Die Piusbruderschaft:
Die Marienverehrer sind Rom ein Dorn im Auge
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Für die Piusbrüder zählt Mariä Himmelfahrt zu den wichtigsten Festen im Kirchenjahr. Es wird heuer aber von den kirchenrechtlichen Maßnahmen des Vatikans überschattet.
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Es schneite mitten im Sommer in der Wiener Minoritenkirche – jedes Jahr am 5. August erinnern dort herabfallende Schneeflocken an das Fest „Maria Schnee“, das auf die Weihe der römischen Basilika Santa Maria Maggiore zurückgeht. Nur wenige Tage später, am 15. August, steht mit Mariä Himmelfahrt eines der wichtigsten Marienfeste im Kirchenjahr bevor.
Es gedenkt der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria mit Leib und Seele in den Himmel. Gläubige bringen dabei gebundene Sträuße aus Heilkräutern mit in die Kirche, die feierlich gesegnet werden. Für die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist diese besondere Verehrung der Gottesmutter ein zentraler Bestandteil ihres Glaubens. Dazu gehöre auch, dass die großen Festtage der Mutter Gottes, „die auch unsere Mutter ist, wirklich begangen werden.
Hier in der Minoritenkirche sind wir natürlich privilegiert, weil das eine Marienkirche ist. Die ganze Bruderschaft ist der Mutter Gottes auch mehrmals geweiht worden“, sagt Pater Hannes Christian Regele.
Der gebürtige Oberösterreicher ist Distriktoberer und damit Leiter der heimischen Niederlassung der weltweit agierenden Priesterbruderschaft St. Pius X., einer traditionalistischen Gemeinschaft, deren Verhältnis zum Vatikan seit Jahrzehnten angespannt ist. Anfang Juli spitzte sich die Auseinandersetzung erneut zu, als Rom kirchenrechtliche Maßnahmen gegen die Piusbruderschaft setzte.
Anlass war die ohne päpstliches Mandat erfolgte Weihe von vier Geistlichen der Piusbruderschaft zu Bischöfen. Das zog die Exkommunikation der Beteiligten nach sich, die nach der katholischen Lehre nun keine Sakramente mehr spenden oder empfangen dürfen und auch keine kirchlichen Ämter mehr ausüben dürfen. „Rein formell, nach dem Kirchenrecht, ist die Exkommunikation grundsätzlich richtig, wenn es da nicht eine Vorgeschichte gäbe“, meint Regele. Die Bischöfe der Bruderschaft werden zusehends älter.
„Alleine aus natürlichen Gründen brauchen wir Nachfolger. Und das war Rom auch bekannt. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche geführt“, sagt er.
Mit der Wahl von Papst Leo XIV. im Mai 2025 hätten die Piusbrüder gehofft, „mit ihm über die Anliegen der Bruderschaft und auch die anstehenden Bischofsweihen zu sprechen“. Das Ersuchen um eine Privataudienz blieb jedoch unbeantwortet. Der Generalobere habe daraufhin im November noch einmal ausführlich an den Papst geschrieben, um den Notstand zu erklären.
Ende Jänner 2026 kam dann eine Antwort von Kardinal Víctor Fernández, dem obersten Glaubenshüter des Papstes. „Ihr könnt gerne mit uns sprechen, aber wir wollen auf keinen Fall, dass Bischöfe geweiht werden – ohne tiefere Begründung. Das ist natürlich ein bisschen eine Unterstellung, die ich mache, aber das beweist die Geschichte der vergangenen 50 Jahre – man möchte einfach, dass wir aussterben, denn ohne Bischöfe können wir keine Priester weihen“, erklärt Regele. Und ohne Priester gibt es keine Sakramente für die Gläubigen der Gemeinschaft.
