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Ausgabe Nr. 33/2026 vom 12.08.2026, Fotos: Foto Schusser, pixabay
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Die fröhliche Runde des Musikerstammtisches.
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Thomas Stückelberger und Birgit Hatzel
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Josef Mitter und Ulrike Kavalar.
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Manfred Schusser, sitzend von links:
Ulrike Kavalar, Barbara Haberl und Kathrin Warmuth.
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Wirtin Manja Konratzki zeigt ihren XXL-Wrap.
Stammtisch-Kultur mit
Schimpf und Schmäh
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Die Geselligkeit kommt in der Hektik des Alltages viel zu kurz. Nicht so bei Stammtischen. Im Café Pavillon am Ossiacher See in Kärnten etwa lebt sie noch. Da wird auch gesungen und gespielt. Zwischen Oldies und Rock diskutiert die Runde zuweilen recht hitzig über Wörthersee-Preise, Windräder und das Gendern.
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Am Tisch stehen Biergläser, Sommerspritzer und Fruchtsäfte, daneben liegen Gitarren, eine Blockflöte und Notenblätter. Vom nur wenige Meter entfernten Ossiacher See weht ein leichter Wind auf die Terrasse des „Cafe Pavillon“ in Bodensdorf (Kärnten). Es wird gelacht, angestoßen und musiziert. Die Männer und Frauen, die sich an einem langen Tisch versammelt haben, gehören dem Musikerstammtisch an.

Ins Leben gerufen hat ihn Manfred Schusser. „Ich wollte Musiker zusammenbringen, damit wieder gemeinsam gespielt wird“, erklärt der 70jährige. Meist sind es zehn Mitglieder, die sich ein Mal im Monat, jeweils an einem Dienstag, hier treffen. Dann werden vor allem Oldies angestimmt, aber auch Rock, Blues und deutsche Schlager sind zu hören. Schusser selbst liebt Klassiker wie „Marina“.

Sobald die Instrumente schweigen, kommen jene Themen auf den Tisch, die in Kärnten, aber auch im ganzen Land heiß diskutiert werden. Etwa die Windkraft. Nach langen politischen Auseinandersetzungen dürfen Windräder nur noch in vier ausgewiesenen Zonen im Lavanttal errichtet werden. Kärntenweit ist ihre Zahl auf höchstens 50 begrenzt, zehn davon sind bereits in Betrieb.

Thomas Stückelberger, 42, Außendienstmitarbeiter und Gitarrist, hat dazu eine klare Meinung. „Nein, grausig“, sagt er zunächst knapp. Dann legt er nach: „Ich weiß schon, dass wir über Energie reden müssen. Aber Kärnten lebt auch von seiner Landschaft. Wenn auf immer mehr Bergen Windräder stehen, verliert unser Land etwas von dem, wofür es steht. Man kann nicht alles dem Fortschritt unterordnen und hinterher sagen: Jetzt schaut es eben anders aus.“

Stefan Auer, 34, Pflegeassistent, Bassist und Gitarrist, nickt. „Für mich wird die Landschaft dadurch zu stark beeinträchtigt. Kärnten ist kein Industriegebiet. Die Menschen kommen wegen der Seen, der Berge, der Aussicht zu uns. Wenn wir dieses Bild zerstören, treffen wir auch den Tourismus und die Menschen, die hier leben.“

Ulrike „Uli“ Kavalar, 63, Zimmermeisterin, sie spielt Klavier und Orgel und ist Obfrau des Frauenchors „Chorista“, bringt eine andere Note in die Diskussion. „Ich würde es nicht grundsätzlich ablehnen“, sagt Kavalar. „Windräder dort, wo sie auf lange Sicht wirklich wirtschaftlich sind, kann man diskutieren.“

Daniel Schober, 28, Elektrotechniker und Gitarrist der Band „Mercy me“ widerspricht nicht. „Ganz ohne erneuerbare Energie wird es nicht gehen“, sagt er. „Vielleicht brauchen wir Windräder. Aber die Frage ist: Wo? Und wie viele? Man muss mit den Menschen reden, bevor gebaut wird. Sonst beginnt bei jedem Windradprojekt sofort der nächste Streit.“

Die Ansichten sind geteilt, die Argumente widersprechen sich zuweilen. Die Diskussion am Stammtisch bleibt lebhaft, doch stets niveauvoll. Auch wenn es immer wieder Einwände und Zwischenrufe gibt. Es ist Stammtischleben pur, eine Kultur, die es seit Jahrhunderten in unseren Gaststätten gibt.

