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Ausgabe Nr. 29/2026 vom 15.07.2026, Fotos: APA-Images, OEBB/Marek Knopp, Deutsche Bahn AG/Oliver Lang
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Bauarbeiten im Brenner Basistunnel.
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ÖBB-Sprecher Daniel Pinka.
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Körperkameras sind auch bei der Deutschen Bahn im Einsatz.
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Der italienische Superzug „Frecciarossa“.
Dauerbaustelle ÖBB:
Bahn am Limit
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Gewalt gegen Zugbegleiter, Verspätungen und Verzögerungen von wichtigen ÖBB-Projekten – warum die Staatsbahn trotz steigender Fahrgastzahlen immer weiter in die Krise schlittert.
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Mit der Bahn fahren boomt in unserem Land. Alleine im Vorjahr wurden laut Statistik Austria 4,11 Millionen Urlaubsreisen mit der Bahn gemacht, jede dritte davon ins Ausland. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Bahnurlaubsreisen der heimischen Bevölkerung sogar mehr als verdoppelt.

Doch während die Nachfrage steigt, gerät das System zunehmend unter Druck. Verspätungen häufen sich, wichtige Infrastrukturprojekte geraten ins Stocken und Zugbegleiter sehen sich immer häufiger mit Aggressionen und Gewalt konfrontiert. „Übergriffe auf Bahnmitarbeiter können und dürfen nicht akzeptiert werden. Seit Jahren bewegen sich solche Vorfälle in unserem Land wie auch international auf einem konstant hohen Niveau und stellen ein ernstzunehmendes Problem dar“, bestätigt der ÖBB-Sprecher Ing. Mag. Daniel Pinka. Die Gesamtzahl der Übergriffe ist zwischen 2021 (304) und 2025 (216) zwar gesunken, aber die Anzahl der Übergriffe mit Verletzungen blieb mit 58 konstant hoch und belegt, dass die Gewaltbereitschaft zunimmt.

Auch in unserem Nachbarland Deutschland kommt es immer öfter zu Gewalt gegen Bahnmitarbeiter. Erst vor wenigen Monaten sorgte der tödliche Angriff auf den Deutsche-Bahn-Zugbegleiter Serkan Çalar für große Erschütterung. Der 36jährige war bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress von einem Fahrgast brutal zusammengeschlagen worden. Weil der Tatverdächtige keinen Fahrschein hatte, wurde er des Zuges verwiesen. Daraufhin rastete der 26jährige aus und schlug hemmungslos zwölf Mal mit der Faust auf den Kopf des Zugbegleiters ein. Der alleinerziehende Vater starb zwei Tage später an einer Hirnblutung. Das Urteil im Prozess gegen den 26jährigen lautete dieser Tage zehn Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

„Im Jahr 2025 gab es bei der Deutschen Bahn (DB) 3.262 körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter (versuchte und vollendete)“, heißt es vonseiten des Konzerns. Das waren mehr als acht Übergriffe pro Tag. Jetzt zieht die DB Konsequenzen und will ihre Mitarbeiter mit Schutzwesten und Sicherheitspersonal besser vor Gewalt schützen. Seit 2023 werden auch sogenannte Bodycams (Körperkameras) getestet.

In unserem Land wird bereits seit 2020 auf die kleinen Kameras gesetzt – vorwiegend im Nahverkehr. „Derzeit haben wir 65 ,Bodycams‘ in Wien, NÖ, OÖ, Salzburg, Kärnten und der Steiermark bei Zugbegleitern im Einsatz. In Wien ist die ,Bodycam‘ bei Service- und Kontrollteam-Mitarbeitern verpflichtend.

In Salzburg beginnt die Trageverpflichtung erst und gilt nur bei einzelnen Dienstschichten“, so der ÖBB-Sprecher.

Rund € 50.000,– wurden laut ÖBB alleine heuer in die Erneuerung und Instandhaltung der 65 Körperkameras investiert. „Das Gerät dient der abschreckenden Wirkung und der Beweismittelsicherung“, erklärt Pinka. Auch der Einsatz von Stichschutzwesten wird für die Sicherheitsmitarbeiter getestet. Daneben sollen die Aus- und Weiterbildungsstandards für Mitarbeiter im Kundenkontakt angepasst werden. Einer der Schwerpunkte wird dabei auf „Konflikt-, Stress- und Deeskalationskompetenz gelegt“, heißt es von den ÖBB.

Die könnte rasch zum Einsatz kommen, wird doch angesichts der vielen Baustellen und Verzögerungen im Bahnverkehr die Geduld der Fahrgäste stark belastet. Dabei rühmen sich die ÖBB einer äußerst hohen Pünktlichkeitsrate von 94,1 Prozent (Fern- und Nahverkehr).