„Das ist einfach eine Überlebensfrage institutionell für uns, aber gleichzeitig für die ganze Kirche.“ Aus Sicht des Vatikans stellte die unerlaubte Bischofsweihe hingegen einen schweren Verstoß gegen das Kirchenrecht dar. „In einem Begleitschreiben erklärte Kardinal Fernández, das Ganze sei ein schismatischer Akt (eine Handlung, die zu einer kirchenrechtlichen Spaltung, einem Schisma führt) und dass auch die Priester und eigentlich auch die Gläubigen, die sich dem anschließen, exkommuniziert sind.“
Das habe es laut Regele in der jüngeren Kirchengeschichte noch nicht gegeben und das sei „eigentlich nicht katholisch“. Außerdem würde ein schismatischer Akt den Willen zum Schisma voraussetzen. „Und wir wollen uns weder vom Papst noch von der Kirche trennen. Wir haben uns nie als Parallelkirche gefühlt, sondern als Teil der universalen Kirche.“
Für Regele geht die Krise der Kirche jedoch weit über den derzeitigen Konflikt hinaus. Ein großes Problem sei etwa der Verlust religiöser Bildung. Viele Menschen wüssten kaum noch über die Grundlagen des Glaubens Bescheid. „Ein Maturant, der Religionsunterricht gehabt hat, kann oft nicht einmal die Grundgebete, etwa das ,Vater unser‘“. Aus seiner Sicht müsse die Kirche den Menschen wieder Orientierung geben und Antworten auf die Fragen des Lebens anbieten.
Trotz der Entscheidung aus Rom wollen die Piusbrüder an ihrer Tradition festhalten und ihre Messen weiterhin nach der überlieferten lateinischen Liturgie aus der Zeit vor den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils feiern.
Anders als in der heute üblichen Messfeier, bei der der Priester der Gemeinde zugewandt zelebriert, stehen die Priester der Piusbruderschaft dabei nach Osten ausgerichtet am Altar („ad orientem“) – also mit dem Rücken zu den Gläubigen.
„So wird auch das Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August in der Minoritenkirche gefeiert.“ rz
Die Piusbrüder
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) wurde am 1. November 1970 von dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre in der Schweiz gegründet.
Sie lehnt verschiedene nachkonziliare Reformen ab, darunter die Einführung des neuen Messritus.
Weltweit gibt es 15 Distrikte (sie entsprechen einer religiösen Provinz), etwa in Afrika, Asien, Australien, der Schweiz, Deutschland oder in unserem Land. Der heimische Distrikt umfasst auch einige Länder der ehemaligen Donaumonarchie, etwa Ungarn und Tschechien.
Jeder Distrikt steht unter der Leitung eines Distriktoberen, der vom Generaloberen und seinem Rat für die Dauer von sechs Jahren ernannt wird. Seit 2018 ist der Italiener Davide Pagliarani Generaloberer der Bruderschaft.
Heute zählt die Piusbruderschaft weltweit rund 730 Priester, davon 25 in unserem Land und etwa 600.000 Gläubige.
Es gedenkt der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria mit Leib und Seele in den Himmel. Gläubige bringen dabei gebundene Sträuße aus Heilkräutern mit in die Kirche, die feierlich gesegnet werden. Für die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist diese besondere Verehrung der Gottesmutter ein zentraler Bestandteil ihres Glaubens. Dazu gehöre auch, dass die großen Festtage der Mutter Gottes, „die auch unsere Mutter ist, wirklich begangen werden.
Hier in der Minoritenkirche sind wir natürlich privilegiert, weil das eine Marienkirche ist. Die ganze Bruderschaft ist der Mutter Gottes auch mehrmals geweiht worden“, sagt Pater Hannes Christian Regele.
Der gebürtige Oberösterreicher ist Distriktoberer und damit Leiter der heimischen Niederlassung der weltweit agierenden Priesterbruderschaft St. Pius X., einer traditionalistischen Gemeinschaft, deren Verhältnis zum Vatikan seit Jahrzehnten angespannt ist. Anfang Juli spitzte sich die Auseinandersetzung erneut zu, als Rom kirchenrechtliche Maßnahmen gegen die Piusbruderschaft setzte.
Anlass war die ohne päpstliches Mandat erfolgte Weihe von vier Geistlichen der Piusbruderschaft zu Bischöfen. Das zog die Exkommunikation der Beteiligten nach sich, die nach der katholischen Lehre nun keine Sakramente mehr spenden oder empfangen dürfen und auch keine kirchlichen Ämter mehr ausüben dürfen. „Rein formell, nach dem Kirchenrecht, ist die Exkommunikation grundsätzlich richtig, wenn es da nicht eine Vorgeschichte gäbe“, meint Regele. Die Bischöfe der Bruderschaft werden zusehends älter.
