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Ausgabe Nr. 31/2026 vom 29.07.2026, Fotos: Zeppelzauer, norasummer.at
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Nora Summer. Die 45jährige ist eine der wenigen Stuntfrauen in unserem Land.
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Beim Kampfsporttraining.
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Angeschossen in den „CopStories“.
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Explosive Szene in „Mission: Impossible“.
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Brücken-Stunt
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Summer (re.) als Stuntdouble von Proschat Madani.
Nora Summer:
„Ich bin die Leiche der Nation“
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Stiegen hinunterstürzen, aus Fenstern springen oder sich über fahrende Autos werfen – für Nora Summer ist das Alltag. Die 45jährige ist eine der wenigen Stuntfrauen in unserem Land.
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Ein Mann steht mitten auf der Straße, richtet seine Waffe auf ein Auto und schreit: „Stopp!“ Doch statt anzuhalten, beschleunigt der Fahrer und steuert direkt auf ihn zu. Im letzten Moment hechtet eine Frau vor das Auto, reißt den Mann zur Seite – beide stürzen zu Boden.

Was nach einem lebensgefährlichen Zwischenfall aussieht, ist in Wahrheit eine Szene aus der neuen heimischen „Tatort“-Folge. Die Frau, die den Schauspieler in letzter Sekunde rettet, wird das Fernsehpublikum dabei allerdings nicht zu Gesicht bekommen, denn als Stuntfrau bleibt sie im Hintergrund. „Ich habe hier Christina Scherrer, die Assistentin der beiden neuen ,Tatort‘-Ermittler, gedoubelt“, erzählt Nora Summer über ihren Einsatz bei den Dreharbeiten.

Seit mehr als 25 Jahren übernimmt die gebürtige Wienerin riskante Szenen für Schauspieler und gehört damit zu den wenigen professionellen Stuntfrauen in unserem Land. „Ich war schon als Kind abenteuerlustig und bewegungshungrig – eine Wilde, die überall hinaufgeklettert ist, überall dran war. Mein Vater hat eine Zirkusschule gegründet, dort habe ich mich akrobatisch austoben dürfen“, erinnert sich die 45jährige. Dieses „Austesten von Grenzen“ sei wohl schon ein Vorgeschmack auf die spätere Passion gewesen, vermutet Summer, die mit ihrem Mann, zwei Kindern, einem Hund und einer Schlange in Klosterneuburg (NÖ) lebt.

Der Einstieg ins Stuntfach gelang der zweifachen Trampolin-Staatsmeisterin (1998 und 1999) dann über den Sport. „Ich wurde beim Trampolinspringen von einem Stuntkoordinator entdeckt. Er hat Turner gesucht, die richtig fallen und sich gut bewegen können – und die sich auf gut Wienerisch ,nix scheißen‘. So bin ich 2001 zu meinem ersten Stunt bei dem Film ,Tom und die Biberbande‘ gekommen.“

Dafür musste die damals 21jährige auf ein Haus klettern und herunterstürzen. Etwas, das heute zu ihrem Standardrepertoire gehört. „Ganz oft mache ich auch Rollstuhlstunts, also irgendwo hinunterfahren und dann stürzen“, erzählt sie. Es folgten Engagements in so bekannten Serien wie „Kommissar Rex“, „SOKO Donau“, „Vorstadtweiber“, „Schnell ermittelt“ oder „CopStories“.

Die Stunt-Szene in unserem Land ist überschaubar, vor allem für Frauen. „In Frankreich oder den USA sieht das anders aus, dort werden deutlich mehr ,Actionfilme‘ produziert. Bei uns entstehen hingegen vor allem Krimis.“
Spaßhalber meint Summer: „Ich bin ohnehin die Leiche der Nation, weil ich in jeder heimischen Krimiserie irgendwann einmal die Leiche verkörpert habe.“

Dabei ist die Stuntfrau eigentlich auf „aktive Spielerrollen“ spezialisiert. „Ich habe eine Schauspiel- und Musicalausbildung und übernehme deshalb auch Rollen, in denen ich als Darstellerin zu sehen bin.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr dabei ein Auftritt in dem Nina-Proll-Film „Anna Fucking Molnar“ (2017), in dem sie eine „besoffene Selbstmörderin“ spielen musste, die auf der Kante eines Hochhausdaches balanciert. „Bei diesem Dreh war ich frisch gebackene Mama und stillte noch. Ich stand den ganzen Tag auf dem Geländer in 20 Metern Höhe, schrie und schimpfte mir die Seele aus dem Leib.“ Die Dreharbeiten dauerten 18 Stunden und „am Ende war mein Busen natürlich ziemlich voll“, erzählt Summer. Eine Maskenbildnerin habe sie schließlich vorsichtig zur Seite genommen und gefragt, ob sie Silikonbrüste habe. „Da musste ich wirklich aus vollstem Herzen lachen.“

Im Jahr 2014 war Nora Summer beim Dreh von
„Mission: Impossible 5“ in Wien dabei – ein Höhepunkt ihrer Karriere. „Ich war eine Woche lang Teil des ,Vienna Stunt Teams‘. Wir haben Glassplitter bei einer Explosion für Tom Cruise abgefangen, und ich war überzeugt, dass ich im Film zu sehen sein werde, weil ich nur zwei Meter von ihm entfernt gestanden bin, als das Auto explodierte.“ Stattdessen gab es eine Nahaufnahme von dem Hollywood-Schauspieler und „ich war leider nicht drin.“

„Trotz aller Sicherheitsstandards bleibt immer auch ein Restrisiko“, weiß Summer, „aber außer Prellungen und Schürfungen ist Gott sei Dank noch nichts Ärgeres passiert.“ Bei einem „Ganzkörperbrand“ habe sie außerdem einmal leichte Verbrennungen an den Händen erlitten. „Dabei wollte ich nie brennen. Aber mit damals 42 dachte ich, du musst alles einmal im Leben erlebt haben.“

Die größte Angst habe sie nicht um sich selbst, sondern um ihre Kinder. Trotzdem wolle sie ihnen die Freiheit geben, eigenen Interessen zu folgen. Dass ihre Tochter dabei ganz nach der Mutter kommt, zeigt auch „das Lieblingszitat meiner Achtjährigen: ,Mama, Spaß braucht Risiko.‘ Sollte sie später diesen Beruf ergreifen wollen, werde ich ihr nicht im Weg stehen.“ Summer hat bereits das nächste Projekt im Blick. „Ich arbeite an einem Bühnenprogramm mit kabarettistischen und künstlerischen Elementen, das im Frühjahr 2027 Premiere feiern soll.“ rz
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