Bereits im 18. Jahrhundert trafen sich regelmäßig Bauern, Handwerker, Kaufleute und Beamte an fest reservierten Tischen, um Neuigkeiten auszutauschen, Geschäfte zu besprechen oder über Politik zu diskutieren. Bis heute erfüllt der Stammtisch eine wichtige soziale Funktion, weil er Menschen zusammenbringt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Und es lässt sich herrlich gemeinschaftlich Unmut loswerden. Unter anderem über die zunehmende Sommerhitze, die immer unerträglicher wird und Spitzentemperaturen von 41 Grad hervorbringt.

Kathrin Warmuth, 41, arbeitet als Kindergärtnerin und spielt in ihrer Freizeit Gitarre. Gemeinsam mit Kollegen betreut sie Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren. „An heißen Tagen ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Manche wollen draußen spielen und sich im Wasser abkühlen, andere brauchen Ruhe oder einen schattigen Platz.“

Im Kindergarten wird deshalb nach einem offenen Konzept gearbeitet. Den Kindern stehen verschiedene Räume, Wasserspiele, ein Planschbecken, Sprenkler, Wasserrutschen und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung. „So kann jedes Kind selbst entscheiden, was ihm gerade guttut. Bedürfnisorientierte Betreuung bedeutet für mich, flexibel zu bleiben und nicht von allen dasselbe zu erwarten.“

Sollen deshalb die Sommerferien früher beginnen? Warmuth zögert. „Das ist schwierig. Das Wetter ist inzwischen so sprunghaft. Es kann im Juni extrem heiß sein und im September genauso. Ich würde die Ferien eher so lassen, wie sie sind. Sonst verschiebt man nur etwas, ohne das Problem zu lösen.“

Auch Barbara Haberl sieht das so. Die 54jährige Hausfrau spielt in der Runde Blockflöte und Gitarre und hält von einer Verschiebung der Ferien nicht viel. „Weil es im September ja auch noch heiß ist. Es ist wichtiger, die Schulen und Kindergärten an die Hitze anzupassen.“ Für Stückelberger steht fest, „dass bei 30 Grad Raumtemperatur niemand erwarten kann, dass Lehrer und Kinder konzentriert arbeiten“, und er fordert den Einbau von Klimaanlagen. Warmuth ist bei Klimaanlagen zurückhaltender.

„In einem alten Gebäude ist das nicht immer so einfach. Man kann nicht überall eine Klimaanlage einbauen. Und wir dürfen auch nicht vergessen: Auf der Straße fragt auch keiner den Asphaltierer oder den Dachdecker, ob es ihm zu heiß ist. Trotzdem müssen wir in Schulen und Kindergärten vernünftige Lösungen finden – Beschattung, gute Lüftung, weniger aufgeheizte Flächen, mehr Wasserangebote, mehr Rückzugsmöglichkeiten.“ Daniel Schober fasst es pragmatisch zusammen: „Die Ferien sollen bleiben wie immer. Aber bei den Gebäuden muss etwas passieren. Ein Sonnenschutz ist heute kein Luxus mehr.“

Gegen Hitze hilft Trinken, daher bestellt die Runde immer wieder bei der Wirtin Manja Konratzki, 49, die das Lokal seit acht Jahren betreibt. Einmal das leere Glas hochgehoben, und schon weiß Konratzki, die gerade am Nebentisch steht und einen Blick herüberwirft, Bescheid. Wer einen Imbiss möchte, greift gern auf ihre Spezialität zurück. Das ist der große Wrap um 13,90 Euro. „Den gibt es in dieser Größe sonst kaum wo“, sagt Konratzki. Im Teig eingewickelt werden entweder Thunfisch mit Frischkäse und Oliven, Huhn oder Lachs, samt Gurken, Paradeiser und Paprika. Die Halbe Bier von Stiegl kostet 5,50 Euro, ein Achterl Wein 3,50 Euro und ein Glas Sekt 4,50 Euro. Am Stammtisch werden die moderaten Preise wohlwollend registriert. „Das ist ein Unterschied“, meint einer aus der Runde. „Da möchtest du als Gast sitzenbleiben.“

