf Lajatico zur Welt kam, schien ihm ein unbeschwertes Leben in die Wiege gelegt zu sein. Er wuchs auf dem elterlichen Weingut auf, umgeben vom Duft reifer Trauben und der Wärme der italienischen Erde. Doch das Idyll täuschte, denn seine Kindheit war von einer schweren Krankheit überschattet. Ein angeborenes Glaukom legte sich wie ein Schleier über seine Augen und raubte ihm Schritt für Schritt das Sehvermögen. Bei dieser Erkrankung sind die Abflusswege des Auges fehlentwickelt, sodass sich das Kammerwasser staut. Der daraus resultierende hohe Innendruck dehnt das noch weiche Gewebe des kindlichen Auges und schädigt den Sehnerv.
Es folgten Jahre des Hoffens und Bangens, geprägt von
sterilen Operationssälen und dem unbändigen Willen
seiner Familie, das Augenlicht des Kindes zu retten. Mit zwölf Jahren verschlimmerte ein folgenschwerer Unfall beim Fußballspielen Andrea Bocellis Gesundheit. Ein Ball traf ihn unglücklich im Gesicht. Der Aufprall löste eine Hirnblutung aus, durch die er sein verbliebenes Sehvermögen endgültig verlor. Statt an dem Schicksalsschlag zu verzweifeln, fand der Bub jedoch einen neuen Weg, sich auszudrücken. Er konzentrierte sich ganz auf die Musik. Seine Stimme wurde zu seinem wichtigsten Ventil. Schon früh bemerkte seine Mutter, dass die klassische Musik das einzige Mittel war, das dem erblindeten Sohn Trost spenden konnte.
„Die Musik hatte mich gelehrt, mit meiner Seele zu sehen“, reflektierte der Künstler später über diesen prägenden Einschnitt. Seine Leidenschaft für Melodien war weitaus stärker als jede körperliche Einschränkung. „Dass ich blind bin, definiert mein Leben nicht. Es sollte nicht mehr Interesse wecken als meine Blutgruppe. Die Menschen fragen sich oft, ob es eine Verbindung zwischen meiner Blindheit und der Art, wie ich singe, gibt. Aber da ist keine, meine Erblindung hat nichts damit zu tun, dass ich mich auf die Musik konzentriere“, stellt er immer wieder klar.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und einer kurzen Tätigkeit als Anwalt folgte er schließlich seiner wahren Berufung, die ihn Anfang der 1990er Jahre an die Weltspitze katapultierte. Entdeckt von der Rock-Legende Zucchero und gefördert von Luciano Pavarotti, erfand Bocelli das Genre des „Pop-Opera-Crossover (Verschmelzung von Oper und Pop) neu. Mit mehr als 85 Millionen verkauften Tonträgern gelang es ihm, alle Rekorde der modernen Klassik zu brechen.
Der Erfolg ließ den gläubigen Italiener bescheiden werden. Für ihn ist die Gabe seiner Stimme kein Werkzeug der Selbstdarstellung, sondern eine Form des Dienstes am Nächsten und ein Ausdruck tiefer, spiritueller Demut. „Ohne Glauben wäre mein Leben purer Hohn und ein tragischer Fehler“, gesteht der 67jährige, dessen große Leidenschaft den neapolitanischen Liedern gehört. Klassiker wie „O sole mio“ („Meine Sonne“) oder „Torna a Surriento“ („Komm zurück nach Torrent“) sind für ihn kulturelles Erbe, das er mit der Welt teilen möchte.
Seine Kunst versteht er als Brücke zwischen den Menschen, getragen von einer unerschütterlichen Liebe zur Schöpfung. „Wenn ich auf die Bühne gehe, dann ist es nicht mein oberstes Ziel, mein Können zu zeigen, sondern vielmehr den Zuhörern ein bisschen Freude und Glück zu schenken. Ich bin fest davon überzeugt, dass nur der gut singen kann, der seine Mitmenschen und das Leben leidenschaftlich liebt“, beschreibt er seine künstlerische Philosophie.
Die Erinnerung an den zehnten Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York (USA)im Jahr 2001 verbindet sich für viele Menschen fest mit der Stimme Bocellis. Im Central Park gab er ein kostenloses Konzert – seine „Ave Maria“-Version bleibt Teil der Erinnerung an das Jubiläum.
Abseits des Scheinwerferlichtes entspringt die größte Kraft des Tenors einer stillen Quelle – seiner Familie. Im Jahr 1992 lernte er Enrica Cenzatti beim Singen in einer Bar kennen. Aus dieser Verbindung gingen seine Söhne Amos (1995) und Matteo (1997) hervor. Als sich die beiden im Jahr 2002 trennten, ahnte noch niemand, dass das Schicksal für Bocelli ein neues Kapitel bereithielt.
Denn er fand in der damals 18 Jahre jungen Veronica Berti die Liebe seines Lebens. Am 21. März 2014 besiegelten sie nach zwölf Jahren ihren gemeinsamen Weg vor dem Traualtar. Als Managerin und Vizepräsidentin der „Andrea Bocelli Stiftung“, die Jugendliche musikalisch fördert, lenkt die 42jährige die geschäftlichen Geschicke.
„Meine Frau ist meine Kraftquelle. Bei uns stimmt die Chemie, wir sind Komplizen“, schwärmt der Künstler, der seiner um 25 Jahre jüngeren Gefährtin bis heute romantische Liebes-E-Mails schreibt. „Wenn sich hinter der Schlafzimmertür stets etwas Schönes und Aufregendes verbirgt, bleibt die Liebe lebendig“, verrät er mit spitzbübischem Charme das Geheimnis seiner Ehe, die „auf tiefer Vertrautheit beruht“. Gekrönt wurde das Glück des Paares bereits zwei Jahre vor der Hochzeit, als Tochter Virginia geboren wurde.
Die Familie lebt in einer eleganten Residenz im Badeort Forte dei Marmi an der toskanischen Küste und der Künstler teilt seine Leidenschaft für die Musik mit seinen Kindern. Sohn Matteo hat längst eigene Pfade im Musikgeschäft beschritten und stand für das berührende Duett „Fall On Me“ gemeinsam mit dem Vater im Studio. Auch Nesthäkchen Virginia leiht der Musik ihre Stimme und begleitet den Vater auf Alben und der Bühne.
Hinter dem gemeinsamen Musizieren steht ein tiefes Verständnis von Erziehung. Man dürfe den Träumen seiner Kinder nicht im Weg stehen, betont der Künstler. Der stolz darauf ist, wenn die Stimmen der Familie miteinander verschmelzen – denn für ihn bleibt die Familie der höchste Wert und der Mittelpunkt seines Lebens.
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