„Alleine aus natürlichen Gründen brauchen wir Nachfolger. Und das war Rom auch bekannt. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche geführt“, sagt er.
Mit der Wahl von Papst Leo XIV. im Mai 2025 hätten die Piusbrüder gehofft, „mit ihm über die Anliegen der Bruderschaft und auch die anstehenden Bischofsweihen zu sprechen“. Das Ersuchen um eine Privataudienz blieb jedoch unbeantwortet. Der Generalobere habe daraufhin im November noch einmal ausführlich an den Papst geschrieben, um den Notstand zu erklären.
Ende Jänner 2026 kam dann eine Antwort von Kardinal Víctor Fernández, dem obersten Glaubenshüter des Papstes. „Ihr könnt gerne mit uns sprechen, aber wir wollen auf keinen Fall, dass Bischöfe geweiht werden – ohne tiefere Begründung. Das ist natürlich ein bisschen eine Unterstellung, die ich mache, aber das beweist die Geschichte der vergangenen 50 Jahre – man möchte einfach, dass wir aussterben, denn ohne Bischöfe können wir keine Priester weihen“, erklärt Regele. Und ohne Priester gibt es keine Sakramente für die Gläubigen der Gemeinschaft.
„Das ist einfach eine Überlebensfrage institutionell für uns, aber gleichzeitig für die ganze Kirche.“ Aus Sicht des Vatikans stellte die unerlaubte Bischofsweihe hingegen einen schweren Verstoß gegen das Kirchenrecht dar. „In einem Begleitschreiben erklärte Kardinal Fernández, das Ganze sei ein schismatischer Akt (eine Handlung, die zu einer kirchenrechtlichen Spaltung, einem Schisma führt) und dass auch die Priester und eigentlich auch die Gläubigen, die sich dem anschließen, exkommuniziert sind.“
Das habe es laut Regele in der jüngeren Kirchengeschichte noch nicht gegeben und das sei „eigentlich nicht katholisch“. Außerdem würde ein schismatischer Akt den Willen zum Schisma voraussetzen. „Und wir wollen uns weder vom Papst noch von der Kirche trennen. Wir haben uns nie als Parallelkirche gefühlt, sondern als Teil der universalen Kirche.“
Für Regele geht die Krise der Kirche jedoch weit über den derzeitigen Konflikt hinaus. Ein großes Problem sei etwa der Verlust religiöser Bildung. Viele Menschen wüssten kaum noch über die Grundlagen des Glaubens Bescheid. „Ein Maturant, der Religionsunterricht gehabt hat, kann oft nicht einmal die Grundgebete, etwa das ,Vater unser‘“. Aus seiner Sicht müsse die Kirche den Menschen wieder Orientierung geben und Antworten auf die Fragen des Lebens anbieten.
Trotz der Entscheidung aus Rom wollen die Piusbrüder an ihrer Tradition festhalten und ihre Messen weiterhin nach der überlieferten lateinischen Liturgie aus der Zeit vor den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils feiern.
Anders als in der heute üblichen Messfeier, bei der der Priester der Gemeinde zugewandt zelebriert, stehen die Priester der Piusbruderschaft dabei nach Osten ausgerichtet am Altar („ad orientem“) – also mit dem Rücken zu den Gläubigen.
„So wird auch das Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August in der Minoritenkirche gefeiert.“ rz
Die Piusbrüder
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) wurde am 1. November 1970 von dem französischen Erzbischof Marcel Lefebvre in der Schweiz gegründet.
Sie lehnt verschiedene nachkonziliare Reformen ab, darunter die Einführung des neuen Messritus.
Weltweit gibt es 15 Distrikte (sie entsprechen einer religiösen Provinz), etwa in Afrika, Asien, Australien, der Schweiz, Deutschland oder in unserem Land. Der heimische Distrikt umfasst auch einige Länder der ehemaligen Donaumonarchie, etwa Ungarn und Tschechien.
Jeder Distrikt steht unter der Leitung eines Distriktoberen, der vom Generaloberen und seinem Rat für die Dauer von sechs Jahren ernannt wird. Seit 2018 ist der Italiener Davide Pagliarani Generaloberer der Bruderschaft.
Heute zählt die Piusbruderschaft weltweit rund 730 Priester, davon 25 in unserem Land und etwa 600.000 Gläubige.
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