„Im Nahverkehr sind die Wege kürzer, daher lassen sich Verspätungen meist schneller wieder ausgleichen“, sagt Pinka. Im Fernverkehr alleine liegt die Pünktlichkeitsrate hingegen nur bei 81,6 Prozent. Das sei laut ÖBB vor allem darauf zurückzuführen, „dass Fernverkehrszüge längere Strecken zurücklegen beziehungsweise schon im Ausland beginnen und bereits verspätet zu uns kommen.Ursachen für Verspätungen können Unwetter sein oder technische Defekte bei Zügen oder der Infrastruktur.“

Für die Finanzierung und den Erhalt der Infrastruktur sind laut ÖBB im aktuellen Plan 2025 bis 2030 pro Jahr im Schnitt 3,2 Milliarden Euro vorgesehen. Geld, das in wesentlichen Teilen vom Steuerzahler kommt, werden doch die ÖBB massiv durch staatliche Budgetmittel gestützt – vor allem die Schieneninfrastruktur ist stark auf öffentliches Geld angewiesen.

Die ÖBB betonen hingegen, dass sie keine „Milliarden-Subventionen“ erhalten. Sie „finanzieren, errichten und erhalten die Infrastruktur im Auftrag der Republik. Auch wer sich ein Taxi bestellt, subventioniert dieses Taxi nicht, sondern bezahlt schlicht diese Dienstleistung“, ist auf der Internetseite des Konzerns zu lesen. Freilich wird nicht gesagt, dass der Taxler aus dem Steuertopf kein zusätzliches Geld zum Fahrpreis erhält. Indes wächst der Schuldenberg der ÖBB-Infrastruktur AG immer weiter an. Im Jahr 2024 betrugen deren Finanzverbindlichkeiten 32 Milliarden Euro, 2030 werden es 45,8 Milliarden Euro sein.

Doch hohe Investitionen allein garantieren noch keinen reibungslosen Bahnverkehr. Das erleben Bahnreisende tagtäglich, geht doch der dringend notwendige Ausbau, etwa der Weststrecke, und die Sanierung der Schieneninfrastruktur in den kommenden Jahren mit zahlreichen Baustellen und Streckensperren einher – und damit auch mit zusätzlichen Verspätungen. Erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr in ganz Europa haben die bereits begonnenen Generalsanierungsarbeiten bei der Deutschen Bahn. Insgesamt sollen bis 2035 mehr als 4.000 Streckenkilometer während mehrmonatiger Vollsperrungen instandgesetzt werden.

Betroffen sind auch die ÖBB, die viele grenzüberschreitende Verbindungen im Personen- und Güterverkehr von und nach Deutschland anbieten. Nächstes Jahr wird etwa das „Deutsche Eck“, die Strecke zwischen Salzburg und Rosenheim (D), für fünf Monate gesperrt.

Auf einer der wichtigsten Nord-Südverbindungen, der Brennerbahnstrecke, kommt es hingegen bereits heuer ab 17. Juli bis 1. August zur Einstellung des Bahnverkehrs zwischen Bozen (I) und Innsbruck. Grund dafür sind Bauarbeiten auf italienischer Seite. Auch die ÖBB planen, in der zweiten Julihälfte dringend erforderliche Bautätigkeiten entlang der Strecke durchzuführen.

Wie bedeutend die Brenner-Achse ist, zeigt der Bau des rund 64 Kilometer langen Brenner-Basistunnels, der als zentraler Baustein des Brenner-Korridors von München (D) bis Verona (I) gilt. Erste Ideen dazu gab es bereits 1971, die Vorbereitungsarbeiten begannen dann 2006. Die Fertigstellung des Monsterprojektes, das die Reisezeit um eine Stunde verkürzen soll, war für 2028 geplant. Mittlerweile ist von 2032 und finalen Kosten von 10,5 Milliarden Euro die Rede.

Bis dahin werden die Züge weiterhin über den Brenner
fahren. Bald soll auch der italienische Hochgeschwindigkeitszug „Frecciarossa“ (Roter Pfeil) den Pass überqueren. Damit wird es eine direkte Verbindung zwischen München und Rom (I) geben, Fahrzeit rund 8,5 Stunden. Die Fahrt Mailand (I) – München mit Halt in Innsbruck wird 6,5 Stunden dauern. „Nach derzeitigem Planungsstand ist in Zusammenarbeit mit DB und Trenitalia mit einem Fahrgastbetrieb im Sommer 2027 zu rechnen“, weiß Dr. Christoph Gasser-Mair, ÖBB-Sprecher Tirol und Vorarlberg. Die Maximalgeschwindigkeit können die bis zu 400 km/h schnellen Züge in unserem Land aber nicht ausfahren. Immerhin sind im „Unterinntal (T) bis zu 220 km/h möglich“. rz
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