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Ausgabe Nr. 28/2026 vom 08.07.2026, Fotos: AdobeStock, Barbara Wirl
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Immer öfter sind Patienten ab 50 Jahren von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) betroffen.
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OA Dr. Michael Schleicher
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Eine Darmspiegelung ist notwendig, um die Diagnose CED bestätigen zu können.
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Li.: Das Entzündungsbild bei Colitis ulcerosa.
Re.: Der entzündete Darm bei Morbus Crohn.
Alarm im Darm
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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind keine Randerscheinungen mehr. Trotzdem dauert es oft lange, bis die schmerzgeplagten Patienten die Diagnose haben. Ein Darm-Spezialist klärt über die Alarmsignale auf.
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Schmerzhafte Bauchkrämpfe, Blut im Stuhl, häufige und oft nicht zu kontrollierende Stuhlgänge bis hin zu Verengungen im Darm und ein deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko.

Mit diesem Schicksal kämpfen rund achtzigtausend Frauen und Männer in unserem Land. Sie leiden an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, kurz CED.

Die beiden häufigsten Formen sind Morbus Crohn (im gesamten Verdauungstrakt möglich) und Colitis ulcerosa (nur im Dickdarm und Enddarm). In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Patienten mit Erstdiagnose ab dem 50. Lebensjahr, die früher eher selten waren, mehren sich, wie Oberarzt Dr. Michael Schleicher von der Klinik Ottakring (Wien), Facharzt für Innere Medizin und Spezialist für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, bestätigt. Keine der beiden chronischen Autoimmunerkrankungen kann geheilt werden. „Die Krankheit kann aber dank entzündungshemmender Medikamente wie moderne Biologika und ,Small Molecules‘ zum Stillstand gebracht werden.

Das ist für die Patienten wichtig, da sie oft unter Schmerzen leiden und die durchfallartigen Stuhlgänge unkontrollierbar sind. Sie haben Angst, außer Haus zu gehen.“ Ohne richtige Diagnose und entsprechende Therapie durchlaufen viele Patienten extrem schwierige Zeiten, weiß auch Evelyn Groß.
Sie ist die Präsidentin der Selbsthilfeorganisation Morbus Crohn in unserem Land (Tel.: 01/3330 633, www.oemccv.at).

„Ich wurde als Hypochonder abgestempelt“, „Mein Freundeskreis hat sich durch die Krankheit eingeschränkt“, „Kollegen glauben, mit dem Gang auf die Toilette wollte ich mich vor der Arbeit drücken“, sind nur einige wenige Aussagen, wie belastend der Alltag mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sein kann.

Damit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zum Stillstand gebracht werden kann, muss die richtige Diagnose gestellt werden. Und das dauert im schlimmsten Fall Jahre.

„Menschen, die länger als drei bis vier Wochen anhaltend oder immer wieder Episoden mit Durchfall haben, sollten das abklären lassen.

Häufig treten krampfartige Schmerzen auf, oft in Schüben, die nach der Stuhlentleerung besser werden. Ein großes Warnsignal ist rötliches Blut beim Stuhlgang, das häufig aus dem Dick- und/oder Enddarm kommt, dies sollte immer ärztlich abklärt werden“, erklärt der Spezialist. Zusätzlich können Patienten an chronischer Müdigkeit leiden. Entzündungsreaktionen im Körper leeren die Eisenspeicher, das macht müde.

Sie können Blutarmut entwickeln. Schuppenflechte, Gelenksschwellungen und Augenentzündungen können als Entzündungsherde außerhalb des Darmes parallel zum Schub im Darm auftreten.

Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Bessern sich unter seiner Therapie die Symptome nicht und ist die Lebensqualität stark eingeschränkt, empfiehlt Dr. Schleicher die Überweisung zu einem Facharzt für Innere Medizin mit Gastroenterologie oder die Weiterleitung in eine CED-Spezialambulanz, etwa über die Gesundheitshotline 1450.

Für die Diagnose sind neben den Symptomen Darmultraschall, Stuhluntersuchungen und wegweisende Blutwerte hilfreich.

„Bei der Blutuntersuchung sind unter anderem die Eisenwerte, Entzündungsparameter und das Hämoglobin wichtig. Ein wichtiger Wert beim Stuhltest ist das Calprotectin.“ Er gibt Auskunft über Entzündungen im Verdauungstrakt.

Die wichtigste Untersuchung zum Abklären von CED ist die Darmspiegelung. „Ohne sie kann der Arzt keine sichere Diagnostik machen. Ein MRT des Darmes bringt unter anderem Klarheit, ob es im Darm Verengungen oder Entzündungen gibt, die mit der Dickdarmspiegelung nicht erreicht werden können. Entzündungen im Darm lassen Narbengewebe entstehen, das den Darmdurchgang verengt.

Je früher eine CED erkannt wird, desto eher werden solche Folgen und Komplikationen vermieden. Eine der schwerwiegendsten Folgen kann Darmkrebs sein. Das Risiko der CED-Patienten dafür ist relevant erhöht. Daher plädieren wir ganz stark dafür, Symptome wie zuvor beschrieben, nicht zu ignorieren und möglichst bald zum Arzt zu gehen.“ Das Ziel von CED-Spezialisten wie Dr. Schleicher ist, dass Patienten mit ihrer Erkrankung ein normales Leben führen.

„Die Patienten gehen nur etwas öfter zur Kontrolle. Spätestens acht Jahre nach der Diagnose sollte die nächste Darmspiegelung erfolgen, danach, je nach Risikoeinschätzung durch den Arzt, alle ein bis drei Jahre.“


Gespräch mit dem Patienten Rudolf Machovits, 64:

Herr Machovits, wann begann Ihr Leidensweg?

Vor einem Jahr. Aus dem Nichts bekam ich Bauchkrämpfe und verlor auf einmal beim Stuhlgang Blut, viel Blut. Ich war im Schock. Vor zwei Jahren hatte ich eine Darmspiegelung. Da war alles in Ordnung.

Was passierte dann?
Ich ging zum Arzt und wurde untersucht. Die Diagnose lautete Hämorrhoiden. Ich ließ sie operieren. Doch ich blutete weiter beim Stuhlgang. Das war eine starke psychische Belastung. Ich hatte täglich Blutungen, Krämpfe und Schmerzen.

Wann kam die richtige Diagnose?
Erst mit einer Darmspiegelung. Es ist eigentlich ungewöhnlich, dass ich in meinem Alter an Morbus Crohn erkranke. Ich bekam zuerst Kortison, mit dem die Blutungen weggingen. Doch sie kamen wieder. Kortison kann wegen der Nebenwirkungen nicht lange gegeben werden.

Was passierte dann?
Ich bekam ein modernes Medikament über Infusionen. Das erste habe ich nicht gut vertragen, aber das zweite dieser Medikamente schon. Es hilft mir nun. Seit einem Monat bin ich blutungsfrei – ein Jahr nach dem Auftreten der Krankheit.
Endlich kann ich meinen Alltag wieder meistern und arbeiten gehen.
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