Damit wurde ein Thema angesprochen, bei dem das Gespräch am Stammtisch richtig Fahrt aufnimmt – die Preise am Wörthersee. Für einen Aperol Spritzer werden dort mittlerweile vereinzelt fast 13 Euro verlangt. Stückelberger stellt sein Glas ab. „Viele Preise sind längst fernab von der Lebensrealität der Menschen. Natürlich kostet Qualität etwas, und an einem bekannten See zahlt man auch für die Lage. Aber irgendwann fragen sich Einheimische: Sind wir dort überhaupt noch willkommen?“

Auer wird noch klarer. „Für mich ist das Wucher. Wenn ein Getränk oder ein Imbiss so viel kostet, dass eine Familie zwei Mal überlegen muss, ob sie sich den Nachmittag am See leisten kann, dann stimmt etwas nicht. Der Wörthersee darf nicht nur eine Kulisse für Menschen sein, denen der Preis egal ist.“ Schober nickt.

„Die Preise steigen ständig. Und man merkt schon, dass sich immer weniger Einheimische so etwas regelmäßig leisten können. Für Urlaubsgäste ist manches vielleicht ein einmaliges Erlebnis. Aber für Menschen, die hier leben, ist das der eigene See. Da tut es weh, wenn man sich ausgeschlossen fühlt.“

Kavalar lenkt den Blick weg vom Wörthersee. „Bei uns am Ossiacher See ist es auch schön“, sagt sie. „Und die Preise sind noch adäquat. Wir müssen nicht immer so tun, als gäbe es nur den Wörthersee. Kärnten hat mehrere schöne Plätze, und viele davon sind noch bodenständiger.“

Doch beim Musikerstammtisch geht es nicht nur um Preise. Auch die Sprache wird zum Reizthema. Vizekanzler und Sportminister Andreas Babler (SPÖ) besuchte im Juni während der Fußball-WM in den USA das Quartier unseres Nationalteams. In einer späteren Aussage bezeichnete er David Alaba und dessen Teamkollegen zwei Mal als „SpielerInnen“ – und sorgte damit für Kopfschütteln.

Stückelberger lehnt das Gendern ab. „Nicht, weil ich keinen Respekt habe, sondern weil es für mich oft künstlich wirkt. Und wer bei einer Herrenmannschaft von SpielerInnen spricht, den zweifeln die Menschen zurecht an.“ Auer sieht es ähnlich. „Für mich wird beim Gendern übertrieben. Wir haben genug andere Probleme. Statt ständig über einzelne Formulierungen zu streiten, sollte sich die Politik lieber um Pflege, Arbeit, Preise und Schulen kümmern.“ „Alles im richtigen Maß ist okay. Sprache verändert sich, muss aber verständlich bleiben“, fügt Kavalar an.

Und zieht einen Schlussstrich unter die Debatte. „So, und jetzt wenden wir uns wieder der Musik zu.“ Die Runde lacht, Schusser greift zur Gitarre, und schon nach den ersten Akkorden stimmen die anderen ein. Für den Moment sind die politischen Themen vergessen – jetzt zählt wieder der gemeinsame Takt.

Für Schusser gehört genau dieser Wechsel zum Stammtisch. „Wenn Menschen beisammensitzen, wird nicht nur gespielt. Da wird geredet, diskutiert, manchmal gestritten und dann wieder gelacht. Wichtig ist, dass am Ende der Ton passt.“ Die Musik hält die Runde zusammen. „Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber sobald wieder gemeinsam gespielt wird, findet man leichter zueinander.“

Sorgen macht ihm die Zukunft der Livemusik. „Bezahlte Auftritte sind weniger geworden“, sagt Schusser. „Heute gibt es Streaming, Playlists, Musik aus dem Internet. Für Wirte ist das billiger und einfacher. Aber eine Playlist kann keine Stimmung lesen. Ein Musiker merkt, ob die Gäste mitsingen wollen, ob sie tanzen wollen. Genau das ist Livemusik.“

Deshalb möchte er einmal Wirte und Musiker gemeinsam an einen Tisch bringen. „Man muss darüber reden, wie Livemusik wieder mehr Platz bekommt.“ Im Café Pavillon am Ossiacher See klingt der Abend mit Musik aus.

Und sanft treibt der Wind die Melodie von Schussers Lied „Marina“, mit dem der Italiener Rocco Granata im Jahr 1959 berühmt wurde, über den See.
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